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Evenhausen, Pfarrkirche St. Petrus

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 1: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 131–138, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche (Pfarrverband Amerang), Gemeinde Amerang, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat Baumburg. Die Kirche Evenhausen war seit 1507 der Benediktinerinnenabtei Frauenwörth inkorporiert. An der Kirche bestand die Bruderschaft zu Ehren des hl. Apostels Petrus (Petersbruderschaft), 1754 bestätigt. Gericht Kling

Patrozinium: St. Petrus

Zum Bauwerk: Spätgotischer Bau, erbaut um 1470; Brand 1713 und Wiederherstellung (AEM). Damals wurden wahrscheinlich die Fenster vermehrt und umgestaltet (sog. Krumper-Fenster). Die Kirchenrechnungen nennen an Bautätigkeit für 1710 die Erhöhung der Vorhalle um drei Schuh und einen neuen Dachstuhl; für 1720 das Legen eines neuen Kirchenpflasters; für 1733 den Bau der Sakristei und für 1749 nicht näher bezeichnete Bauausgaben. Der in C-Bogen geschweifte Chorbogen ist typisch für Wolf Ganterer, den Gerichtsmaurermeister von Kling, der im Juni 1752 gestorben ist. Die Barockisierung ist also vor 1752 anzunehmen. Verlängerung um ein Joch nach W mit Stuckierung des neuen Teils in der alten Form 1976.

LHs ursprünglich zu drei, heute zu vier Jochen, Gliederung durch Wandpfeiler mit vorgelegten Pilastern, Empore im W Belichtung durch vier Fenster in den beiden östlichen Jochen Geschwungener Chorbogen, nicht symmetrisch, weil der Chor an der Südseite stärker eingezogen ist als an der Nordseite. AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Belichtung durch zwei Fenster im N, eines im S und zwei in der Schlußschrägen.

Auftraggeber: Pfarrvikar während der Ausstattungszeit war Jakob Gris (1741–56). Da die Ausstattung in den Kirchenrechnungen nicht aufscheint und nichts auf eine Beteiligung Frauenchiemsees hinweist (Äbtissin war 1735–63 Lu Ginsheim), dürfte sie durch Spenden finanziert worden sein.

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Balthasar Furtner (*unbekannt † 1764 Frauenchiemsee) 1749/50

Das Datum der Dekoration in Evenhausen ist nicht bekannt. Am inneren Chorbogen befinden sich die Jahreszahlen 1720, 1867, 1895, 1938. Man hat bisher angenommen, daß sich die erste Zahl auf die Barockisierung der Kirche bezieht; das trifft vielleicht auf die Fenster zu, nicht aber auf den provinziellen Stuck, der Motive wie etwa das Gittermuster zeigt, das man (am Beginn der 20er Jahre entstanden) in ländlichen Kirchen nicht vor 1730 findet. Auch die Rahmenform von D ist von 1730 nicht denkbar. Die Form des geschweiften Chorbogens ist fast identisch mit der des Chorbogens in Straßkirchen (s.S.494f.), und Hirnsberg (s.S.261; in Hirnsberg findet sich auch das Gittermuster), wo die Kirchen 1732 bzw. 1743 vor Wolf Ganterer barockisiert wurden. Der Tod Ganterers 1752 kann als Terminus ante quem« dienen, das Entstehungsjahr der Credo-Serie Bergmüllers 1730, von der ein Blatt Vorbild für Fresko B war (s. dort), als >Terminus post quem«. Doch ist die Entstehung der Dekoration zwar ab den frühen Dreißiger Jahren möglich, aber wohl später zu datieren. Am wahrschein

EVENHAUSEN

A Einsetzung des Altarsakramentes - Letztes Abendmahl

Lichsten ist, daß Evenhausen anschließend an die Baumaßnahmen 1749 seine Innenausstattung erhielt.

