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Hannover Herrenhausen, Fürstenhaus

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Hannover-Herrenhausen, "Fürstenhaus", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/bfc739ee-b0b5-48d0-bf77-8457a859aa43

Inventarnummer: cbdd10085

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im Fürstenhaus von 1721 haben sich in Vestibül und Gartensaal die orignalen Deckengemälde erhalten. Die Malerei stellt eine Liebesbeziehung über eine Ehe und bezieht sich damit auf die erste Bewohnerin des Hauses sowie ihre Mutter. Sie waren Georgs I. natürliche Tochter bzw. seine Mätresse.

Hannover, Fürstenhaus Herrenhausen
Hannover, Fürstenhaus Herrenhausen

Das ehemalige Delitzsche Palais

Geschichte und Beschreibung

Das Fürstenhaus[1] ist ein Trabant des Schlosses Herrenhausen gewesen. Der Kernbau wurde 1721 für Gräfin Louise von Delitz im Auftrag des Landesherrn König Georg I. erbaut. Die Gräfin war seine natürliche Tochter, und zwar eine von dreien aus seiner Beziehung zu Gräfin Melusine von der Schulenburg, die zur Herzogin von Kendal erhoben wurde. Das Palais wechselte ab 1728 öfters den Besitzer. 1770 wurden Umbauten im Schloss durchgeführt und es erfolgte eine eingeschossige Verlängerung des Ursprungsbaus an beiden Seiten. 1836 wurde das Gebäude von der Krone erworben. Es diente zur Unterbringung fürstlicher Gäste und erfuhr 1864 eine formale Umgestaltung in zeitgemäßen Formen. Seit 1865 trägt es den Namen Fürstenhaus.

Nach der Annektierung des Königreichs Hannover wurde ab 1866 die Porträtgalerie des Hauses Braunschweig-Lüneburg im Fürstenhaus präsentiert. Ab 1955 war in den Räumen das Herrenhausen-Museum untergebracht, bis das Gebäude Anfang des 21. Jahrhunderts etappenweise wieder einer ausschließlich privaten Nutzung zugeführt wurde. Das Gebäude kann weder besucht werden, noch können Fotografien erstellt werden.

Kurzbeschreibung und Lage

Das Fürstenhaus setzt sich aus einem zweigeschossigen, elfachsigen Mittel- und Ursprungsbau sowie aus an beiden Seiten in der Gebäudeflucht liegenden eingeschossigen, fünfachsigen Verlängerungen zusammen. Die mittleren drei Achsen sind unter einem Dreiecksgiebel zusammengefasst. Hinzu kommen den Ehrenhof flankierende eingeschossige Flügelbauten, die vom Hauptbau abgesetzt sind.

Der Kernbau entspricht vom Grundriss her einer Französischen Maison de Plaisance mit einer Mittelachse aus Vestibül und Gartensaal sowie zu beiden Seiten anschließenden Appartements double. Vestibül und Gartensaal sind jeweils drei Achsen breit, der Gartensaal jedoch annähernd doppelt so tief wie das Vestibül. In Vestibül und Gartensaal hat sich die ursprüngliche Dekoration einschließlich der Deckenmalerei weitgehend erhalten.

Das Vestibül

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

Das Vestibül[2] ist der Eingangsraum des Fürstenhauses. Es wird von Süden durch eine zentrale Tür, die von zwei Fenstern flankiert wird, betreten. Nach Norden erreicht man durch eine Tür den Gartensaal, nach Osten und Westen schließen sich rechts und links Raumfolgen an. Im Vestibül hat sich ein Deckengemälde aus der Erbauungszeit des Hauses von 1721 erhalten. Es zeigt gemäß der Literatur Juno auf Wolken mit Pfau und Putte.

Die Deckenmalerei im Vestibül

Beschreibung

Im Vestibül befindet sich ein Deckengemälde (Ölbild) von ca. 1721.[3] Es gehört damit zur ursprünglichen Ausstattung. Der Künstler ist unbekannt. Beschreibungen aus der Zeit vor 2011, als das Fürstenhaus noch zugänglich war, nennen eine junge Frau in Wolken. Vermutlich soll es sich um eine Verherrlichung der Venus handeln. Das würde durchaus passen, da Gräfin Delitz, für die Georg I. das Gebäude erbauen ließ, seine natürliche Tochter aus seiner Verbindung mit Melusine von der Schulenburg — der späteren Herzogin von Kendall — war. Venus soll mit Zepter und Krone geschmückt sein — wie üblicherweise Juno. Der Pfau, der Begleiter der Juno, soll sich Venus daher auch feindlich nähern, doch werde Venus von Amor beschütz, der den Pfau abwehre. Der Pfau werde mit einem roten Band zurückgehalten. Hier würde also die Liebesbeziehung über die Ehe gestellt werden.

