Etting, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Michael
Seit 1496 ist die mutmaßlich sehr viel ältere Wallfahrt zu den Drei »Elenden« (= fremden) Heiligen Archus, Herenäus und Quartanus belegt. Sie sollen nach unterschiedlichen Legenden entweder adelige englische Kaufleute aus spätrömischer Zeit oder angelsächsische Wandermönche des 12. Jahrhunderts gewesen sein, die sich als Einsiedler in Etting niederließen und in den durch unterirdische Gänge mit der Kirche verbundenen Erdhöhlen gehaust haben, die zum Teil heute noch erhalten sind. 1627 ließ Bischof Johann Christoph von Westerstetten (1612-37) die drei in der Kirche befindlichen Hochgräber öffnen und die dort gefundenen Gebeine erheben. Drei Häupter in einem der Gräber wurden als jene der drei Heiligen erkannt Sie sind heute in einem 1723 angefertigten Schrein in der linker Seitenkapelle verwahrt.
Patrozinium: St. Michael
Zum Bauwerk: Im Ursprung romanische Chorturmkirche, 1060 geweiht. Romanische Bausubstanz hat sich im Turmunterteil mit Chor erhalten. Das Langhaus wurde wohl 1696 erhöht und im Lauf der Geschichte mehrfach verlängert.
Nach den Quellen stellen sich die verschiedenen Baumaßnahmen wie folgt dar:
Nach einer Renovierung war die Kirche 1602 »wieder schön erneuert und ausgemalt« und hatte einen Michaels-, einen Apostel- und einen Marienaltar (Pfarrarchiv, Aufzeichnungen aus dem Jahr 1808). Aus dieser Zeit stammt wohl auch die auf vier Steinsäulen ruhende Vorhalle im Süden, die auf zwei großen Votivbildern des 17. Jh.s in der Kirche zu erkennen ist Die Erhebung der Gebeine der Drei Elenden Heiligen vom 2.-4. 9. 1627 bzw. ihre erneute Beisetzung am 10.8.1628 hängt vielleicht mit der Errichtung von zwei neuen Seitenaltären zusammen, deren Altarblätter heute an den Seitenwänden der Kirche hängen. Eines zeigt das ältere Marienpatrozinium, mit einschließend die Flucht nach Ägypten, das andere die Drei Elenden Heiligen, darüber die Apostel und weitere heilige Märtyrer in Wolken und weist somit auch auf das ältere Apostelpatrozinium. (Auch die Patrone der mit den Drei Elenden Heiligen verbundenen Tage begegnen auf den Gemälden. Auf der Flucht nach Agypten ist das Schutzengel-Thema angesprochen – Schutzengeltag 2. 9. –, und unter den Aposteln ist im Zentrum Laurentius dargestellt, dessen Fest mit der Beisetzung der Gebeine zusammenfällt.) 1667 neuer Choraltar. Die zentrale Michaelsfigur und mehrere kleine Figuren sind erhalten (Zuschreibung S. Hofmann an den Ingolstädter Bildhauer Georg Maurer).
