Hamburg, Rieck Haus
Inventarnummer: cbdd20028
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Im Riek-Haus hat sich in der Stube Deckenmalerei aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhalten. Vier Putten personifizieren die vier Jahreszeiten.

Das Rieck-Haus
Kurzbeschreibung und Lage
Das so genannte Rieck-Haus[1] ist ein großes, aber von Prinzip her typisches, so genanntes Hufnerhaus aus den Vierlanden. Es setzt sich – wie bei Niederdeutschen Hallenhäusern üblich – aus einem Wohnbereich, einem Flett und einer Diele zusammen. Es steht direkt hinter dem im Süden gelegenen Deich zur Dove Elbe hin. Der Wohnteil befindet sich im Süden, der Wirtschaftsbereich im Norden.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Hufnerhaus von 1533 wurde mehrfach umgebaut und modernieisert, vor allem 1663. Es wurde bis das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts bäuerlich genutzt, auch wenn das Haus bereits 1940 von der Stadt übernommen und seit einer umfassenden Sanierung 1948-54 als Freilichtmuseum dient.
Beschreibung
Das Haus wurde im Gegensatz zu heute nicht über die Hoftür im Westen, sondern die Haustür im Osten betreten. Durch beide erreicht man das zentrale Flett. Die im Norden gelegene Diele ist vomn Flett nicht getrennt, etwa durch eine Scherwand. Der Wohnteil im Süden besteht aus zwei Einheiten, die sich jeweils aus einer Stube und einer Kammer zusammensetzen. Sie sind heute teilweise verändert bzw. in einen annähernd ursprünglichen Zustand rekonstruiert. Die beiden kleineren Räume an der Südostseite sind als Altenteil anzusprechen, die beiden größeren dienten dem Hausherrn und seiner Familie.
Die "Groot Döns"

Beschreibung
Die gute Stube[2] "Groot Döns" ist an der Südwestecke des Hauses gelegen. Sie hat eine Tür zum Flett im Norden und eine weitere Tür zur Kammer im Osten. Der helle Raum hat Fenster im Westen und Süden. Die Wände sind heute mit blau-weißen Fayencefliesen bedeckt. Ursprünglich sind zwei Wandbetten, eines mit Fenster zum Flett von 1776, sowie ein Wandschrank an der Ostwand. An der Südseite steht ein vom Flett aus zu befeuernder Fayenceofen. Zwischen diesem und der Ostwand befindet sich heute ein Ölgemälde auf aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit einer Darstellung der Opferung Isaaks. Es ist ungewöhnlich für ein Vierländer Bauernhaus und stammt vermutlich einer Kirche, in der es nicht mehr benötigt wurde.
Die Decke wird von zwei Balken in Längsrichtung in drei Fachen geteilt. Sie sind bemalt. Einer der Deckenbalken trägt die Inschrift: „Anno 1787 den 6 Julius Haben Tönnis Wulff und Gardrut Wulff die Stuben Reno Vieret Lassen. Wen Gott mir will gnedig sein Was acht ich den die Feinde mein und Gott thut mich so reichlich ernehren so kann ich doch alle meine Feinde entbehren“.[3] Es ist davon auszugehen, dass der Raum 1787 renoviert wurde.
Die Decke in der "Groot Döns"