Der Gartensaal

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

Der Gartensaal[4] im Fürstenhaus Herrenhausen hat einen annähernd quadratischen Grundriss und reicht bis in das Obergeschoss. Er ist mit drei großen Fenstertüren nach Norden zum ehemaligen Garten hin geöffnet. An der Ost- und Westwand befindet sich jeweils ein mittiger Kamin. Betreten wird der Raum von Süden aus dem Vestibül. Er erschließt die in der Enfilade am ehemaligen Garten gelegenen Räume.

Der Raum wurde zusammen mit dem Gebäude 1721 geschaffen und 1770 umgestaltet. Aus der Zeit der Umgestaltung stammt die Wandvertäfelung des Raumes, in die Gemälde eingelassen sind. An den Wänden werden klassische Landschaften mit südlichen und nordischen Elementen gezeigt, über den Türen zum Garten Seestücke. Über den Kaminen werden Spiegel und Landschaften präsentiert. Die Gemälde wurden bereits um 1750 von einem unbekannten Künstler geschaffen. Die Deckenmalerei stammt noch aus der Erbauungszeit. Es handelt sich vermutlich um eine Verherrlichung der Herzogin von Kendal, der Mutter der Gräfin Delitz, für die das Palais von Georg I. erbaut wurde.

Die Deckenmalerei im Gartensaal

Beschreibung

Die Decke des Gartensaals nimmt in einem Stuckrahmen ein großes Gemälde[5] auf. Es stammt von einem unbekannter Künstler aus der Erbauungszeit (1721). Es zeigt vermutlich eine Verherrlichung der Herzogin von Kendal, der Mutter der Gräfin Delitz. Sie sitzt rosenbekränzt auf Wolken — ähnlich einer Flora. Sie trägt ein blaues Gewand, das ihre Brüste freilässt und einen roten Umhang. In ihrer rechten Hand hält die Mätresse Georgs I. eine weiße Lilie als Zeichen ihrer Unschuld. Genien mit Blumenkörben huldigen ihr. Von links nähert sich Minerva mit Helm und Brustpanzer. Eine Putte schwebt mit einer Krone heran, um die Herzogin zu krönen.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Alvensleben, Herrenhausen, 1929. – Alvensleben, Udo von: Herrenhausen. Die Sommerresidenz der Welfen (Kunstwissenschaftliche Studien, 2). Berlin 1929, S. 67–68.
  • Dehio, Niedersachsen 1992. – Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
  • Fürstenhaus. – Fürstenhaus Herrenhausen-Museum Hannover. o. O., o. J.
  • Nöldecke, Hannover II, 1932. – Nöldeke, Arnold (Bearb.): Stadt Hannover. II. Teil. Denkmäler der eingemeindeten Vorörter (Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, 19). Hannover 1932.
  • Stadtlexikon Hannover, 2009. – Mlynek, Klaus/Röhrbein, Waldemar R. (Hrsg. mit Dirk Böttcher und Hugo Thielen): Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Hannover 2009.

Einzelnachweise

  1. Stadtlexikon Hannover, 2009, S. 197; Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 634; Nöldeke, Hannover, 1932, S. 82–84; Alvensleben, Herrenhausen, 1929, S. 67–68.
  2. Fürstenhaus, S. 3; Nöldeke, Hannover II, 1932, S. 84; Alvensleben, Herrenhausen, 1929, S. 69.
  3. Fürstenhaus, S. 3; Nöldeke, Hannover II, 1932, S. 82; Alvensleben, Herrenhausen, 1929, S. 69.
  4. Fürstenhaus, S. 7; Nöldeke, Hannover, 1932, S. 84; Alvensleben, Herrenhausen, 1929, S. 69.
  5. Fürstenhaus, S. 7; Nöldeke, Hannover II, 1932, S. 84; Alvensleben, Herrenhausen, 1929, S. 69.