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Höglwörth, ehem. Augustiner-Chorherrenstifts, ehem. Stiftskirche

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 216–231, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

HOGLWÖRTH

Ehem. Augustiner-Chorherrenstift. Gemeinde und Pfarrei Anger. Erzdiözese München und Freising. Ehem. Erzdiözese Salzburg. Hochfürstlich Salzburgisches Pfleggericht Staufenec

Ehem. Stiftskirche S. 218. Ehem. Winterchor S. 232. Ehem. Prälatur S. 237.

Zur Geschichte: Nach der Höglwörther Klostertradition wurde die Kirche von Anger schon im 8. Jh. von der Nonnberger Konventualin Ellenburg gegründet. Anger hieß bis ins 18. Jh. Ellenburgskirchen (Ölpergskhirchen u. ä., urspr. Ellanburgskhircha). Nach der Beschreibung der Pfarrei Anger vom letzten Propst Gilbert Grab 1804 (AEM) hatte Ellenburgs Vater, Witigovvo »aus dem Stamm der Grafen von Plain« das ganze Land vom Staufen bis Teisendorf und um den Högl besessen und die Gegend um Anger dem Dom in Salzburg geschenkt, worauf seine Tochter die Kirche in Anger gründete. In der neueren Forschung wird eine kleine, von St. Peter in Salzburg abhängige benediktinische Ansiedlung als Vorgänger Höglwörths für möglich gehalten. Auf sicherem Grund ist man aber erst mit der Urkunde Graf Liutolds III. von Plain, der im Jahr 1217 die Schenkungen seiner Vorfahren an das Kloster Höglwörth bestätigte: »Confirmamus omnia iura, que a patre nostro, vel matre, avo, avia, proavo et proavia vel etiam a ministerialibus nostris possidentur« (Geiß, S. 327). Daher galten die Grafen von Plain in der Klostertradition als Gründer Höglwörths; eigentlicher Gründer von Höglwörth als Augustiner-Chorherrenstift war aber mit Sicherheit Erzbischof Konrad I. von Salzburg († 1147), der große Förderer der Augustiner-Chorherren, dem dabei vor allem an der Pfarrseelsorge durch Regularkanoniker gelegen war. Unter Konrad von Salzburg entstanden neben Höglwörth im bayrisch-salzburgischen Gebiet die Stifte St. Zeno, Gars, Au, Weyarn, Suben, Reichersberg und Ranshofen; bei all diesen Gründungen sorgte Konrad für eine enge Bindung der Stifte an das Hochstift Salzburg.

Liutold III. Graf von Plain starb auf der Rückkehr von einem Kreuzzug in Treviso am 28.8.1219. Sein Leichnam wurde nach Höglwörth überführt und dort vor dem ehemaligen Johannesaltar der Klosterkirche begraben, der am 1.2.1210 durch Bischof Carl von Seckau geweiht worden war.

Um die Mitte des 15. Jh. nahm Höglwörth die Indersdorfer Reform an. Der Niedergang im 16. Jh. führte fast zum Erlöschen des Klosters. Propst Johann Wolfgang Zehentner (1652–71) ließ ab 1665 die baufällige Klosteranlage auf der kleinen Insel im Höglwörther See erneuern (das Dormitorium war eingefallen) und setzte die Arbeiten bis 1671 fort, als er zur Resignation gezwungen wurde. Der Neubau wurde mit Refektorium und Zellenbau unter der Administration Johann Adam Webers (1673–76, s. S. 232f.) fortgeführt, die Leitung hatte der Salzburger Stadtmaurermeister Rupprecht (Ruepp) Hueber, Maurermeister war Ruepp Eder aus Anger. An der unregelmäßigen Anlage änderte sich wegen der Enge auf der Insel nichts. Anschließend Neubau der Kirche.

Höglwörth war ein wenig begütertes, aber auch kleines Kloster, sodaß die Einkünfte im Verhältnis zur Größe nicht schlecht waren. Das geht schon daraus hervor, daß es sich aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten immer schnell erholte, sobald es einen fähigen Propst hatte. Daran aber mangelte es nur allzu oft. Das Präsentationsrecht auf den Propst hatte das Domkapitel in Salzburg; es kam also nie, wie in anderen Augustiner-Chorherrenstiften, zu einer Wahl des Propstes durch den Konvent, nie dazu, daß die Gemeinschaft aus eigener Erfahrung den wählen konnte, den sie für das Amt geeignet hielt. Mehrfach wurde dem Stift statt eines Propstes ein Admi-

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Administrator vorgesetzt. Aber auch als das Domkapitel ab Patritius Pichler (1686–91) Pröpste aus dem Höglwörther Konvent präsentierte, kam es immer wieder zu disziplinären und wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Höglwörth hatte zunächst keine Klosterhofmark, nur seit 1454 die Freyung (Asylrecht) für die Insel im See, auf der Kloster und Kirche standen. 1722 erwarb das Stift die Hofmark Vachenlueg, aber nur mit den grundherrlichen Rechten, ohne Gerichtsbarkeit. Die Pfarreien Anger und Piding sowie das Benefizium in Vachenlueg waren Höglwörth inkorporiert. Die Pontifikalien bekam Höglwörth erst 1733 unter Propst Johann Baptist Puchner (1725–48).

Höglwörth war Landstand des Fürstbistums Salzburg, deshalb fiel es 1802/03 der Säkularisation in Bayern nicht zum Opfer; es kam mit dem Land Salzburg an den Großherzog von Toskana und später an den Kaiser von Österreich. 1815 wurde Höglwörth bayrisch und sollte zunächst nicht mehr säkularisiert werden; doch war es unter seinem letzten Propst Gilbert Grab (1804–17) soweit heruntergekommen, daß es 1817 doch aufgehoben wurde. Der Bierbrauer Philipp Wieninger kaufte am 14.6.1821 die Klostergebäude. Sie befinden sich bis heute im Besitz der Familie. Die ehem. Klosterkirche mit der Sakristei und dem südlich an die Kirche anschließenden nördlichen Kreuzgangtrakt sind in Staatsbesitz.

