Ettenberg, Wallfahrtskirche Maria Ettenberg
Wallfahrtskirche Maria Ettenberg, Filiale der Pfarrei Marktschellenberg, Markt Marktschellenberg, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung exempte Propstei Berchtesgaden. Die Wallfahrt zum Mariengnadenbild auf dem Ettenberg existiert seit 1695. Fürstpropstei Berchtesgaden
Patrozinium: Mariä Heimsuchung
Zum Bauwerk: Auf weiten Almwiesen hoch über dem Markt Schellenberg stand einst eine Gruppe von Linden, die den jungen Männern an Feiertagen zum Treffpunkt diente. Im August 1695 wurde an einem dieser Bäume auf dem Ettenberg ein Marienbild gefunden, das nach den Untersuchungen des Salzburger Konsistoriums ein unbekannter Bauer in Salzburg hatte schnitzen und fassen lassen. Es erfreute sich bald lebhafter Verehrung. 1697 wurde eine kleine hölzerne Kapelle erbaut, und schon 1698 konnte der Berchtesgadener Stiftsdekan Johann Baptist Lachemayr ein Hochamt zelebrieren, an dem 8000 bis 9000 Gläubige teilgenommen haben sollen. Ab 1708 waren am Ettenberg Mesner ansässig, die Bier ausschenken durften (Gasthaus Mesnerwirt). Erlaubnis zum Neubau anstelle der inzwischen baufälligen Kapelle durch das Konsistorium Salzburg am 14.1.1723, Baubeginn am 8.3.1723 mit dem Zurichten der Baumaterialien, Grundsteinlegung am 17.5.1724 durch den Stiftsdekan Kajetan Anton von Notthafft zu Weissenstein. Maurermeister war Peter Schaffner, Zimmermeister Gabriel Wenig. Die schöne Stuckierung schuf 1725/26 der Burghausener Stuckator Joseph Hepp: »Dem H. Joseph Höpp, Stocatorern von Burghausen gedingtermassen... wegen des Gebeys am Edtenberg 400 fl.« (Zahlung am 23. 10. 1724, s. Hahnl 1995, S. 1248). Als Handlanger wird 1725/26 mehrfach Franz Höpp (Hepp) genannt, wohl ein Verwandter (AEM, Kirchenrechnungen Ettenberg). Hochaltar 1726, auf ihm steht das kleine Gnadenbild, das Auszugsbild von Innozenz Anton Warathi zeigt Mariä Heimsuchung, das Kirchenpatrozinium. Die beiden vorderen Seitenaltäre, aus Stuckmarmor wie der Hochaltar, wurden 1727 aufgestellt, der nördliche (Altarblatt 19. Jh.) ist Jakobus dem Älteren geweiht, der südliche Franz von Assisi; die Auszugsbilder können Warathi zugewiesen werden. Weihe 1727. Für die beiden eleganten kleinen Rokokoältäre aus rosa Stuckmarmor mit weißen Rocaillen, die ab 1750 in den seitlichen Konchen zu stehen kamen, wurde der Salzburger Stuckator Benedikt Zöpf 1753 mit 320 fl. bezahlt. Das Altarblatt des linken Altars, St. Rupert mit Bittflehenden, malte Johann Benedikt Werkstätter aus Salzburg. Turmbau mit neoromanisch gestalteter Westfassade 1838/46.
Freistehende Kirche auf Almwiesen, geostet, mit doppelstöckigem Sakristeianbau im N und Westturm. Weitersaal (13,50×11,10m) zu drei Jochen mit Pilastergliederung und umlaufendem verkröpften Gesims; im mittleren Joch schließen an beiden Seiten überkuppelte halbrunde Konchen an. Tiefe, nach vorn ausschwingende Westempore. Gute Beleuchtung durch große Rechteckfenster mit über dem Gesims liegenden querovalen Fenstern im westlichen Joch und an der Südseite des östlichen Jochs, außerdem in den mittleren Konchen durch je ein Rechteckfenster zuseiten der Altäre. Der Chorraum ist eingezogen und halbrund geschlossen; Beleuchtung durch Fensterformationen wie im LHs, drei in der Rundung, eine im S. Die Eingänge beiderseits des Turms wurden in nachbarocker Zeit in die neuromanisch gestaltete Westfront einbezogen.
