Herzhorn, ehem Hof Bahlmann
Inventarnummer: cbdd20136
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Im ehemaligen Hof Bahlmann befanden sich in einer Sommerstube drei Wandbilder, die in Fotografien überliefert sind. Präsentiert wurden in heimischer Landschaft drei Gebäude, von denen eines der Hof selbst war. Die Darstellungen stammten von ca. 1770. Nichts ist erhalten.

Der ehem. Hof Bahlmann

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das 2014 abgebrochene Bauernhaus stammte vom 1597 und war damit der älteste erhaltene Hof in der Kremper Marsch. Die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges hatte es ebenso überlebt wie spätere Sturmfluten. Es handelte sich um „eines der wichtigsten Bauernhäuser des Landes“[1]. Bauherren waren Claus und Sieke Simen gewesen. 1697 kam im Osten ein Sommerhaus hinzu. 1925 wurde die Diele unterteilt. 1970 erfolgte der Verkauf von Teilen der Ausstattung. Die Döns von ca. 1800 befindet sich heute im nahegelegenen Looft-Hof. 1988 waren im Haupthaus nur noch zwei Räume im westlichen Teil bewohnt. Der östliche Wohnteil war bereits zerstört.[2]
Beschreibung
Es handelte sich um ein reetgedecktes Fachhallenhaus von 12 Fach mit T-förmigem Grundriss mit Vollwalmdach über dem Wirtschaftsteil und Krüppelwalmdächern über dem Wohnteil sowie dem Sommerhaus. Über der Eingangstür befand sich die Reliefschnitzerei eines Bauern, der offenbar auf die Eintretenden einen Stein werfen wollte. Die beigegebene Inschrift erläuterte: „Bliv buten, edder ick smiet di op de Snuten“ (Bleib draußen, oder Du kriegst was auf die Schnauze). Man betrat das Haus über eine zentrale Diele, die erst 1925 abgetrennt und dem Wohnbereich zugeschlagen worden war. Nach Osten und Westen folgten jeweils zwei Räume. Das Sommerhaus lag im Nordosten. Die Stuben waren mit Wand- und Deckenpaneelen ausgekleidet.[3]
Die ehemalige Sommerstube
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Sommerstube wurde 1697 erbaut und bekam um 1770 eine neue Ausstattung. 2014 wurde die Stube zerstört.[4]
Die verlorene Wandmalerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei wurde um 1770 vom Kunstmaler Gustav Wilhelm Drawer aus Langenhals geschaffen. Sie wurde entweder 1975 ausgebaut oder spätestens 2014 mit dem Gebäude zusammen zerstört.[5]
Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei bedeckte die gesamten Bretterwände des Raums. Über einem gemalten Paneel mit fingiertem Rahmen erblickte man die ebenfalls scheingerahmten Gemälde. Gegenüber den Fenstern an der Südwand sind zwei Gemälde an der Nordwand nachgewiesen, an der Ostwand neben der Eingangstür eines. Bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts ging man davon aus, dass es sich um Ansichten des bereits im 17. Jahrhundert zerstörten Schlosses in Oevelgönne, der Alten Kirche in Herzhorn (vor dem Dreißigjährigen Krieg) und des Hofes selbst handeln würde. Seither ist bekannt, dass die Schlossansicht ein Produkt der Fantasie war.[6]
An der Südwand befand sich links die Ansicht des Schlosses und rechts die des Hofes. An der Ostwand erblickte man die Kirche. Das Schloss mit hohen Gebäuden, Erkern und Giebeln war auf dem Gemälde hinter einer Mauer dargestellt, die auch einen Garten umfasste. Vor dem Schloss lag ein Gewässer. Der Hof wurde von Norden mit dem Wohnteil einschließlich des Sommerhauses gezeigt. Ferner waren Nebengebäude auszumachen. Vor dem Hof befand sich ein Wettern. Die Darstellung des Hofes erinnert an jene im Looft-Hof von 1776. Die Kirche war von Bäumen fast komplett verdeckt. Wenige Meter vor ihr erblickte man einen von einer Brücke gequerten Wettern mit Booten.[7]
Bibliographie
- Literatur:
- Beseler, Kunst-Topographie, 1969. — Beseler, Hartwig (Hrsg.): Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. Die Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein. Neumünster 1969.
- Gravert, Bauernhöfe, 1929. – Gravert, Johannes: Die Bauernhöfe zwischen Elbe, Stör und Krückau mit den Familien ihrer Besitzer. Glückstadt 1929.
- Gremnitz, Looft-Hof. — Gremnitz, Klaus: Looft-Hof in Gehlensiel, in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-273398 (Abgerufen: 7. August 2024).
- Jung, Last, 2014. — Jung, Reinhard: Alte Bauernhäuser — Lust oder Last?, in: Bauernblatt, 5. Juli 2014.
- Lötje, Bauernhöfe, 1953. – Lötje, Walter: Die Bauernhöfe zwischen Elbe, Stör und Krückau mit den Familien ihrer Besitzer (Johannes Gravert 1929). Ergänzungsband I. Glückstadt 1953.
- Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Bd. 1, Lüdinghausen 1984.
- Archivalien:
- ONR 4714. – Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte IZ Herzhorn, Moorhufen 7, Fachhallenhaus. ONR 4714. lfd. Nr. 6889. Bd. 1.
- Hannemann, Bahlmann, 1989. — Hannemann, Siegfried: Der Hof Bahlmann in Moorhufen. Gebäudeuntersuchung. 1989, im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein.
Einzelnachweise
- ↑ Beseler, Kunst-Topographie, 1969, S. 816.
- ↑ Gravert, Bauernhöfe, 1929, S. 23; Beseler, Bericht, 1984, S. 246. ONR 4714; Hannemann, Bahlmann, 1989.
- ↑ Beseler, Kunst-Topographie, 1969, S. 815-816; Gravert, Bauernhöfe, 1929, S. 237 (mit Zitat). Hannemann, Bahlmann, 1989.
- ↑ Hannemann, Bahlmann, 1989.
- ↑ Gremnitz, Looft-Hof; Lötje, Bauernhöfe, 1953, S. 99.
- ↑ Beseler, Kunst-Topographie, 1969, S. 816; Lötje, Bauernhöfe, 1953, S. 99; Gravert, Bauernhöfe, 1929, S. 237.
- ↑ Fotos bei: Hannemann, Bahlmann, 1989.