Ehem. Augustiner-Chorherrenstiftskirche, heute Filialkirche der Pfarrei Anger. Die Kirche besaß ein Kopfreliquiar der hl. Eulalia, außerdem den Leib des römischen Martyrers Placidus, an dessen Fest seit 1707 ein vollkommener Ablaß zu gewinnen war. Am Kreuzaltar wurde ab 1720 ein Kreuzpartikel verehrt. Trotz dieser Heiltümer kam es nie zu einer nennenswerten Wallfahrt. Die Allerseelen-Bruderschaft, 1464 eingerichtet, war im 17./18. Jh. bereits erloschen (Visitation 1702: »Confraternitas nulla adest«).

Patrozinium: St. Petrus und Paulus

Zum Bauwerk: Die Kirche mit dem Kloster liegt auf dem höchsten Punkt einer kleinen Insel im Höglwörther See, über Holzbrücke und Torbau zu erreichen. Als Weihedaten sind 1219 und 1312 überliefert. Vom mittelalterlichen Bau ist der Chor in Form und Mauerwerk erhalten. Am 23.5.1673 bestimmte der Salzburger Fürstbischof Max Gandolf Graf von Khuenburg (1668–87) den Neustifter Chorherrn Johann Adam Weber zum Administrator von Höglwörth (Propst 1676–86); Weber wurde Bauherr der neuen Kirche. Noch im gleichen Jahr kam der Salzburger Maurermeister Hans Nußdorffer als Sachverständiger, um die mittelalterliche Kirche zu begutachten, und fand eine »alt gewöst und beraith halb eingefallene Khürchen«, die »sich von Tag zu Tag noch mehrers zum Sinken begibt«. Er riet dringend zum Abbruch und Neubau. Anfang des Jahres 1675 verlangte der Fürstbischof einen Riß »des vorhabenden Kirchengepeus«. Der erzbischöfliche Baukommissar von Salzburg, Michael Spingrueber (1616–94), kam im Mai mit Rupprecht Hueber nach Höglwörth, fand den vorhandenen Riß für die Kirche zu kostspielig und entwarf einen weit einfacheren: statt des gemauerten wurde ein »Rohrgewölbe« (und damit schwächere LHs-Mauern) vorgesehen und statt des weit größer geplanten Chors die Beibehaltung des kleinen alten (AEM, Klosterakten Höglwörth; Pläne im Akt; Voranschläge vom 30.4.1675 über insgesamt 6984 fl.). Dieser Bau wurde am 26.6.1675 genehmigt und die alte Kirche anschließend abgebrochen. Die Tuffsteine wurden beim Neubau wieder verwendet. Der Fürstbischof versprach das Eisen zum Bau und einen neuen Hochaltar. Im April 1677 war die Kirche bis auf den Turm unter Dach gebracht, »und mit dem Gwölb völlig geschlossen worden«. Ende 1677 war sie geweißt und soweit fertiggestellt, daß die Lizenz zum Messe-Lesen beantragt wurde. Der Turm hatte damals die geplante Höhe noch nicht erreicht. Das Geld war knapp, 1680 fehlten noch zwei Seitenaltäre, Orgel, Kanzel, Taufstein, Weihwasserbecken, Ausbau der Grüfte und das Kirchenpflaster. Weihe am 7.8.1689 durch den Salzburger Fürstbischof Johann Ernst von Thun (1687–1709). Von der Innendekoration dieser Kirche ist nichts bekannt, sie war vermutlich sehr einfach; doch ist eine Stuckierung durch den Stuckator des Winterchors (s.S. 232) anzunehmen.

1765 Rokokodekoration des Kirchenraums mit Stuck und Fresken. Bei dieser Gelegenheit wurden, um Platz im Presbyterium zu gewinnen, der Hochaltar an die Ostwand geschoben und die beiden vorderen Seitenaltäre versetzt. Stuckator war der Salzburger Benedikt Zöpf, der aus der Wessobrunner Stuckatorenfamilie Zöpf stammte. 1731 arbeitete der bis 1740 in Stadtamhof ansässige Zöpf in Heiligenstatt (OÖ) mit Michael Vierthaler aus Mauerkirchen und heiratete im gleichen Jahr in Friedburg (OÖ) Sabine Pernstötter. 1740 stuckierte er die Friedhofskapelle in Ampfing (Lkr. Mühldorf). Seit 1741 war er in Salzburg ansässig, wo er vor allem lange Jahre für die Abtei St. Peter beschäftigt war (1753–70), aber auch in St. Sebastian (1751/52) und St. Michael (1769) arbeitete, sowie im Salzburger Land (Seekirchen 1741, Marzoll 1747). In Berchtesgaden stuckierte er in den Fürstpröpstlichen Schlössern Lustheim und Fürstenstein, schuf für Ettenberg zwei Stuckmarmoraltäre (1753, s.S. 207) und arbeitete auch für die Kunterwegkirche. Er starb am 17.12.1769 in Salzburg.

Die Kirche hat sechs Altäre, alle aus Adneter bzw. Untersberger Marmor. Der Hochaltar (1766) ist von dem Salzburger Steinmetzen Johann Högler und dem Bildhauer Lorenz Hörmbler. Er ist den Aposteln Petrus und Paulus geweiht. Das Altarblatt des Sieneser Barockmalers Francesco Vanni (1601) zeigt die Verklärung Christi. Die Patrone Petrus und Paulus stehen als große Statuen am Altar.

Die beiden Seitenaltäre am Chorbogen sind ebenfalls Werke von Högler und Hörmbler, entstanden 1766. Sie haben die Patrozinien Mariä Himmelfahrt (N) und Augustinus (S). Die Altarblätter sind von Franz Nikolaus Streicher, links die Aufnahme Mariens in den Himmel und im Auszug Joseph mit dem Jesusknaben; rechts Augustinus in der Glorie und im Auszug Maria mit Anna und Joachim. Als Seitenfiguren stehen am linken Altar Johann von Nepomuk und Theresia von Avila, am rechten Altar Monika, die Mutter des hl. Augustinus, und Maria Magdalena.