1674/76 wurde – nach Abbruch der auf vier Steinsäulen ruhenden Vorhalle im Süden, die auf zwei großen in der Kirche erhaltenen Votivbildern des 17. Jh.s zu erkennen ist – das Kirchenschiff (30 Schuh breit) um 21 auf 80 Schuh (ca. 10 × 27 m) verlängert. Dabei wurden die sechs bestehenden Fenster vergrößert und zusätzlich drei hohe Fenster und zwei Rundfenster über den Türen eingebaut. Die Außenansicht überliefert eine Zeichnung des damaligen Pflegers Johann Jakob Wurm im Diözesanarchiv Eichstätt (Pfarrakten Etting I). 1677, im Jahr der 50-Jahrfeier der Erhebung der Gebeine der Drei Elenden Heiligen, wurde zum Abschluss der Baumaßnahmen »ain neue Paarkhürchen vnd Deckhen« eingebaut. Der Ingolstädter Maler Johann Höss erhielt im gleichen Jahr 102 fl. 52. kr. für Malerarbeiten - vielleicht für die Bemalung der genannten neuen Empore und der hölzernen Flachdecke. (Siegfried Hofmann, 1973, S. 176, bringt die beiden Altarbilder der drei Heiligen und der Flucht nach Agypten mit dieser Ausgabe in Verbindung). 1680 erfolgte der Anbau der nördlichen Seitenkapelle. Dorthin wurde der bestehende Seitenaltar der drei »Elenden Heiligen« transferiert, um an seinem vorherigen Standort einen neuen St.-Anna-Altar zu errichten. Etwa gleichzeitig entstand die Kapelle auf der Südseite, in die der Altar mit der Flucht nach Ägypten transferiert wurde, der von nun an Josephsaltar hieß. An seine ursprüngliche Stelle kam ein neuer Marienaltar. Das Erscheinungsbild dieser beiden durch den damaligen Pfleger Johann Jakob Wurm 1681 gestifteten Altäre - die Patrozinien Maria und Anna entsprechen den ersten Vornamen seiner Ehefrau Maria Anna Gaudentia, geb. Giel von Gielsberg – überliefert eine Zeichnung von Julius Gustav Schröpler aus dem Jahr 1872 (StAM, Pl 3106. Brenninger S. 25).
1696 lassen Ausgaben für eine Hebebaumfeier (»wie man das Zimmer bey der Kürchen zu denen Gängen gehebt...«) und für die Verpflegung eines Malers über 20 Wochen und eines Bildhauers – gemeint ist wohl der Stuckator – über 14 Wochen, eine weitere große Baumaßnahme erkennen (Hofmann). Damals wurde wohl auf Kosten der Familie Wurm das Schiff unter Wiederverwendung des alten Dachstuhls höher geführt und die obere Fensterreihe angelegt, um den durch den Anbau der Seitenkapellen entstandenen Lichtverlust zu kompensieren. Die ursprüngliche Höhe der Mauerkrone kann man im Streiflicht am Außenbau noch erkennen und auch der einstige Dachverlauf ist im Speicher an der Turmmauer noch abzulesen. Gleichzeitig entstand wohl auch der Dachreiter, der auf dem Wening-Stich zu erkennen ist (Kirchenrechnungen 1696: »Die Zimmerleuth und Tagwerckher, wie sie die Kuppel auf den Turm aufgesetzt« erhalten Brotzeit: 15 Maß Bier und Brot), aber schon 1710 wieder abgebrochen wurde. (Götz hat 1923 die Baumaßnahmen von 1696 auf die Errichtung einer Privatkapelle der Familie Wurm für die 3 Elenden Heiligen bezogen.) Der Abbruch des Dachreiters 1710 und der Einbau eines neuen Emporengestühls (Georg Khern, Stadtzimmermeister in Ingolstadt macht neue »Stüell auf die Parkhürchen« für 7 fl. 48 kr.) im Jahr 1712 könnten den Zeitpunkt für eine nachträglich eingezogene Wölbung andeuten. In diesem Jahr sind »Raiff zu denen Neupaubögen« und »Haarzeug denen Maurern« verrechnet, die für diese Wölbung verwendet worden sein dürften, zumal ein gleichzeitig errichteter, »gnädigst verwilligter Anpau« im Westen, der bis 1854 als Kapelle der Drei elenden Heiligen genutzt wurde (Götz 1923), eine Flachdecke hatte. Dieser Anbau hatte einen eigenen Altar an der Ostwand mit dem Schrein der Drei Heiligen (Pastoralblatt des Bistums Eichstätt 8, 1861, zitiert nach Hofmann) und rechts und links davon zwei vergitterte Durchgänge zur Kirche.
Die Nachricht über den Bau einer Seelenkapelle im Jahr 1713 fand Siegfried Hofmann in Kirchenrechnungen, die (nach seiner mündlichen Auskunft) den Rechnungen in Stammham beigebunden sind. Weil auf der Plänen des 19. Jh.s diese Seelenkapelle nicht eingezeichnet ist, ist zu erwägen, ob sie mit dem Anbau im Westen identisch sein könnte, der dann erst 1740 zur Kapelle der Drei Heiligen umgewidmet worden wäre.
