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Groß Kreutz, Herrenhaus

Aus Deckenmalerei-Lab
Oertel-Pohl, Christina:Groß Kreutz, Herrenhaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2021, URL: www.deckenmalerei.eu/a424dcf5-5fa1-4545-9e8c-174d951c1e87

Inventarnummer: cbdd10183

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Das Herrenhaus wurde 1765-1767 für Carl Bodo Gottfried von Hacken durch Friedrich Wilhelm Diterichs errichtet. Die Deckenmalerei im Gartensaal schuf vermutlich Christian Bernhard Rode, die Wandmalerei wird Carl Friedrich Fechhelm zugeschrieben.

Herrenhaus Groß Kreutz

Geschichte und Beschreibung

Der Ort Groß Kreutz liegt westlich von Potsdam, an der Verbindungsstraße B1 nach Brandenburg/Havel. Das ehemalige Herrenhaus liegt dabei nördlich des alten Dorfkerns, mit Blick auf das Gut und die Kirche. Es wurde in den Jahren 1765 bis 1767 im Auftrag von Carl Bodo Gottfried von Hacken errichtet.[1] Die Familie von Hacken hatte das Amt des Churbrandenburgischen Erbschenks inne, stellte zeitweilig einen Kammerherr in Berlin[2] und wurde mit Kauf des Gutes 1604, zu den Erbherren auf Groß Kreutz.

Carl Bodo Gottfried von Hacken beauftragte den Baumeister Friedrich Wilhelm Diterichs mit dem Bau einer barocken Anlage. Über den Vorgängerbau ist nichts bekannt; allerdings lassen die verschieden starken Fundamente im Kellergeschoss, sowie Gewölbe auf ein älteres Gebäude schließen.

Diterichs entwarf einen eingeschossigen Hauptbau, über hohem Souterrain, mit abgewalmten Mansarddach. Zur Straßenseite zeigen sich elf Achsen und die Gartenfront bilden neun. Die beiden äußeren Achsen sind leicht risalitartig vorgezogen und es gab ursprünglich beiderseits geradlinig angeschlossene, vierachsige Wirtschaftsflügel. Das optische Zentrum liegt jedoch auf dem dreiachsigen Mittelteil, welchen der Architekt in Anlehnung an seine Arbeiten in Sanssouci, an beiden Fronten als vorgerundeten Mittelbau gestaltete. Das Dach ist an diesen Stellen kegelförmig angehoben. Über dem Hauptportal befindet sich noch eine Wappenkartusche mit dem Inschriftenband: „17 C. B. G. V. Hacken 65“[3].

Jeweils zwei Fenster zu Seiten des Mittelrisalits sind rechteckig; die übrigen Öffnungen jedoch stichbogig gestaltet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der östliche Flügel abgerissen und durch einen rechtwinklig zum Hauptbau stehenden, zweigeschossigen Neubau ersetzt.

Die innere Raumstruktur hat sich bis heute erhalten. Hinter der doppelläufigen Treppe zur Straßenfront schließt sich im Inneren ein querovales Vestibül an. Dieses bildet mit dem dahinterliegenden längsovalen Gartensaal das Zentrum des Hauses. Zu beiden Seiten schließen sich jeweils Räume im Schema des Appartement double an.[4]

Der ursprünglich geometrisch geplante Park ist zusammen mit dem Bau des Herrenhauses entstanden. Seine axiale Ausrichtung auf den Mittelrisalit und die geschwungene Gartentreppe ist heute leider nur noch in Ansätzen zu erkennen, da spätere Bauten den Blick teilweise verstellen.[5]

Mit dem Tod des Auftraggebers starb die Familie in männlicher Linie aus und die Familie von Arnstedt kam durch die Heirat mit dessen Tochter Charlotte in den Besitz.[6]

Das Gut blieb in Familienbesitz bis 1884, bis ein Neffe aus der Familie von der Marwitz das Haus erbte. Die Familie von der Marwitz verlor im Zuge der sowjetischen Enteignungen 1945 den Besitz. Das Haus wurde 1946 an die landwirtschaftliche und veterinärmedizinische Fakultät der Universität Berlin übergeben und zu einem Lehr-und Versuchsgut für Tierzucht.

Nach der Wiedervereinigung wurde ein Teil des landwirtschaftlichen Betriebes ausgegliedert und vom Land Brandenburg weiterhin als Versuchsgut genutzt. Das Herrenhaus sowie die historische Hofstelle konnten jedoch von den Enkeln des Bodo von der Marwitz wieder zurückerworben werden.