Zu dieser Zeit war auch Balthasar Furtner, der schon früher in Frauenchiemsee gearbeitet hatte, dort wohnhaft geworden und damit spricht für ihn als im Gericht Kling ansässigen Maler auch die historische Wahrscheinlichkeit. Vergleiche mit der Gruppe der für ihn gesicherten Fresken bestätigen die Zuweisung. Neben den allgemeinen Stilmerkmalen Furtners wie etwa den überlangen, eckigen Figurentypen mit den durch Gewandbahnen gelängten Umrissen und der kalten Farbigkeit mit der häufig verwendeten Farbstellung Rot-Blau-Grün finden sich in Evenhausen auch Details, die für Furtner typisch sind: Die Gesichtstypen, Haar- und Barttrachten; die Art der Gewanddarstellung; die ins Bild einführenden Stufen in B mit den Reparaturen durch eine Eisenklammer; die grüne Drape-rie mit den Gold-Fransen in A (identisch mit der in Au, S. 68); die Form der Hl.-Geist-Taube in Untersicht mit den angezogenen roten Füßchen (Au, Fresko B und Evenhausen, Fresko D). Dabei zeigt das (offenbar von späteren Übermalungen weitgehend freie) Fresko A auch bei den Gesichtstypen in der Art der Pinselführung und im Ausdruck frappierende Übereinstimmungen mit der von Furtner signierten Freskierung in der Maria-Mitleid-Kapelle in Frauenchiemsee.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, C) und AR (D) Stichkappentonne

Rahmen: A – D Stuckprofil; A1-2, 1-4, Ca-b, 5-8, D1-2 einfache stuckierte Ornamentkartuschen

Technik: Fresko; sämtliche Deckenbilder sind polychrom

Maße: A Höhe 7,40 m; 2,30 × 2,60 B Höhe 7,40 m; 2,10 × 2,40 C Höhe 7,40 m; 2,40 × 2,40 D Höhe 7,10 m; 2,40 × 2,40

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Innen am Chorbogen stehen als Restaurierungsdaten 1867, 1895, 1938. 1866/67 erhielt die Kirche eine neue Altarausstattung im neuromanischen Stil. Bei der Innenrestaurierung 1895 wurden die Deckenbilder durch den Evenhausener Maler Johann Streng gereinigt und »aufgefrischt«, Brüstung und Decke der Empore neu gefaßt. Ursprünglich sollten die Fresken erneuert werden, doch nahm man davon Abstand, weil »höchstens durch einen Kunstmaler mit großem Kostenaufwande etwas Besseres an deren Stelle gesetzt wird«. Die Raumschale wurde neu gefaßt, der Chor »bis Fensterhöhe mit Teppichmalerei«, die »Wände im Langhaus und Presbyterium steinfarbig, Pfeiler daselbst weiß«, die »Gewölbe und Stichkappen bei den Fenstern grünsteinfärbig«, die »vorhandenen Ornamente und Verzierungen« wurden teilweise neu gemalt, teilweise mit Gold gefaßt. Hager schildert den Zustand der Fresken als greulich übermalt (20.4.1914), die gute Raumwirkung der Kirche sei dadurch gänzlich verdorben. Abnahme dieser Fassung und der Übermalungen an den Deckenbildern sowie Neufassung des Raums bei der Restaurierung 1938 durch Karl Weinzierl, Isen. 1976 wurde die Kirche um ein Joch nach W verlängert. Dabei wurde der Orgeleinbau, der bisher das – barocke – Fresko A verdeckt hatte, zurückverlegt, so daß dieses nun freiliegt. Die barocken Fresken wurden durch Helmut Knorr, Grafing, restauriert; vor allem die Evangelisten und Apostelbilder wurden dabei zum Teil stark übermalt. Die Stuckierung der Kirche wurde im neuen westlichen Joch fortgeführt, wobei ein neues Mittelbildfeld und drei Medaillonpaare Kartuschen entstanden. Dort malte Georg Gschwendtner 1978 Fresken, die der barocken Ausmalung angepaßt sind. Das Hauptfeld zeigt die hl. Cäcilia an der Orgel, darüber Engel und das Dreifaltigkeitssymbol; im Vordergrund verschiedene Figuren. Inschrift: PAROECIA A. D. 1360 ERECTA; Signatur: Gg. Gschwendtner 1978. Die beiden neuen Medaillons zu Seiten dieses Bildes im O zeigen musizierende Putten, die beiden westlichen Kartuschen im S Herzog Tassilo, der der Abtissin von Frauenwörth eine Gründungsurkunde überreicht, mit der Inschrift: Thassilon dux villicos / de Evenhausen / ad cellam Frauenwörth dotavit / A. D. / 760, im N eine Ansicht von Evenhausen mit der Pfarrkirche und der Inschrift: Ecclesia haec / 1470 aedificata / 1720 ornata / Prolongata et / renovata / A. D. I 1976. Auch die Bilder A1– des nach Osten folgenden Medaillonpaars stammen wohl von Gschwendtner, gehören aber thematisch zur barocken Ausmalung.