1715 neuer Turmaufsatz durch Sixt Liebpert. Beim Abtragen des Kirchturmdaches gingen viele Ziegel vom Kirchendach zu Bruch. Diese Reparaturarbeiten sind wohl auf einem der Votivbilder dargestellt, auf dem auch eine Vorhalle im Süden (vielleicht der 1701 erfolgte »hintere Kürchen Anpau«) und die obere Fensterreihe deutlich zu erkennen sind. Geldmangel verzögerte die Fertigstellung des Turms bis zum Jahr 1726. Eine in älteren Berichten erwähnte Baumaßnahme von 1740 (die Kir chenrechnungen fehlen) wird bestätigt durch das gleich lautende Datun auf dem Steingewände der Eingangstüre. Der Eingang wurde woh damals um ein Joch nach Westen verlegt und erhielt auf der gegenüberlie genden Nordseite ein Pendant (Bogenverlauf im Streiflicht erkennbar; di Türe ist in der Bauaufnahme des 19. Jh.s nicht mehr eingezeichnet). Anlass für die Änderung der Eingangssituation war wohl die Einrichtung eines Kapelle und Kirche verbindenden Prozessionsweges, auf dem auch größere Menschenmengen den zur Wallfahrtskapelle umgewidmeten Anbau von der Kirche aus durch eine Türe betreten und durch eine zweite Türe wieder verlassen konnten
1854/55 wurde die Kapelle der »Drei Elenden Heiligen« stärker in der Kirchenraum einbezogen, indem man die Trennmauer durch einen großen Bogen öffnete. Die alte Doppelempore wurde durch eine neue einzügige ersetzt, gleichzeitig Aufmauerung von Bögen vor den beiden Seitenkapellen, sowie Transferierung des Schreins der »Elenden Heiligen« auf den rechten Seitenaltar (Marienaltar). Hier ist er auf der Zeichnung von Schröpler zu erkennen.
1872/74 neuromanische Umgestaltung: Der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre von 1680 wurden durch neuromanische Altäre ersetzt. Wie ein Foto aus der Zeit vor 1897 belegt, hat man damals auf die Ostwand des Kirchenschiffs über den Altären und dem Durchgang zum Altarraum ein die ganze Kirchenbreite einnehmendes Gemälde angebracht: In der Mitte Christus im Strahlenkranz, zu beiden Seiten Maria und Johannes der Täufer und seitlich posaunenblasende Engel. Die kleinen Bildfelder auf der Gewölbezwickeln zeigen Heiligenbilder im nazarenischen Stil. Diese sind dann wohl 1897 durch die heutigen neubarocken Apostelbilder ersetzt worden (KR).
1962 Umbau durch Joseph Elfinger aus Ingolstadt: Der separate Kapellenraum im Westen wurde höher geführt und durch Abbruch der trennenden Mauer dem Kirchenraum zugeschlagen. Entfernung der neugotischen Kirchenausstattung. Der Altarraum wurde neu gestaltet, de barocke Hochaltar wurde 1979 aus Berngau, LKr. Neumarkt/OPf, über nommen; die gleichzeitig aus Oberhaunstadt übernommenen Seitenaltär des 17. Jh.s wurden 1995 wieder entfernt. 1994/95 Anbau einer Taufkapelle durch den Ingolstädter Architekten Florian Brand; neue Altarinsel
Rechteckiger Saalraum mit untergehängter, ungewöhnlich flacher Stichkappentonne und zwei niedrigeren Seitenkapellen im Osten. Belichtung durch zwei Fensterreihen, unten rund bogige, oben sog. Krumperfenster. Quadratischer Altarraum mit Kreuzgewölbe.
Auftraggeber: Man kann davon ausgehen, dass die Pfleger von Etting maßgeblichen Anteil an der Ausstattung der Kirche hatten; im 17. Jh. die Wurm, im 18. die Chlingensperg.
