Eichstätt, Ehem. Dominikanerkloster, Treppenhaus
Ehem. Klostergebäude, Treppenhaus
Zum Bauwerk: Der Nordflügel des Dominikanerklosters wurde nach Zerstörungen und Verfall 1681 unter Fürstbischof Marquard II. Schenk von Castell (1637-85) neu erbaut. Das später eingefügte Treppenhaus wird seit Felix Mader (KDB) mit Gabriel de Gabrieli in Verbindung gebracht; als Baudatum wird die Zeit »um 1740« angegeben. Von der Baukonstruktion und stilistischen Details, wie dem Treppengeländer, ist dieser zeitlichen Einordnung zuzustimmen, eine genauere Datierung ist mangels fehlender Quellen nicht möglich. Das Deckenfresko gehört nicht zur bauzeitlichen Ausstattung, sondern entstand erst Jahrzehnte später.
Dreistöckiges Treppenhaus über rechteckigem Grundriss (4,55 × 7,75 m), bestehend aus einer dreiarmigen Treppe und einem vestibülartigen Vorraum um ein weiträumiges Auge. Je Stockwerk drei Treppenläufe, in den Ecken Wendepodeste, im Süden breiter Ruheplatz. Eine dreifache Bogenstellung mit Korbbögen über schlanken Pfeilern grenzt in jedem Stockwerk den Treppenabsatz, der Teil der durchlaufenden Gänge ist, von der Treppe ab. Eingang durch ein Portal vom Kreuzgang aus, Belichtung durch je ein Fenster pro Stockwerk an der Nordseite. Die ehem. Holztreppen sind durch Stufen aus Solnhofener Stein ersetzt, das bauzeitliche Geländer und die Brüstung aus Eichenholz in für Gabrieli-Bauten typischer Gestaltung aus aneinandergefügten, hochovalen Ringen und einer einfachen Ornamentierung, bestehend aus Bändern und einzelnen Tulpengehängen, blieb erhalten.
Auftraggeber: P. Willibald Herzog (* 1718 in Heideck, Prior des Dominikanerkonvents 1757–60, † 1776 in Augsburg). Herzogs Leben, seine Persönlichkeit wie auch sein Wirken in Orden sind im »Necrologium« des Eichstätter Dominikanerklosters, S. 114-20, überliefert. Diese Lebensbeschreibung entwirft ein Bild, das ihn unter allen im Nekrolog behandelten Prioren der Zeit 1740-79 als Auftraggeber wie auch als Ideengeber des Deckengemäldes annehmen lässt. Dies fügt sich mit der Datierung »nach 1756« (s. unter Autor) und wird unterstützt durch den baulichen Befund, die Beobachtung, dass das Fresko nicht zeitgleich mit dem Treppenhaus konzipiert wurde. Herzog war es also, der den Bau nachträglich ausstatten ließ, und zwar mit einem Deckengemälde, das dem Ruhm des Dominikanerordens dient, einem von ihm stark geförderten Anliegen, wie im Nekrolog zu lesen ist: »Frequens ad templum nostrum populus ex urbe pariter et ex agro confluens paratos, Willibaldo curante, semper invenit Sacramentorum ministros: unde non parum et Religio crevit, et Ordinis nostr veneratio.« (Das Volk, das oft aus der Stadt wie auch aus dem Land zu unserer Kirche strömte, fand durch die Obsorge Wil-libalds immer Spender der Sakramente vor, so dass nicht nur die Religiosität anwuchs, sondern auch die Verehrung unseres Ordens.)
