Großfahner, ehem Rittergut, sog Schieferschloss
Inventarnummer: cbdd10147
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Im 1948 abgebrochenen Schieferschloss von Großfahner befanden sich im Hauptsaal drei Deckengemälde, die die Hochzeit des Peleus, das Urteil des Paris und den Raub der Helena zeigten. Sie beifinden sich heute in Privatbesitz.

Das ehemalige Rittergut Großfahner
Kurzbeschreibung
Großfahner war ein Doppelschloss. Es entstand aufgrund einer Erbteilung und wurde anhand seiner Dachdeckung in ein Schieferschloss und ein Ziegelschloss unterschieden.
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Schloss[1] in Großfahner war von 1412 bis 1945 im Besitz der Herren von Seebach. Thilo von Seebach ließ anstelle einer im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Wasserburg ein neues Schloss erbauen. Im Umfang folgte es der alten Anlage. Da die Söhne des Bauherrn den Besitz teilen sollten, wurde der Hauptbau jedoch zweigeteilt mit jeweils eigener Vorburg errichtet. 1680 dürfte das Doppelschloss gemäß Lehfeldt mit seiner reichen Ausstattung vollendet gewesen sein. 1934 wurde der Familienbesitz wieder vereint. Nach Enteignung der Seebachs 1945 wurden das Schloss 1948 aufgrund des SMAD-Befehls Nr. 209 abgerissen.
Auftraggeber
Die Herren von Seebach sind ein altes Adelsgeschlecht, das sich bis in die Zeit Karls d. Gr. zurückverfolgen lässt. Es hat seinen Namen nach dem thüringischen Ort Seebach erhalten und wird 1206 erstmals urkundlich genannt. Die Familie stand in der frühen Neuzeit meist in sächsischen Diensten.
Beschreibung
Das Schieferschloss war ein Teil der Doppelschlossanlage von zwei Flügeln. Es war vom Ziegelschloss durch einen schmalen Hof getrennt und wurde wie dieses durch einen vorgelagerten, eigenen Wirtschaftshof und einen eigenen Zugang über den Schlossgraben erreicht. Die Schlossportale aus der Zeit um 1680 orientierten sich an jenen des Residenzschlosses Friedenstein in Gotha. Das Schieferschloss zierten zwei steinerne runde Ecktürme und das Dach eine Schweifkuppel.
Der ehemalige Hauptsaal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Hauptsaal[2] des Schlosses wurde gemäß Lehfeldt zusammen mit dem Schloss unter Thilo von Seebach erbaut.
Beschreibung
Der Saal befand sich im zweiten Obergeschoss an einer Gebäudeecke. Die Wände waren mit vollplastischen Stuckaturen geziert. Die Ausstattung orientierte sich am 1697 vollendeten Tafelgemach des Gothaer Schlosses Friedenstein. Die Wände gliederten korinthische Pilaster und an den Fensterwänden Halbfiguren wie jene in Gotha, die ebenfalls wie dort die linke Hand in die Seite stemmten auf der rechten, ausgestreckten Lichtteller trugen. In die Wände waren Gemälde eingelassen. Sie zeigten eine Türkenschlacht sowie eine Szene aus dem Bauernkrieg und eine Darstellung eines Freiherrn von Seebach in der Schlacht von Girona 1694, in der er fiel. Über den Verbleib der Gemälde ist nichts bekannt. Paul Lehfeldt schrieb 1891: „Oelgemälde an den Wänden des Rittersaales, aus dem Ende des 17. Jahrhunderts, mehr decorativ, in geschnitzten Rahmen mit Frucht und Blumengehängen. Es sind eine Türkenschlacht, eine Scene aus dem Bauernkrieg und das Bildnis eines Freiherrn von Seebach mit einer Schlacht bei Gerona, in der er fiel, im Hintergrund.“[3] Aufgrund der Datierung der Schlacht von Girona und der Vollendung des Tafelgemachs auf dem Friedenstein ist die Datierung des Saal vermutlich auf nach 1697 zu korrigieren. Lehfeldts Vermutung einer Vollendung um 1680 unter dem 1689 verstorbenen Thilo von Seebach ist zumindest in Frage zu stellen.
