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Freising, Kapelle in der ehem. Domdechantei

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 6: Stadt und Landkreis Freising. Hirmer, München 1998, ISBN 978-3-7774-7590-5, S. 163–164, geschrieben von Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Kapelle, Pfarrei St. Georg, Erzdiözese München und Freising. In der Schmidtschen Matrikel 1739 als »capella non consecrata« bezeichnet. Die Kapelle wurde am 28. Juni 1996 benediziert, jedoch nicht konsekriert. Die Kapelle befindet sich im Erdgeschoß des Turms.

Patrozinium: Hl. Korbinian

Zum Bauwerk: Die ehem. Domdechantei war ein Baukomplex in städtebaulich bestimmender Lage am O-Ende des Dombergs und diente seit dem Mittelalter als Sitz des Domdekans. Nach der Säkularisation nutzte man die Gebäude als Blinden- und Taubstummeninstitut, dann als Lehrerbildungsanstalt und zuletzt als Gymnasium. 1983-89 entstanden auf dem Areal Neubauten für das Amtsgericht und das Vermessungsamt, in die Teile der älteren Bauwerke eingebunden wurden. Als Baukörper erhalten blieben der 9-achsige N-Flügel der Domdechantei und der in seiner Substanz noch gotische Turm an der N-O-Ecke, zu dessen Baukörper eine weitere Achse nach S gehört. Im Erdgeschoß des Turms befindet sich die Kapelle. Sie stammt in ihrer jetzigen Form aus der Zeit einer barocken Umgestaltung, die Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck, der spätere Fürstbischof, in seiner Zeit als Domdekan (1684-95) vornehmen ließ. Nach Meichelbeck steckte Eckher mehrere tausend Gulden in diesen Umbau (Götz 1992).


---- ( - - - - / / - / - / - / - / Kleiner, nach N gerichteter Raum (2,76 × 3,60 m), durch einen eingezogenen Bogen gegen einen Vorraum im S abgesetzt. Belichtung durch ein Fenster im O. Ursprünglich stand die Kapelle mit dem Gebäude in Verbindung, heute ist sie nur von außen über eine Tür an der O-Seite der Vorraums zugänglich. Im Gewölbe kräftiger vegetabiler Stuck aus der Zeit der Barockisierung, bestehend aus großen, lappigen Akanthusranken entlang der Grate des Gewölbes, in den Feldern Zweige mit Blättern und kleinen Beeren, vielleicht von einem italienischen Stukkator. Barocker Altar mit Altarbild Hl. Familie in der Zimmermannswerkstatt«, um 1860/70 von Adalbert Kromer. Zwei zugehörige barocke Altarfiguren aus Holz, hl. Korbinian und hl. Sigismund, die dem Freisinger Bildhauer Johann Christoph Thalhammer zugeschrieben und um 1690 datiert werden, bewahrt das Diözesanmuseum Freising.

Auftraggeber: Domdekan Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck

Autor und Entstehungszeit: Unbekannter Maler, zwischen 1684 und 1695

Befund

Träger der Deckenmalerei: Kreuzgratgewölbe, in der Mitte abgeflacht

Rahmen: Vergoldeter, mehrfach profilierter und ornamentierter Stuckrahmen, außen mit Blattkranz belegt, von vier Seiten von kräftigen Stuckkartuschen übergriffen

Technik: Fresko; polychrom

Maße: Höhe 4,10 m; oval, 1,80 × 1,30

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Deutinger gibt 1849 an, daß die Kapelle der Domdechantei nicht mehr bestehe. Mayer-Westermayer schreibt dagegen 1874: »Im Schullehrerseminar, dem früheren Domdechanthaus, ist eine kleine Kapelle, früher dem hl. Korbinian geweiht, aber nicht consecriert, welche später in Verfall geriet und lange unbenutzt blieb, bis der Seminar-Inspector H. Karl Schmid selbe wieder herrichten und zur Privat-Andacht benützen ließ.« Die Instandsetzung der Kapelle geschah wohl im Zusammenhang mit den 1857 begonnenen Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen. So erhielt 1862 der Turm anstelle seiner Zwiebelkuppel eine Bekrönung mit Zinnen. Wahrscheinlich hat damals auch Adalbert Kromer, der Schöpfer des nazarenischen Altarbildes, das Fresko restauriert bzw. übermalt. Es trägt links, unterhalb der Engel, in Weiß die Inschrift: Kromer restauriert 1862. 1987 sollte das Deckenbild »hinsichtlich der Übermalungen bzw. der vorhandenen originalen Malerei und eventueller Schäden untersucht« werden (BLfD. Protokoll des Ortstermins 15. 7. 87). Dieser Plan scheint jedoch nicht realisiert worden zu sein; auch über eine Restaurierung ist nichts bekannt.

Beschreibung und Ikonographie

MARIENKRÖNUNG (Blickrichtung nach N) Die Komposition aus zierlichen Figuren zeigt Maria, die frontal in der Bildmitte kniet und von den göttlichen Personen gekrönt wird. Sie trägt ein weißes Kleid und einen blauen Mantel. Links sieht man Christus in bräunlichem Mantel, das Kreuz haltend, rechts Gottvater mit Weltkugel und Zepter in blauem Gewand und gelbem Mantel. Oben erscheint die Taube des Hl. Geistes. Unter der Gruppe schweben kleine Engel, die von dünnen blauen und gelben Tüchern umflattert werden.

Quellen und Literatur

Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 92. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 432. Gschwind, F., Aus der Baugeschichte der Lehrerbildungsanstalt Freising 1839-1934. Alt-Freising, Jg. 4, Nr. 1 18. Januar 1935. Hubensteiner 1954, S. 43. Benker 1975, S. 16. Kat. Freising 1989, S. 363, V. 38 (P. Steiner). Götz 1992, S. 39. Festschrift aus Anlaß der Einweihung des Ämtergebäudes für das Amtsgericht und das Vermessungsamt am Domberg in Freising am 21. Juli 1989, zusammengestellt von Helmuth Gössl (Ms im Amtsgericht). B.V.-K.

Ehem. bischöfliches Lyzeum, Marienplatz 7, jetzt Ämtergebäude, das auch das Museum des Historischen Vereins Freising enthält