Als Pfleger von Etting war Johann Jakob Wurm (* 1625, † 1681), Mautner bzw. Mautamtskommissar in Ingolstadt, verantwortlich für die Verlängerung der Kirche 1679, die er teilweise selbst finanzierte, und für den Anbau der beiden Seitenkapellen 1680. Sein Sohn Johann Franz Benno Wurm gab 1677 zur Feier der neuen Einrichtung der Kirche das erste gedruckte Wallfahrtsbuch heraus, das er Kurfürst Ferdinand Maria widmete (Glückseeliges Elend – Das ist: Das Leben der Drey Elenden Heiligen Archi, Herennei, Guardani, Ingolstadt 1677; zweite Auflage 1696, herausgegeben von Pfarrer Wenzeslaus Fließer und dem Eichstätter Fürstbischof Johann Euchar Schenk von Castell gewidmet; ein Exemplar UB München). Johann Franz Benno Wurm folgte seinem Vater nach dessen Tod als Pfleger nach und wurde 1689 (oder 1691) geadelt, sein Hof zum gefreiten adeligen Sitz »Drachenfels« erhoben, so dass er zum Hofmarksherrn avancierte. Er veranlasste wohl 1696 die Erhöhung der Kirche und eine Ausstattung mit Stuck (und Deckengemälden? Erhalten sind die Stuckrahmen der großen Deckenfelder). Am 29. Juli 1700 musste von Wurm die Jurisdiktion über die Hofmark zurückgeben. Trotzdem blieben die Wurms in den späteren Jahren Etting verbunden; wie es scheint sind sie zunächst auch Besitzer des Schlösschens geblieben. 1710 ließ jedenfalls Johann Franz Benno von Wurm seinen Sohn Johann Anton Adam und zwei Jahre später seine Frau Maria Anna Gaudentia in der Ettinger Kirche bestatten.
Die Pflege von Etting fiel 1701 an Heinrich von Ponten (ebenfalls Mautner bzw. Mautamtskommissar in Ingolstadt) und wurde mit Stammham unter einem Gericht vereinigt. Ab 1706 folgen Mitglieder der Familie vor Chlingensperg als Pfleger von Etting, vielleicht erst später, sicher ab 1718 (zwei Wappensteine mit dieser Jahreszahl am Außenbau) auch als Eigentümer des Schlösschens Drachenfels, das sie weiter ausbauen ließen Christoph von Chlingensperg (* 7.6. 1651 zu Frontenhausen in Niederbayern, † 28. 8. 1720 in Ingolstadt) war seit 1677 Professor der Rechte in Ingolstadt, acht Mal Rektor der Universität und Direktor des Ingolstäd
ter Ratskollegiums. 1693 durch Kaiser Leopold geadelt, war er Kurbayerischer wirklicher Hofrat und Pfleger zu Stammham, Etting und Hirschberg. Die Bildnisse von ihm, seiner Frau und seinen Kindern wohl auch mit Ehepartnern finden sich als Darstellung der Armen Seelen auf dem vermutlich ehemaligen Altarbild der Seelenkapelle, das sich in schlechtem Zustand in der Ostenbrunnen-Kapelle am Ortsrand von Etting erhalten hat. Das Bild trägt das Allianzwappen von Christoph von Chlingensperg und seiner Frau Florentia Freinhueber auf Dornwang (* 1661 † 1733).
