Zum Inhalt springen

Hamburg, Haus Valentinskamp 34

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Hamburg, Haus Valentinskamp 34, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/7d68eb8d-bef9-4640-aa83-17427a2b0bb3

Inventarnummer: cbdd20225

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im Haus Valentinskamp 34 von 1650 haben sich in drei Räumen Reste von Deckenmalerei erhalten, die aus der Erbauungszeit stammen und in Beschlagwerk Medaillons präsentieren bzw. präsentierten. In einem vierten Raum hat sich der Rest einer Grisaillemalerei des frühen 18. Jahrhunderts erhalten.

Das Haus Valentinskamp 34 in Hamburg

Gebäude Valentinskamp 34 in Hamburg-Neustadt

Kurzbeschreibung und Lage

Das Haus[1]steht in der Hamburger Neustadt an der Südseite der Straße Valentinskamp. Die Neustadt wurde erst im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts in die Befestigungen der Stadt mit einbezogen. Und erst im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts erhielten die Bewohner die gleichen Bürgerrechte wie jene der Altstadt. Hier lebte eher die Mittel- und Unterschicht.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Grundstück ist bereits 1634 eingetragen und war 1644 bebaut. Das jetzige Gebäude ließ 1650 Hans Eulenkamp als Doppelhaus errichten. Die beiden Haushälften waren wohl beim von Westen (rechts) her gesehen dritten Balken getrennt. Hinter den östlichen vier Gefachen befand sich vermutlich von Anbeginn an eine Mietwohnung. Zwischen 1750 und 1772 wurde das Haus vermutlich zweimal umgebaut. Um 1800 dürfte das rückwärtige Treppenhaus entstanden sein. Und 1856 kam es erneut zu einem Umbau, kombiniert mit einer Aufstockung. Zwischen 1989 und 1993 erfolgten Restaurierungsarbeiten im Innern und Außen.[2]

Beschreibung

Das heute viergeschossige traufständige Fachwerkhaus ist elf Achsen breit. Das vierte Geschoss wurde nachträglich aufgesetzt. Das Hauptgeschoss ragt auf Knaggen vor. Jede Haushälfte hatte ehemals eine eigene hohe Diele mit Treppe. Die vertikale Erschließung erfolgt heute an der Hofseite.[3]

Die Fragmente der ersten Decke

Der Raum

Der Raum hat sich nicht in seiner ursprünglichen Gestalt von ca. 1650 erhalten. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde er unterteilt, hat aber seit Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts wieder seine ursprünglichen Maße. Er ist im zweiten Hauptgeschoss im Westen des Hauses zur Straße hin gelegen. Seine Eingangssituation ist nicht ursprünglich.[4]

Malerei – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Freihandmalerei in Leimfarbentechnik ist nach 1650 entstanden und wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt, wohl um 1700, überfasst. Später erfolgte eine dritte Fassung. 1992/93 wurde die Decke mit den Resten der ersten Fassung restauriert.[5]

Beschreibung und Ikonographie

Die erste Fassung ist fast gänzlich abgängig. Auf drei Brettern haben sich weiße florale Motive auf rotem Grund erhalten. Vermutlich gab es Blattkränze, in deren Mitte Blumen und Blätter zu sehen waren.[6]

Die Fragemente der zweiten Decke

Der Raum

Auch dieser Raum hat sich nicht in seiner ursprünglichen Gestalt von 1650 erhalten, sondern wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt in seinem Grundriss verändert. Er ist im Ostteil des Hauptgeschosses gelegen und weist auf den Hof im Süden.[7]

Malerei – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Leimfarbenmalerei an der Holzdecke stammt aus zwei ursprünglich verschiedenen Räumen und wird recht allgemein in das 17. Jahrhundert datiert. Sie ist nur in Resten erhalten und wurde 1992/93 restauriert. Die ehemals die Fugen verdeckenden Textilstreifen sind verloren.[8]