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke ist älter als ihre Malerei,[4] die wohl im 18. Jahrhundert geschaffen wurde. Sie wurde mehrfach vergröbernd übermalt, zuletzt überstrichen und erst im 20. Jahrhundert wieder entdeckt. 1970 wurde sie restauriert. Die erste Malschicht war hellblau. Die Ornamente waren leichter und farbig vielfältiger als gegenwärtig. Die zweite Bemalung schuf einen dunkelgrünen Untergrund. Die Ornamente wurden stark vereinfacht in roten, gelben und schwarzen Tönen ausgeführt. Die dritte Schicht schließlich stellt vereinfachende Ergänzungen dar. Dabei wurden Teile der zweiten Fassung und der Ornamente freigelassen.
Beschreibung und Ikonographie
In jeder Fache sind zwei Putten dargestellt. Die beiden Putten in der östlichen Fache sind so schlecht erhalten, dass ihre Bedeutung nicht mehr ermittelt werden kann. Die verbleibenden vier Putten in der mittleren und östlichen Fache sind beschriftet und personifizieren die vier Jahreszeiten. Sie sind in querrechteckigen Rahmen aus Rocaillen und Ranken platziert.
Die Personifikation des Winters ist in der mittleren Fache am Süden gegen das Fenster hin zu sehen. Die Putte hat ein wärmendes Tuch über Kopf und Leib geworfen und schreitet in Richtung Raummitte. Die Schriftzug lautet: „der Winter“.
Der Frühling befindet sich in der äußeren Fache an der Nordseite. Die Putte scheint zu tanzen und hält in der rechten Hand einen nicht mehr genau zu bestimmenden Gegenstand (eventuell ursprünglich ein Füllhorn) und in der anderen Hand eine Blumengirlande. Die Beschriftung „der Früling“ befindet sich rechts oberhalb des Kopfes. Die Blumen in der linken Hand sind vergleichsweise wenig überfasst und geben einen letzten schwachen Eindruck von der ursprünglichen Qualität der Malerei.
Die Personifikation des Sommers in der äußeren Fache an der Südseite hatte sich auf etwas niedergelassen, das heute überfasst ist. Zu erkennen sind die Sichel in der Rechten und die Korngarbe in der Linken der Putte. Die Beschriftung lautet: „der Sommer“.
Der Herbst ist wieder in der mittleren Fache zu sehen, und zwar an der Nordseite. Die Putte ist dem Betrachter frontal zugewandt und hält in ihrer erhobenen Linken eine Weinrebe. Mit der rechten Hand stützt sie sich auf Blumen. Sie ist beschriftet mit: „der Herbst“.
Bibliographie
- Literatur:
- Grundmann, Rieckhaus, 1954. – Grundmann, Günther: Die Entstehung eines hamburgischen Freilichtmuseums in den Vierlanden (Rieckhaus in Curslack). München/Berlin 1954.
- Hoffmann, Bergedorf, 2009. – Hoffmann, Gerd: Ludwig Uphoffs Bergedorf. Geschichten aus der Geschichte eines Hamburger Stadtteiles. Erfurt 2009.
- Kaufmann/Hinrichsen, Rieck-Haus, 2000. – Kaufmann, Gerhard/Hinrichsen, Torkild: Das Freilichtmuseum Rieck-Haus in den Vierlanden bei Hamburg. Husum 2000.
- Klée-Gobert, Bergedorf, 1953. – Klée-Gobert, Renata (Bearb.): Bergedorf - Vierlande - Marschlande. Die Bau- und Kunstdenkmale der Freien und Hansestadt Hamburg. Bd. 1. Hamburg 1953.
- Archivalien:
- Restaurierung, 1971. – Stiftung Historische Museen Hamburg. Altonaer Museum. Archiv. Restaurierung der Holzdecke in der Döns des Rieckhauses Oktober bis November 1970. 26.06.1971.
Einzelnachweise
- ↑ Hoffmann, Bergedorf, 2009, S. 106-109; Kaufmann/Hinrichsen, Rieck-Haus, 2000; Grundmann, Rieckhaus, 1954; Klée-Gobert, Bergedorf, 1953, S. 98-100.
- ↑ Kaufmann/Hinrichsen, Rieck-Haus, 2000, S. 29-38; Grundmann, Rieckhaus, 1954, S. 7; Klée-Gobert, Bergedorf, 1953, S. 98-100.
- ↑ Zitiert nach Grundmann, Rieckhaus, 1954, S. 7.
- ↑ Grundmann, Rieckhaus, 1954, S. 3; Restaurierung, 1971.