Pfleger in Etting war 1720-55 Hermann Anton Maria von Chlingensperg auf Perg, Herr auf Schönhofen und Drachenfels (* 7.4. 1685 in Ingolstadt † 27. 2. 1755 auf der Reise nach Drachenfels), Sohn des Christoph von Chlingensperg. Seit 1707 war er Professor der Rechte in Ingolstadt, siebenmal Rektor der Universität, bayerischer und kurpfälzischer Rat und Truchseß. Er hat zahlreiche Publikationen hinterlassen. 1711 heiratete er Maria Theresia Gugler von und zu Zeilhofen auf Pichl († 1722), in 2. Ehe 1727 Maria Franziska Johanna Scheibl von Thurnstein und Postmünster († 1736). Er hat mehrere Ingolstädter Kirchen mit reichen Vermächtnissen bedacht (1753: 3000 fl. für Familienbenefizium mit der Auflage einer Wochenmesse in der Chlingensperg'schen Kapelle St. Jakob bei Unserer Lieben Frau und zwölf Jahresmessen in der Jesuitenkirche zum Heiligen Kreuz; 1755: 1000 fl. für 2000 Messen bei den Franziskanern). Er ist der mutmaßliche Auftraggeber der Ettinger Deckenfresken.
Pfarrer in Etting war von 1724 bis 1743 Joseph Ölhuber aus Ingolstadt, der später als Benefiziat in seine Geburtsstadt zurückkehrte.
Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Melchior Puchner (* 1695 Schongau, † 1758 Ingolstadt), um 1727
( - - ) - - - - - - - - - - - - - - - - Die Ausmalung wurde von Siegfried Hofmann aufgrund einer Zahlung von 102 fl. 57 kr. im Jahr 1677 an den Ingolstädter Maler Johann Höß († 1731) zugeschrieben. Von diesem Maler ist bisher kein Werk bekannt, das einen stilistischen Vergleich ermöglicht. Für den Zeitraum 1677 sind die Deckenbilder relativ fortschrittlich; sie entsprechen der Stilstufe des Hans Georg Asam 1686/91 etwa in Benediktbeuern (LKr. Bad Tölz-Wolfratshausen, CBD Bd 1, S. 564-98) und in Tegernsee (LKr. Miesbach, CBD Bd 2, S. 39-63); Asams Fresken waren allerdings bahnbrechend für die barocke Deckenmalerei im süddeutschen Raum, und es ist unwahrscheinlich, dass der sonst unbekannte Ingolstädter Maler fortschrittlicher gewesen sein soll. Hofmann bezieht die Zahlung auch auf die Altarbilder, die heute an den Langhauswänden im jetzigen Eingangsjoch hängen; dem entsprechen der stilistische Befund und auch das Honorar (Hofmann 1977, S. 38; Fiess 1997, S. 178f.). Auch die einfache Stuckgliederung der Decke und die Freskorahmen aus Blattstäben entstanden in dieser Zeit
Verschiedene Indizien sprechen dafür, die Ausmalung später zu datieren und als ein Frühwerk des seit 1722 in Ingolstadt ansässigen Malers Melchior Puchner anzusehen. Die leicht untersichtigen Bildfelder zeigen relativ große und voluminöse Figuren, wie sie in Puchners Werk auf den Altarbildern in Klein- und Großmehring und in den Fresken von Geisenfeld (S. 189) begegnen. Der Putto mit Schwert auf dem Deckenbild mit den Elenden Heiligen entspricht vom Typus her jenem auf
dem Ölgemälde Puchners mit dem hl. Petrus Forerius in Maria de Victoria (W.; Abb. S. 99). Das Schild des Erzengels Michael gehört zu den Requisiten, die Puchner immer wieder dargestellt hat: wir finden es auf dem Hochaltarblatt in Kleinmehring, auf dem Michaelsfresko über der Empore in Sulzkirchen und auf dem Michaelsaltar in der Franziskanerkirche in Ingolstadt.
Auch wenn die Gemälde durch spätere Schäden, Übermalungen, Fixierungen, Freilegungen und Retuschen sehr beeinträchtigt sind, so lässt sich Melchior Puchners großflächige Pinselführung erkennen.