Auftraggeber: Julius Heinrich Freiherr von Rehlingen, Fürstpropst von Berchtesgaden (1723–1732), der an der Spitze seiner Chorherrn im Hauptfresko dargestellt ist. Zu seinen Füßen hält ein Page das Wappen von Berchtesgaden – geviertet, mit Schlüsseln und Lilien – und im Herzschild das Wappen Rehlingens. Kajetan Anton von Notthafft zu Weissenstein war Stiftsdekan (1724–32, s.S. 257 ff.) und damit Verantwortlicher für den Bau. Ihn darf man wohl in dem Chorherrn hinter dem Propst sehen. Pfarrer von Marktschellenberg war Franz Anton Rigler (1724–42).
Autor und Entstehungszeit: Innozenz Anton Warathi (* 1694 Trens bei Sterzing † 1758 Burghausen, s.S. 383) 1725. Inschrift am Chorbogen ACCEDITE THRONVM GRATIAE VNIVERSI VIATORES (= 1725).
Der in Burghausen ansässige Maler Warathi wurde für die Freskierung mit 100 fl. bezahlt, laut Baurechnungen 1725: »dem Maller von Burghausen H: Innocentius Worati wegen Mallen der Copeln (= Kapelle) gedingtermassen... 100 fl.«. Im gleichen Jahr malte Warathi noch vier querovale Blindfenster in den Schildbögen über dem Gesims und vergoldete eine Kartusche. 1726 wurde dem »Innocentio Antoni Borati Mallern von Burghaussen weegen Mallen des Altar Blat« 15 fl. bezahlt (Auszugsbild am Hochaltar). In der Pfarrkirche des Marktes Schellenberg faßte er 1726 zwei Apostelfiguren am Hochaltar. Der junge Maler zeigt sich in Ettenberg als Maler volkstümlichen Charakters mit viel Freude am gegenständlichen Detail und einer Neigung zu drastischer Figuren- und Szenendarstellung.

Warathi war 1724 als Bürger und Maler in Burghausen aufgenommen worden. Vor der Ausmalung von Ettenberg hatte er 1724 in der Bibliothek von Metten und in der St.-Kajetans-Kapelle in der Stadtpfarrkirche Burghausen als Freskant gearbeitet. In der Fürstpropstei Berchtesgaden sollte er noch einen weiteren Auftrag bekommen, die Freskierung der Wallfahrtskirche Kunterweg im Jahr 1733 (S. 258).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A, 1-4) gedrückte Tonne mit Stichkappen
Rahmen: A geschweifte Stuckprofilleiste. 1-4 aus Bandwerk gebildete kartuschenförmige Felder
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 10,70 m; 6,60×4,90
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Anschließend an den Bau von Turm und Westfassade 1838/46 fand eine Innenrestaurierung statt. 1851 wurden die fünf Altäre restauriert. Zur 200-Jahrfeier 1925 wurde der Außenbau restauriert, der Innenraum gereinigt. Nach häufigen Schäden und Reparaturen am Schindeldach plante man 1962 eine Gesamtrestaurierung des Wallfahrtskomplexes mit Kirche, »hoher Kapelle« und den beiden damals noch bestehenden alten Lebzelterhäuschen (Verkaufsstände für Wallfahrer). Zur Innenrestaurierung der Wallfahrtskirche durch Willibald und Alois Stein, Inzell, kam es erst 1978/80. Voruntersuchungen ergaben, daß die grüne Fassung der Decke mit der weißen Fassung des Stucks noch die ursprüngliche war; sie sollte so weit wie möglich erhalten werden. Das war an der Südseite der Langhausdecke wegen der Wasserschäden nicht möglich, dort mußte die Fassung erneuert und den alten Teilen möglichst angenähert werden, was trotz der Schwierigkeit auch gelang. Der Stuck wurde gereinigt. Die Deckenbilder waren laut Auskunft von Alois Stein sehr gut erhalten. Sie wurden nur gereinigt und an kleinen Stellen ausgebessert. Die Nebenbilder dagegen zeigten Wasserschäden, die ausgebessert wurden. Raumfassung wie Deckenbilder sind in gutem und wegen des fast durchgehend noch originalen Bestandes in sehr erfreulichem Zustand.
