Ingolstadt, Franziskanerklosterkirche, Naskapelle
Ehemalige obere Chorkapelle sog. Naskapelle
Patrozinium: ehem. St. Maria
Zur Geschichte: Der heute als Durchgang, ursprünglich als sog. Lettnergang genutzte Raum war z.Z. der Ausmalung zweistöckig. Der obere früher als Oratorium genutzte Raum wurde im 17./18. Jh. als Kapelle ausgeschmückt, auf deren Altar eine Muttergottesfigur verehrt wurde. Pater Johannes Nas (* 19. 3. 1534 Eltmann am Rhein † 16. 5. 1590 Innsbruck), der zwischen 1559 und 1571 - zeitweise auch als Guardian dem Ingolstädter Franziskanerkloster angehörte und später Weihbischof von Brixen wurde, hatte der Muttergottesfigur, die ursprünglich im Dormitorium des Klosters aufgestellt gewesen war, seine Eingebungen zugeschrieben, die ihm bei nächtlichen Arbeiten und Gebeten im Dormitorium zuteil geworden waren. Durch die Erlebnisse des P. Nas hatte die Marienfigur schon bald den Rang eines Gnadenbildes für die studierenden Franziskaner erhalten und wurde wahrscheinlich 1659 in die obere Chorkapelle übertragen. Die Verehrung dieser Figur als Mittlerin, die eine Inspiration durch den Heiligen Geist beförderte, veranlasste 1728 den jungen Franziskanerpater Innozenz Mayr, unter ihrem Patronat den Ingolstädter Messbund zu begründen, der sich auf Johannes Nas als geistigen Vater bezog und der bis 1754, also auch zur Zeit der Ausmalung, in dieser Kapelle beheimatet war. Die Mitglieder wurden in ein Ehrenbuch eingetragen; viermal im Jahre wurde eine Heilige Messe für sie gelesen. Zunächst nur für die in Ingolstadt studierende Ordensjugend gedacht, wurden bald auch Laien aufgenommen. Wegen der stark anwachsenden Mitgliederzahl wurde 1754 die Marienfigur auf den Apostelaltar am 4. Pfeiler der Südseite übertragen, der von da an Messbund- oder Muttergottesaltar genannt wurde.
Nach der Aufhebung des Franziskanerklosters wurde die Figur 1827 auf den Altar des hl. Thomas von Villanova in der ehemaligen Augustinerkirche transferiert (Lins, S. 34), wo sie 1945 Bombentreffern zum Opfer fiel. Der Messbund übernahm daraufhin die »Schuttermutter« aus der zerstörten Augustinerkirche, die das Bombardement überdauert hatte, als neues Patronatsbild, und übertrug es in die erste Seitenkapelle auf der Südseite der Franziskanerkirche (Liechtenauer-Kapelle), wo sie heute steht. (Der Ingolstädter Messbund hat heute über 1,5 Millionen Mitglieder.)
Zum Bauwerk: Raum an der Südwand des Chors, noch vor den Altarstufen gelegen (Plan s. Denkmaltopographie Ingolstadt, Bd 1, S. 145). Ursprünglich diente der Raum, der früher zweistöckig gewesen sein muss, als ein zum Chor geöffnetes Oratorium. Nach der Umwidmung zur Kapelle muss an der Ostwand ein Altar mit der Messbund-Madonna gestanden haben. Jetzt fungiert der einstöckige hohe Raum als Verbindungsgang zwischen Chor und Garten und als Zugang zur »Oase«. Noch 1914, zu Zeiten von Bernhardin Lins, führte eine Treppe an der Ostseite zu einer 1731 angelegten Gruft, die sich im Bereich außerhalb der Kirche bis zum Straßengitter erstreckte und in der etwa 140 Franziskaner bestattet waren. Der Raum erhält Licht von N durch ein Fenster über der Tür zum Chor und eine mit geschnitzten Rocaillen verzierte Spitzbogenöffnung über der Oratoriumsbrüstung. Eingangstür von S.
Auftraggeber: Das Franziskanerkloster, unter den Patres im Besonderen wohl der Betreuer des Marianischen Messbundes. Guardian zur Zeit der Ausmalung war P. Prudentius Schrödter (1738–1741; Lins S. 107).
Als maßgeblicher Spender für die Renovierung und Ausmalung der Kapelle kommt der Arzt und Medizinprofessor Franz Anton Stebler (* 1705 † 1789) in Frage, auf den in Ingolstadt mehrere fromme Stiftungen zurückgehen (s. S. XXX). Den Gnadenaltar flankierten die Franziskanerheiligen Franziskus und Antonius, nebenbei auch die Namenspatrone Steblers.