O Eine mögliche Entstehungszeit der Deckenbilder ist mit dem Datum 1727 der 100-Jahrfeier der Erhebung der Gebeine der drei Elenden Heiligen gegeben. 1727 sind in den Rechnungen Dachschäden erwähnt. Auch fällt die einzige Nennung Puchners in den erhaltenen Kirchenrechnungen in dieses Jahr; ihm wurden damals 17 fl. für kleinere Malerarbeiten bezahlt. Die Deckenfresken müssen teurer gewesen und demnach wohl gestiftet worden sein. Als Indiz gegen eine frühere Entstehungszeit der Fresken kann auch der stilistisch nicht vor 1710 zu datierende Tisch in Fresko A angeführt werden. Das Gemälde der Familie von Chlingensperg in der Osterbrunnenkapelle (s. Auftraggeber) kann auch Melchior Puchner zugeschrieben und zwischen 1722/33 (der Niederlassung Puchners in Ingolstadt und dem Tod der Florentia von Chlingensperg) datiert werden.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs: auf die ursprüngliche Flachdecke wurde nachträglich eine hölzerne Wölbung mit Stichkappen gelegt; B Flachkuppel
Rahmen: Stuckrahmen mit Blattwerk belegt
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 8,55 m; 4,10 x 3,30 m B Höhe 9,75 m; 3,60 x 3,60 m C Höhe 8,55 m; 4,10 x 3,30 m
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei einer Umgestaltung der Kirche im Stil der Neuromanik 1872 wurden die barocke Einrichtung entfernt und drei Altäre im Zeitgeschmack aufgestellt. 1897 Restaurierung der drei Deckengemälde im Auftrag von Pfarrer M. Don. Das Gemälde am Chorbogen wurde neu gemalt. Von dieser Restaurierung dürften auch die Apostelbilder in den Stichkappen stammen. Nach einer 1939 erfolgten Innenrestaurierung 1961/65 durchgreifende Restaurierung mit dem Ziel einer Rebarockisierung. Durch eine Sturmkatastrophe 1958 hatten Stuck und Malerei sehr gelitten. Der erdgeschossige Anbau im Westen von 1740 wurde höher geführt, um darin die Empore unterzubringen. Die Stuckdecke unter der Empore sollte um 1½ m gesenkt werden, konnte wegen des Regens im Mai 1961 aber nicht gerettet werden. Die Fresken wurden durch Georg Löhnert, Ingolstadt, von Übermalungen (Ölschicht) befreit und restauriert (Hofmann, SHVI 1973 und BLfD). Richard Walberen, München, malte das Deckenbild über dem Altar und zwei Seitenfelder neu, außerdem den Kreuzweg. Die Deckenbilder wurden farbig eingebunden, die Wände rein weiß gehalten. 1978 und 1994/95 Innenrestaurierungen durch Fa. Rudolf Pfaller, Ingolstadt. Die Raumschale wurde der originalen Farbigkeit angenähert. Sie erfolgte nach Festlegung der ersten aufgefundenen barocken Fassung (1696) unter Zufügung von Farbakzenten der zweiten Fassung (grüne Elemente, wohl Mitte 18. Jh.). Die barocken Deckenbilder wiesen durch eine ältere ölhaltige Fixierung eine glänzende Oberfläche und großflächige Übermalungen in Öltechnik auf, zeigten Malschichtablösungen vom Untergrund und Salzausblühungen. Sie wurden durch Cornelia Stegmaier, Wäschenbeuren, nur konserviert, Fehlstellen zurückhaltend retuschiert. An den Stichkappenmedaillons waren aufwendige Malschichtsicherungen erforderlich. Risse im Deckenbereich wurden gefüllt und eingestimmt. 2006/07 wurden technische Instandsetzungsarbeiten an der Gewölbekuppel durchgeführt (BLfD, Akten Etting, Pfarrkirche St. Michael).