Beschreibung und Ikonographie
Die weitgespannte Decke trägt auf hellgrünem Grund den weißen Stuck Hepps, eine sehr phantasievolle, aber zarte und flächige Ornamentierung aus Bandwerk, Floralem, Netzwerkfeldern und palmettenähnlichen Motiven. Wie in der Jesuitenaula in Burghausen (CBD Bd 9, S. 44 f.) und der Kirche der Englischen Fräulein in Burghausen (CBD Bd 9, S. 70–73) ist auch hier ein Lieblingsmotiv Hepps verwendet, kleine flache Wölkchen mit Puttenköpfchen, die in Ettenberg das Marienmonogramm im Chorgewölbe umgeben und so das Chorfresko ersetzen. Während der übrige Stuck weiß ist, sind die Putten, Palmetten und Kartuschen rosafarben. Freskiert ist nur das Langhaus mit einem Hauptbild und vier Nebenbildern. Der Kontrast zwischen der feinen und hellfarbigen Stuckierung und der kräftigen, schweren Farbigkeit der Deckenbilder ist auffallend und der kontrastreichen Gestaltung der Decke in der Burghausener Aula ähnlich, wo Hepp ebenfalls mit Warathi zusammengearbeitet hat; ebenso wie der Kontrast zwischen der lockeren Anordnung des Stucks und den gedrängten Bildkompositionen.
A MARIA ALS NEUE ESTHER BITTET FÜR BERCHTESGADEN Das Bildfeld ist kompositorisch zweigeteilt; die westliche Hälfte nimmt die himmlische Szenerie ein, die östliche die irdische Szene. Inhaltlich sind die Szenen eng aufeinander bezogen, denn die irdische Szene stellt den alttestamentlichen Antetyp zur Himmelsszene dar. Im Himmel kniet Maria auf Wolken vor der Dreifaltigkeit. Gottvater mit dem Zepter thront an der Weltkugel, Christus mit dem Kreuz weist dem Vater die Wundmale im Typ der Intercessio. Darüber schwebt in hellem Licht die Taube des Heiligen Geistes. Zahlreiche Engel und Putten umgeben die Gruppe. Maria weist empfehlend auf die Schar Berchtesgadener Chorherren, die, an ihrer Spitze Propst Julius Heinrich Freiherr von Rehlingen mit seinem Wappen, Pedum und Mitra, eng gedrängt und ebenfalls auf Wolken kniend – ein ungewöhnliches Motiv – bei ihr Schutz suchen. Von diesen Chorherren haben die meisten individuelle Züge, sind also Porträts zeitgenössischer Personen. Interessant ist der weltlich gekleidete Herr hinter dem Pagen. Bei ihm handelt es sich vermutlich um den Berchtesgadener Kanzler Seiz.
Die Fürstpropstei Berchtesgaden hatte eine oberste Gerichts- und Verwaltungsbehörde, »Collegium« oder »Landesregierung« genannt. An ihrer Spitze stand unter dem jeweiligen Dekan als Präsidenten der Kanzler als höchster weltlicher Beamter des Landes. Er führte Registratur und Archiv, visitierte die Grenzen, ordnete die Rechtspflege und war in weltlichen Dingen der Vertreter des Dekans. 1725 befand sich Berchtesgaden noch in der Frühzeit der Regierung Julius von Rehlingens. Seit 1595 hatte es drei Wittelsbacher Fürstpröpste gehabt, die alle auch Erzbischöfe und Kurfürsten von Köln waren. Noch vor dem Tod des letzten, Joseph Clemens, Herzog von Bayern, der außer seiner Kölner Kurwürde auch die Bischofsitze Hildesheim, Lüttich und Regensburg innehatte, hatten die Berchtesgadener Chorherren 1722 aus den eigenen Reihen Heinrich Julius von Rehlingen als Koadjutor gewählt, gegen den heftigen Widerstand Kurfürst Max Emanuels von Bayern, der seinen Sohn Clemens August als nächsten Propst wünschte. Joseph Clemens starb am 12.11.1723, und in der Sedisvakanz reiste Kajetan Anton von Notthafft zu Weissenstein nach Wien und erlangte fast im Handstreich die kaiserliche Zustimmung zur Wahl eines Fürstpropstes aus dem Berchtesgadener Kapitel. 1724 wurde Heinrich Julius von Rehlingen zum Fürstpropst gewählt; Notthafft wurde Dekan und damit Präsident der »Landesregierung«. Doch konnte man sich in Berchtesgadenen keinen ernsthaften Zwist mit Bayern leisten und so begaben sich in den ersten Monaten des Jahres ...


