Holzkirchen, Pfarrkirche St. Laurentius
Pfarrkirche, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Filialkirche (Kuratiebenefizium) der Pfarrei Hartpenning, mit der Holzkirchen der Benediktinerabtei Tegernsee inkorporiert war, Klostergericht Tegernsee
Patrozinium: St. Laurentius
Zum Bauwerk: Wiederherstellung der fast völlig zerstörten Kirche 1711 unter Abt Quirin Millon von Tegernsee (1700–15). Inschriften auf Marmortafeln am Arkadenbogen des N-Einganges; die westliche bezieht sich auf den Bau »Haec Sanctj Laurentij M. Ecclesia tota ruinosa a Fundamentis cum Turrj restaurata est Sub Quirino IV. huius nominis Abbate Tegernseensi. A. D. 1711.«, die östliche auf die Ausstattung »ANNO MDCCLVIII COLLAPSURAM TURRIM REFECIT Et nova campana instruxit IPSAMQUE ECCLESIAM Renovatis Altaribus, Aliisque EXORNAVIT GREGORIUS ABBAS in Tegernsee.«
Saalbau zu 6 Jochen mit Wandpfeilergliederung, eingezogener doppeljochiger AR mit dreiseitigem Schluß. An die N-Seite des LHs grenzt der 1758 erbaute, schmale Kerkergang mit Kapelle und darüberliegenden Oratorien. Die beiden westlichen Joche gehen auf eine Kirchenvergrößerung 1838/40 zurück. Im W Doppelempore.
Auftraggeber: Abt Gregor Plaichshirn von Tegernsee (1725-62), s.o. Inschrift. Die AR-Fresken stiftete möglicherweise die 1702 in Holzkirchen eingerichtete Corpus-Christi-Bruderschaft.



Autor und Entstehungszeit: Signatur in A JVL (ligiert) Breymayer / pinx: 1758. Julian Breymeyer (* 1716 Andelfingen bei Riedlingen † 1795 Tölz), weitere Lebensdaten siehe Reichersbeuern, S. 219
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, a-d, 1-6) und AR (C, C1-2, Ca-b) Stichkappentonne Rahmen: gemalte Profile überlappt von Rocaille
Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 9,70 m; 6,50 × 4,40
B Höhe 9,70 m; 2,60 × 2,60
C Höhe 8,70 m; 4,00 × 2,50
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1845 wurden die Deckenbilder übertüncht, das LHs-Gewölbe in Blau, das des Chors in Hellblau mit goldenen Sternen; der Chorbogen wurde mit romanisierenden Ornamenten versehen 1882-86 wurde die barocke Innenausstattung durch eine neoromanische ersetzt. 1931 erhielt die Kirche moderne Deckenbilder: am Chorbogen Jesus als Tröster der Mühseligen, in den Zwickelfeldern neben den Stichkappen die Vierzehn Nothelfer. Anläßlich einer durchgreifenden Restaurierung 1957 wurden die barocken Fresken und die Gewölbedekoration durch Jakob Heinlein, München, freigelegt. Die Farbsubstanz der Bilder ist jedoch weitgehend zerstört; erhebliche Ausbesserungen bei der Restaurierung. Der Erhaltungszustand der Bilder erlaubt gerade noch das Lesen der Darstellungen.
Bildabfolge und Ikonographie
A LAURENTIUS VOR DEM KAISER Einansichtige Szene, geringe Untersicht in der Schauplatzarchitektur, die aus verschiedenen, kulissenartig aneinandergereihten Bauteilen besteht (Aufnahmestandpunkt etwas westlich unterhalb der Bildmitte). – Der hl. Laurentius steht vor dem Thron und führt Kaiser Valerian, der das Kirchenvermögen von dem Schatzmeister Laurentius gefordert hat, Arme, Kranke, Blinde, Lahme und Krüppel als die »wahren Schätze« der Kirche vor. Der Rost unterhalb des Throns bezeichnet das spätere Martyrium des Diakons. Inschriftkartuschen seitlich von A, nördlich: VITA DEDIT / PVGNAM LAVRENTI / PVGNA / TRIVMBHVM (= Triumphum), südlich SIC TIBI / PVGNANTI / DIGNA CORONA / POLVS
1–6 LAURENTIUS-SZENEN
1 Der junge Laurentius und sein Verwandter Vincentius (beide in Pilgertracht) kommen von Spanien nach Rom (LA-Benz, S. 610)
2 Papst Sixtus II. weiht Laurentius zum Diakon
3 Laurentius verteilt das Kirchenvermögen an die Armen, wie es Sixtus geboten hatte
4 Laurentius tauft den bekehrten Hippolyt
5 Laurentius wird an einem Foltergerüst gegeißelt
6 Der hl. Martyrer Laurentius in der Glorie (Dreifaltigkeits-Dreieck mit Auge Gottes in einem Lichtkreis, ebenso deerge el l t ne dgi)
Die chronologische Reihenfolge des Laurentius-Zyklus ist: 1-3 - A – 4-6 (s. dazu Ribadeneira-Hornig, Bd 2, 10.8., S. 187-90). Zwischen 5 (Folterung) und 6 (Glorie) gehört sinngemäß das Martyrium auf dem Rost, die geläufigste Laurentius-Darstellung; diese befindet sich auf dem ehem. Hochaltarbild, das jetzt an der N-Wand des Chors angebracht ist.
a-d LAURENTIUS-EMBLEME
Für die vier Embleme hat das Emblembuch Monumentum Extremi Honoris ... Principis Ferdinandae Mariae..., München 1679 von G.F. Verani als Vorlage gedient (vgl. Elbach, S. 467 f.). Die Lemmata – in Kartuschen unterhalb der Bilder – stimmen, soweit sie nicht durch Restaurierungen verfälscht wurden, mit den Texten der Vorlage überein, die Bildmotive wurden vereinfacht.









HOLZKIRCHEN



Bruderschaft). Der Priester hebt gegen den Teufel gewandt ein Kreuz zum Himmel empor und weist dabei auf den Sterbenden zurück.
Die Bildikonographie verweist auf die Corpus-Christi-Bruderschaft, deren Anliegen die Verehrung der Eucharistie und der gute Tod in Christus (Empfang der Sterbesakramente) sind.
C1-2 ALTTESTAMENTARISCHE SZENEN, typologische Vorbilder der Eucharistie
C1 Mannalese? (Ex 16) Zu erkennen sind vor einem Zeltlager zwei männliche Gestalten (Moses und Aaron?), daneben eine kniende Frau, offenbar beim Sammeln des Mannas.
C2 Die Kundschafter tragen die Traube von Kanaan an einer Stange (Num 13, 24)
Ca-b TUGENDEN (keine Abbildungen)
Ca Spes – Putto mit Anker
Cb Caritas? – Putto mit einem Herz in einer Schale (?)
Quellen und Literatur
Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 298–301 Heimbucher, Max, Geschichte des Marktes Holzkirchen Miesbach 1884. Seidl, Oskar, Die Kirchen und Kapellen des Dekanates Tegernsee, München 1913, S. 37–43. [Bengl, Max], Festschrift zur Einweihung der Kirche St. Josef der Arbeiter in Holzkirchen/Obb., [ca. 1962], S 13–19. Kemp, Cornelia, Angewandte Emblematik in Bildprogrammen süddeutscher Barockkirchen, München 1981.