Der Kreuzaltar steht im dritten Joch an der Südwand, ihm gegenüber liegt das Nordportal der Kirche. Altar und Portal sind von hohen klassizistischen Marmoraufbauten von 1795 umgeben, die sich formal entsprechen; beide sind von der

Der Kirchenraum

Hand des Salzburger Bildhauers Joseph Doppler. Der Tabernakel des Altars stammt jedoch von dem alten Kreuzaltar, der unter Propst Johann Baptist Zächerl (1691–1725) nach 1720 errichtet worden war (s. unter D1). Die beiden Seitenfiguren sind Arbeiten des Salzburger Bildhauers Franz von Paula Hitzl.

Die beiden Altäre unter der Empore sind von Joseph Doppler und Franz von Paula Hitzl; man nimmt einen Entwurf des Salzburger Hofbaumeisters Wolfgang Hagenauer an. Sie sind dem römischen Katakombenheiligen Placidus (S) und Katharina von Alexandrien (N) geweiht.

Weiter Saal zu fünf Jochen, das westliche mit Vorhalle, zwei seitlich anschließenden Kapellen und darüberliegender Empore. Gliederung durch Wandvorlagen mit Pilastern, die von kräftigen verkröpften Gesimsstücken gekrönt sind. Belichtung von N durch hohe Fenster im ersten, zweiten, vierten und fünften Joch (im dritten Joch Eingang). Großes gemaltes Blindfenster im fünften Joch der Südseite. Stark eingezogener AR, annähernd quadratisch, mit geradem Schluß; Belichtung durch je ein Fenster von Nord und Süd.

Auftraggeber: Propst Anian Köllerer von Höglwörth (1762–1803). Die Uhr am Chorbogen ist von zwei stuckierten Wappenbildern in den Farben Grün und Weiß flankiert, von denen das linke (heraldisch rechts) die gekreuzten Schlüssel des Stiftswappens zeigt, das rechte (heraldisch links) auf dem Dreiberg die von Schilfkolben flankierte Blume des Wappens von Propst Anian Köllerer (in Zimmermanns Klosterheraldik liegt eine Verwechslung der Wappen vor, was zu Irritationen bei der Datierung führte).

Anian Köllerer, geboren am 11.5.1728 in Mondsee, stammte aus angesehener Familie, studierte an der Universität Salzburg und legte 1750 die Profess in Höglwörth ab (Primiz am 28.10.1751). 1758–61 war er Pfarrvikar von Anger und ab 1758 bis zu seiner Wahl Dekan, außerdem Novizenmeister. Nach dem Tod Propst Augustin Esslingers 1762 wurde er im Alter von 34 Jahren Propst. Während seiner 41-jährigen Regierungszeit war sein Hauptanliegen die Ausstattung und Einrichtung der Klosterkirche. Er war in anderen Dingen äußerst sparsam, was zu Beschwerden der Konventualen über allzu schlechte Kleidung und Nahrung führte. Auch gab es Differenzen mit dem Konvent, weil der Propst eigenwillig wirtschaftete und keine Einsicht in die Klosterrechnungen gab. Köllerer häufte aber keineswegs Schulden an, sondern ein beträchtliches Guthaben. Er starb am 28.11.1803 an der HerzHerzwassersucht (AEM, Klosterakten; Geiß 1852, S. 476–91).

Die Rotel berichtet von ihm: »Dilexit decorem Domus Dei; nam Ecclesiam nostram collegiatam restauravit, Altaria omnia ex marmore, sic et pavimentum restituit, totiusque Ecclesiae faciem optimam in formam reduxit« (Er liebte die Zierde des Hauses Gottes; er erneuerte nämlich unsere Stiftskirche, ließ alle Altäre aus Marmor machen, stellte das Pflaster wieder her und brachte das Aussehen der Kirche in die beste Form« (Geiß, S. 476 f.). Dieser Geldzufluß mag den Entschluß zur Dekoration beeinflußt haben.

Autor und Entstehungszeit: Franz Nikolaus Streicher (*1736 Trostberg † 1811 Salzburg; s. S. 383) 1765. Signatur auf dem Stein im Vordergrund von Hauptbild B F. St. pin 1765. Für die Stuckierung und Freskierung der Höglwörther Kirche 1765 gibt es keine Quellen, von Streicher wissen wir nur durch die Signatur, von Zöpf durch den Vergleich mit der Stuckierung der Stiftskirche St. Peter in Salzburg. Die Stiftsrechnung 1784 (BHStA, KL 926) nennt Streicher als Restaurator von K, außerdem werden hier die beiden hinteren Seitenaltäre mit seinen Altarbildern und Faßarbeiten abgerechnet.

Die Höglwörther Fresken sind Streichers erste nachweisbar Kirchenausmalung, kaum zu glauben, weil hier der neunundzwanzigjährige Maler schon mit dem Können und der Perfektion eines gewandten Freskanten auftritt.

Streicher arbeitete während der langen Regierungszeit Anian Köllerers noch oft für Höglwörth. Das große Fresko im Fürstensaal von Höglwörth (s. S. 237ff.) kann ihm zugewiesen werden. Er malte die vier Seitenaltarbilder in der Klosterkirche, für den Mariä-Himmelfahrt-Altar, den Augustinus-Altar, den Placidus-Altar und den Katharinen-Altar (alle in situ erhalten). Von seiner Hand sind außerdem vier große Ölbilder mit Szenen aus dem Leben der Kirchenpatrone Petrus und Paulus. Zwei davon, die Martyrien Petri und Pauli, befinden sich heute in der Pfarrkirche von Anger, die andern beiden, die Berufung Petri und Bekehrung Pauli, hängen im Chor der Klosterkirche. Sie wurden 1817 nach den Säkularisierungsakten (BHStA KL 930) als im Presbyterium hängend beschrieben und auf 12 fl. geschätzt. Von Streicher (1784) gemalten Türfüllungen am hinteren Portal. Zu weiteren kleineren Arbeiten s. Standl 2003 (S. 65–67).