1725 Dekan Notthafft und der Berchtesgadener Kanzler Philipp Anton Seiz nach München, um anläßlich von Verhandlungen über das Salzwesen auch Max Emanuel zu beschwichtigen. Im Ettenberger Deckenbild stellt sich nun der Fürstpropst von Rehlingen als Oberhaupt von Berchtesgaden mit seinem Kapitel und seiner Regierung unter den Schutz der
Gottesmutter – während in München Max Emanuel noch versuchte, wenigstens seinen jüngeren Sohn Johann Theodor als Koadjutor in Berchtesgaden durchzusetzen.
Die irdische Szenerie in der unteren Bildhälfte, deren oberen Teil von den Wolken verdeckt ist, besteht in einer prunkvollen Stadtlandschaft. Links sind Ziervase, Ranken und ein Sockel mit einer sphinxähnlichen Figur ein abgeschattetes Repoussoir, von dem sich hell eine steinerne Balustrade abhebt, die den seitlichen Abschluß des Throns von König Ahasver bildet. Dieser Thron hat eine Armstütze aus einem goldenen Löwen und eine goldene Lehne mit Muschelornament. Darüber erhebt sich ein prachtvoller Baldachin aus rotem, golddurchwirkten Stoff mit abschließenden Lambrequins und goldenen Quasten. Federgestecke krönen ihn. Hohe Gebäude und ein großer Kuppelbau mit Balustrade stellen die Stadt dar; im Hintergrund ragt ein Galgen auf.

Die Stadt ist Schauplatz eines großen Auflaufs von Menschen aller Stände um den Thron, auf dem König Ahasver sitzt, ein bärtiger Mann in blaugoldenem kurzen Gewand und hohen goldenen Sandalen, einen Turban mit Krone, Gold- und Federverzierungen auf dem Haupt. Sein überaus weiter Mantel erstreckt sich von seinen Schultern über den Thronsitz bis weit auf den Boden, wo er eine Art von prächtigem Teppich bildet. Auf diesem Teppich kniet Königin Esther, auch sie auf reichste mit Krone, Gold- und Perlenschmuck sowie weiter Gewändern angetan. Sie beugt sich tief vor dem König, der das Zepter gegen sie neigt. Drei perlengeschmückte Frauen begleiten sie, und hinter ihr drängt ihr Volk heran, das Volk der Juden, mit Gesten der Angst und des Flehens. Im Hintergrund sind Lanzen und Hellebarden von Soldaten zu sehen. Der Thron umgeben Pagen und ein Ratgeber.

Die schöne Sklavin Esther war jüdischer Herkunft. Sie wurde von König Ahasver zur Lieblingsfrau erwählt und zur Königin gekrönt. Als Haman, der oberste Fürst und Ratgeber des Königs, alle Juden, die im Reich Ahasvers lebten, ausrotten lassen wollte und der König dem zustimmte, trat Esther in ihrem schönsten Schmuck vor den König, um für ihr Volk zu bitten. Da es aber bei Todesstrafe verboten war, unaufgefordert vor den König zu treten, fürchtete sie sich sehr. Ahasver war von ihrer Schönheit gerührt und vergab ihr ihr Erscheinen, indem er sie mit seinem Zepter berührte – ein Motiv, das in allen Darstellungen von Esther und Ahasver zu finden ist. Esthers Bitte um Verschonung ihres Volkes wurde von Ahasver gewährt. Haman aber wurde seiner Ehren entkleidet und an den Pfahl gehängt, an den er Mordechai, den Vormund und Berater Esthers, hatte hängen lassen wollen. Daran erinnert der Galgen im Hintergrund.