Herzog war 20-jährig in den Dominikanerorden eingetreten, hatte am 10. 9. 1738 in Medlingen die Profess abgelegt, danach in Landshut studiert und war 1742 nach Eichstätt gekommen. Der Verfasser des Nekrologs verweist in diesem Zusammenhang erstmals auf Herzogs Thesenverteidigung: »Anno 174 die 21. Aug. Theses ex universa Theologia typis exscriptis i
Ecclesia nostra magna cum laude defendit.« (Am 21. August 1743 verteidigte er seine Thesen aus dem Bereich der gesamten Theologie in unserer Kirche zu großem Lob.) Ab 1743 folgten Aufenthalte in den Konventen zu Augsburg und Wörishofen, 1752 kam er nach Eichstätt zurück. Das Nekrolog erwähnt auch seine am 5. 4. 1754 gehaltene Predigt »Der Engel im Fleisch, Der Apostel im Wort, Der Wunderthäter im Werk S. Vincentius Ferrerius, erwiesen in einer Lob- und Ehrenrede auf dessen Festtag bey Einführung dessen segenreichen, und mit heiligen Ablaessen aufs neue begnadeten Sieben Freytägigen Verehrung«, die im gleichen Jahr in Eichstätt gedruckt und die der Äbtissin von St. Walburg, Maria Anna Adelgundis I. Pettenkofer (s. S. 81), gewidmet wurde. 1757 wurde Herzog im Rahmen des Provinzkapitels in Regensburg wie folgt vorgestellt: »P.W. Herzog 12 annorum Concionator, qui Werishofii 2, Augustae ad S. Catharinam 4, sex annis Eichstadii praeter dies Dominicos, et festos etiam per Quadragesimas cathedram conscendit promovendae Dei gloriae, et animarum saluto unice intentus, tanto uberiore cum fructu, quanto maiore cum exemplaris vitae efficacia.« (P.W. Herzog war zwölf Jahre Prediger, der in Wörishofen zwei, in Augsburg bei St. Katharina vier und in Eichstätt sechs Jahre lang an Sonntagen und Festtagen sowie in der Fastenzeit die Kanzel bestiegen hat, zur Beförderung der Ehre Gottes und zum Heil der Seelen, fruchtbar durch sein Wirken und mehr noch durch sein beispielhaftes Leben.) Als Prior setzte sich Herzog mit Autorität für die Einhaltung der Statuten ein, in Schrift und Tat, was er, nachdem er sich Gegner gemacht hatte, mit noch größerer Vehemenz verfolgte. Den Mönchen befahl er, jährlich für zehn Tage in Einsamkeit zu leben, er achtete streng auf die Einhaltung des Schweige-, Enthaltsamkeits- und Fastengebots, Freundschaften untersagte er. »Cultum Dei publicum«, der öffentlichen Kult Gottes, also den Gottesdienst, lenkte er mit großem Eifer, zudem investierte er große Geldsummen in den Kauf von Büchern religiösen Inhalts, die in der Konventsbibliothek auch der Allgemeinheit zur Verfügung gestanden haben. Am 22. 3. 1759 erließ Fürstbischof Strasoldo ein Dekret mit der Ernennung Willibald Herzogs zum »Examinato Synodalis«. Bei dieser engen Beziehung liegt es nahe, dass der Prior den Hofmaler Johann Michael Franz beschäftigte. Nach seiner Resignation wirkte Herzog in den Konventen in Kirchheim, Augsburg und Sießen, gestorben ist er bei den Dominikanerinnen in Augsburg.
Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Johann Michael Franz (* 1715 Dirlewang bei Mindelheim † 1793 Eichstätt) 1757/60
Die Zuweisung an Franz erfolgte erstmals durch Felix Mader (KDB), die ebenso wie die Datierung »um 1740« nie in Frage gestellt wurde. Stilistisch, vor allem im Figurenduktus und in der Gewandbehandlung, stimmt das Deckenbild mit den für Franz gesicherten Werken überein. Die Datierung »ab 1757« orientiert sich zunächst am Jahr des Amtsantritts (1756) von Thomas de Boxadors als Ordensgeneral des Dominikanerordens. Ein von David Loreti gezeichnetes und von Sylvio Pomarede gestochenes Porträt Boxadors als Generalmeister zeigt auffällig große Ähnlichkeiten mit dem im Fresko ganz rechts abgebildeten Dominikaner, der in seiner Hand ein Buch mit der Aufschrift »Regula Confraternitatis«, also das Buch mit den Statuten der Bruderschaft, hält. Den Entstehungszeitraum für das Fresko grenzt die Priorszeit von Willibald Herzog, der aufgrund einer überlieferten Lebensbeschreibung als Auftraggeber des Freskos in Frage kommt, weiter ein, und zwar von der Wahl Herzogs zum Prior am 16. 9. 1757 bis zu seiner Resignation am 29. 9. 1760.