Die Abrechnung mit Streicher wegen der hinteren Seitenaltäre in der Stiftsrechnung 1784 lautet: »Franz Streicher Mahler zu Salzburg um Fass: und Vergoldung der Capital, Vasen, Piedesta, Gehäng und Frießen 125 f. item dieser für 2 Bilder und Fassung der darzue gehörigen Ramen und Postamenten 74 fl 36x. Dan für das Altarblatt und Bildnus des H: Placidi 45 fl Für Renovation eines in fresco gemahldt ober dem Altar S Catharinae und 4 gemahlte Füllungen an der hintern Kürchen Vorthür 9 fl.«

Franz Nikolaus Streicher, * am 9.9. 1736, war Sohn des Trostberger Gerichtsdieners Joseph Streicher († 1764) und seiner Ehefrau Maria. Von seiner Ausbildung ist wenig bekannt, auffallend ist bei den Höglwörther Fresken die Nähe zu Johann Baptist Zimmermann († 1758), als dessen Geselle er 1753 ff. bei der Ausmalung von Margarethenberg (LKr. Altötting, s. CBD, Bd 9, S. 119–24) schon denkbar wäre. Damals war Streicher siebzehnjährig.

Seit 1762 war Streicher in Salzburg, wo er durch die Heirat am 11.6.1763 mit der Witwe Maria Klara Frießenegger Bürger wurde (Weichslgartner 1998, S. 68 f.). Außer den Höglwörther Fresken ist nur eine weitere Ausmalung bekannt, die Freskierung des Abteisaales im Benediktinerstift Michaelbeuern 1771, wo er Abraham und die drei Engel malte.

als es nur noch wenig Aufträge für Freskierungen und für Altarbilder gab, erlebte Streicher noch eine fruchtbare Zeit als Porträtmaler, starb aber am 20.5.1811 in Armut (Weichslgartner 1998, S. 76; Standl 2003, S. 57 f.).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B) gedrückte Tonne mit kleinen Stichkappen; Chor (C) und Kapellen (K1-2) verschliffenes Kreuzgratgewölbe; Vorhalle (V) Flachdecke

Rahmen: A, B und C, K1-2, W1 und W2 kräftige profilierte Stuckrahmen, die nur an wenigen Stellen von gelängten, schlanken Rocaille-Ornamenten überspielt werden. Fresko V mit einer gemalten Rahmenzone nimmt die ganze Deckenfläche der Vorhalle ein.

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 12,00 m; 5,60 × 3,70

B Höhe 12,00 m; 12,40 × 6,20

C Höhe 10,20 m; 3,55 × 3,45

K1-2 Höhe 4,75 m; 2,85 × 2,75

V Höhe 3,10 m; 2,25 × 2,10

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Durch die spezielle Situation Höglwörths bei der Säkularisierung hatte die Kirche keinen Kapitalfond für Bauhalt und Kirchenunterhalt. In den ersten Jahren nach der Säkularisierung ließen Gemeindemitglieder, vor allem die Familie Wieninger als Besitzer der Klostergebäude, die nötigen Reparaturen an der Kirche ausführen, stifteten Kerzen und Meßwein, bis »l Entschließung (Ludwigs I.) am 31. März 1836 am Bord de Medea im Hafen von Ankona das k. Ärar die Bestreitung der Baulast übernahm« (AEM). Es geschah aber nichts und 1829 wurde geklagt, es gehe »dieses herrliche Tempelgebäude, das schönste in der ganzen weiten Umgebung, ausgezeichne durch Schönheit und inneren Kunstwerth mit Riesenschritter dem Ruin entgegen«. Dachreparaturen 1838 und 1878. Eine 1937 geplante Restaurierung wurde wegen des Krieges nicht durchgeführt.

Bei der Restaurierung 1951/53 ging es in erster Linie um die Altäre, die wegen Holzwurmbefalls dem Ruin nahe waren. Die Arbeiten führten Georg Gschwendtner, Karlstein, und Willibald Stein, Inzell, aus. Der Raum wurde gereinigt und getüncht, der Stuck ausgebessert. Die Deckenbilder wurden nur entstaubt, mit Ausnahme der Wandfresken und der Deckenbildes in der Vorhalle, die restauriert wurden.

Letzte Gesamtrestaurierung 1979–86 unter Leitung des Landbauamts Traunstein, Restaurierung des stark verschmutzten Kirchenraums 1983/84. Die ursprüngliche Fassung mit der Stuckfarbe Grün und der Wand- und Gewölbefarbe Weißgrau war bei den Tünchungen bis dahin beibehalten worden, wenn auch das Grün im Ganzen dunkler und das Weißgrau etwas gelblicher im Ton war. Es wurde nun wieder das ursprüngliche Malachitgrün verwendet. Gleichzeitig Restaurierung der Fresken: Arbeiten im Chor durch Martin Zunhamer, Altötting, im Langhaus durch Ludwig und Elisabeth Keilhacker, Taufkirchen. Die Fresken waren gut erhalten, im Chor waren größere Partien in Secco-Malerei ausgeführt, im Langhaus nur ein Teil der Grünpartien. Sie puderten ab und mußten gefestigt werden. Die Deckenbilder wurden gereinigt, Schimmelflecken entfernt, Risse geschlossen (Fresko B hatte einen Längsriß im Scheitel, der schlecht repariert war) und vorsichtig retuschiert. Die Wandbilder im Langhaus waren stark verschmutzt und hatten Übermalungen. Hier waren mehr Retuschen nötig als in den Deckenbildern. Der Zustand aller Fresken ist sehr gut.

A Lobpreis Gottes

Beschreibung und Ikonographie

Der weite Kirchenraum, in der ursprünglichen Farbigkeit Weiß und Malachitgrün wiederhergestellt, mit dem schlanken und elegant gezogenen Stuck der 60er und 70er Jahre des 18. Jh. gibt eine in sich einheitliche Folie für die lichte und zarte Buntfarbigkeit der Fresken Streichers.

