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Großhesselohe, Dreifaltigkeitskapelle

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Teil 1: Stadt und Landkreis München. Sakralbauten. Hirmer, München 1987, ISBN 978-3-7991-6111-4, S. 117–119, geschrieben von Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Kapelle bei der Waldwirtschaft, Georg Kalb Straße 3, Gemeinde Pullach, Eigentum der Stadt München (sog. Hl.-Geist-Spital-Stiftung von 1833), Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit Großhesselohe Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Klausen-Kapelle mit Eremitorium des Hl. Geist-Spitals München, Pfarrei Sendling, Landgericht Wolfratshausen

Patrozinium: Hl. Dreifaltigkeit

Zum Bauwerk: Erste Nennung der Schwaige Hesselohe in einer Schenkungsurkunde Herzog Tassilos III. von Bayern an das Kloster Schäftlarn im Jahr 776 (Mon. Boic. VIII 365, zit. bei Atzenbeck, S. 48f.). 1301, nach Gründung des Hl. Geist-Spitals in München, kam die Schwaige als Meierei für den Unterhalt des Spitals in dessen Besitz.

Ein früher Kapellenbau für die Schwaigbediensteten, an dem der Eremit auch Mesnerdienste verrichtete, war gegen Ende des 17. Jh. vom Verfall bedroht und wurde 1698 abgebrochen. Der Neubau noch im selben Jahr ist urkundlich überliefert (StadtA München, Hl. Geist-Spital, Hauptbuch de anno 1698, fol. 161r-178v) und durch das Stadtwappen mit Datum und die Wappen der damals amtierenden Spitalhochmeister Ferdinand Barth und Franz Oefele über der Empore bezeichnet. Im Juni 1699 wird in der noch nicht geweihten Kapelle die Messe super ara mobili gestattet (BHStA I, GL Fasc. 2685/400 1/2).

Um 1755 erfolgte eine Neuausstattung des Innenraums mit Stukkatur und Malerei.

Während das Schwaiggut in der Folgezeit wechselnde private Besitzer hatte, blieb die Kapelle beim Hl. Geist-Spital, wurde nach der Säkularisation von der Pfarrei Pullach vikariert und kam endgültig in den Besitz der Stadt München. 1812/15 scheint der Bau in schlechtem Zustand gewesen zu sein, da mehrfach (noch bis 1929) um Abbruch ersucht wurde.

Rechteckiger Saalbau (Innenraum 10,75 × 4,84 m) zu drei Jochen mit Pilastergliederung, im W Empore. Die eingezogene Vorhalle im W und die Sakristei im O, durch Abmauerung des 5/8 Chorschlusses, sind spätere Umbauten, jedoch vor der Innenausstattung von 1755. Belichtung von N und S durch je drei Rundbogenfenster mit darüberliegender Okuli

Auftraggeber: Der Stadt-Magistrat von München mit den Bürgermeistern und Spitalshochmeistern Johann Franz Anton Ossinger und Balthasar Joseph Wilhelmseder (Wappen über der Empore); Benefiziat war Johann Benno Fürstenfeldt, Stifter vermutlich Joh. Maximilian IV. Emanuel von Preysing (s. Autor).

Autor und Entstehungszeit: Die Inschrift an der W-Wand über der Empore zeigt neben den Wappen der amtierenden Spitalshochmeister das Jahr 1755 als Datum der Restaurierung, d. h. Neuausstattung der Kapelle. In den Hauptrechnungen des Hl. Geist-Spitals sind für dieses Jahr 515 fl. 50 kr. für »Reparation der Capelln am Hesselohe auch Clausn alda... für Zimmerleuth, Maurer, Handtwerkhs Leuth und Pau Materialien« gezahlt worden (StadtA München, Hl. Geist-Spital, Hauptbuch de anno 1755, fol. 99r). Da in den Baurechnungen für Malerei und Stuckierung nichts veranschlagt wurde, liegt es nahe, eine Stiftung anzunehmen. Dafür spricht das Wappen im Scheitel der Wölbung über dem Hochaltar, das die Farben der Preysing trägt; Inhaber herzoglicher Lehen in Pullach war zu dieser Zeit Johann Maximilian IV. Emanuel Graf von Preysing († 1764), Geheimer Rat und Oberststallmeister, der das Amt des kurfürstlichen Kammerpräsidenten innehatte.

