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Hooge, Haus Diedrichsen auf der Ockelützwarft

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Hooge, Haus Diedrichsen auf der Ockelützwarft, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/ae507602-d103-492a-9be8-7b2dd638a656

Inventarnummer: cbdd20149

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Aus dem Haus Diedrichsen von der Ockelützwarft auf Hallig Hooge hat sich im Altonaer Museum eine translozierte Döns erhalten. Sie wurde 1777 vom Wandermaler J. E. Dedichius ausgemalt. An die Decke kamen Allegorien der Erdteile Europa und Asien.

Hooge, Stubendecke aus dem Haus Diedrichsen von der Ockelützwarft
Hooge, Stubendecke aus dem Haus Diedrichsen von der Ockelützwarft

Haus Diedrichsen auf der Ockelützwarft

Die Ockelützwarft auf Hallig Hooge.

Kurzbeschreibung und Lage

Die Ockelützwarft ist zentral auf Hooge gelegen, westlich der Hanswarft.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Über die Bau- und Ausstattungsgeschichte des Hauses ist nichts bekannt. Es scheint sich nichts erhalten zu haben.

Architekten, Künstler

Der Maler, zumindest der Deckenmalerei, soll J. E. Dedichius gewesen sein. Er war wohl ein Wandermaler. Von ihm stammt sehr wahrscheinlich auch die Malerei des Königspesels auf der Hanswarft. Über seine Person ist nichts bekannt.[1]

Beschreibung

Das Innere des Hauses erschloss wie üblich bei einem Kapitänshaus ein zentraler Flur. Von diesem ging zuerst die Küche ab und dann die Döns, die sich heute im Altonaer Museum befindet. Es folgte ein Pesel als Eckraum und zuletzt eine Kammer, ebenfalls an einer Gebäudeecke gelegen.[2]

Die translozierte Wohnstube (Döns)

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Stube ist im 18. Jahrhundert gebaut und 1777 ausgemalt worden. Um 1900 wurde sie ausgebaut und im Altonaer Museum wieder eingebaut. Dabei wurden die links gelegene Ofenwand und die dem Eingang gegenüber gelegene Alkovenwand vertauscht. Aus Sicherheitsgründen erfolgte im zweiten Weltkrieg eine Auslagerung und 1948/49 der erneute Einbau.[3]

Beschreibung

Die annähernd quadratische Stube[4] wurde vom Flur aus betreten. Gegenüber dem Eingang wurde die Wand beiderseits der Tür zum angrenzenden Pesel von zwei Alkoven eingenommen. Rechts befinden sich zwei Fenster, links lagen die Tür zur Küche und ein Ofen. Die Wände sind bis auf die Alkovenwand gefliest. Diese ist kassettiert. Die Kassetten sind rot-grün bemalt und sollen wohl eine Marmorierung imitieren. Die Alkoven sind mit Vorhängen geschlossen. Die Tür zwischen ihnen ist aufgetreppt. Sie ist wie die Tür zur Küche dunkelgrün bemalt. Auf jeder der Türen sind drei Felder angebracht, die innerhalb eines breiten marmorierten Rahmens Gemälde mit gegenständlicher Malerei aufnehmen. Das obere und untere Feld zeigt Obst, das mittlere an der Tür zwischen den Alkoven eine Landschaft mit Schloss und das an der Küchentür eine Küstenansicht mit drei Segelschiffen. Der Schrank im Rahmen ist farblich auf die Ausstattung abgestimmt. Er stammt von 1789 und seine Türen sind mit Personifikationen der vier Temperamente bemalt.

Die Decke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke aus Nadelholz ist 1777 vom Wandermaler J. E. Dedichius bemalt worden.[5]

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke ist in zwei Fache unterteilt. Jede misst 4,05 auf 1,90 Meter und nimmt je ein rotes Feld im dunkelgrünen Rahmen auf. Auf das Rot sind goldene Rocaillen gemalt. Im oberen Bereich rahmen sie jeweils ein polychromes Bild, im unteren einen je erklärenden Schriftzug. Es handelt sich um zwei Erdteilallegorien. Links ist Europa zu sehen, rechts Asien. Europa ist als weibliche Figur mit Helmbusch gleich Minerva dargestellt. Vor ihr steht ein Tisch mit einem Globus und Messgeräten. Hiermit wird auf Europa als Wissenschaftsstandort angespielt. In der unteren Kartusche steht „Europa“. Asien ist als Inder verbildlicht. Er steht neben einem Tisch, auf dem Geschirr liegt. Links hat er einen Turban mit Halbmond sowie einen Degen abgelegt. Diese Gegenstände spielen auf Asien als das Land des Porzellans und des Islams an. In der Kartusche steht „Asia“.[6]

Vorlagen und Vergleiche

Die Malerei ähnelt sehr der im Königspesel von 1767 auf der Hanswarft. Dieser Raum erhielt um 1780 seine Bemalung.[7]

Der ehemalige Pesel

Beschreibung

Neben der Döns befand sich der Pesel.[8]

Die Decke des ehemaligen Pesels

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke im benachbarten Pesel nahm die Erdteilallegorien von Afrika und Amerika auf. Beide wurden ebenfalls von J. E. Dedichius 1777 gemalt.[8] Über ihren Verbleib ist nichts bekannt.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Gravert, Bauernhöfe, 1929. – Gravert, Johannes: Die Bauernhöfe zwischen Elbe, Stör und Krückau mit den Familien ihrer Besitzer. Glückstadt 1929.
  • Kaufmann, Bauernstuben, 1979. — Kaufmann, Gerhard: Bauernstuben. Vortrag im Altonaer Museum am 18.1.1977 in der Reihe „Das Altonaer Museum – Ein Norddeutsches Landesmuseum“, in: Altonaer Museum in Hamburg. Norddeutsches Landesmuseum 16/17 (1978/79), S. 93-139.
  • Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.
  • Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967. – Schwindrazheim, Hildamarie: Führer durch die Bauernstuben des Altonaer Museums (Altonaer Museum Hamburg. Schausammlungen des Altonaer Museums, 2). Hamburg 1967.

Einzelnachweise

  1. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 574; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 30.
  2. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 575; Kaufmann, Bauernstuben, 1979, S. 122; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 30-32.
  3. Kaufmann, Bauernstuben, 1979, S. 100; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 29-33.
  4. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 574-577; Kaufmann, Bauernstuben, 1979, S. 122; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 30-32.
  5. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 574-575; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 30.
  6. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 575; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 32.
  7. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 553.
  8. 8,0 8,1 Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 32.