Die Deckenbilder sind sehr stark übermalt; der persönliche Stil des Freskanten ist nur noch an Bildanlage und Figurenbild keit angenähert. Sie erfolgte nach Festlegung der ersten aufgefundenen barocken Fassung (1696) unter Zufügung von Farbakzenten der zweiten Fassung (grüne Elemente, wohl Mitte 18. Jh.). Die barocken Deckenbilder wiesen durch eine ältere ölhaltige Fixierung eine glänzende Oberfläche und großflächige Übermalungen in Öltechnik auf, zeigten Malschichtablösungen vom Untergrund und Salzausblühungen. Sie wurden durch Cornelia Stegmaier, Wäschenbeuren, nur konserviert, Fehlstellen zurückhaltend retuschiert. An den Stichkappenmedaillons waren aufwendige Malschichtsicherungen erforderlich. Risse im Deckenbereich wurden gefüllt und eingestimmt. 2006/07 wurden technische Instandsetzungsarbeiten an der Gewölbekuppel durchgeführt (BLfD, Akten Etting, Pfarrkirche St. Michael).
Die Deckenbilder sind sehr stark übermalt; der persönliche Stil des Freskanten ist nur noch an Bildanlage und Figurenbil
ETTING
ETTENHOFEN
dung zu ermessen; die Binnenzeichnung zeigt einen modernen Duktus, Weißhöhungen sind vielfach hinzugefügt.
Beschreibung und Ikonographie
A PFINGSTEN Schauplatz ist ein nach oben offener Raum mit einer breiten Treppenanlage. Im Kreise der Apostel sitzt auf einer Bank Maria; sie blickt mit gefalteten Händen zum Himmel, wo in einem Wolkenring die Geisttaube erscheint. Die Apostel, als voluminöse Gewandfiguren dargestellt, erblicken mit Gebärden des Erstaunens die Feuerzungen, die sich über ihre Häupter senken. Zwölf Köpfe sind zu erblicken, der dreizehnte gehört einem Knaben hinter Maria. Als jugendliche Rückenfigur kniet Johannes im Vordergrund. Rechts hält Paulus seine Hand über ein Buch, das auf einem Tischchen liegt. Petrus ist rechts im Hintergrund zu erkennen; die übrigen Apostel sind nicht typisiert.
B ENGEL VEREHREN DAS DREIFALTIGKEITSSYM- BOL Flachkuppel über achteckigem Grundriss. Auf dicken Wolken sitzen Engel und Putten im Kreis. Im Scheitel der Kuppel erscheint das Tetragramm mit dem JAHWE-Zeichen in einer Lichtgloriole, eingefasst von einem rosa Wolkenring aus Puttenköpfchen. In der Hauptansicht schweben sitzend, kniend und stehend vier Erzengel. In der Mitte Michael, der Kirchenpatron, in Harnisch, mit Schild QUIS/UT/DEUS und Flammenschwert. Er wird von einem Putto begleitet, der die Seelenwaage hält. Links von ihm der Verkündigungsengel Gabriel, der zugleich als Schutzengel ein Kind geleitet. Rechts Raphael mit Wanderstab und der Büchse mit der Fischgalle, die die Blindheit des alten Tobias heilte; etwas zurückgesetzt Uriel mit einem Ölzweig in der Hand. In der rückwärtigen Bildhälfte ist ein Engelskonzert dargestellt. Nach dem großen Notenblatt in der Mitte intonieren die Engel das Sanctus, den Isaias 6,3 entnommenen Lobgesang der Seraphim auf die Dreifaltigkeit: Sanctus Sanctus Dominus Deus Sabaoth. Von links sieht man zwei Engel an der Kesselpauke, rückwärts den Dirigenten mit Taktstock und rechts vom Notenpult einen Geiger, zwei Hornisten und einen Baßgeiger, dazwischen kleinere Engel und Puttenköpfe.
C DIE DREI ELENDEN HEILIGEN Die drei Elenden Heiligen, der Vater Archus und seine Söhne Herenäus und Quartanus, sitzen auf Wolken. Sie sind als römische Soldaten dargestellt - jeder von ihnen in Harnisch, farbigem Mantelüberwurf und Riemenschuhen, ähnlich den Wetterheiligen Johannes und Paulus; von einer lateinischen Inschrift auf ihrem 1627 aufgefundenen Grabstein wurde auf ihre römische Herkunft geschlossen. Als Martyrer trägt jeder von ihnen einen Palmzweig, und drei Engel halten Lorbeerkränze bereit. Kleine Engel halten Attribute, die auf die Lebensgeschichte der Drei Heiligen verweisen: Ein großes verschnürtes Warenbündel, weil man sie für Kaufleute hielt, Spaten und Hacke, weil sie in Glaubenskämpfen getötete Christen bestatteten, sowie ein auf die adelige Herkunft deutendes Schwert.