Beschreibung und Ikonographie

Fünf Deckenbalken bilden vier Fachen. In einem Feld befindet sich der Rest einer Malerei mit Blauanteil, die offenbar mindestens ein Medaillon mit Schrift am Rand einfasste. Diese gehörte zur vierten Decke im Haus. Auch die übrige Malerei im gegenwärtigen Raum umschloss – weiß ausgelegte – Medaillons mit umlaufenden Inschriften. Auf einem rotbraunen Fond ist eine hellgrüne Malerei in schwarze Konturen gesetzt. Zur Darstellung gelangt Beschlagwerk, verbunden mit floraler Ornamentik, in die Festons, Blattmasken, Obst und Vögel integriert sind. Die Balkenseiten waren wohl analog gefasst. Reste der Bemalung sind überkommen. In Analogie zur vierten Decke im Haus kann man annehmen, dass die Medaillons emblematische Darstellungen aufgenommen haben.[9]

Die Fragmente der dritten Decke

Der Raum

Der Raum im Hauptgeschoss ist 1650 entstanden und später verändert worden. Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde eine Trennwand an ihren ursprünglichen Ort rückversetzt. Die gegenwärtige Raumgröße und der Eingang im Süden sind nicht ursprünglich. Die Fenster befinden sich an der Nordseite.[10]

Malerei – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Leimfarbenmalerei auf Holz ist sehr wahrscheinlich nach 700 entstanden und gehört damit einer zweiten oder gar dritten Ausstattungsphase an. Sie wurde später mehrfach überfasst. 1992/1993 erfolgte eine Restaurierung der geringen Reste.[11]

Beschreibung und Ikonographie

Die gegenwärtige Holzbalkendecke hat vier Fachen. In dreien haben sich Malereireste erhalten. Auch an zwei Balken sind noch Reste der Bemalung zu sehen. Nur in einer Fache hat sich so viel Substanz erhalten, dass eine Beschreibung möglich ist. Es handelt sich um schwungvolle Grisaillemalereien mit kräftigen schwarzen Schattenkonturen. In Akanthusschlingen mit Obst sind menschliche Figuren und Putten auszumachen, die Gegenstände halten wie etwa ein Zepter. Gegen die Balken ist die Malerei durch Begleitstriche abgegrenzt.[12]

Die Fragmente der vierten Decke

Der Raum

Der Raum wurde 1650 für Hans Eulenkamp geschaffen. Später erfolgten verschiedene Umbauten und die Raumkubatur wurde verändert. Der Raum ist im Hauptgeschoss nach Norden zur Straße hin gelegen – annähernd in der Mitte des Hauses.[13]

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die um 1650 geschaffene Leimfarbenmalerei auf Holz ist nur fragmentarisch erhalten. Die Reste wurden 1992/93 restauriert. Ein weiteres Deckenfeld befindet sich heute in einem Nachbarraum. Die Fugen abdeckenden Textilstreifen sind verloren.[14]

Beschreibung und Ikonographie

Die Holzbalkendecke im gegenwärtigen Raum hat drei Fachen. Auf ehemals weiß grundiertem und heute holzsichtigem Grund ist mit kräftigen schwarzen Linien blau ausgefülltes Beschlagwerk gemalt. Hinzu kommen Cherubimköpfe, verschiedenes Obst in Stilllebenart, Vögel, ein Eichhörnchen und ein Schweinekopf. Auch die Balken sind mit Beschlagwerk geziert. In den Fachen befindet sich in der Mitte jeweils ein kreisrundes Medaillon, dass eine emblematische Darstellung mit umlaufendem Schriftzug aufnimmt. Die Darstellungen sind nahezu unkenntlich und auch die Schriftzüge nur lückenhaft erhalten.[15]

Im Medaillon links dringt Licht aus den Wolken hervor. Vor diesem Licht erscheint in der Mitte in Kreuzform der Schriftzug „Gloria [Gloria] / in [excel]sis [Deo]“. Er ist links, unten und rechts umgeben von drei Cherubimköpfen. Der Schriftzug um die Darstellung herum lautet „Hertzlich lieb [hab] ich dich o herr, [ich] bitte du wolls[t] [sein von mir] nicht fern, [mit Deiner Güter Gaben]“. Er zitiert die erste Strophe des lutherischen Kirchenliedes „Herzlich lieb hab ich Dich o Herr“ mit dem Text von Martin Schalling.

Das mittlere Medaillon zeigt ebenfalls Licht, das vom Himmel herabkommt. Einige Cherubimköpfe sind heute noch zu erkennen sowie unten dunkle Wolken. Der um die Darstellung umlaufende Text lautet „Lobet [den Her]rn in seinem [Heilig]tuhm, lobet ihn in seiner grosen Herrlichkeit [Alles,] was odem hat [, lobe den] Hern“ Es handelt sich um den Schluss des Hallelujas aus Psalm 150.