Beschreibung und Ikonographie

Die Stuckierung des Gewölbes beschränkt sich auf die Rahmung der Kartuschen und auf die Stichkappenflächen in sehr provinziellen und für die Entstehungszeit (s.o.) altertümlichen Formen. Am Chorbogen finden sich dünne Rankenornamente, über dem Altar eine Doppelmuschel, die Stichkappengrate sind mit Modelstuckleisten und abschließenden Puttenköpfchen betont. Ein eigentlicher Stuckator ist nicht lgg anzunehmen, der Stuck stammt wahrscheinlich von einem Maurer, der mit Wolf Ganterer arbeitete.

Der Kirchenraum

A EINSETZUNG DES ALTARSAKRAMENTES - LETZTES ABENDMAHL Christus sitzt am Tisch, von den Aposteln umgeben. Er blickt nach oben und bricht das Brot. Vor der grün drapierten Raumdecke hängen brennende Lampen und beleuchten eine Tafel, die auf einer Konsole aufgestellt ist, mit der Inschrift VITAE / VEL / INTERITUS. Diese Worte gehören zu einem Vers aus der Hymne über die Eucharistie des Thomas von Aquin, die als Sequenz in der Messe zum Fronleichnamsfest dient: »Sumunt boni sumunt mali: Sorte tamen inaequali, Vitae vel interitus« (Gute kommen, Böse kommen, doch nicht jedem will es frommen, Leben bringt und Todesbann).

Das Chorgewölbe mit Petrus-Themen: D Schlüsselübergabe an Petrus, D, Navicella Petri, D, Stillung des Seesturms, 5-8 Apostel (Balthasar Furtner 1749/50)

A., PUTTEN Die beiden Nebenfelder haben die Form der Medaillons von 1976/78 und zeigen je einen Putto, der eine Kartusche hält, auf dem eine Zeile des oben genannten Verses steht. Die Bilder wurden von Gschwendtner gemalt, der den Text der Inschriften wohl von den vorhergehenden barocken Kartuschen übernahm.

A1 (S) SUMUNT / BONI / SUMUNT / MALI A2 (N) SORTE / TAMEN / INAEQUALI.

B DAS ALTE UND DAS NEUE TESTAMENT / DIE KATHOLISCHE KIRCHE Das Bild zeigt das Innere eines Rundtempels, wie an dem halbrund verlaufenden Gesims zu sehen ist. Mächtige konkav geschwungene Stufen führen in den Schauplatz ein und bilden zugleich den Sockelbau für einen Altar. Rechts vor dem Altar steht eine Frau mit weißem Gewand und blau gefüttertem, goldenen Mantel, der auch über ihr Haupt geführt ist. Mit der Rechten weist sie auf die Kultgegenstände, die auf dem Altar liegen, in der Linken hält sie einen Kelch mit darüber schwebender, strahlenumgebener Hostie, der sie als die Allegorie der Fides, des katholischen Glaubens, ausweist. Auf den Stufen vor dem Altar steht ein Weihrauchfaß, dahinter sind – in der Mitte des Altars – die mosaischen Gesetzestafeln aufgestellt, darüber eine hohe, hell brennende Kerze. Ein hermenähnlicher, geflügelter Aufbau über dem Altar zeigt ein Janusgesicht: nach links blickt ein greises, nach rechts ein jugendliches Antlitz. Dieser Januskopf ist von einer goldenen Krone und einer darüber aufragenden Sanduhr gekrönt. Auf der linken Seite des Altars ist ein (siebenarmiger, von dem nur fünf Arme sichtbar sind) Leuchter mit verlöschenden Kerzen zu sehen, darunter die Bundeslade mit dem darüber gebeugten Seraphim und seitlich eine Thora-

C Marienkrönung
D. Stillung des Seesturms (vor der Restaurierung)
Cb Putto mit Sonne

Rolle (?). Rechts auf dem Altar sind zwei Meßkännchen und das Kreuz Christi dargestellt; dahinter hält ein Putto ein aufgeschlagenes, gesiegeltes Buch mit der Inschrift No/vum / Testa/men/tum.