Demnach folgt das Fresko chronologisch gesehen den Frühwerken von Franz, den Deckenbildern in der Eichstätter Maria-Hilf-Kapelle von 1744 (S. 172–79) und in Aurach (MFr., LKr. Ansbach) von 1745/46, steht damit vor dem Fresko in der Vorderen Kapitelstube zu Eichstätt (S. 233–37) von 1762, den reifen Werken unter der Auftraggeberschaft Strasoldos in den Residenzen zu Hirschberg (S. 262–79) von 1768 sowie den Spätwerken in Pettenhofen (Stadt Ingolstadt, künftig CBD, Bd 14) von 1778 und im Eichstätter Hofgarten (S. 225–32) von 1781. In diese Chronologie fügt sich das Franz ebenso zugeschriebene Fresko in Tauberfeld (S. 437-40), für das eine dem hier behandelten Werk zeitnahe Datierung um 1751/60 angenommen wird. Gerade in der Himmelspartie zeigen sich Parallelen zwischen den Bildern im Dominikanerkloster und zu Tauberfeld; hier wie dort finden sich die für Franz typisch teigigen, nackten Körperpartien sowie ganz im Licht aufgelöste Personen. Hinsichtlich der Bildanlage orientiert sich das Fresko am Deckenbild in der Eichstätter Sommerresidenz (S. 220). Hier verwirklichte Johann Evangelist Holzer 1737 eine Komposition aus einer drei Bildseiten umlaufenden, einleitenden Balustrade, die in der Hauptansichtsrichtung geöffnet ist und den Blick auf die Erdszene frei gibt. Im Dominikanerkloster sind hier links und rechts im Hintergrund Landschaftsszenerien zu sehen; im Unterschied zu Holzer, der diese Partie - einen Tempelprospekt – viel näher an die Horizontlinie rückte.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachdecke Rahmen: Stuckprofil Technik: Fresko: polychrom
Maße: Gesamte Höhe des Treppenhauses 10,80 m
Höhe vom obersten Stockwerk 3,30 m; 3,75 × 6,90 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Im Zuge der Umbauten der Klostergebäude für die Zwecke einer modernen Schule war man entschlossen, trotz der gebrechlichen Konstruktion und des schlechten Erhaltungszustandes zumindest das historische Erscheinungsbild des Treppenhauses zu bewahren. 1976–78 wurden alle tragenden Elemente durch Stahlbetonkonstruktionen ersetzt, im Dachgeschoss darüber wurde eine feuerbeständige Betonplatte eingezogen. Die ausgetretenen Holzstufen wurden durch eine Treppe in Solnhofener Stein ersetzt. Im Übrigen aber zeigt das sog. Gabrieli- Treppenhaus den alten Zustand. 1978 Sicherung und Restaurierung des Deckengemäldes durch Alban Wolf, München. Das Bild ist weitgehend original erhalten. Vereinzelt zeigt es Retuschen, Haarrisse und Verschmutzungen.
Beschreibung und Ikonographie
ANBETUNG DES NAMENS JESU DURCH HEILIGE DES DOMINIKANERORDENS Das Deckenbild ist von den Arkaden der Treppenabsätze aus nach Norden zu betrachten. Die Komposition des querrechteckigen Bildfeldes eröffnet den Blick in eine Erd- und Himmelsszenerie. Als Einleitung fungiert eine niedrige Podestzone, die die Hauptansichtsseite nach Norden und die flankierenden Schmalseiten des Bildes umläuft. In der Mitte der Längsseite erhebt sich eine Stufenanlage; diese ist beidseitig von einer Balustrade eingenommen, die an den Enden mit Voluten besetzt ist. Im Hintergrund entfaltet sich eine hügelige Landschaft. Die Balustrade im Vordergrund umrundet die Ecken, folgt damit den eingeschnittenen Ecken des Bildfeldes, und nimmt die Schmalseiten des Bildes ein, wo sie von einer weiten, von Pfeilern getragenen Bogenarchitektur, die mit Säulen besetzt ist und ein kräftig verkröpftes Gesims vorweist, hinterfangen wird. Somit ist die Einansichtigkeit der figürlichen Szenerien in Blickrichtung Norden aufgelockert.
