Hamburg, Haus Deichstraße 39
Inventarnummer: cbdd20216
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Eine um 1700 bemalte Holzbalkendecke präsentierte in sieben Medaillons polychrome menschenleere mitteleuropäische Ideallandschaften, die durch wenige Bauten belebt werden.

Das Haus Deichstraße 39

Kurzbeschreibung und Lage
Das Haus steht in der Hamburger Altstadt zwischen Deichstraße und Nikolaifleet.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das um 1700 errichtete Haus wurde mehrfach umgebaut und ist außen und innen weitgehend verändert. 1998 gelangte es an den Verein „Rettet die Deichstraße e.V.“ und wurde anschließend renoviert.[1]
Beschreibung
Über hohem Sockelgeschoss erheben sich vier Stockwerke, auf die ein zweimal gestaffelter Giebel folgt. Die Front ist nachträglich vor das Gebäude gesetzt worden, welches bis auf Sockel- und Erdgeschoss eine Fachwerkkonstruktion ist.[2]
Die bemalte Holzbalkendecke im Mittelraum des 2. Obergeschosses
Der Raum
Der Raum im zweiten Obergeschoss ist zusammen mit dem Haus entstanden. Er befindet sich in der Hausmitte mit Fenstern nach Süden und wurde um die Jahrtausendwende sowohl renoviert als auch umgestaltet. Einbauten im Norden und Süden haben ihn verkleinert.
Malerei – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei ist um 1700 entstanden. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde sie verdeckt und erst im Rahmen der Umbauarbeiten 1978 wiederentdeckt und vermutlich auch restauriert. Offensichtlich sind an Fehlstellen Retuschen vorgenommen worden.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Deckenbalken bilden fünf unterschiedlich große Fachen, die heute teilweise verdeckt sind. Sie sind als Fond für die Malerei weiß gefasst. In den breiten Fachen befinden sich je zwei, in den kurzen je eine Landschaft in einem entweder runden oder querovalen Medaillon. Deren Zwischenräume sind mit goldfarbenen (rot-orangen) Akanthusschlingen gefüllt. Medaillons und Deckenfelder werden von fingierten Stuckrahmen begrenzt, die relativ plump angelegte graue Schatten haben. Diese nehmen auch keinen Bezug auf reale Lichtverhältnisse. Begleitstriche grenzen die Fachen von den Deckenbalken ab. Die Balken sind in Anlehnung an die Malerei in den Fachen gestaltet. An der Unterseite geht flammenartiger Akanthus von einem runden Mittelfeld aus. Die Seiten zeigen Akanthusschlingen, die aus einem kreisrunden Ornament oder einer Agraffe herauswachsen. Die Kanten der Balken sind analog zu den fingierten Stuckrahmen bemalt.
In der obersten Fache im Osten hat sich kaum Malerei erhalten. Lediglich im Norden gibt es ein paar Bretter, die heute in der Wand verschwinden. In der zweiten Fache sind heute zwei getrennte Deckenfelder zusammen zu sehen, wobei das nördliche wiederum in die Wand geht. Die beiden Medaillons zeigen ideale mitteleuropäische Landschaften. Links blickt man zwischen hoch aufragenden Bäumen hindurch über eine weite Wasserfläche auf eine Ansiedlung mit Kirche, hinter der sich Berge erheben. Rechts geht der Blick zwischen Bäumen hindurch auf ein kastellartiges Schloss im Bildmittelgrund. Dahinter steigen erneut Berge auf. Die nächste Fache ist bedeutend schmaler und die Medaillons sind daher nicht kreisrund, sondern queroval. Sie präsentieren ganz ähnliche Landschaften. Links geht der Blick in einem lichten Wald zwischen Bäumen hindurch in eine unbestimmte Tiefe. Am linken Rand ist ein Schloss angeschnitten auszumachen. Im rechten Medaillon sieht man am Ende einer von Bäumen flankierten Lichtung links eine malerische Baumgruppe aufragen und rechts in der Ferne Berge. In der nächsten kurzen Fache gibt es nur ein Medaillon. Es nimmt eine baumbestandene Flusslandschaft auf. Am Ufer steht ein turmreiches Schloss, hinter dem sich rechts ein Berg erhebt. Die letzte Fache bietet wieder Raum für zwei Medaillons. Links erblickt man zwischen Bäumen einen geschlängelten Bachlauf, der in einen See mündet. Rechts wird ein palisadenbewehrtes Gehöft hinter einem Wassergraben gezeigt. Der Graben wird von einem kleinen Fluss gespeist, den im Vordergrund eine Holzbrücke quert. Zwei hohe Bäume flankieren den Hof. Dahinter befindet sich ein breiter Strom, an dessen jenseitigen Ufer eine Stadt steht, hinter der das Gelände hoch ansteigt.
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Alle Landschaften sind grob skizziert und mit wenigen Farben gemalt. Hier legen schwarze Linien die Umrisse der Gegenstände und ihren Schattenwurf fest. Das Erdreich im Vordergrund sowie die Bauten und Baumstämme sind braun gehalten, das Laubwerk grün. Lichter sind in gelb aufgesetzt (was den Höhungen der Akanthusschlingen entspricht). Die Berge im Mittel- und Hintergrund sind braun oder blaugrau gehalten, die Bäume blaugrau. Menschen und Tiere sind keine zu sehen. Die Farbigkeit unterscheidet die Landschaften von den in dieser Region in Medaillons üblicherweise monochromen Malereien. Die Ansichtigkeit ist auf Betrachtende im Westen ausgerichtet.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
- Rudhard, Bürgerhaus, 1975. – Rudhard, Wolfgang: Das Bürgerhaus in Hamburg. Tübingen 1975.
- Archivalien:
- 39-192.111/2. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Deichstr. 39, Aktenzeichen 39-192.111, Bd. 2.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 37; Rudhard, Bürgerhaus, 1975, S. 73. http://www.deichstrassehamburg.de/haeuser/
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 37.
- ↑ 39-192.111/2.