Die drei Hauptthemen der Ausmalung einer Stiftskirche im 18. Jh. sind in der Regel der Kirchenpatron, der Orden und die Gründung. Während sich das Stift in der Berufung auf den Ruhm des Ordens und die Bedeutung des Ordensgründers in einen größeren Zusammenhang der Heilsgeschichte stellt, betont es mit der jeweils eigenen Gründungsgeschichte seine spezielle Rolle in ihr, die es unter dem Schutz des Patrons bzw. der Patrone spielt. In Höglwörth werden alle drei Themen im Hauptbild abgehandelt, während A und C sich auf die Musikempore und auf die Eucharistie am Altar beziehen.

A LOBPREIS GOTTES Ansicht nach W. In einer hellen Glorie zuoberst im Bild erscheint das Jahwezeichen im Dreieck, umgeben von den Evangelistenzeichen Adler, Engel, Löwe und Stier. Darunter fliegt ein großer Engel und hält eine strahlenumgebene Scheibe mit dem IHS mit beiden Händen hoch. Auf Wolken sind unter diesen göttlichen Symbolen im Halbkreis Heilige und vorn rechts König David mit der Harfe dargestellt, im hermelinbesetzten Mantel, die Krone auf dem Haupt. Die Wolke, auf der er kniet, übergreift den westlichen Bildrahmen. Ihm gegenüber spielt die hl. Cäcilia auf der Orgel. Über den seitlichen Rahmen sind die Kirchenväter dargestellt, rechts Hieronymus, weißhaarig und bärtig, nur mit einem weiten Mantel bekleidet. Er hält die Linke vor der Brust und die Rechte geöffnet nach oben, wo aus den Wolken die Trompete ragt. Auf dem Schoß hat er ein geöffnetes Buch. Neben ihm ist Papst Gregor der Große zu sehen, die Tiara und das dreifache Papstkreuz neben sich, am Ohr die Taube als Zeichen seiner himmlischen Inspiration. Er hält mit der Linken ebenfalls ein aufgeschlagenes Buch, und ein Putto zu seinen Füßen weist ein Schriftband vor, mit Notenschrift und den Worten Benedicamus Domino. In der Gegenansicht sind die Bischöfe Augustinus von Hippo und Ambrosius von Mailand dargestellt. Ambrosius hält die Rechte mit der Feder hoch und hat neben sich den Bienenkorb, ein Putto hält den zweifachen Kreuzstab. Augustinus hat das Pedum bei sich, er schreibt in ein Buch, aus seiner Brust schlägt eine Flamme.

Ganz offensichtlich sind die Kirchenväter mit David und Cäcilia zum Lob Gottes versammelt. Gregor war der Begründer des Gregorianischen Gesanges. Das »Benedicamus Domino« (Laßt uns den Herrn preisen) ist aber kein Text von ihm, sondern eine seit dem 11. Jh. bezeugte Schlußformel für das Offizium und die Messe (was den Chorherren natürlich bekannt war); es steht hier als Aufforderung zum Lobpreis Gottes. Ambrosius von Mailand gilt als der Vater des Kirchengesangs und als erster Verfasser von Hymnen; von seinen vierzehn erhaltenen »Ambrosianischen Hymnen« werden drei im römischen Brevier heute noch verwendet. Das »Te Deum«, auch Ambrosianischer Lobgesang genannt, wurde nach der Legende erstmals nach der Taufe des Augustinus durch Ambrosius von beiden im Wechselgesang gesungen (s. S. 30). Hieronymus hat sich zwar im Hinblick auf den Kirchengesang nicht hervorgetan, sich aber viel mit den Psalmen beschäftigt. Vielleicht tritt er aber hier auch nur zur Komplettierung der Vierzahl der Kirchenväter auf, deren Anliegen ja generell das Lob Gottes war.

An der Emporenbrüstung befinden sich Schriftkartuschen mit Textstellen aus einem Lobgesang Davids, im Süden IN OMNI TEMPORE, im Norden BENEDICAM DOMINUM (Ps 33,2) und in der Mitte MAGNIFICATE DOMINUM (Ps 33,4).

B DIE STIFTUNG HÖGLWÖRTH UNTER DEM SCHUTZ SEINER PATRONE Über einer seichten landschaftlichen Handlungsbühne, einer Voralpenszenerie mit Bergen im Hintergrund, entfaltet sich eine reichbewegte, groß angelegte Himmelsszenerie, in der zuoberst die Taube des Heiligen Geistes schwebt. Um deren Strahlenglorie sind anbetende Engel und Wolken angeordnet; unter der Geisttaube erscheinen Gottvater mit Zepter und Weltkugel und Christus, dessen Kreuz von Engeln getragen wird. Christus hat die Arme ausgebreitet, um Maria zu empfangen, die auf einer Wolke, getragen von Engeln, nach oben schwebt. Darunter sind zwei Wolkenbänke mit Heiligen angeordnet, die, rechts und links aus dem Hintergrund kommend, zusammenlaufen und in einer Wolkenzunge nach vorn ausgreifen. Diese Wolkenspitze ist von Putten besetzt; es folgt ein großer Engel, der einen Lorbeerzweig hält und ein aufgeschlagenes Buch präsentiert, mit der Inschrift Qui se/cuti fu/erint / hanc / regu/ lam (Die dieser Regel gefolgt sein werden). Das bedeutet, daß abgesehen von den beiden ganz oben thronenden Kirchenpatronen Petrus (links) und Paulus (rechts) in den Heiligen Angehörige der Orden nach der Augustiner-Regel dargestellt sind.