Das an der Hauptlängsseite zentral platzierte, marmorierte Treppenpodest ist Schauplatz einer Figurenansammlung, darüber erhebt sich eine bewegte Wolkenszenerie vor sattblauem Himmelsgrund. In der Mitte des Wolkenhimmels erscheint eine kreisrunde Scheibe mit der Inschrift IHS, wobei auf dem Querstrich des H ein kleiner Jesusknabe dargestellt ist. Der Name Jesu wird von vielen Engeln verehrt; einer davon schwingt ein Weihrauchfass. Unter der Scheibe ist die Inschrift Sicut in Celo zu lesen.
Auf dem Treppenpodest der irdischen Szene liegt eine große Erdkugel, die die Inschrift et in terra vorweist. Die Inschrift ist mit den Zeilen Sancti/fi/cetur / Nomen / tuum im Buch des hl. Dominikus, der rechts vorne kniet, und mit der Inschrift im Himmel zu lesen. Damit ergibt sich eine Stelle aus dem Vaterunser: »Sanctificetur nomen tuum... sicut in caelo et in terra« (Geheiligt werde Dein Name ... wie im Himmel, so auf Erden). Die Inschriften beziehen sich also auf die Verehrung des Namens Jesu, die bereits in der Wolkenmitte mit dem IHS als zentrales Thema des Bildes angegeben ist. Darauf bezieht sich auch das kleine Inschriftfähnchen an dem dreifachen Kreuzstab, den ein Putto im Vordergrund hält: GreX / IHS / 1274. Gregor X. (1271–76) hatte sich in einem Breve vom 21. 8. 1274 zu den Predigten der Dominikaner geäußert, die den damals entstehenden Namen-Jesu-Kult propagierten (s. Raimondo Diaccini, Gregorio X e i domenicani, in: Memorie domenicani 43, 1926, S. 22–29).
Um die Weltkugel, die für den Kult des Namens Jesu nach der Meinung des Freskos nicht zuletzt durch die Dominikaner gewonnen wurde, sind im Halbrund neun Dominikaner, acht Männer und eine Frau, dargestellt. Die Reihe beginnt links mit einem bärtigen Papst in einem grünen, rotgefütterten Pluviale, dem der dreifache Kreuzstab ebenso wie die Tiara, an die sich der Putto mit dem Kreuzstab lehnt, zuzuordnen ist. Der Papst hat kein individuelles Attribut. Es gab vor Entstehung des Freskos vier Dominikanerpäpste: Innozenz V. (1276), Benedikt XI. (1303–04), Pius V. (1566–72) und Benedikt XIII. (1724–30). Unter diesen gilt Pius V. (* 1504 in Bosco, 1518 Dominikaner, 1543 Inquisitor, Kanonisation 1712, Fest 5.) als der bedeutendste Papst, zudem ist er der einzige »Heilige«. Er, der den Sieg der christlichen Flotte über die türkische bei Lepanto am 7.10.1571 der Kraft des Rosenkranzgebetes zuschrieb, initiierte das Rosenkranzfest, ein wichtiger Aspekt hinsichtlich der Rolle der Dominikaner als Förderer des Rosenkranzgebets und der Rosenkranzbruderschaft. Zudem weist das porträthafte Gesicht mit dem weißen, kurzen Kinn- und Backenbart erstaunliche Parallelen mit dem durch zeitgenössische Medaillen belegten Vera effigies dieses Papstes auf, das der Freskant aus der im Jahr der Heiligsprechung von Pius V. erschienenen Lebensbeschreibung des Dominikanerpaters Andreas Roth gekannt haben dürfte (s. Andreas Roth, Geheiligte Gottseeligkeit: Das ist Heil. Leben und Wunderwerck Pij V. Römis. Papstes, Aus dem Heil. Prediger-Orden, Augspurg 1712). Pius V. weist auf die Inschrift des Kreuzfähnchens. Damit sollte wohl zum Ausdruck gebracht werden, dass auch er die Namen-Jesu-Verehrung weiter verfolgt hat. Links neben Pius V. kniet als ein Hauptheiliger der Dominikaner Thomas von Aquin, auf seiner Brust die Sonnenscheibe vorweisend (* um 1225 in Roccasecca bei Montecassino, Eintritt in den Orden in Neapel, Studien in Paris und bei Albertus Magnus in Köln, Lehrer der Theologie in Paris und Neapel †1274 in Fossanova bei Terracina, Kanonisation 1323, Fest 7.3.) Hinter Thomas von Aquin steht ein Kardinal mit roter Mozzetta, den Blick zum Himmel erhoben, die linke Hand an die Brust gelegt. Er hat kein individuelles Attribut und steht damit ganz allgemein für die Kardinäle aus dem Dominikanerorden. Auf den