Im Jahr der Ausmalung 1740 legte Stebler zum 150. Todestag von Johannes Nas eine Lebensbeschreibung des Paters vor. Den dafür bestellten Kupferstich mit einer Darstellung der Messbundmadonna lieferte der beauftragte Kupferstecher aus Nürnberg verspätet im September 1741, weshalb er erst 1742 dem Werk des Franziskanerpaters Carl Borromäus Länz »Theses philosophicae – Ad Mentem Doctoris Mariano- Subtilis Joannis Duns Scoti« beigebunden wurde (Lins, 1918 S. 34). Auf dem Stich ist in Wolken das bekleidete Gnadenbild

== INGOLSTADT FRANZISKANERKIRCH == hl. Antonius mit dem Jesuskind, das Gnadenstrahlen aussendet und die Familie segnet.








8 Rettung in der Versuchung Durch eine Landschaft schreitet ein Paar, ein alter Mann im Kapuzenumhang und ein junger Bursche in Kniehosen und Rock. Ein grässlicher dunkler Teufel mit Drachenflügeln und herausgestreckter Zunge krallt sich in den Kopf des Knaben. Der Junge streckt abwehrend die Hand aus, und aus den Wolken gebietet der hl. Antonius dem Teufel Einhalt. Der Begleiter mit weißem Bart ist vielleicht ein Magier oder Astrologe, der den Jüngling in seinen Bann gezogen hat, denn er weist mit seinem Stock auf ein gelbes Band im Hintergrund, das in der Art eines Zodiak mit verschiedenen magischen Zeichen besetzt ist. Darunter sind ein kleiner Löwe und ein Jupiter- oder Neptunsymbol zu erkennen.

zu sehen, Maria mit Zepter, das Jesuskind mit der Weltkugel, beide mit Krone ausgezeichnet. Unten sitzt Nas am Schreibtisch; von seiner Feder geht ein Blitz aus, der seine literarischen Gegner niederstreckt. Im Hintergrund die Kirchen und Türme von Ingolstadt.
Stebler besuchte in München das Jesuitengymnasium und absolvierte Studium und Promotion in Ingolstadt. Nach weiteren Studien in Padua und Wien und einer Zeit als praktischer Arzt in München wurde er 1734 Nachfolger seines Lehrers Johann Adam Morasch als Professor der Medizin an der Universität Ingolstadt. Zwischen 1751 und 1760 lebte Stebler nicht in Ingolstadt. Der Umzug der Messbundmadonna 1754 erfolgte demnach in Steblers Abwesenheit.
An der Brüstung des Oratoriums befindet sich ein Wappen, das sich auf Johann Maximilian Felix Graf von Preysing auf Hohenaschau (* 1688 † 1770) und seine Gemahlin Maria Theresia Josepha geborene Reichsgräfin von Rechberg (* 1713 † 1776) beziehen dürfte. Graf Preysing wurde 1747 Vizestatthalter und 1749 Statthalter von Ingolstadt und Präsident des Ratskollegiums. Seine Rolle im Hinblick auf die Kapelle ist nicht bekannt.
Autor und Entstehungszeit: Melchior Puchner 1740 oder 1741
Die Ausmalung durch Melchior Puchner ist archivalisch überliefert. Das Archivium Novum (S. 27f.) berichtet für das Jahr 1741: »In Choro Ecclesiae nostrae superoris existit memorabilis Icon. B. V. Mariae, a qua celeberimus Ioannes Nas suam hausisse fertur sublimem scientiam, de qua plura vide in anti-
quo Conventus Archivio litt. B. Fol. 66. et 67. quam ut gloriosiorem et toti Bavaria notam redderet Praenob. et Gratiosus D. Franc. Ant. Steberle Medicinae Theorica Professor. Religionis nostrae Seraphicae amator eximius (cuius proin memoria apud nos in perpetua benedictione sit) publicas instituir Theses in cupro repraesentantes effigiem alte dictam B. V. cum tota Reverdendissimi Joannis Nas historia a se recentissimo inventa, quas etiam dedicavit Serenissimo Bavariae Princip Electori. Verum extrema gaudij luctus occupavit, dum Sculp tor aerarius sua negligentia opus non absolvit promisso tem pore: unde Disputatio differri debuit usque ad Sept. 1741. Inte rea tamen ad majorem apparatum tota renovata capella uno wohl fein in fresco ausgemahlen worden von Herrn Buchne academischen Mahler.«
Anlass für die Neugestaltung der Kapelle war vielleicht der 150. Todestag des Pater Johannes Nas am 16.5. 1740 (s. Auftraggeber). Den Entwurf für den Kupferstich hat schon Bernhardin Lins überzeugend Melchior Puchner zugeschrieben, für die Deckenbilder gab er als Entstehungsjahr irrtümlich 1699 an (Lins, S. 34).