Moderne bzw. nazarenische Deckenbilder:
Über der Orgel: Apokalyptische Vision des hl. Johannes Evangelist und die Bistumsheiligen Walburga, Willibald und Wunibald (Richard Walberer 1966)
Im Altarraum: Gnadenstuhl (Richard Walberer 1966)
In den Seitenkapellen: links Hl. Bonifatius, rechts Petrus Canisius (Richard Walberer 1966)
In den Zwickeln: Zwölf Apostel (1897)
Quellen und Literatur
Pfarrarchiv Etting: Kirchenrechnungen (Pfarrer Joseph Mederer sei für die Überlassung seiner Transcription gedankt); Chronik von 1808; diverse Fotos und Planzeichnungen.
DAEI, Pfarrakten Etting 1.
StAM LRA 24978, 25011, 107480, Plansammlung LRA 3194-3196 (3194 Grundriß der Kirche; 3195 Aufriss der Kirche; 3196 Innenraum von Schiff und Kapellen mit Turm und Dächern und den originalen Altären, alle von Julius Gustav Schröpler, Maler).
BLfD, Akt Etting, Pfarrkirche St. Michael
Wurm, Johann Franz Benno, Glückseeliges Elend – Das ist Das Leben der Drey Elenden Heiligen Archi, Herennei, Guardani, Ingolstadt 11677, 21696.
Crammer, Anton, Heiliges und gottseliges Eichstädt, München 1780, S. 286–293 (zu den Elenden Heiligen).
Die elenden Heiligen in Oetting bei Ingolstadt (G. Suttner), in: Pastoralblatt des Bistums Eichstätt 8, 1861, S. 12–23.
Götz, Johann B., Etting und seine drei »elenden« Heiligen, In: SHVI, 1924, S. 1–74, bes. S. 31–34.
KDB I, OB (1), S.77
Buchner, Bistum Eichstätt 1938, S. 314
Hofmann, Siegfried, Zum Werk Ingolstädter Freskenmaler des 18. Jahrhunderts, in: SHVI 82, 1973, S. 156–177.
Brenninger, Georg, Zur Ausstattung der Kirchen des ehemaligen Landkreises Ingolstadt, in: IH 39, 1976, S. 25.
Historischer Atlas Ingolstadt und die Gerichte Gerolfing, Kösching, Stammham-Etting, Vohburg, Mainburg und Neustadt a.d. Donau, S. 157–165.
Hofmann, Siegfried, Die Kirche in Etting, Zum 350jährigen Jubiläum der Erhebung der Gebeine der Drei Elenden Heiligen, in: IH 40, 1977, S. 37f., S. 42-44, 47f.
-, Notizen zur Ausstattung der Kirche Etting im 17. und frühen 18. Jahrhundert aufgrund der erhaltenen Kirchenrechnungen in den Pfarrarchiven Etting und Stammham, in: SHVI, 92, 1983, S. 235–290.
Fiess, Peggy, Die Anfänge der barocken Deckenmalerei in süddeutschen Kirchenräumen, Prinzipien der Illusion, Karlsruhe 1997, S. 178f.
Bäßler, Caroline, Etting – St. Michael, Wallfahrt zu den Drei elenden Heiligen, Kirchenführer, Ingolstadt 1999.
Denkmaltopographie Stadt Ingolstadt, S. 513-518.
Dehio OB 2006, S. 292 f.
gericht bzw. LKr. Ingolstadt. Der Wallfahrtsverband der Kirchen Appertshofen, Hitzhofen und Pettenhofen bestand wohl seit 1338. 1350 wurde den drei Kirchen ein Ablass gewährt, welcher 1777 erneuert wurde. Ein