Der Autor der Deckenmalerei ist nicht bekannt. Die qualitätvolle Stuckierung muß gleichzeitig, um 1755, entstanden sein: ein Gutachten des BLfD (vom 7. 2. 1901) bemerkte, daß »die flüssig behandelten Ornamente sich dem Bester an die Seite stellen dürften, was in der fraglichen Zeit in München entstanden sei«. Es liegt nahe, an die Zimmermann-Werkstatt zu denken, die von Johann Maximilian IV. Emanuel von Preysing bereits Jahre zuvor in seinem Palais (s. CBD, Bd 3, II) beschäftigt worden war. Die qualitätvolle Partie des Deckenbildes A, mit der Gruppe der beider Bischöfe, erinnert an Johann Baptist Zimmermann, doch hat er die Malerei nicht ausgeführt. Der malerische Stil weist vielmehr unverkennbar auf die Hand Martin Heigls (*Konstanz † 1776 München), der zu dieser Zeit Schüler und Mitarbeiter Johann Baptist Zimmermanns war, und der auch in Schäftlarn (1754–56, s. S. 149–59) und Nymphenburg (1756/57, s. CBD, Bd 3, II) mitgearbeitet hat. Gemeinsam mit eigenhändigen Werken Heigls aus der gleichen Zeit (Bad Aibling, Pfarrkirche, 1756), sind die Figuren in Großhesselohe der breite, weiche Pinselstrich und die etwas kompakten Weißhöhungen. Die Malerei in Großhesselohe dürfte damit eine der ersten faßbaren Arbeiten Martin Heigls sein.

Befund

Träger der Deckenmalerei: A,B (LHs) Stichkappentonne Rahmen: A,B glatte weiße Stuckprofile mit ockerfarbener schmaler Innenleiste, an den Schmalseiten von Stuck-Rocaillen übergriffen

Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 6,40 m; 2,20 × 3,15 B Höhe 6,40 m; 2,30 × 2,70 Wappenmedaillons Ø 0,70

11 ----- Erhaltungszustand und Restaurierungen: Eine Restaurierung fand laut Inschrift 1830 statt, was sich wohl auf den gesamten Bau bezieht, der zu dieser Zeit als baufällig bezeichnet wurde (BLfD, Akt Großhesselohe, Schriftwechsel bis 1928). Die letzte Innenrestaurierung erfolgte laut Inschrift 1958, infolge derer Schadstellen der Deckenmalereien besonders im Tonnenscheitel ausgebessert und ergänzt wurden und eine Reinigung der Fresken stattfand. A und B zeigen Partien von Übermalung, in A ist der Putto mit dem Attribut Bennos neu gemalt worden, der Bär am linken Bildrand stark übermalt. B wirkt etwas verwaschen mit vergrauten Stellen. Bis auf kleine gekittete Scheitelrisse allgemein guter Zustand.