Über dem Altar ist das Kuppelrund des Tempelbaus geöffnet. Wolken sind eingedrungen, und in der Mitte erscheint, von hellen Strahlen umgeben, eine Hand, unter der die Taube des Heiligen Geistes zu sehen ist. Aus den Wolken zuckt ein Blitz und verfolgt einen Hohenpriester, der auf der linken Bildseite durch eine Türöffnung zu fliehen versucht.

Mit dieser ungewöhnlichen Darstellung ist der Sieg des Neuen über das Alte Testament gezeigt und damit der Sieg der katholischen Kirche über den mosaischen Glauben. Die mosaischen Gesetzestafeln, die für beide Religionen gültig sind, sind

ebenso wie das Weihrauchfaß in der Mitte des Altars angeordnet. Das Kreuz als Hinweis auf den Opfertod Christi, die Meßkännchen und der Hostienkelch als Hinweise auf die Eucharistie stehen hier für die Erlösung der Menschheit. Durch den Opfertod Christi am Kreuz und die Einsetzung der Eucharistie wurde das Alte Testament überwunden: die Kerzen auf dem Leuchter sind verloschen, der Hohepriester flieht. Nach links, zur Seite des Alten Testaments, blickt auch das greise Janusgesicht, während das junge nach rechts, zur Seite des Neuen Testament, gerichtet ist. Die Sanduhr auf dem Januskopf bedeutet – wie dieser selbst auch – die vergehende Zeit, in der das Alte vom Neuen Testament abgelöst wurde. Das Ganze spielt sich in einem Rundtempel ab, der wiederum ein Symbol der katholischen Kirche ist

C. Putto mit Mond und Sterner

Das Bild wiederholt bis ins Detail einen Stich Johann Georg Bergmüllers aus dessen 1730 entstandener Serie »Symbolum apostolicum articulis duodecim comprehensum«, die das Glaubensbekenntnis der römisch-katholischen Kirche in dreizehn Blättern illustriert. Vorbild für das Evenhausener Fresko ist Blatt Nr. 13, das das >Amen< nach dem Glaubensbekenntnis darstellt (Augsburg, Städtische Kunstsammlungen, Graphische Sammlung. Dietrich, Hans Heinrich, Die Fresken des Johann Georg Bergmüller. Ein Beitrag zur Augsburger Malerei des 18. Jahrhunderts, Diss. Mainz 1959, S. 60-72, 205 f.; Kat. Ausstellung Johann Georg Bergmüller 1688–1762, Türkheim 1988, Weissenhorn 1988, S. 134). Diese Stichserie war Vorbild für die 1787 entstandenen Fresken Johann Joseph Anton Hubers in den Seitenschiffen von Ochsenhausen (Bad.- Württ.), wo ein Fresko ebenfalls Blatt 13 zum Vorbild hat

1–4 VIER EVANGELISTEN Das Hauptbild B wird an den Gewölbezwickeln von vier Ornamentkartuschen umgeben, die die Vier Evangelisten zeigen: Sie sind z. T. stark übermalt. Die Schriften der Evangelisten dokumentieren die Entstehung des Neuen Testaments.

