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Haselbach, Pfarrkirche St. Michael

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 10: Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2365-4, S. 99–104, geschrieben von Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche (Pfarrverband Ehekirchen), Gemeinde Ehekirchen, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung lag das Präsentationsrecht auf die Pfarrei bei der Dreiviertelherrschaft der Freiherrn von Gumppenberg auf Pöttmes. An der Kirche bestand eine Bruderschaft um einen guten Tod unter dem Schutz des hl. Joseph. Gericht Rain (Kurbayern)

Patrozinium: St. Michael

Zum Bauwerk: Mittelalterliche Chorturmkirche mit barockem LHs, das aufgrund der Stuckdekoration in der Hohlkehle, bestehend aus Akanthus und anderen Blättern auf rosa Grund, aus der Zeit um 1710 stammt und nicht aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wie bei Horn/Meyer und Dehio angegeben. Auch die gotischen Rippen im Chor sind mit Akanthus belegt.

LHs zu zwei Fensterachsen mit eingezogenem, rechteckigem AR mit geradem Schluß zu einer Fensterachse. Im W Empore. Sakristei an der Ostseite des Turms, im W Vorzeichen.

Auftraggeber: Franz Joseph Anton Kramer, Pfarrer in Haselbach (1768-83). Er ist im Hauptbild A zusammen mit der Gemeinde von Haselbach dargestellt. Am Westrand von A, über der Orgel, befindet sich eine gemalte Kartusche mit der Inschrift: HanC ECClesIaM / sub Parocho Kramer / pIctam DeInde corruptam parochus Elser / restaurare CuravIt (= 1904). Demnach wurde die Kirche unter Pfarrer Kramer ausgemalt und unter Pfarrer Elser 1904 restauriert. Am Chorbogen befindet sich das Wappen der Freiherrn von Gumppenberg. An den Kosten der Ausmalung beteiligte sich wohl auch die Bruderschaft.

Autor und Entstehungszeit: Franz Xaver Bernhardt (* 1726 Ort unbekannt † 1780 in Eggenthal bei Kaufbeuren) 1775. Signatur in A an der Stufe links: F. Xaveri Bernhardt. Pinxit. 1775

Franz Xaver Bernhardt gilt als Schüler von Franz Anton und Johann Jakob Zeiller in Reutte in Tirol und war im Allgäu und in Oberbayern tätig, darunter in Bernbeuren, Burggen und Tannenberg (CBD Bd 1, S. 381–86; 393–96 und 545–47). Vor allem mit seinem drei Jahre später entstandenen Hauptdeckenbild in der Pfarrkirche von Burggen besteht enge Übereinstimmung in Komposition und Bildformat.

Befund

Träger der Deckenmalerei: A, A1-4 Flachdecke mit Hohlkehle; B, B1-4 verschliffenes gotisches Kreuzgratgewölbe

Rahmen: Die Rahmen sind wie die übrige Gewölbedekoration gemalt. A, B imitiertes Stuckprofil, A1-4, B1-4 imitierte Rocaillekartuschen

