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Großmehring, Alte Pfarrkirche Mariä Geburt

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 254–255, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
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GROSSMEHRING

EB. Geburt Marien

Alte Pfarrkirche, Bistum Regensburg, z. Z. der Ausmalung hatte das Jesuitenkolleg in Neuburg das Patronatsrecht auf die Pfarrei, 1772 die Malteser, 1824 der bayerische Staat; Pfleggericht Vohburg, Rentamt München, 1803-1972 Landkreis Ingolstadt/OB.

1972/73 wurde die Kirche durch die von Architekt Othmar Lehner neu erbaute Pfarrkirche St. Wolfgang in ihrer Funktion abgelöst.

Patrozinium: Mariä Geburt

Zum Bauwerk: Der mittelalterliche Bau wurde 1722/28 barockisiert. Die Fresken wurden jedoch im 19. und 20. Jh. übermalt. Chronogramm an der oberen Empore: qVasI CeDrVs/ eXaLtata sVM/In LIbano Eccl 24 13 (= 1728; ursprünglich am Chorbogen, 1959 rekonstruiert).

Nach den Quellen (zitiert bei Hofmann, S. 358) wurden 1728 Wolfgang Zächenberger für die Stuckierung 77 fl. und seinem Bruder Johann Anton Zächenberger für die Freskierung 81 fl. 40 ×. bezahlt. Für Entwurf und Fassung der drei Altäre wurde 1728/36 der »akademische Maler und Bildhauer (Melchior) Puechner zu Ingolstadt« beauftragt und bezahlt, desgleichen für die Seitenaltarbilder und zwei Durchgangstüren zum Hochaltar.

Saalbau zu fünf Jochen; Flachtonne mit Stichkappen in LHs und Chor, dort im O abgemuldet.

Auftraggeber: Amtierender Pfarrer war Johann Franz Nikolaus Tesch (29. 8. 1723-† 28. 10. 1730, 36jährig). Pfarrer Tesch war zuvor 3 Jahre Pfarrer in Wellheim, mit seinem Amtsantritt begann er mit Bauarbeiten am Pfarrhof, danach an der Kirche. Er verfasste auch eine Pfarrchronik (Hofmann 1984).

Autor und Entstehungszeit: Johann Anton Zächenberger (* um 1690 Salzburg † 1771 München) 1722/28

Nach der bei Siegfried Hofmann zitierten Quelle wurden die Brüder Zächenberger 1728 für Stuck und Fresken bezahlt (s. o.). Die Barockisierung war aber schon seit 1722 geplant. Es bleibt fraglich, ob Johann Anton Zächenberger die Fresken noch vor seiner Verbürgerlichung in München 1724 gemalt hat bzw. ob der Auftrag noch in seiner Ingolstädter Zeit ergangen ist.

Von Zächenbergers Ausmalung haben sich nur zwei Emporenfresken erhalten, die für seinen schlichten erzählerischen Malstil kennzeichnend sind.

Befund

Die Fresken wurden im 19. Jh. mit nazarenischen Darstellungen übermalt. Pläne für die Erweiterung der Pfarrkirche 1900/04 durch Architekt Hans Schott, München, und 1911/12 durch Franz Baumann, München, kamen nicht zur Ausführung. In diesem Zusammenhang ist von den Bildern die Rede: »Die zur Entfernung bestimmten Deckengemälde aus dem 19. Jh.« wurden im Vergleich zu der »hübschen Stuckierung« als »künstlerisch nicht bedeutend« bewertet (BLfD, Gutachten Haggenmiller 1911). Sie wurden anlässlich einer Renovierung 1958/59 durch neue Fresken von Georg Gschwendtner, Karlstein, ersetzt. Freigelegt bei dieser Maßnahme wurden nur die Evangelistenbilder an der Kanzel und zwei Fresken an der oberen Emporenbrüstung, die im Gegensatz zu den Kanzelfresken noch barocke, aber großenteils abgeriebene Substanz zeigen.

Rekonstruierende Bildabfolge

Das Kirchengewölbe ist reich stuckiert mit zarter Bandwerkornamentik, weiß auf rosa Grund. Ockerfarbene Medaillons wechseln ab mit türkisfarbigen Kartuschenbildern. In den Gewölbezwickeln scheinen überlebensgroße Putten die Medaillons zu tragen.

EB, Tempelgang Mariens (Johann Anton Zächenberger 1722/28)

Die barocken Bildthemen sind nicht bekannt. Man kann davon ausgehen, dass sie dem Marienpatrozinium entsprechend bei den zwei Übermalungen übernommen wurden. Deckenbilder von W nach O (Georg Gschwendtner 1959): Mariä Heimsuchung Mariä Himmelfahrt Mariä Verkündigung Chor: Geburt Christi

Die 13 ockerfarbenen Medaillons in den Zwickeln (10 im LHs 3 im Chor) zeigen heute Anrufungen aus der Lauretanischen Litanei.

Emporenbilder (Johann Anton Zächenberger 1722/28) Die obere Emporenbrüstung - die untere ist jünger und ohne Bilder - zeigt seitlich des neu angebrachten Chronogramms zwei Darstellungen aus der Kindheit Mariens.

EB. GEBURT MARIENS In einem von Pfeilern und Säulen getragenen, offenen Raum liegt rechts Mutter Anna im Wochenbett. Im Vordergrund kümmern sich drei Frauen um das Bad des neugeborenen Säuglings Maria, Vater Joachim steht andächtig in der Wochenstube. Engel im Himmel begleiten das Ereignis.

EB TEMPELGANG MARIENS Rechts eine angedeutete Säulenhalle, links Stufen, auf denen der Hohepriester das Mädchen Maria erwartet. Verschiedene Personen umringen den Hohepriester. Die Eltern Anna und Joachim in Mänteln empfehlen kniend dem Hohenpriester das Mädchen Maria, das in die Tempelschule aufgenommen wird.

Quellen und Literatur

(Standorte unbekannt), Descriptio Parochiae Meringensis verfasst von Pfarrer Johann Franz Nikolaus Tesch (um 1730; angeblich in Bruchstücken erhalten); Pfarrakten Großmehring, Chronik der königl. Pfarrei Großmehring, verfasst von Kooperator Johann Martin Rauch 1830; Pfarrbeschreibung, verfasst von Pfarrer Johann Michael Dill 1860 (ausgewertet von Siegfried Hofmann)

StAM, Geistlicher Rat München, Kirchenrechnungen 1763; Akten des königl. Bezirksamts Ingolstadt. Betreff: Baureparaturen am Pfarrkirchturm zu Großmehring 1845 (bis 1872). BLfD, Akt Großmehring, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Kunstinventar Bistum Regensburg, Großmehring, bearbeitet von Friedrich Fuchs, 2001.

KDB OB (1), S. 80

Ettel, Ernst, Geschichte der Pfarrei Großmehring, in: SVH 96, 1987, S. 195–266.

Historischer Atlas Ingolstadt, S. 191

Hofmann, Siegfried, Die Kirchen in Großmehring, in: Wilhelm Ernst, Heimatbuch Großmehring, 1984, S. 348–66. Dehio OB 1990, S. 379; 2006, S. 409f.

C.B