Befund
Träger der Deckenmalerei: Kreuzgratgewölbe, in der Mitte verschliffen
Rahmen und Rücklagen der Gemälde: Stucco-Finto-Malerei Technik: Fresko; polychrom
Maße: Höhe 8,70 m; 2,80 × 6,80
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Das Deckengemälde wurde mutmaßlich schon 1754 bei Erhöhung des Chorbogens der Kirche durch eine Verstärkung der Ostmauer des Raumes beschnitten. (Die Malerei wird schon 1885 als sehr schlecht erhalten bezeichnet. Vgl. Hausfelder IH 1997).

1964 waren Restaurierungsmaßnahmen geplant, die Naskapelle sollte »wieder freigemacht und restauriert werden. Dabei wäre das Ausgussbecken zu entfernen und das obere Fenster in der Stirnwand wieder zu öffnen. Dies und das untere Fenster über der Tür sollten in 6-Eck-Verbleiung in Antikglas eingeglast werden... Die reich bemalte Decke ist durch einen Kirchenmaler zu reinigen und zu restaurieren, die Wände dazu passend durch Kalklasuren zu tönen...« (BLfD, Akten Franziskanerkirche). Zur Ausführung kam es vermutlich nicht. Restaurierungen sind nicht bekannt.
Die Deckenmalerei ist stellenweise verblasst, reduziert und farblich verändert, sie zeigt teilweise große Fehlstellen, deren spätere derbe Übermalung sich wieder löst. Manche Inschriften scheinen nachgezogen. Durch den Einbau eines Türchens zum Dachboden ist ein Bildfeld zerstört.
Beschreibung und Ikonographie
Das Gewölbe überspannt den rechteckigen Kapellenraum. Es ist durch Stucco-Finto-Malerei und in Übereinstimmung mit dem Verlauf der Gewölbegrate in vier Zwickelfelder aufgeteilt, die jeweils zwei tropfenförmige Bildfelder enthalten, die von gemalten Stuckornamenten gerahmt sind. Von den acht Bildfeldern wurden zwei wohl nie bemalt, vermutlich, weil sie durch den Altar verdeckt waren. Ein Gemälde ist zerstört. Fünf der Bildfelder zeigen heute noch Darstellungen von Mitgliedern bzw. Heiligen des Franziskanerordens mit Marienerscheinungen bzw. Marienbildern. Vier von den dargestellten Franziskanern sind Heilige und paarweise einem Marienemblem zugeordnet, Franz von Assisi und Bonaventura dem Elfenbeinernen Turm (Turris eburnea), Antonius von Padua und Bernhardin von Siena dem Turm Davids (Turris Davidica). Auf dem dritten breiten Zwickelfeld im W sind mit Johannes Duns Scotus und Johannes Nas zwei nicht kanoniserte Ordensmitglieder dargestellt; hier fehlt ein bekrönendes Emblem. Der verschliffene Scheitel des Kreuzgewölbes zeigt die Geisttaube in einer Puttengloriole.




Die Gemälde sind in einen brokatierten Grund eingebettet; ihnen sind auf rosafarbenen Schriftbändern Marienanrufungen aus der Lauretanischen Litanei und heute weitgehend zerstörte Embleme in gemalten Stuckrahmungen auf malachitgrünem Fond zugeordnet. Unter jedem ausgeführten Gemälde steht ein Emblem. Es versinnbildlicht Eigenschaften der göttlichen Weisheit in Anlehnung an Ecclesiasticus 24,13–14 mit Darstellungen der dort genannten Bäume. Zugleich erinnern die Embleme wohl an die Schriften des P. Johannes Nas, denn drei seiner Werke zitieren bereits im Buchtitel die Baum-Metapher des Matthäus-Evangeliums »An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen... Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte...« (Mt 7,

16-21; vgl. Lins, 1918, aus der Liste der Veröffentlichungen von F. Johannes Nas, S. 34-36: »Das Antipapistisch eins und hundert. Auserlesner gewisser evangelischer Warhait, bey wölchen [als bey den früchten der Baum] die reyn lehr soll und muoß erkannt werden. Dann also spricht der Herr Christus: Ein yede pflantz so mein Vatter nit gepflantzt muß außgereut werden«; dgl. die 2. Centurie von 1558: »an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen« und die 4. Centurie von 1570: »ein böser Baum kann keine guten Früchte tragen«). Die unvollständig erhaltenen Kartuscheninschriften lassen sich durch den Vergleich mit Eccli 24 nur ungefähr rekonstruieren, weil sie teilweise vom Bibeltext abweichen. Blickrichtung nach Osten.