Kardinal folgt ein Dominikaner, der in einem Buch liest. Dies ist Vinzenz Ferrer, ein bedeutender Bußprediger und Wundertäter (* um 1350 in Valencia, † 1419 in Vannes, Kanonisation 1458, Fest 5.4.) Der seit dem 17. Jh. sehr verehrte Heilige findet sich fast in jeder Klosterkirche des Ordens. Das offene Buch als Attribut tritt häufig auf und ist Ausdruck seiner Predigttätigkeit, auch passt der Darstellungstypus als bartloser Dominikaner im jugendlichen oder mittle ren Alter. Gelegentlich wird Vinzenz Ferrer auch mit IHS- Monogramm auf der Brust abgebildet. In Eichstätt genoss er eine besondere Verehrung. 1754 wurden die »7 freytage S. Vincentii ferrerii« mit einer Lobpredigt des späteren Priors und Auftraggebers des Freskos Willibald Herzog abgehalten (s. unter Auftraggeber und Quellen). Neben Vinzenz Ferrer steht Katharina von Siena mit Dornenkrone, Schreibfeder und einem weißen Blatt, auf dem IHS steht. Katharina war eine bedeutende Mystikerin und Kirchenpolitikerin (* 1347 in Siena, † 1380 in Rom, Kanonisation 1461, Fest 30.4.) Sie fand als wichtigste Heilige des Ordens Aufnahme in die ansonsten aus Männern bestehende Runde.
Auf Katharina folgend ist rechts, an der anderen Seite der Weltkugel, Heinrich Seuse dargestellt (* um 1295 in Konstanz, bedeutender Mystiker, † 1366 in Ulm, Seligsprechung 1831, Fest 2.3.) Er trägt einen Kranz aus Rosen auf dem Haupt, hat das IHS auf der Brust und hält ein Messer in der Hand. Hinweis darauf, dass er sich mit einem Griffel selbst das Zeichen des Namens Jesu in die Brust geritzt hatte. Auf Heinrich Seuse folgt ein jugendlicher Ordensangehöriger mit Tonsur, ein goldenes Pluviale tragend und mit der rechten Hand auf seine Nachbarn weisend. Da er kein individuelles Attribut aufweist, vertritt er allgemein die Bischöfe aus dem Orden. Auch der folgende Dominikaner mit dem erzbischöflichen Pallium und dem doppelten Kreuzstab ist nicht näher gekennzeichnet und steht somit für die Erzbischöfe aus dem Dominikanerorden. Die Reihe wird abgeschlossen mit dem hl. Dominikus, dem Ordensgründer, der rechts vorne kniet und den Rosenkranz am Gürtel trägt. Bei ihm ist sein Attribut, das Hündlein, das die Fackel im Maul trägt. Durch die Inschrift in seinem Buch Sancti/fi/cetur / Nomen / tuum tritt er hier quasi als Initiator der Verehrung des Namens Jesu auf, denn das IHS war im Dominikanerorden früh verbreitet (zum Namen Jesu s. LThK Bd 7, Sp. 433-36, s.v. Namen Jesu; Bd 5, Sp. 363 f., s.v. IHS). Rechts von dem Heiligenrund um die Erdkugel steht, etwas abgesondert, ein Dominikaner, begleitet von einer nicht zu deutenden, kleinen und schwarz gekleideten Gestalt. Der Dominikaner hat ein langes, ovales Gesicht mit klarem Blick und hält ein geöffnetes Buch mit der Inschrift Regula/Confra te. Wie der Kupferstich verdeutlicht (s. Autor und Entstehungszeit), handelt es sich bei ihm um Thomas de Boxadors (* 1703 in Barcelona, 1756–77 Ordensgeneral, † 1780 in Rom), der seit 11.7. 1756 amtierenden Ordensgeneral der Dominikaner. Boxadors tritt hier, wie die Inschrift im Buch unmissverständlich klar macht, als Ordensgeneral auf, dem die Bruderschaft vom heiligsten Namen Jesu unterstellt war (»Die von dem spanischen Dominikaner Andreas Diaz 1432 gegründete Bruderschaft vom hl. Namen Gottes und die durch Diego Victoria im 16. Jahrh. ins Leben gerufene Bruderschaft vom hl. Namen Jesu vereinigten sich, wurden mit reichen Ablässen ausgestattet, 1606 und 1678 neu bestätigt und dem Dominikanergeneral unterstellt« (LThK Bd 7, Sp. 435, s.v. Namen Jesu). Auch wenn die Darstellung architektonischer Versatzstücke in der hintergründigen Landschaftsszenerie wie hier für Franz typisch ist, dürften die als Zentralbau konzipierte und mit einer Kuppel abgeschlossene Kirche und der Obelisk wohl auf Rom, die Wirkstätte Boxadors, verweisen.