Christus thront auf Wolken, zwischen ihnen erscheint der Heilige Geist in Gestalt einer lebhaft bewegten Taube, die von Strahlen und Flammenzungen umgeben ist. Christus hält eine Krone über das Haupt Mariens, die zwischen den göttlichen Personen auf einer Wolke nach oben schwebt, von Putten begleitet. Weitere Putten und Puttenköpfchen sind am oberen Bildrand zu sehen. Durch das Führen einer verschatteten Wolkenzone rings um den Bildrand und die starke Auflichtung nach der Bildmitte hin wurde eine gewisse illusionistische Wirkung erzielt. Als Buntfarben treten vor dem weißlich-grau bis grauvioletten Wolken ein helles Blau im Kleid Mariens, Grün im Gewand eines Engels und Gelb in dem Gottvaters auf.

D SCHLÜSSELÜBERGABE AN PETRUS (Matth 16,18) Auf einer Wiese, wo links Schafe weiden, steht Christus; rechts sind die Apostel dargestellt, an ihrer Spitze Petrus, der vor Christus niedergekniet ist und aus seiner Hand die Schlüssel entgegennimmt. Links ragt auf einem kleinen, jäh abbrechenden Hügelchen der Rundtempel als Symbol der Kirche auf. Zwei Putten schweben in Wolken über der Szene: sie halten Bandstücke.

Auf alle Worte Christi zu Petrus, mit denen er ihn als Oberhaupt der Kirche bestimmte, ist hier in Symbolen hingewiesen:

»Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen« (Mt 16,18; Rundtempel auf steilem Hügel); »Ich will Dir die Schlüssel des Himmelsreichs geben: Was Du auf Erden binden wirst, das soll auch im Himmel gebunden sein« (Mt 16,19 und 18,18; Schlüsselübergabe, Bänder in der Hand der Putten); »Weide meine Schafe« (Joh 21,17; die Schafe auf der rechten Bildseite weisen auf Übertragung des Hirtenamts hin).

D1-2 PETRUS-THEMEN Die Darstellungen in den beiden Kartuschen, die D seitlich flankieren, beziehen sich mit ihren Petrus-Themen auf Ecclesia.

D1 NAVICELLA PETRI Auf einem hohen, ornamentierten Fuß ist ein kleiner Kahn mit Ruder am Heck dargestellt. In ihm sitzt Petrus, der in der Rechten die Schlüssel hält und mit der Linken zum Himmel weist, wo das strahlenumgebene Auge Gottes erscheint. Unten am Boden, zu Füßen des Aufbaus mit dem Schiff, steht Fides mit Kreuz und Hostienkelch, den sie mit der Linken hochhält. Im Hintergrund sind Tempel mit Türmen dargestellt: Links, hinter Fides, trägt der Turm ein Kreuz als Spitze; rechts vom Schiff Petri sind als Turmabschluß ein Halbmond und eine heidnische Götterfigur zu sehen. Rechts im Vordergrund stürzt eine antike Götterfigur von hohem Sockel.

D2 STILLUNG DES SEESTURMS (Mc 4,35-41) Unter schwarzverhangenem Himmel sind in den aufgewühlten Wogen des Sees Genesareth zwei Schiffe zu sehen: das hintere, große, ist in Seenot, die Schiffsleute bemühen sich, das Segel zu reffen. Im kleinen Schiff im Vordergrund sitzt Christus schlafend. Petrus bemüht sich zusammen mit einem anderen Apostel, ihn zu wecken, wobei er auf das Schiff in Seenot weist.

5-8 APOSTEL In den vier kleinen Kartuschen in den Diagonalen des Hauptbildes D sind die Köpfe von vier Aposteln zu sehen. Die Namen werden in Überschriften am Kartuschenrahmen genannt.

5 S. MATTHAEUS mit einem Buch. Matthäus ist bei den Evangelisten (1-4) schon dargestellt. Vielleicht ist hier die Inschrift falsch restauriert.

6 S. BARTHOLOMAEUS mit dem Messer

7 S. MATTHIAS mit der Hellebarde

8 S. ANDREAS hinter ihm das Andreaskreuz

Inschrift auf der Chorbogenkartuschen (wohl 1895) Domum tuam / Domine, decet sanctitudo / in longitudinem / dierum.

