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Hamburg, ehem Landhaus Schel

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Hamburg, ehem. Landhaus Schel, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/a18264bb-4bf5-4282-98b8-84174b82a28a

Inventarnummer: cbdd10276

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Für das Landhaus Schel freskierte Johann Oswald Harms 1695 in einem Saal Decke und Wände. Sein Entwurf für Wand und Decke des leider komplett verlorenen Landhauses hat sich erhalten.

Entwurf für eine Scheinarchitektur mit Säulenhalle und Kuppel
Entwurf für eine Scheinarchitektur mit Säulenhalle und Kuppel

Das ehemalige Landhaus Schel

Entwurf für eine Scheinarchitektur mit Säulenhalle und Kuppel

Das Landhaus

Das Landhaus Schel gehörte zu den zahlreichen Landhäusern Hamburger Bürger, die vom 16. bis 19. Jahrhundert im Osten Hamburgs zwischen Bille und Dove Elbe erbaut wurden.

Kenntnis über das Landhaus haben wir ausschließlich über einen Entwurf von Johann Oswald Harms, der sich im Kupferstichkabinett des Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig erhalten hat. Es stammt aus einem Klebeband, den der Sohn des Künstlers aus dem Nachlass des Vaters zusammenstellte. Auf den Blättern ist vermerkt, ob, wo und wann sowie in welcher Technik ein Entwurf umgesetzt wurde. In diesem Fall ist vermerkt: „Zu Hamburg im bilwerder / in licentiadt schel seinem / lusthause im Sahl a fresco gemahlt / Ao 1695“.[1]

Das Blatt misst 410 x 513 Millimeter und zeigt eine Federzeichnung in Grau, grau laviert über Graphit. Man blickt auf eine mit Vollsäulen geschmückte Wand. In Wandnischen stehen auf Sockeln antikisierende Skulpturen. Es ist nicht klar, ob diese Architektur real bestand oder ab Harms die Säulenhalle freskiert hat. Letzteres ist aber wahrscheinlicher. In jedem Fall dürfte die Scheinkuppel freskiert worden sein. Über einer Balustrade tragen Vollsäulen Pendentifs. Ob über diesen eine Kuppel gemalt werden sollte oder der Ausblick in einen Himmel gewährt werden sollte, geht aus der Zeichnung von Harms nicht hervor.

Stellenwert der Malerei

Die Zeichnung ist insofern bemerkenswert, als sich derartige Innenräume jener Zeit in Hamburg nicht erhalten haben. Bekannt sind Holzbalkendecken mit ornamentaler Malerei, in die Medaillons eingelassen sein können. Auch Stuckdecken mit eingelassenen Gemälden sind bekannt, aber nicht gänzlich freskierte Räume. Nur entfernt vergleichbar erscheint die Decke des Anatomiesaals von 1770 im ehemaligen Eimbeckschen Haus, die genau Deckers fürstlichem Baumeister folgte.[2]

Stellenwert des Landhauses

Das Landhaus gehörte zur ehemals reichen Landhaus- und Gartenlandschaft östlich von Hamburg.[3] Diese Bauten standen vor allem auf der Insel Billwerder, mit der damals das Gebiet zwischen Bille und Dove Elbe bezeichnet wurde. Die große Landhauszeit der Region reichte vom Ende des 16. Jahrhunderts bis um 1800. Zahlreiche Städter besaßen damals Land in der Region. Ihren Anfang nahm diese Entwicklung mit niederländischen Glaubensflüchtlingen, die die Landhauskultur aus ihrer Heimat mitbrachten. Sie wurde bald von den Hamburgern übernommen. Die Landhäuser selbst wurden oft an die bestehenden Bauernhäuser angefügt. Häufig entstand der Typus eine T-förmigen Hauses bei baulicher Trennung vom bäuerlichen Teil des Hauses. 1663 soll sich die über Hälfte der Nutzfläche im Besitz Hamburger Stadtbürger befunden haben. 1674 heißt es „In der Elbe ligen vil lustige Insuln, welche alle gleichsam kleine Speise-Kammern diser Stadt sind, da ist auch Billwerder von dem Flusse Bille iumschlossen, welcher nach der Länge und Breite von Schönen Lust-Höfen glänzet“.[4] Zu den Landhäusern gehörten weiträumige Gärten. Mit dem Aufkommen der Landschaftsgärten gewann zunehmenden der Westen Hamburgs mit seiner Hügellandschaft und dem weiten Blick über das Elbtal an Attraktivität gegenüber dem flachen Billwärder. Nun gelangte das Land wieder zunehmen in bäuerlichen Besitz.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Finder, Billwärder, 1935. – Finder, Ernst: Die Landschaft Billwärder, ihre Geschichte und ihre Kultur (Veröffentlichung des Vereins für Hamburgische Geschichte, 9). Hamburg 1935.
  • Gabrielsson, Entwicklung, 1975. – Gabrielsson, Peter: Zur Entwicklung des bürgerlichen Garten- und Landhausbesitzes bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. In: Bauche, Ulrich (Bearb.): Gärten, Landhäuser und Villen des hamburgischen Bürgertums. Kunst, Kultur und gesellschaftliches Lebens in vier Jahrhunderten (Aus den Schausammlungen des Museums für Hamburgische Geschichte, 4). Hamburg 1975, S. 11-18.
  • Heckmann, Hamburg, 1990. – Heckmann, Hermann: Barock und Rokoko in Hamburg. Baukunst des Bürgertums. Stuttgart 1990.
  • Klée-Gobert, Bergedorf, 1953. – Klée-Gobert, Renata (Bearb.): Bergedorf - Vierlande - Marschlande. Die Bau- und Kunstdenkmale der Freien und Hansestadt Hamburg. Bd.1. Hamburg 1953.
  • Mathieu/Fischer, Baukunst, 1975. – Mathieu, Kai/Fischer, Manfred F.: Baukunst und Architekten. In: Bauche, Ulrich (Bearb.): Gärten, Landhäuser und Villen des hamburgischen Bürgertums. Kunst, Kultur und gesellschaftliches Lebens in vier Jahrhunderten (Aus den Schausammlungen des Museums für Hamburgische Geschichte, 4). Hamburg 1975, S. 26-44.
  • Schmal, Marschlande, 2001. – Schmal, Helga: Vier- und Marschlande (Hamburg-Inventar. Stadtteilreihe 6.1). Hamburg 2001.
  • Archivalien:
  • Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, Z 4003.

Einzelnachweise

  1. http://kk.haum-bs.de/?id=z-04003
  2. Heckmann, Hamburg, 1990, S. 334-335.
  3. Schmal, Marschlande, 2001, S. 48-52; Gabrielson, Entwicklung, 1975, S. 12-14; Mathieu/Fischer, Baukunst, 1975, S. 30, 35-36; Finder, Billwärder, 1935, S. 154-156.
  4. Zitiert nach Gabrielson, Entwicklung, 1975, S. 12.