Technik: Fresko; A, B polychrom; A1-4 camaieu braun, B1-4 camaieu gelbbraun

Maße: A Höhe 6,40 m; 7,70×4,55

B Höhe 5,40 m; 2,10×2,50

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Feuchtigkeitsschäden und Risse, darunter ein durchgehender Scheitelriß in A, teilweise verkittet und retuschiert. Eine Restaurierung fand vor 1892 statt. Anläßlich der Instandsetzung der Kirche unter Pfarrer Karl Elser 1904/05 restaurierte Kunstmaler Josef Albrecht, München, die Deckenbilder. Die Gemälde im AR (B, B1-4), die mit einem Himmelsgewölbe mit Sternen übermalt waren, wurden freigelegt. Das Hauptbild A im LHs war durch eine spätere, in Leimfarbe gemalte Rahmung zu einem Rechteck reduziert, das jeweils oben und unten nach einem Einzug halbrund ausgebuchtet war. Der ursprüngliche, geschwungene, mit Rocailleornament besetzte Rahmen, der offenbar nicht mehr gefallen hatte, schimmerte stellenweise noch durch (Fotos von Pfarrer Elser von 1901 und 1903, eines davon in StA Augsburg, BA Neuburg, Nr. 4487 d). Im Bereich des Fegfeuers war ein Teil des Deckenbildes abgefallen. Nach einem Kostenvoranschlag v. 24.4.1904 über 400 Mark reinigte Albrecht brecht die Bilder im LHs (A, A1-4), entfernte die Übermalungen mit Leimfarbe und besserte die Fehlstellen mit Kaseinfarbe aus (im Fegfeuer die betende Frau rechts). Er legte auch die Gemälde im AR frei. 1936 Renovierung des Kircheninners durch die Fa. Josef Hammerle, Pöttmes, bei der Stuck und Gemälde unberührt blieben. 1952 wurde der Turm durch Maurermeister Joseph Paula, Rain am Lech, instandgesetzt. Damit sollte eine Innenrenovierung verbunden werden, es ist jedoch fraglich, ob sie ausgeführt wurde. 1976 erfolgte eine Außenrenovierung. Erneute Restaurierung 2002/03 durch die Fa. Erwin Wiegerling, Bad Tölz.

Krönung Mariens

Beschreibung und Ikonographie

A DIE HEILIGE FAMILIE ALS GNADENMITTLE RIN Das langgestreckte, einansichtige und nach O gerichtete Deckenbild nimmt die gesamte Länge des Kirchenschiffs ein. Die Darstellung verteilt sich auf verschiedene übereinander angeordnete Schauplätze. Über einer Treppe, die in der Bildmitte halbkreisförmig zurückschwingt und an dieser Stelle von einer Balustrade bekrönt ist, ragt in Untersicht eine mächtige Säulenarchitektur mit mehrfach verkröpftem Gebälk auf. Am unteren Bildrand öffnet sich unter der Balustrade eine Höhle mit den Armen Seelen im Fegfeuer. Rechts ist auf den Stufen die Gemeinde von Haselbach dargestellt, angeführt von Pfarrer Kramer in Chorkleidung. Er hat, wie seine hinter ihm knienden Pfarrkinder, die Porträtzüge aufweisen und ländliche Tracht tragen, die Hände flehend erhoben. Die bäuerliche Kleidung ist mit Liebe zum Detail geschildert. So sind die am Kopf anliegenden weißen Frauenhauben teils mit einem weißen Spitzenbesatz, teils mit einem schwarzen plissierten Rand eingefaßt. Ein Mann, vielleicht ein Stifter, ist aus der Gruppe hervorgehoben, indem er unterhalb als Halbfigur zwischen den Stufen eingeschoben erscheint. Während sich die Gemeinde ausnahmslos dem Himmel zuwendet, hat er den Blick auf den Beschauer gerichtet; in den Händen hält er einen Rosenkranz.

Vom Himmel senken sich vor die Architektur Wolkenbänke herab. Hier kniet links Maria in weißem Kleid und hellblauem Mantel, um das Haupt den Sternenkranz. Engel bringen ihr eine weiße Lilie und weitere Blumen. Ihr gegenüber ist der hl. Joseph in grauem Kleid und gelbem Mantel dargestellt, in der Hand eine weiße Lilie. In der Mittelachse der Komposition steht zwischen ihnen auf einer blauen Erdkugel der halbwüchsige Jesusknabe, in lila Kleid und braunrotem Mantel. Die Rechte hat er zum Segensgestus erhoben, in seiner linken Armbeuge lehnt ein großes Kreuz, um das sich eine grüne Schlange ringelt, die den Apfel der Versuchung im Maul hält. Darüber thront Gottvater, das Zepter in der Linken, während die Taube des Hl. Geistes in einer mächtigen Lichtgloriole die Komposition nach oben abschließt. Franz Xaver Bernhardt verfügt über eine freundliche, helle Farbigkeit aus Hellgrün und Braunrosa bei Architektur und Wolken, Lichtblau, hellem Graublau und zartem Gelb bei den Gewändern der himmlischen Personen, während er die Kleidung der Gemeinde von Haselbach dem gegenüber abstuft und mit grünlichen und schwärzlichen Tönen etwas dunkler hält. Die wichtigsten Bild- elemente sind auf der Mittelachse angeordnet.