Links ist ganz vorne kniend Augustinus zu erkennen, den die Augustiner-Chorherren als ihren Ordensgründer verehren. Er ist in Bischofstracht und hat den Blick nach oben gewandt; ein Putto hält ihm den Bischofsstab. Auf seiner Brust sieht man das vor Gottesliebe brennende Herz, sein Attribut. Er vollführt mit der Linken nach unten eine fürbittende Geste und empfiehlt damit der Dreifaltigkeit die Neugründung des Chorherrenstifts Höglwörth. Hinter Augustinus folgen zwei junge weiß gekleidete Augustiner-Chorherren und neben ihnen ein weißbärtiger Erzbischof mit dem zweifachen Kreuzstab und dem Pallium. Die beiden jungen Chorherren haben nur allgemeine Attribute, die Lilie als Zeichen der mönchischen Keuschheit und die Palme als Märtyrerattribut. Sie dürften ganz allgemein die Bekenner und Märtyrer aus den Reihen der Augustiner-Chorherren repräsentieren, ähnlich wie der auch ohne Attribut dargestellte Erzbischof, der diejenigen Chorherren vertritt, die zu hohen geistlichen Würden gelangten.

Schräg hinter dieser Gruppe ist eine Augustiner-Eremitin zu erkennen, die mit der Linken eine Lilie hält, mit der Rechten ein Buch, auf dem zwei halbrunde Wölbungen zu erkennen sind, und dazwischen ein Nagel. Es dürfte sich bei diesem Gegenstand um das auf einem Buch liegende Herz handeln, das Klara von Montefalco als Attribut hat und in dem...

B Die Stiftung Höglwörth unter dem Schutz seiner Patrone (Franz Nikolaus Streicher 1765)
C Abendmahl

denswerkzeuge stecken; außerdem hat Klara von Montefalco eine Lilie als Attribut. Sie erscheint hier als Vertreterin der Augustiner-Eremitinnen.

- O - O - O - O - O - O - O - O - O - O Auf der Gegenseite sieht man als beherrschende Gestalt Theresia von Avila in der Tracht des Karmeliterordens, mit einem flammenden Pfeil im Herzen. Die Karmeliten entstanden aus einer Reformbewegung und gehen auf die Augustiner-Rege zurück. Zu ihrer Rechten sitzt ein Mönch mit Totenkopf und Kreuz auf einem Buch, wohl der Karmeliter Johannes vom Kreuz, der gelegentlich zusammen mit Theresia von Avila auftritt. Zu ihrer Linken ist ein weißbärtiger Mönch in dunklen Habit mit aufgeschlagenem Buch und Kruzifixus dargestellt; es ist ein Augustiner-Eremit, er hat die Eremiten-Kennzeichen Kruzifixus und Buch, aber kein persönliches Attribut, so dass er ganz allgemein für diesen Orden nach der Augustiner-Rege steht.

Letzte Figur auf dieser Seite ist Norbert, Erzbischof von Magdeburg, Gründer des Prämonstratenser-Ordens, der ebenfalls auf der Augustiner-Regel basiert. Er hat das erzbischöfliche Pallium und den zweifachen Kreuzstab und hält als persönliches Attribut die Monstranz.

Den irdischen Schauplatz unter dieser Himmelsszenerie bildet ein freier Wiesenplan, von wenigen Bäumen und Sträuchern bestanden, mit dem Staufen im Hintergrund. Hier werden in Figuren aus der Geschichte Höglwörths und Angers an die Gründung des Stiftes erinnert. Es ist keine eigentliche Gründungsszene dargestellt – die historischen Personen knien vielmehr, wenden sich an Augustinus, Maria und die Dreifaltigkeit und bitten um Schutz für Höglwörth. Rechts sind in reichen, malerischen mittelalterlichen Rittertrachten zwei Grafen von Plain dargestellt: der linke ein Mann mit wildem Schnauzbart und wallendem Federbusch, der rechte ein jüngerer Mann. Beide haben die Augen zum Himmel erhoben und das Schwert gezogen; der ältere Ritter weist mit der Schwertspitze auf den Boden. Der jüngere ist Graf Liutold III., der die Stiftungen seiner Vorfahren an Höglwörth bestätigte und auf dem Rückweg von einem Kreuzzug starb, woran die beiden nicht näher bezeichneten Kreuzritter hinter ihm erinnern. Der ältere Graf von Plain ist einer von Liutolds Vorfahren, die als Gründer von Höglwörth gelten, möglicherweise Graf Werigand von Plain (s. W1) oder Graf Witigovvo von Plain; in der Benediktinernonne an seiner Seite ist Witigovvos Tochter Ellenburg dargestellt, Konventualin von Nonnberg und Stifterin der Kirche Anger. Neben Ellenburg kniet ein Benediktinermönch, wahrscheinlich ein Konventuale des Klosters St. Peter in Salzburg, dem Ellenburg die Kirche in Anger schenkte. In den drei Chorherren links sind der Gründungspropst Taginbert und seine Gefährten zu sehen.

C ABENDMAHL Das relativ kleine und vor allem für die Darstellung des Abendmahlthemas schmale Bildfeld zeigt einen Innenraum mit offener Bogenöffnung nach hinten und seitlich einer Säule mit Draperie. Der weißgedeckte Abendmahlstisch ist übereck gestellt. Christus, das Haupt von Strahlen umgeben, segnet das Brot. Um ihn drängen sich dicht die Apostel, in lebhaft bewegter Haltung, mit reichgebauschten Gewändern.

K1-2 HÖGLWÖRTHER KULTE In den beiden seitlichen Anräumen unter der Westempore, der Placidus-Kapelle im Süden und der Katharina-Kapelle im Norden, befinden sich Deckenbilder, in denen der Glaubensgeheimnisse und Heiligen gedacht wird, die in Höglwörth besondere Verehrung genossen. Die rechte Seite der Kirche (also meist die Südseite) war die Männerseite, die linke Seite die Frauenseite. Dem entsprechend sind im südlichen Fresko (K1) männliche, im nördlichen Fresko (K2) weibliche Heilige dargestellt.

