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Feichten, Filialkirche St. Martin

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 8: Landkreis Mühldorf am Inn. Hirmer, München 2002, ISBN 978-3-7774-9430-2, S. 79–80, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Pfarrverband Neumarkt St. Veit, Stadt Neumarkt St. Veit, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Pfarrkirche, die dem Kloster St. Veit inkorporiert war Erzbistum Salzburg. Gericht Neumarkt

Patrozinium: St. Martin

Zum Bauwerk: Die gotische Kirche (1460/70) wurde bei einem Brand 1728 schwer beschädigt. Barocker Umbau 1728/30 durch den Neumarkter Baumeister Silvester Mayerhofer. 1786/91 neuer Hochaltar, vermutlich durch die Brüder Johann Philipp und Johann Michael Wagner mit einem 1791 signierten Altarbild von Johann Nepomuk della Croce. 1844 neuromanische Ausstattung.

Langhaus zu vier Achsen mit Tonnengewölbe und Gurtbögen Gliederung durch Doppelpilaster über den gotischen Wandpfeilern. Der AR (3,20×6,40 m) ist eingezogen, zweijochig und dreiseitig geschlossen. Gliederung durch geknickte Pilaster mit Volutenkapitellen, Belichtung durch Rundbogenfenster im östlichen Joch und in den Chorschrägen. Das Deckenbild befindet sich im AR

Auftraggeber: Abt Anselm Schuler von St. Veit (1775–96) Pfarrvikare z. Z. der Ausmalung waren Edmund Stoiber (1775–88) und Amilian Maaß (1789–1815)

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Franz Xaver Hornöck (* 1752 Neumarkt † 1822 Salzburg) um 1780/90 Die einfache Darstellung, die außerdem durch Übertünchung und Freilegung in ihrer originalen Substanz gelitten hat, ist schwer einzuordnen. Die Figurengruppe, die wie eine Plastik in einen nur durch Steinblock, Pyramide und Palme bezeichneten Raum gesetzt ist, und auch die sehr lichte Farbgebung erinnert an die Fresken in Weilkirchen (1796, S. 286–293) und damit an Franz Xaver Hornöck, den auch Martin Lechner vorgeschlagen hat (KKF, S. 28). In Figurentypen wie auch in signifikanten Details stimmt Feichten mit Weilkirchen überein. Kennzeichnend für Hornöck ist die leichte Pinselführung, verbunden mit der Eigenart, durch Schattenführung die Leuchtkraft der hellen Farben, besonders des Inkarnats, zu heben. Den vorübergehend freigelegten Proben von 1922 zufolge umfaßte die Ausmalung vermutlich – ähnlich wie in Weilkirchen – auch dekorative Malereien am Gewölbe.

K, Anbetung der Könige

Terminus post quem ist die Heirat Hornöcks in Neumarkt im Jahr 1777. Ein Jahr zuvor ist sein frühestes bekanntes Werk die (verlorene) Ausmalung der Kirche in Haunzenbergersöll entstanden. Terminus ante quem ist das Altarbild Johann Nepomuk della Croces vom Jahr 1791, mit dem die Ausstattung sicherlich abgeschlossen war.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Stichkappentonne (verschliffenes Kreuzgratgewölbe), im O abgemuldet Rahmen: In den Diagonalen verkröpfter Stuckprofilrahmen Technik: Fresko; polychrom

Maße: Höhe 7,00 m; 3,40 × 2,50

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Das Deckengemälde war übermalt. 1899 »Neuausmalung« des Presbyteriums durch Maler Einmayr, Neumarkt. Bei einer Restaurierung 1922 durch Peter Keilhacker aus Taufkirchen wurden Teile einer »reichen Bemalung«, u.a. Brustbilder von Aposteln in Höhe der Leuchter, aufgefunden, die aber als nicht zur Ausstattung passend übertüncht blieben (BLfD). Bei der letzten Innenrestaurierung 1983/84 durch Karl Holzner, Ampfing, wurde das Deckengemälde im AR freigelegt und restauriert. Signatur am östlichen Bildrand SOLI DEO GLORIA FREIGEL. RESTAURIERT A. D. 1984 V. H. DEKAN A. HOLZNER. (= Stadtpfarrer Alois Holzner in Neumarkt). Das Deckenbild muß als Ruine bezeichnet werden, von der barocken Substanz hat sich nur die unterste Malschicht mit dem Bildgegenstand erhalten. Das gleichzeitig freigelegte Chronogramm am Chorbogen konnte nicht rekonstruiert werden und wurde wieder übertüncht.

Beschreibung und Ikonographie

MANTELSPENDE DES HL. MARTIN Vom Bildschauplatz sind nur Spuren erhalten: eine kleine Anhöhe, ein Felsen (oder ein Zelt?) links, ein pyramidenförmiger Meilenstein (?) rechts sowie der bewölkte Himmel. Zu erkennen ist die Gruppe des hl. Martin zu Pferd mit dem Bettler. Die Gesamt-farbigkeit aus Ocker-, Graugrün-, Blaugrau- und Rotwerten ist in der Figurengruppe konzentriert. Das Thema der Mantelspende ist außerdem im Hochaltargemälde des Johann Nepomuk della Croce (signiert und datiert 1791) dargestellt.

Quellen und Literatur

StAL, Pfleggericht Neumarkt, Kirchenrechnungen 1700–1800. StAM, LRA 52080 und 52097: Restaurierung 1898/89; 52114: Innenrestaurierung 1922. BLfD, Akt Feichten, Filialkirche St. Martin. Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 605. KDB IOB (3), S. 2164. Hubensteiner, Benno, Silvester Mayrhofer, der Maurermeister von Neumarkt, in: Das Mühlrad 7, 1957, S. 47–50. -, Das kleine Feichten und die große Kunstgeschichte, in: Das Mühlrad 8, 1958, S. 101f. Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf (Helmuth Stahleder), München 1976, S. 230. Lechner, Martin, Die Kirchen der Stadtpfarrei Neumarkt St. Veit und ihre kunstgeschichtliche Bedeutung, in: Heimat an Rott und Inn 1974, S. 80–82. -, Neumarkt St. Veit (KKF Nr. 948), München 1989, Filialkirche St. Martin in Feichten, S. 28–30. Dehio 1990, S. 280.