Beschreibung und Ikonographie

A HEILIGE VEREHREN DIE DREIFALTIGKEIT Querformatiges Bildfeld mit Betrachterstandpunkt unter dem westlichen Rahmen gegen O. Auf Wolken sind in leichter Untersicht und Tiefenstaffelung fünf Heilige dargestellt, die zum Tetragramm im Dreiecksnimbus aufblikken, das in einer hellen Glorie von Puttiköpfchen begleitet in der Mitte über der Gruppe erscheint. Links thronen zwei Bischöfe im Ornat mit Tiara, Krummstab und Buch, links der hl. Korbinian von Freising, Patron der Diözese, von seinem Bären am linken unteren Bildrand begleitet, daneben der hl. Benno, Stadtpatron Münchens, dessen Attribut, der Fisch, von einem Putto auf dem Buch emporgehoben wird. Am nördlichen Bildrand kniet in demütiger Haltung mit einem Kruzifixus in Händen ein Mönch in braunem Habit, ein Franziskaner, als Patron der Eremiten und Stifter des Franziskanerordens Franziskus von Assisi. Die Gruppe gegenüber zeigt einen Geistlichen im Habit der Jesuiten, die Linke erhoben mit einer Strahlenmonstranz, die das IHS-Zeichen trägt, wohl der hl. Ignatius von Loyola, rechts von ihm in der schwarzen Mönchskutte mit einer Kette in Händen der hl. Leonhard als Patron der Landwirtschaft, hier des Meiereibetriebes. Am südlichen Bildrand eine weibliche Gestalt mit Martyrer-Palmzweig und einer Fahne, die Rechte demütig an die Brust gelegt, den Blick nach oben auf die Glorie gerichtet, möglicherweise die hl. Regina (?), Patronin der Zimmerleute, in Beziehung zur Holzwirtschaft der Schwaige zu sehen. Die Versammlung der Heiligen ist locker auf verschiedenen Wolkenkissen angeordnet, Position und Größenmaßstab zeichnen den Diözesan-Patron und den Stadt-Patron besonders aus. Sie sind kompositionell und malerisch am differenziertesten gestaltet, Kopfwendung und Handgesten schließen die beiden Bischöfe zu einer Gruppe für sich zusammen, die jede Parallelität der Figuren vermeidet und durch ihre Staffelung dem Deckenbild erst die Räumlichkeit verleiht. Schattengebung der Gewandpartien mit stark kontrastierenden Farben von Rot, Gelb und Blau und Glanzlichter auf hellen Stoffumschlägen weisen deutlich auf Charakteristika der Zimmermann-Werkstatt hin, wobei die mehrteigige breite Pinselführung eine Eigenheit Martin Heigls ist. Mehr aufgereiht und steif wirken dagegen die Heiligen rechts daneben, sowie die durch verblaßte Farben entrückt gegebenen Personen rechts außen und links außen am Bildrand. Die Köpfe der linken Gruppe und die Blickrichtung des Ignatius und die geneigte Fahne der weiblichen Martyrin rechts betonen die Aufwärtsbewegung zum inhaltlichen Zentrum des Bildes, dem Namen Gottes im Dreiecksnimbus, wo in größter Helligkeit sich die Farbe fast völlig aufzehrt.

B Engel verehren den Hl. Geist

B ENGEL VEREHREN DEN HL. GEIST Das nahezu vierpaßförmige Bildformat hat seinen Betrachterstandpunkt westlich darunter mit Blick gegen O. Dargestellt ist eine Himmelsszenerie, Wolken sind unterhalb der querovalen Gloriole mit der Geisttaube angeordnet, auf denen rechts und links je zwei Engel in anbetendem Gestus knien und schweben, zwei von ihnen nur in Halbfigur sichtbar. Ein Engel der linken Gruppe hat sich mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen auf die Wolke niedergelassen, während die anderen drei den Blick auf die Geisttaube in die Höhe richten. Am linken Bildrand sind zwei Puttoköpfchen ornamental eingefügt. Die kulissenartig hintereinandergeschobenen Wolkenpartien vermitteln eine gewisse Bildtiefe, die durch die zur Glorie zu immer stärker aufgehellten Farben von Graublau-, Graulila- und Ockertönen bis hin zum gelblich-milchigen Weiß als Höhenillusion wirksam wird. Gemäß der Zugehörigkeit der Klausenkapelle zum Münchner Hl. Geist-Spital ist hier die Verehrung des Hl. Geistes als zweites Thema neben das Patroziniums-Thema, die Anbetung der Hl. Dreifaltigkeit, gesetzt.

Quellen und Literatur

BHStA I, GL Fasc. 2685/400 1/2 und 2687/415. StadtA München, Hl. Geist-Spital, Hauptrechnungen Nr. 176 von 1698, 1755.

–, Kapelle und Klause Hesselohe 1699–1753

Wening 1701, S. 130. Westenrieder 1783, S. 46

Hübner 1803, S. 459f

Söltl, München mit seinen Umgebungen, München 1838 S. 430.

Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 545, 547.

Huhn, Adalberth, Geschichte des Hl. Geist-Spitals, München 1893, S. 103, 186,

Sturm, Joseph, Die Anfänge des Hauses Preysing, München 1931, S. 386.

Atzenbeck, Aenne, Die Ortsgeschichte der Gemeinde Pullach im Isartal, Pullach 1956, S. 50 f.

Dehio-Gall OB, S. 59

Der Landkreis München (o. V.), München 1979, S. 265 f. Drube, Herbert, Pullach im Isartal, Pullach 1982, S. 29, 33 f Sinkel, Kristin, Die Dreifaltigkeitskapelle zu Großhesselohe und ihre Fresken der Zimmermann-Werkstatt, in: Jahr buch des Vereins für christliche Kunst in München e.V., Bd. 16, 1987, S. 241–44.

KS