K1: PIETA MIT MÄNNLICHEN HEILIGEN (Placidus-Kapelle im Süden) Schauplatz ist ein Wiesenplan, in dessen Mitte ein kleiner felsiger Hügel steil aufragt. Hier ist die Pietà dargestellt, unter einem hoch bis in den Himmel reichenden Kreuz, das von hellem Glorienlicht umstrahlt ist. Um die Kreuzung der beiden Balken hängt die Dornenkrone. Am Fuß des Kreuzes sitzt mit weitgebreiteten Armen Maria als Schmerzensmutter auf dem Felshügel, in rotem Kleid und blauem Mantel, um das Haupt einen weißen Schleier. Der Leichnam Christi ist an ihren Schoß gelehnt. Er ist nur von einem Lendentuch umhüllt; seine Wundmale sind alle zu sehen. Maria blickt den Betrachter an, während sie mit der Rechten die vom Nagel durchbohrte Hand Christi vorweist. Im Glorienbereich sieht man zwei Herzen, die von einem Schwert durchbohrt sind, die Herzen Christi und Mariens. Schräg über Maria erscheint in Wolken der erste Märtyrer Stephanus, eine jugendliche Gestalt im Diakonsgewand, gekennzeichnet durch die Steine. Er hält eine Krone und einen Palmzweig über Maria: es sind die Ehrenzeichen der Märtyrer. Maria wird hier wegen der Schmerzen, die sie durch den Tod des Sohnes erlitten hat (durchbohrtes Herz), den Märtyrern zugerechnet. Hinter Stephanus ist ein Engel zu sehen, der Palme und Krone in Händen hat, als Ehrenzeichen, die Stephanus zustehen.

Das große Kreuz im Glorienschein bezieht sich auf die Kreuzverehrung, die Propst Johann Baptist Zächerl um 1715/20 in Höglwörth erneuerte. Er hatte vor 1720 »ein sauber geschnitzt – zimblich grosses Crucifix an einer Seitenmauer aufrichten lassen«, das sich großer Verehrung beim Volk erfreute. Daraufhin ließ er nach 1720 einen Kreuzaltar errichten, auf dem ein Kreuzpartikel ausgesetzt wurde, den der Theatine P. Ferdinand Maria Zuccalli, Beichtvater Max Emanuels, dem Propst geschenkt hatte (AEM, Klosterakten).

Unten auf dem Wiesenplan sind männliche Heilige versammelt. Man sieht links vorne Georg mit dem Drachen, daneben Laurentius mit dem Rost und der Märtyrerpalme, Petrus Martyr, dem von einem Schwert der Schädel gespalten ist und Sebastian mit drei Pfeilen in der Hand. Einem weißhaarigen bärtigen Kopf links am Bildrand ist kein Attribut beigegeben.

Rechts kniet mit über der Brust gekreuzten Händen und gesenktem Blick Hieronymus, den Löwen bei sich. Vor ihm liegt auf einer runden Platte ein Herz mit der Inschrift IHS. Daneben ist kniend ein jugendlicher Heiliger in römisch-historisierendem Soldatengewand dargestellt, der in der Linken eine Keule hält: es ist der Märtyrer Placidus, dem der Altar der Kapelle geweiht ist, und der nach der Legende mit einer Keule erschlagen wurde. Den Leib des hl. Placidus, der aus dem Coemeterium Cyriacae in Rom stammte, hatte der Salzburger Domherr Franz Ferdinand Graf von Khuenburg am 27.4.1677 dem Kloster Höglwörth geschenkt. Während des Kirchenbaus blieb der Sarg »verobsigniret und verschlossen«; 1694 wollte ihn Propst Johann Baptist Zächerl »auf den eigens neu verfertigten Altar erheben... vor der wüchlichen Erhebung aber der Gebür nach zieren, und sauber einrichten lassen«. Salzburg verlangte die Untersuchung des Märtyrerleibs, und da der Fürstbischof bei der Eröffnung anwesend sein wollte, wurde der Sarg im gleichen Jahr nach Salzburg gebracht. Nach der Genehmigung zur öffentlichen Verehrung wurde der Leib des Märtyrers Placidus auf die übliche Weise gefaßt und im Herbst 1695 auf dem Altar aufgestellt (AEM, Klosterakten). Am 1.8.1707 schenkte der Papst einen vollkommenen Ablaß auf das Fest des hl. Placidus.

K2: WESSOBRUNNER MADONNA MIT WEIBLICHEN HEILIGEN (Katharina-Kapelle im Norden; dieses Fresko wurde bereits 1784 von Streicher selbst ausgebessert, s. unter Autor) In lichtem Strahlenglanz ist das Lamm Gottes mit dem Fähnchen des Auferstandenen dargestellt. Davor thront Maria auf einer Wolke, im Haar einen Kranz aus weißen und roten Rosen, in der Linken ein Lilienzepter, im Typ der Mutter der schönen Liebe von Wessobrunn.

Links und rechts unter ihr schließen im Halbkreis Gruppen von weiblichen Heiligen an. Links oben beginnt die Gruppe mit Katharina von Alexandrien, die das Rad bei sich hat; neben ihr ist Barbara mit dem Hostienkelch und dem Schwert dargestellt. Sie stützt sich mit der Rechten auf einen Turm, ihr Attribut. Beide Heilige haben Krönchen auf dem Kopf und sind reich gekleidet. Es folgt eine jugendliche Heilige in antikischer Tracht, in ein Buch schreibend, die weiter nicht gekennzeichnet ist. Die jugendliche Heilige, die kniet und die Märtyrerpalme hält, dürfte wohl Eulalia von Merida sein, von der Höglwörth ein Kopfreliquiar hatte (Figur stark erneuert). Im Vordergrund schließt Margareta die Gruppe ab. Sie ist reich gekleidet, hält in der Linken das Kruzifix und in der Rechten den Drachen am Bande.

Auf der rechten Seite beginnt die Reihe mit drei Nonnen. Die Karmelitin Theresia von Avila hält das brennende, von einem Pfeil durchbohrte Herz, die Klarissin Klara von Assisi eine Lilie als Attribut.