Das Medaillon ganz rechts präsentiert eine Wolkenhand, die einen Stab – eventuell ein Zepter – hält. Rechts daneben ist eine Mondsichel zu sehen. Der umlaufende Schriftzug wurde bisher nicht bestimmt. Zu lesen ist: „Herre du B[...] […]n Licht badt [...] Heil, des abend sol ihm meine n[…]adt D[...] […] en für [...] für“.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • Lange, Hamburg, 2008. – Lange, Ralf: Architektur in Hamburg. Der große Architekturführer. Über 1000 Bauten in Einzeldarstellungen. Hamburg 2008.
  • Archivalien:
  • 39-108.1090/1. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Valentinskamp 34. Aktenzeichen 39-108.1090, Bd. 1.
  • 39-108.1090/2. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Valentinskamp 34. Aktenzeichen 39-108.1090, Bd. 2.
  • 39-108.1090/3. – Freie und Hansestadt Hamburg.. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Valentinskamp 34. Aktenzeichen 39-108.1090, Bd. 3.
  • Kant, Valentinskamp, 1993. – Kant, Renate: Restaurierungsbericht Valentinskamp 34/ Holzbalkendecke. 1992-1993, in: Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Valentinskamp 34 Aktenzeichen 39-108.1090, Bd. 1.
  • Kant, Valentinskamp 2. OG, 1993. – Kant, Renate: Dokumentation. Konservatorische und restauratorische Maßnahmen, Holzbalkendecken 2. OG, Fachwerkhaus Valentinskamp 34, Lüneburg 1993.
  • Padberg/Boehme, Valentinskamp 34, 1988. – Padberg, Jürgen/Boehme, Irena: Bauhistorische Dokumentation des Hauses Valentinskamp 34 in Hamburg.Neustadt 1988.
  • Padberg/Unger, Valentinskamp 34, 1993. – Padberg, Jürgen/Unger, Gabi: Valentinskamp 34. Hamburg-Neustadt. Baubegleitende Dokumentation der Instandsetzung und Modernisierung. 1993.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 34; Lange, Hamburg, 2008, S. 53.
  2. Lange, Hamburg, 2008, S. 53. Kant, Valentinskamp, 1993; Padberg/Unger, Valentinskamp 34, 1993, S. 6-7; Padberg/Boehme, Valentinskamp 34, 1988, S. 5-23; 39-108.1090/1; 39-108.1090/3.
  3. Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 34. Kant, Valentinskamp, 1993; Padberg/Boehme, Valentinskamp 34, 1988, S. 12-13; 39-108.1090/3.
  4. Kant, Valentinskamp 2. OG, 1993, S. 49-51; 39-108.1090/1; 39-108.1090/1.
  5. Kant, Valentinskamp 2. OG, 1993, S. 51; Padberg/Boehme, Valentinskamp 34, 1988, S. 11; 39-108.1090/1; 39-108.1090/2; 39-108.1090/3.
  6. Kant, Valentinskamp 2. OG, 1993, S. 49-63; 39-108.1090/1.
  7. Kant, Valentinskamp 2. OG, 1993, S. 37; 39-108.1090/1; 39-108.1090/2; 39-108.1090/3.
  8. Kant, Valentinskamp 2. OG, 1993, S. 39-49; Padberg/Boehme, Valentinskamp 34, 1988, S. 11.
  9. Kant, Valentinskamp 2. OG, 1993, S. 37-47.
  10. 39-108.1090/1.
  11. Kant, Valentinskamp 2. OG, 1993, S. 13, 17-18; Padberg/Boehme, Valentinskamp 34, 1988, S. 11.
  12. Kant, Valentinskamp 2. OG, 1993, S. 13. 17-22.
  13. Kant, Valentinskamp 2. OG, 1993, S. 23-24; 39-108.1090/1.
  14. Kant, Valentinskamp 2. OG, 1993, S. 23-26; Padberg/Unger, Valentinskamp 34, 1993, S. 6; Padberg/Boehme, Valentinskamp 34, 1988, S. 11.
  15. Kant, Valentinskamp 2. OG, 1993, S. 23-36; Padberg/Unger, Valentinskamp 34, 1993, S. 5-6.