Die Malerei im Gartensaal

Geschichte, Beschreibung und Ikonographie

Der Gartensaal, in welchem sich die Wand- und Deckenmalerei befand, ist als oblonger Raum mit abgerundeten Ecken gestaltet.[6] Während die Deckenmalerei von Christian Bernhard Rode ausgeführt sein soll, wurden die Wandmalereien Carl Friedrich Fechhelm zugeschrieben.[7] Der als Bühnenmaler bekannte Künstler schuf in Groß Kreutz zwei Prospekte von Renaissance-Architekturen an den Längsseiten, sowie ein Standbild der Erntegöttin Ceres. Gegliedert waren die Ansichten und Dekorationen durch vierzehn gemalte Marmorsäulen. Die Wandstreifen zwischen den Säulen zeigten mittig Medaillons, die von Lorbeerkränzen umwunden waren. Darauf waren Mädchenfiguren dargestellt, die Früchte trugen, tanzten oder musizierten. Sie sollten das Landleben und die Erntefeste darstellen. Darüber wurden Blumengehänge gemalt, die in ihrer Farbgebung und Form an Dekorationen im Neuen Palais erinnerten.[4] Über den drei Türen des Raumes waren Putten mit verschiedenen Attributen der Jahreszeiten dargestellt. Sie symbolisierten Frühling, Sommer und Herbst.

Das Deckengemälde von Rode zeigte eine Aurora, die, von Strahlen umgeben, in den Wolken thronte. Sie streute Blütenblätter um sich herum, welche von kleinen Putten aufgefangen wurden.[4] Die Komposition aus Decken- und Wandmalerei verherrlichte also einerseits das Landleben und schuf andererseits damit einen würdigen Rahmen für Festveranstaltungen.

Im Zuge der Wiederherstellungsarbeiten für die Humboldt Universität als Lehr-und Versuchsgut wurden die Malereien nach dem zweiten Weltkrieg übertüncht. Aus den Akten des Denkmalarchivs geht hervor, dass im Jahr 1949 Dekorationen und ein Großteil des Stucks abgeschlagen wurden. Laut einem Mitarbeiter waren 1950, zu Beginn seiner Tätigkeit vor Ort, nur noch Stuckreste im Gartensaal vorhanden, deren Wiederherstellung aber wohl unmöglich erschien.[3] Aussagen über das Deckengemälde sind dabei nicht getroffen worden.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Badstübner-Gröger, Schlösser, 1998. - Schlösser und Gärten der Mark. [37], Gross Kreutz / Deutsche Gesellschaft. [Veröff. durch "Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark" in der Deutschen Gesellschaft e.V. Hrsg. von Sibylle Badstübner-Gröger], S. 1-20.
  • Dehio, Brandenburg, 2012, S. 425-426.
  • Duncker, Wohnsitze, 1860. - Duncker, Alexander: Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie, Berlin 1857-1880, Bd. 2, 1860.
  • Henning, Herrenhaus, 1987. - Henning, Eckart: Ein märkisches Herrenhaus im "deutschen Oxford" : zur Baugeschichte des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Zellphysiologie in Berlin-Dahlem und seines Vorbildes in Groß-Kreutz, 1987, S. 215-216.
  • Kania, Herrenhaus von Groß Kreutz, 1928. - Kania, Hans: Das Herrenhaus von Groß-Kreutz, Märkischer Heimatkalender für die Zauche, 1928, S. 34–38.
  • Schmidt, Bestandsaufnahme, 1992. - Schmidt, Werner (Hrsg.): Havelland um Werder, Lehnin und Ketzin : Ergebnisse der heimatkundlichen Bestandsaufnahme in den Gebieten Groß Kreutz, Ketzin, Lehnin und Werder, 1992, S. 60-61.

Einzelnachweise

  1. Es gibt allerdings bei Badstübner-Gröger einen Hinweis, dass eventuell bereits sein Vater Botho Wilke von Hacke mit dem Bau begonnen hatte und die Daten 1765-1767 auf die reine Ausstattungszeit beziehen. (Badstübner Gröger, Groß Kreutz, 1998, S.24).
  2. Duncker, Wohnsitze, 1860.
  3. 3,0 3,1 Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Akte I 5739.
  4. 4,0 4,1 4,2 Ebd.
  5. Schmidt, Heimatkundliche Bestandsaufnahme, 1992.
  6. 6,0 6,1 Badstübner-Gröger, Groß Kreutz, 1998.
  7. Kania, Groß Kreutz, 1928.