K, Wessobrunner Madonna mit weiblichen Heiligen
V Petrus heilt den Lahmen

Monstranz mit Hostie. Daneben sitzt im Habit der Benediktinerinnen Scholastika, die Schwester Benedikts, mit dem Äbtissinnenstab und der weißen Taube auf dem Buch. Darunter kniet Ursula von Köln, mit Diadem, weißem Kleid und weitem roten Mantel, den Pfeil in den über der Brust gekreuzten Händen haltend. Neben ihr ist die Dominikanerin Rosa von Lima dargestellt, in der weißen Dominikanerinnentracht mit dem schwarzen Schleier, einen Kranz von Rosen auf dem Haupt, in der Linken ein kleines Kreuz, mit der Rechten eine Rose haltend, darüber die Inschrift: a S. Maria. A Sancta Maria war der Ordensname Rosa von Limas.

Es sind nur Jungfrauen, die auf dem Bild versammelt sind, und sie sind in Zusammenhang mit dem Lamm im Strahlenkranz zu sehen. Damit bezieht sich das Fresko auf eine Stelle in der Apokalypse (Apoc 14,1-4): Die Jungfrauen folgen dem Lamm.

Der Altar in der Kapelle ist der hl. Katharina von Alexandrien geweiht. Das Altarblatt von Streicher zeigt Katharina in der Glorie und darunter in irdischen Szenen links die Vermählung der Heiligen mit dem Jesuskind und rechts ihre Enthauptung. Auf dem Altartisch steht ein Bild der Gnadenmutter von Altötting, zuseiten wie in der Placidus-Kapelle zwei Schrifttafeln: MATER GRATIAE und MATER MISERICORDIAE.

V PETRUS HEILT DEN LAHMEN (Act3, 1–8) Fresko in der Vorhalle. Stark unterscheidbare Scheinarchitektur auf der Flachdecke des Eingangs. Über steilen Treppen erhebt sich ein palastähnlicher Torbau, von Doppelsäulen vor pilasterbesetzten Sockeln getragen, mit geschwungener vorderer und hinterer Toröffnung und dazwischen mit einer fensterbesetzten Tambourkuppel. Auf den Stufen sind Petrus und Johannes dargestellt, von zwei Männern begleitet. Vor ihnen kauert der Lahme, halbnackt, in der Linken ein kleines Holzgestell, um sich mithilfe der Arme fortbewegen zu können. Petrus hält ihn an der Hand und weist mit der Rechten zum Himmel.

W1-2 WANDBILDER Zwei Wandbilder liegen sich an den LHs-Wänden im dritten Joch gegenüber, über dem nördlichen Seitenportal W, und über dem Kreuzaltar W,

W1 DIE GRÜNDUNG HÖGLWÖRTHS (N) Auf einer seichten grasbewachsenen Handlungsbühne stehen links Liutold III. Graf von Plain und seine Gemahlin Sophia Gräfin von Neuhaus, ihre Wappen zu Füßen. Rechts steht in Ritterrüstung und Federhelm Graf Werigand von Plain (†1130), ebenfalls mit seinem Wappen, und neben ihm der erste Propst von Höglwörth, Taginbert (1129 urkundlich bezeugt). Werigand reicht Taginbert den Stifterbrief. Zwischen den beiden Paaren geht der Blick weit in die Tiefe, wo vor Wäldern und Bergen das Kloster Höglwörth mit dem umgebenden See dargestellt ist. Darüber spielt auf einer Wolke sozusagen eine himmlische Stifterszene: Christus steht vor dem knienden Petrus und reicht ihm die Schlüssel. Ein Engel hält das auf dem Kopf stehende Kreuz des Petrus. Gottvater hat die Hand segnend erhoben, und die Geisttaube schwebt über der Szene. Da das Geschehen in den Wolken spielt, kann mit der Szene nicht die Schlüsselübergabe aus den Evangelien (Mt. 16,20) gemeint sein. Vielmehr übergibt Christus Petrus mit den Schlüsseln das Wappenbild Höglwörths und damit symbolisch das Stift selbst, eine himmlische Stiftung, die auf der Erde in den historischen Stifterbildern ihre Entsprechung findet.

W, MARIA ALS SCHMERZENSMUTTER (S) Vorraum eines Tempels, zu dem Stufen hinaufführen; links als dunkles Repoussoir ein geschwungenes Mauerstück mit Ziervase. Im Hintergrund hohe Pfeiler, die einen Durchgang in einen hellen großen Kuppelraum flankieren. Vor dieser Architektur dringen Wolken in den Raum, und es erscheint von Engeln begleitet Gottvater, und über ihm die Geisttaube. Gottvater hält ein Kreuz, die Engel blicken mit Trauer und Schrecken auf das Geschehen im Tempel: Dort steht ein Hoherpriester vor einem Altar, auf dem man die mosaischen Gesetzestafeln sieht. Er hält in den Armen den Jesusknaben, auf den aus einer Wolkenöffnung Licht vom Himmel fällt. Vor den Stufen kniet Maria, ergeben zu ihrem Kind aufblickend. In ihre Brust ist ein Schwert gestoßen. Joseph kniet rechts, er hat als vorgeschriebenes Opfer einen Käfig und zwei Tauben bei sich.

1 Bei der Darstellung Jesu im Tempel (Lc 2, 22-35) durch Maria und Joseph nahm der fromme Greis Simeon, vom Geist erleuchtet, das Kind auf den Arm und prophezeite: »Siehe dieser ist gesetzt zum Falle und zum Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Aber auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen...«. Die Prophezeiung des Simeon gilt als der erste der Sieben Schmerzen Mariä (»a sene prophetatur«). Gottvater hält als weiterer Hinweis auf das Opfer Christi und die Schmerzen seiner Mutter das Kreuz, während die Engel ihr vorhergesagtes Leid betrauern. Die Darstellung ist im Zusammenhang mit dem Kreuzaltar zu verstehen.

Im Tympanon des Nordportals, das dem Kreuzaltar gegenüberliegt, hat Streicher Christus am Ölberg gemalt - vielleicht in thematischem Bezug zum Kreuzaltar.

Quellen und Literatur

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LANDKREIS BERCHTESGADEN · HÖGLWÖRTH

W, Maria als Schmerzensmutter