1 FRANZ VON ASSISI (* 1182 † 1226) Der Heilige kniet bei einem Felsen vor einem Kruzifix. Er hält einen Totenkopf, blickt zum Himmel und fasst sich an die Brust. Seine Hände zeigen die Stigmata, die er am 17. September 1224 in der Klause La Verna erhalten hatte, der hier wohl angedeuteten Örtlichkeit. In Wolken erscheint Christus als Auferstandener, davor Maria und ein betender Franziskaner. Die Szene spielt auf den Portiuncula-Ablass an, den Franziskus 1221 durch die Fürbitte Mariens von Christus erlangte, unter der Bedingung, dass der Ablass vom Papst bestätigt werde. Am 1. August 1223 hat Papst Honorius III. die Bestätigung erteilt und das Fest auf den 2. August festgesetzt.
Schriftband: Refugium Peccatorum (Zuflucht der Sünder) Kartusche unterhalb: Bild nicht mehr erkennbar.
Inschrift: Cedrus in libano/... (quasi cedrus exaltata sum in Libano – ich bin wie eine Zeder erhöht auf dem Libanon, Eccli 24,13). Weil er den Portiuncula-Ablass erwirkt hat, ist Franz von Assisi wie Maria als Refugium peccatorum anzusprechen.
2 ANTONIUS VON PADUA (* 1195 † 1231) Der Heilige hat die Hände gefaltet, wird aber von einem Teufel gewürgt. Ihm erscheint Maria als Himmelskönigin.
Schriftband: Consolatrix afflictorum (Trösterin der Betrübten) Kartusche unterhalb: Bild nicht mehr erkennbar. Inschrift: ... monte Sion sum decorata (quasi cypressus in monte Sion – ich bin wie eine geschmückte Zypresse auf dem Berg Sion, Eccli 24,13). Das »sum decorata« gehört nicht zum Bibeltext; es macht aufmerksam auf die Krone Mariens, die sie nach ihrer Auffahrt in den Himmel erhalten hat und damit auf den Tag der Himmelfahrt, der zugleich der Geburtstag des hl. Antonius ist (15. 8.)
3 BERNHARDIN VON SIENA (* 1380 † 1444) Das Bild wurde durch den Einbau einer Dachluke zerstört. Überlieferung des Bildthemas durch Lins.
Schriftband: ...stis/sima (= Mater castissima - Keuscheste Mutter)
Kartusche unterhalb: Bild nicht mehr erkennbar. Inschrift: rosa vel (. ..)/sum odorifera (... quasi plantatio rosae in Jericho – wie eine Rosenpflanzung in Jericho, Eccli 24,14). Der Todestag des hl. Bernhardin (20. 5. 1444) ist auch der Geburtstag von Franz Anton Stebler (* 20. 5. 1705). Das Verströmen des Duftes der Rosen ist hier vielleicht verglichen mit der Lehre des Universitätsprofessors Stebler.
4 JOHANNES BONAVENTURA (* 1221 † 1274) Der Heilige schreibt in ein Buch. Hinter ihm stehen mehrere Folianten mit beschrifteten Bücherrücken: Spec. V. M., ... de B. V., Psalt. B. V. In Wolken erscheint kniend Maria. Irrtümlicherweise hat man damals das »Speculum B. M. V.« und das »Psalterium B. M. V.« noch als Werke Bonaventuras angesehen. Bonaventura hat die Lebensbeschreibung des hl. Franz von Assisi verfasst.
Schriftband: Mater purissima (Reinste Mutter)
Kartusche unterhalb: Palme mit großer Frucht (nur noch schemenhaft zu erkennen). Inschrift: (quasi palma) sum frugifera (quasi palma exaltata sum in Cades, Eccli. 24,18 – ich bin wie eine fruchttragende Palme). Das Wort »fruchttragend« bezieht sich wohl auf Bonaventura als Verfasser – seine Werke werden mit Früchten verglichen. Maria, die kniend an Darstellungen der Verkündigung wie der Geburt Christi erinnert, breitet empfangend und weitergebend die Hände aus. Die Frucht, die sie hervorbringt, ist Jesus. Der Name »Bonaventura« verbindet sich mit dem Bild der durch die Menschwerdung Jesu begonnenen »guten Zukunft«.