Zur Ikonologie

Aufbauend auf der Ikonographie des hl. Petrus, des Patrons von Evenhausen, wird hier ein interessanter ecclesiologischer Zyklus entwickelt. Mit der Schlüsselübergabe (D) ist im Chor die Petrus-Szene gezeigt, in der seine Rolle als von Christus eingesetztes Oberhaupt der Kirche deutlich gemacht wird. Auf die Kirche beziehen sich D1: das Bild des Schiffes ist Symbol für sie. Die Errettung aus dem Seesturm durch Christus (D2) ist Ausdruck ihrer Heilsgewißheit, wobei hier Petrus, der Christus weckt, als Heilsvermittler dargestellt ist (bei Mc 4,38 wird nicht gesagt, wer Christus weckt). In Bild D,

ist der Sieg der Katholischen Kirche über Heidentum und Islam gezeigt.

0 0 Die Überwindung des Alten Testaments durch das Neue ist Gegenstand des Hauptbildes B; als Überlieferer und Garanten der Heilswahrheiten des Neuen Bundes erscheinen dabei die Evangelisten in den umgebenden Kartuschen (1–4).

Die Eucharistie als Erlösungsmittel spielt eine große Rolle. Ihre Einsetzung wird in A geschildert. In dem - durch den Vers der Inschrift – zitierten Hymnus des Thomas von Aquin wird die Überwindung des Alten durch den Neuen Bund durch die Einsetzung der Eucharistie beschworen: »In hac mensa novi Regis / novum Pascha novae legis / phase vetus terminat. Vetustatem novitas / umbram fugat veritas / noctem lux eliminat.« (Neuen Königs Tafelrunde, neues Lamm im Neuer Bunde, hat des Alten End gebracht. Neues treibt das Alte fort Schatten scheucht der Wahrheit Wort, und das Licht verbann die Nacht.) Die Inschriften in A und A1-2 weisen darauf hin daß die Eucharistie nur denen, die sie würdig empfangen Erlösungsmittel ist (»Mors est malis, vita bonis / vide paris sumptionis / quam sit dispar exitus«. »Bösen: Tod den Guten Leben; Sieh, das Gleiche wird gegeben, doch nicht Gleiches man gewann.«). In B weist Fides auf das Kreuz und damit auf das Kreuzopfer Christi; sie hält den Kelch mit der umstrahlten Hostie. Dieser Kelch ist nicht nur attributiv zu verstehen. Die Gegenwart Gottvaters ist in der segnenden Hand dargestellt die des Heiligen Geistes in der Taube; durch die Hostie wird Christus dargestellt.

In dieses Programm ist der Triumph Mariens, die das Werkzeug der Erlösung war, einzuordnen.

Quellen und Literatur

StAM, Geistlicher Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen, Kirchenrechnungen Gericht Kling, Teil 1, 1705, 1715, 1720, 1740, 1745; Rentamt Burghausen, Unterbehörden, Kirchenrechnungen Gericht Kling, ab 1750.

StAM, LRA 47594, Die Kirche Evenhausen 1825–1938: Restaurierungen.

AEM, Pfarrakten Evenhausen, 179 0001 01: Pfarrbeschreibung; 179 3001 01: Verhältnisse der Kirchenvermögens- Verwaltung; 179 3002 01: Baufälle.

BLfD, Akt Evenhausen, Pfarrkirche St. Petrus

Mayer-Westermayer, Bd. 1, S. 87–89. KDRIOR(2) S TOLL

Heilmaier, Ludwig, Evenhausen. Die Pfarrei Evenhausen (Schonstett) und das Kloster Frauenchiemsee, in: Heimat am Inn 12, 1938, Nr. 7, S. 1–4.

Heilmaier, Ludwig, Die Errichtung der Pfarreien Evenhausen und Schonstett, in: Heimat am Inn 12, 1939, Nr. 10, S. 1-5. Lampl, Sixtus, Die Kirchen der Gemeinde Amerang, in: Amerang. Schloß – Dorf – Gemeinde. Heimatbuch zum 1200 Jubiläum (Hg. Gemeinde Amerang, Schriftleitung Wolfgang Klautsch), Amerang 1989, S. 206–08.

Engelbrecht, Jolanda und Klaus Gössl, Die Geschichte der Pfarrei Evenhausen, ebd. S. 365–79. Dobio roop C and

A. B.

FLINTSBACH AM INN