Die Deckengemälde des Hauptsaals
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckengemälde sind um 1700 von einem unbekannten Künstler geschaffen worden. Sie wurden während des Abrisses des Schieferschlosses durch Hermann Kaufmann gerettet und in das Museum für Regionalgeschichte und Volkskunde nach Gotha gebracht.[4] Dort befanden sich die Bilder bis nach der Wende.[5] Inzwischen sind sie wieder in Privatbesitz.
Die Deckengemälde
Die Deckengemälde werden von Paul Lehfeldt 1891 beschrieben: „Die Decke ist in drei Felder getheilt, welche durch Lorbeerstänge mit antikisierenden Profillinien gegliedert sind. Dem Hauptmotiv nach ist jedesmal in der Mitte ein ovales Feld mit einem Oelgemälde (Hochzeit des Peleus, Urtheil des Paris und Raub der Helena), an der einen Seite davon ein Muschel-Ornament, an der anderen Seite davon bei der mittleren Decken-Abteilung das Wappen des Bauherrn dieses Saales, Freiherrn Alexander Thilo von Seebach († 1689) und seiner Gemahlin, Sabine Elisabeth, geborene von Stauf, in Cartouchen-Rahmen zwischen Voluten, Engeln und Laubgehängen, bei den seitlichen Abtheilungen sind einige Engel mit Trophäen angebracht.“[6]
Programm
Die Hochzeit des Peleus mit Thetis war ungewollt der Ausgangspunkt des trojanischen Krieges. Das Hochzeitspaar hatte alle olympischen Götter geladen bis auf Eris, die Göttin der Zwietracht. Sie erschien dennoch und warf aus Rache einen goldenen Apfel mit der Aufschrift „Der Schönsten“ unter die Gäste. Es entstand Zwietracht zwischen den Göttinnen Juno, Minerva und Venus, die alle den Apfel für sich beanspruchten. Jupiter drückte sich um eine Entscheidung und ließ Paris, den schönsten Mann der Zeit, das Urteil fällen. Die Göttinnen versuchten Paris zu bestechen und dieser gab den Apfel zuletzt Venus, da diese ihm die schönste Frau versprach. Dies war Helena, und sie war leider mit Menelaos verheiratet. Paris entführte sie daraufhin – diese Entführung war der Anlass zum trojanischen Krieg.
Berücksichtigt man das übrige kriegerische Programm des Saales und die Wandgemälde, die Schlachten und Kriege zeigten, fügten sich diese mythologischen Szenen gut in das Gesamtthema ein, auch wenn sie selbst keine kriegerischen Handlungen zeigen.
Bibliographie
- Literatur:
- Bienert, Verlustkatlog, 2019. – Bienert, Thomas: Aus den Augen, aus dem Sinn? Verlustkatalog Thüringer Schlösser, Guts- und Herrenhäuser nach Befehl Nr. 209 der Sowjetischen Militäradministration 1946 bis 1949 sowie in der Zeit der DDR und der Gegenwart bis 2015 (Arbeitsheft des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie / Thüringen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, 50). Altenburg 2019.
- Kaufmann, Lebenskampf, 1991. – Kaufmann, Hermann: Mein Lebenskampf nach Kriegsende – Die Heimat unter Hammer und Sichel, in: Gothaer Museumsheft '91. Sonderheft Hermann Kaufmann, S. 5-34. Gotha 1991.
- Lehfeldt, KDM Gotha, 1891. – Lehfeldt, Paul (Bearb.): Bau- und Kunst-denkmäler Thüringens. Heft 10. Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Amtsgerichtbezirk Tonna. Jena 1891.
- Ulferts, Säle, 2000. – Ulferts, Edith: Große Säle des Barock. Die Residenzen in Thüringen. Petersberg 2000.
Einzelnachweise
- ↑ Bienert, Verlustkatlog, 2019, S. 62–63; Lehfeldt, KDM Gotha, 1891, S, 228.
- ↑ Bienert, Verlustkatalog, 2019, S. 63; Ulferts, Säle, 2000, S. 124; Lehfeldt, KDM Gotha, 1891, S, 228–229.
- ↑ Lehfeldt, KDM Gotha, 1891, S. 230.
- ↑ Kaufmann, Lebenskampf, 1991, S. 16.
- ↑ Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Historisches Museum Schloss Friedenstein, Inventar-Nr. 4503/1-3.
- ↑ Lehfeldt, KDM Gotha, 1891, S. 228–229.