5 JOHANNES DUNS SCOTUS (* um 1265 † 1308) Er blickt mit gefalteten Händen zum Himmel, wo Maria Immaculata (als Apokalyptisches Weib) in einer Wolkenöffnung vor der Sonne erscheint. Die besondere Beziehung des Heiligen zur Immaculata hat damit zu tun, dass er die von den Franziskanern gelehrte Vorstellung von der Unbefleckten Empfängnis Mariens theologisch untermauert hat: nach seiner Theorie war Maria von ihrer Empfängnis an von der Erbsünde befreit, und zwar durch die Verdienste Jesu, die in ihrem Fall im Voraus wirksam wurden, weil Gott es konnte, weil es sich geziemte und weil er es also gemacht hat: »potiut, decuit, ergo«.
Schriftband: Speculum iustitiae (Spiegel der Gerechtigkeit)
INGOLSTADT FRANZISKANERKIRCHE
Kartusche unterhalb (mit Riss): Bild verloren; Inschrift: quasi platanus exaltata sum iuxta aquam in plateis – wie eine Platane am Wasser wuchs ich empor, Eccli 24,14). Das Vergleichsbild »speculum iustitiae« kann sich auf die Spiegelung der Unbefleckten Empfängnis mit dem Ereignis der Erlösung beziehen.
6 JOHANNES NAS (*19.3.1534 München †16.3.1590 Innsbruck) war Konventuale und zeitweise Guardian des Ingolstädter Franziskanerklosters sowie ein bedeutender Prediger in Ingolstadt. Eine Beziehung nach Ingolstadt scheint auch in seinen späteren Lebensjahren bestanden zu haben: Als er in Brixen und Innsbruck lebte, erschienen die meisten seiner Schriften in Ingolstadt (Lins, 1918, S. 34 ff). Zur Zeit der Ausmalung stand auf dem Altar der Kapelle jene Muttergottesfigur, der Johannes Nas, der häufig nachts im Dormitorium arbeitete, seine Eingebungen zugeschrieben hatte.
Auf dem Gemälde sieht man Johannes Nas bei seiner nächtlichen Arbeit in der Nähe der besagten Madonnenfigur. Auf dem Tisch ein Pult, Schriften, ein Stundenglas, ein Licht und die Mitra, die ihn als Weihbischof von Brixen auszeichnet. Ein Zettel an der Tischkante mit der Aufschrift contra (Luth)erum (von Lins noch vollständig lesbar, S. 94f.) weist auf sein gegen das Luthertum gerichtetes Schrifttum.
Schriftband: Sedes sapientiae (Sitz der Weisheit)
Kartusche unterhalb: Bild verloren. Inschrift: quasi oliva speciosa in campis – wie ein prächtiger Ölbaum auf dem Feld, Eccli 24,14). Der Marientitel »Sitz der Weisheit« ist auch auf Johannes Nas zu übertragen, der seine Eingebungen auf Maria zurückführte.
Quellen und Literatur
(Das von Bernhardin Lins benützte Klosterarchiv in Ingolstadt ist im Zweiten Weltkrieg verbrannt.)
München, Provinzarchiv der Franziskaner, PA II, 10/2 »Archivium Novum conventus Ingolstadiensis. Continuatum a Die 13. Septemb. Annj MDCCXVII« (von Lins noch benützt; galt seit 1945 als Kriegsverlust.
BLfD, Akten, Franziskanerkirche Ingolstadt.
Buchner, Bistum Eichstätt Bd I. S. 602.
Lins, Bernardin, Geschichte des früheren (oberen) Franziskaner-Klosters in Ingolstadt, in: SHVI 37, 1918.
-, Die Entwicklung und Ausbreitung des Marianischen Meßbundes bei den PP. Franziskanern in Ingolstadt, Ingolstadt 1010.
-, Ingolstadt, das alte Franziskanerkloster an der Harderstraße, in: Bavaria Franciscana Antiqua, Bd 5, 1961, S. 173-224, bes. S. 199–203.
Die Franziskaner in Ingolstadt vom Beginn bis zur Aufklärung. In: Vita Fratrum, brüderlicher Gedankenaustausch in der Bayerischen Franziskanerprovinz, Bd 13, 1976, S. 176-189. Hofmann, Siegfried, Franziskanerkirche Ingolstadt, KKF Nr. 598. Regensburg 1994.
Hausfelder, Edmund, Als die Franziskanerkirche noch Garnisonskirche hieß, Das Schicksal einer säkularisierten Klosterkirche 1802-1918 dargestellt anhand der Akten im Kriegsarchiv, in: IH 1997, Nr. 2, 4 und 9.
Denkmaltopographie Ingolstadt, Bd 1, München 2002, S. 145-153, bes. 152 f.
Dehio OB 2006, S. 522-525.