Das Fresko dokumentiert die Rolle der Dominikaner für den Kult des Namens Jesu. Der Predigerorden propagierte ihn schon früh und seine Ordensangehörigen verehrten ihn leidenschaftlich. Von den wichtigsten Heiligen des Dominikanerordens wurden Dominikus, Thomas von Aquin, Vinzenz Ferrer und Katharina von Siena abgebildet. Beim sel. Heinrich Seuse, dem leidenschaftlichen IHS-Verehrer, spielte vielleicht noch ein anderer Aspekt eine Rolle: Er wirkte als der bedeutendste deutsche Mystiker in Konstanz und damit in einem Konvent, der derselben Provinz wie Eichstätt angehörte. Zudem verdeutlicht das Fresko, dass der Orden neben Bischöfen, Erzbischöfen und Kardinälen auch Päpste, unter ihnen Pius V., hervorbrachte.
Ehem. Klostergebäude, abgegangene Deckengemälde
Die Existenz weiterer barocker Deckengemälde überliefert Vonwerden, S. 22 Anm. 2: »Im abgebrannten Teil des Kloster befanden sich gegen Osten zwei Zimmer, die Prälatur, welche reich stuckiert waren. Das eine größere (nördliche) zeigte um ein Decken-Fresko der drei göttlichen Tugenden und um Eckenmedaillons gruppiert kräftige Akanthusgewinde.« An-gemerkt sei, dass der Begriff Prälatur im Zusammenhang mit dem Dominikanerorden falsch ist. Es bleibt weiteren Forschungen überlassen, um welche Zimmer es sich hierbei handelte (Bibliothek?).
Quellen und Literatur
DAEI, Heusler'sche Sammlung ad 1754: Sieben Freytage des hl. Vinzenz Ferrer... Pater Willibald Herzog Concionator ord. von dem Kloster zu Eichstätt, haltet die Lobpredigt, wie in derselben Kirch die 7 freytage S. Vincentii ferrerii eingeführt wurden S. Anno 1754.
KDB VMF (1), S. 303-06 mit Fig. 229
Endl, Edmund, Die Erneuerung des Gabrieli-Gymnasiums Eichstätt von 1968–1980. Planung und Baudurchführung, in: Erneuerung des Gabrieli-Gymnasiums Eichstätt 1968–1980. Festschrift, Eichstätt 1980, S. 6–11.
Böhm, Rudolf, Ein Klosterbau in Geschichte und Gegenwart. Das Dominikanerkloster, in: Ebd., S. 15–50.
Müller, Angela, Die Ölgemälde des Johann Michael Franz. Hofmaler zu Eichstätt (1715–1793), ungedr. Magisterarbeit an der Katholischen Universität Eichstätt 1988, S. 13.
Denkmaltopographie Eichstätt, S. 94 mit Abb. Deckengemälde.
Mielke, Friedrich, Treppen in Eichstätt (= Scalalogia Bd III), Eichstätt 1989, S. 148–51 (erkennt die rokokozeitliche Stilistik der Treppenbrüstung und des -geländers nicht).
Flachenecker, Helmut und Emanuel Braun, Eichstätt. Geschichte und Kunst (= GKF Nr. 15), München-Zürich 6 1992, S. 36.
Dehio OB 1990, S. 227; 2006, S. 244.
A.B./C.G./E.L.