Haman ist in dem weißbärtigen, reichgekleideten Mann mit Turban und Reihergesteck zu sehen, über den ein Prunkschirm gehalten wird. Gleichzeitig aber stößt ein Soldat mit einer Stange (?) in den Schirm, um ihn von Haman wegzureißen, worauf dieser mit Gesten des Schreckens reagiert – ein Detail, das vielleicht daran erinnert, daß Haman seiner Würden beraubt wurde. Mordechai, der Vormund Esthers, ist im Vordergrund nahe bei ihr zu sehen, ebenfalls vor dem König kniend und mit ausgebreiteten Armen um Erbarmen flehend. Aus der Himmelsszene geht ein Strahl von der Brust Mariens aus und fällt, durch einen Spiegel gebrochen, auf Esther. Er macht die antetypische Entsprechung von oben und unten sinnfällig: wie Esther einst vor Ahasver um Gnade für ihr Volk bat und Ahasver ihr die Bitte gewährte, so bittet Maria in der Gegenwart von 1725 vor der Dreifaltigkeit für ihr Volk, in diesem Fall für die Fürstpropstei Berchtesgaden und ihre Bewohner.
VIER NEBENBILDER BEGLEITEN DAS HAUPTBILD an den Gewölbezwickeln. Die kleinfigurigen, beinahe miniaturhaft ausgearbeiteten Darstellungen führen das Thema des Hauptbildes weiter aus. Inschriften auf Schriftbändern unter den Kartuschen nennen vier Ehrentitel Mariens aus der Lauretanischen Litanei.
1 HEIL DER KRANKEN SALVS INFIRMORVM Das Bild zeigt einen Platz in der Nähe eines Hafens (im Hintergrund sind eine Kirche und Schiffsmasten zu sehen). Unter einem armseligen Strohdach liegt auf einem Bündel Stroh ein junger kranker Mann, in den Händen eine brennende Kerze. Ein Geistlicher steht am Bett und hält ihm segnend ein Kreuz vor, während die Eltern dahinter die Hände ringen. Rechts vom Bett erscheint Maria als Vision. Ihr Haupt ist von Strahlen umgeben, in der Hand hält sie Rosen. Sie blickt fürbittend zum Himmel auf.
2 ZUFLÜCHT DER SÜNDER REFVGIVM PECCATORVM Man sieht ein Krankenbett mit Baldachin darüber und einen Pfeiler als Andeutung eines reichen Innenraums. Im Bett liegt eine junge Frau, in der linken Hand einen Kruzifixus; mit der rechten Hand greift sie nach dem Skapulier, das um ihren Hals hängt (an der Pfarrkirche Schellenberg bestand die Bruderschaft des hl. Skapuliers vom Berge Karmel). Neben dem Bett steht ein Tischchen mit Arzneien. Drei drachenähnliche Teufelsgestalten bedrohen die Kranke, einer liest ihr aus seinem Buch ihre Sünden vor. In lichten Wolken erscheint Maria, um das Haupt den Sternenkranz, begleitet von Puttenköpfchen. Sie breitet die Arme aus, um die Sterbende vor der Verdammnis zu bewahren.
3 HILFE DER CHRISTEN AVXILIVM CHRISTIANORVM In einer Bucht sind zwei große Schiffe dargestellt, weiter im Meer noch andere. Das hintere große Schiff trägt an den Mastspitzen Kreuze und am Heck einen Schild mit dem Marienmonogramm. Kreuzfahnen flattern an den Masten. Das Schiff im Vordergrund ist sichtlich das besiegte Schiff der Türken, denn schiffbrüchige Turbanträger kämpfen im Wasser um ihr Leben. Darüber erscheint in Wolken Maria und streckt die Hand über das Geschehen. Die Bildmotive erinnern an die Seeschlacht von Lepanto, die im Bild oft mit der Eigenschaft Mariens als ›auxilium Christianorum‹ verbunden ist.
Die Angehörigen der Skapulier-Bruderschaft waren gehalten, das Skapulier immer zu tragen. Dies und die Einhaltung der Bruderschaftsgebote garantierten eine glückliche Sterbestunde.
4 TRÖSTERIN DER BETRÜBTEN CONSOLATRIX AFFLICTORVM Das Bild, 1725 entstanden, zeigt interessanterweise den Ettenberger Chor mit dem Gnadenaltar (Hochaltar), der erst 1726 aufgestellt wurde, im Auszug ist Warathis Bild der Heimsuchung zuerkennen. Zu Füßen des Altars haben sich viele Wallfahrer versammelt. Im Vordergrund sieht man eine Gruppe von Bittflehenden (zwei von ihnen erinnern an Personifikationen der Erdteile Afrika und Amerika). Sie halten Bittschreiben in den Händen, in denen sie der Gnadenmutter von Ettenberg ihre Anliegen vortragen.
Quellen und Literatur
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A. B.