Hamburg, ehem Haus Katharinenstraße 9
Inventarnummer: cbdd20045
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Ein Deckengemälde Johann Moritz Riesenbergers von ca. 1718 hat sich transloziert im Museum für Hamburgische Geschichte erhalten. Es allegorisiert die Tugenden eines Kaufmanns. Ehemals in eine Stuckdecke eingelassen, ist es eines der wenigen erhaltenen Beispiele dieser Art aus den Hansestädten.

Das ehemalige Haus Katharinenstraße 9

Kurzbeschreibung und Lage
Das Haus Katharinenstraße 9[1] war ein Hamburger Bürgerhaus auf der Insel Cremon. Es stand an der Nordseite der Katharinenstraße. Das Grundstück reichte bis zum Nikolaifleet.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Grundstück Katharinenstraße 9 wurde erstmals 1505 erwähnt. Um 1630/40 entstand ein neues Vorderhaus. Vermutlich kam Anfang des 18. Jahrhunderts ein neuer Hofflügel hinzu. Der Komplex wurde um 1900 verändert und 1941 abgebrochen.
Beschreibung
Das relativ schmale Vorhaus war nur drei Achsen breit, aber aufwendig instrumentiert. Die zweigeschossige Auslucht schmückten Kolossalpilaster korinthischer Ordnung. Das Erd- und das erste Obergeschoss nahmen die repräsentativen Wohnräume auf. Darüber befanden sich zwei Speichergeschosse und ein zweigeschossiger Giebel. Hinter dem Vorderhaus befand sich ein Hofflügel, der über einen kurzen Gang mit dem Vorderhaus verbunden war. Hier lagen hintereinander zwei „Prachträume“ – eine in Hamburg übliche Anordnung.[2] Jeder Raum hatte eine große vollplastische Stuckdecke vom Ende des 17. Jahrhunderts mit je einem ovalen Mittelfeld mit eingelassenem Ölgemälde. Die Raumfolge und auch die Decke ähneln sehr dem Haus Grimm 15-16.[3]
Die translozierte Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde[4] wurde um 1718 von Johann Moritz Riesenberger d. J. im Auftrag von Johann Anderson d. Ä. in Öl auf Leinwand gemalt. Es war ehemals in eine Stuckdecke eingelassen, die sehr wahrscheinlich von Carlo Enrico Brenno stammt. Sie wurde zusammen mit dem Raum 1941 zerstört. Von der Decke wurde vorher ein Abguss erstellt, der heute (2023) zusammen mit dem originalen Gemälde im Museum für Hamburgische Geschichte präsentiert wird.
Beschreibung und Ikonographie
Zu sehen ist eine Apotheose von Kunst und Wissenschaft. Es geht um bürgerliches Mäzenatentum und Arbeitsethos. In der Mitte thront die Personifikation der Wissenschaft mit einem Dreieck in der Hand, gestützt auf den Bienenkorb des Fleißes, umgeben von Büchern der Gelehrsamkeit. Zu ihren Füßen erblickt man Putten mit Kupferstichwerk und Farbpalette für Zeichenkunst und Malerei. Die Personifikation von Ruhm und Ehre reicht der Wissenschaft von hinten den Lorbeerzweig. Rechts von ihr sitzen die Architektur mit Lot, die Gerechtigkeit mit Schwert und Waage, der Friede mit Palmzweig und die Eintracht mit Liktorenbündel zusammen. Über ihnen schüttet der Überfluss Schätze über die Gruppe, die Voraussetzungen zum Gedeihen der Künste sind, während links ihr Ruhm verkündet wird. Dieser ist unsterblich, wie die Zeit links unten und ein Sarkophag ganz links verdeutlichen. Seine Aufschrift lautet „Gute Arbeit gibt herrlichen Lohn“.
Auftraggeber
Auftraggeber der Malerei war der Jurist und Bürgermeister Johann Anderson d. Ä.. Als der Saal gestaltet wurde, war er Ratssyndikus. Anderson unternahm zahlreiche Gesandtschaftsreisen und besuchte viele Adelshöfe, etwa 1715/16 in Paris.[5]
Stellung der Malerei
Im 18. Jahrhundert setzten sich Stuckdecken in Hamburg durch und Deckengemälde wurden kaum noch geschaffen. Oft war der Stuck eher flach und weniger dicht.[6] Es gibt jedoch Ausnahmen, bei denen in vollplastische Stuckdecken Deckengemälde eingelassen wurden, etwa in Lübeck im Haus Alfstraße 38 und im Hamburg im Haus Grimm 15/16. Zu diesen Beispielen gehört auch die Decke aus dem Haus Katharinenstraße 9.
Bibliographie
- Literatur:
- Jaacks, Zimmer, 1997. – Jaacks, Gisela: Hamburger Zimmer vom Barock zum Klassizismus, in: Bracker Jörgen/Jaacks, Gisela (Hrsg.): Decken- und Wanddekoration in Hamburg vom Barock zum Klassizismus (Hamburg-Porträt. Museum für Hamburgische Geschichte 28 ) (1997), S. 3-18.
- Melhop, Bauweise, 1908. – Melhop, Wilhelm: Alt-Hamburgische Bauweise. Kurze geschichtliche Entwicklung der Baustile in Hamburg, dargestellt am Profanbau bis zum Wiedererstehen der Stadt nach dem großen Brande von 1842 nebst chronistisch-biographischen Notizen. Hamburg 1908.
- Rudhard, Bürgerhaus, 1975. – Rudhard, Wolfgang: Das Bürgerhaus in Hamburg. Tübingen 1975.
- Schröder, Harms, 1996. – Schröder, Dorothea: Johann Oswald Harms und die Ausmalung des Herrensaals der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg, in: Klodt, Olaf/Röske, Thomas (Hrsg.): Festschrift für Fritz Jacobs zum 60. Geburtstag. Münster 1996, S. 223-234.
Einzelnachweise
- ↑ Jaacks, Zimmer, 1997, S. 11-13; Rudhard, Bürgerhaus, 1975, S. 41, 67, 574.
- ↑ Melhop, Bauweise, 1908, S. 265, 276.
- ↑ http://www.deckenmalerei.eu/062d14c4-dbcd-40f2-bef7-d7d66e23eef9.
- ↑ Jaacks, Zimmer, 1997, S. 11-13; Schröder, Harms, 1996, S. 223.
- ↑ Jaacks, Zimmer, 1997, S. 12.
- ↑ Jaacks, Zimmer, 1997, S. 11.