Die Heilige Familie als Gnadenmittlerin; A Engelsszenen

rot im lodernden Fegfeuer, in der Balustrade darüber und im wehenden Mantel des Christusknaben.

Die Darstellung bezieht sich auf die Bruderschaft um einen guten Tod unter dem Schutz des hl. Joseph, die in Haselbach bestand. Sie wurde auch Jesus-Maria-Joseph-Bruderschaft zum Trost der Armen Seelen genannt. Wie als Illustration dazu sind in sinnfälliger Weise Jesus, Maria und Joseph über den im Fegfeuer schmachtenden Armen Seelen wiedergegeben, dazu unten flehend der Pfarrer und die Pfarrkinder von Haselbach. Die Verehrung des hl. Joseph war seit dem 17. Jahrhundert von den Jesuiten und Karmeliten propagiert worden. Unter seinem Schutz entstanden Bruderschaften um einen guten Tod, da er selbst einen guten Tod hatte, denn Jesus war der Legende nach anwesend. Die Josephsverehrung hatte ferner das Ziel, die enge Gemeinsamkeit des Jesuskindes mit seinem Ziehvater den Gläubigen vor Augen zu stellen. Im Zusammenhang damit entwickelte sich das populäre Bildthema des Heiligen Wandels, der Heimkehr der hl. Familie nach Nazareth nach dem Wiederauffinden Jesu im Tempel (Lc 2,41-51) (siehe auch Bergheim, Kapelle, S. 66, und Treidelheim, S. 306). Dieser Bildtyp wird auch als irdische Trinität bezeichnet, gegenüber der himmlischen Trinität mit Gottvater, dem Heiligen Geist und Jesus. Im vorliegenden Fresko bildet der Jesusknabe, der in der Mitte auf der Weltkugel steht, das Bindeglied zwischen himmlischer (unerschaffener) und irdischer (erschaffener) Trinität, da er beiden angehört. Gegenstand der Verehrung ist in Haselbach nicht der hl. Joseph allein, unter dessen Schutz die Bruderschaft steht, sondern die heilige Familie. Sie tritt als Fürsprecherin der Armen Seelen ein (siehe auch Bergheim. Kapelle).

A1-4 ENGELSSZENEN Das Hauptbild wird von vier Kartuschen begleitet, in denen Szenen aus dem Neuen Testament dargestellt sind, in denen jeweils ein Engel handelt.

A1 CHRISTUS IM GARTEN GETHSEMANE (Lc 22, 42-43) Christus kniet im Garten Gethsemane und wird von einem Engel gestützt. Dieser hält in der Linken das Kreuz und den Kelch des Leidens, aus dem eine Schlange emporzüngelt (ikonographisch ungewöhnlich; spätere Hinzufügung?).

A2 BEFREIUNG PETRI AUS DEM GEFÄNGNIS (Act 12, 11) Ein Engel geleitet den Apostel zur Tür des Gefängnisses.

Die Pfarrgemeinde von Haselbach mit Pfarrer Franz Joseph Kramer, Ausschnitt aus Fresko A

Quellen und Literatur

ABA, BO Pfarreiakten Haselbach: Summarische Übersicht der Pfarr- und Kirchenverhältnisse zu Beginn des Jahres 1892. BLfD, Registratur, Akten Haselbach, Pfarrkirche St. Michael. StA Augsburg, BA Neuburg, Nr. 4487: Restaurierungen.

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 463; Bd 2, S. 280. Jahresbericht des Historischen Vereins Schwaben und Neuburg 1835, S. 68. Hopp, Bd 2, S. 180 f. Horn/Meyer, 1958, S. 494–497. Dehio 1990, S. 406f

B. V.-K

HOLLENBACH