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Eichstätt, Benediktinerabtei St. Walburg

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 76–77, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
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GROSSE KREISSTADT EICHSTÄTT

Ehemalige Fürstbischöfliche Residenzstadt

Benediktinerinnenabtei St. Walburg Abteikirche, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Walburg S. 77 Obere Gruftkapelle S. 99 Untere Gruftkapelle S. 101

Ehemaliges Dominikanerkloster, jetzt Gabrieli-Gymnasium Ehemalige Klosterkirche St. Peter und Paul S. 111 Treppenhaus S. 118

Ehemaliges Jesuitenkolleg, jetzt Bischöfliches Seminar Seminar- und Universitätskirche, sog. Schutzengelkirche S. 123

Ehemaliges Kloster der Augustiner-Chorfrauen von Notre Dame Ehemalige Klosterkirche Herz Jesu, jetzt Informationszentrum Naturpark Altmühltal S. 154

Maria-Hilf-Kapelle S. 172

Frauenbergkapelle S. 180

Ehemalige Fürstbischöfliche Stadtresidenz, jetzt Landratsamt Treppenhaus S. 186 Spiegelsaal S. 195

Ehemalige Fürstbischöfliche Sommerresidenz jetzt Verwaltungsgebäude der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Festsaal sog. Holzer-Saal S. 214 Hofgartenpavillons S. 225

Ehemalige Domkapitelstuben, jetzt Domschatz- und Diözesanmuseum S. 233

Ehemaliger Domherrnhof Schönborn, jetzt Bischöfliches Palais S. 241

Benediktinerinnenabtei St. Walburg

Walburgiberg

Abteikirche, Pfarr- und Wallfahrtskirche S. 7 Obere Gruftkapelle S. 99 Untere Gruftkapelle S. 101

Zur Geschichte: Um das Jahr 875 veranlasste Bischof Otgar (ca. 847-80) die Überführung der Gebeine der hl. Walburga, Äbtissin des Klosters Heidenheim, von Heidenheim nach Eichstätt, wo sie in der Domkirche beigesetzt werden sollten. Nach der Legende blieben die Pferde, die den Wagen zogen, bei einer kleinen Kirche auf einem Hügel außerhalb des Domklosters stehen und waren nicht weiter zu bewegen. Das sah man als himmlisches Zeichen, dass die Reliquien Walburgas in dieser Kapelle bleiben sollten, und man bestattete sie dort. Bei der Grabstätte siedelten sich Kanonissen an; diese Ansiedlung war aber auf die Dauer nicht lebensfähig.

Unter Bischof Erchanbald (ca. 882-912) bat Liubila, die Äbtissin der neugegründeten Benediktinerinnenabtei in Monheim, im Jahr 893 um Reliquien Walburgas. Die Gebeine der Heiligen wurden zum zweitenmal erhoben. Ein kleiner Teil von ihnen wurde nach Monheim gebracht. Danach wurden die in Eichstätt verbliebenen Teile des Gebeins wieder beigesetzt. Bei der Öffnung des Grabes wurde das sog. Walburgisöl entdeckt (s. S. 102f).

Auf Anregung des Bischofs Heribert (1022–42) stiftete Graf Liutger (Liudger, Leodegar) seine Güter zur Gründung eines Benediktinerinnenklosters beim Grab der hl. Walburga. Zur dieser Stiftung trug der Bischof selbst bei, außerdem überließ er der Neugründung den kleinen Besitz der Kanonissen. Die Gründungsurkunde des Klosters vom 24. 7. 1035 ist im Klosterarchiv erhalten. St. Walburg war ein bischöfliches Eigenkloster. Zur ersten Äbtissin wurde Imma, eine Verwandte Liutgers, aus dem Kloster Nonnberg in Salzburg bestimmt. Die Gebeine der hl. Walburga wurden im Hochaltar der 1042 geweihten Kirche St. Walburg beigesetzt. Der Stifter Liutger, der Kanoniker und Priester an der Domkirche geworden war, wurde nach seinem Tod 1074 ebenfalls in dieser Kirche begraben; beim Neubau 1630 wurde er umgebettet und ruht heute in einem Totenschrein im Kapitelsaal des Klosters.

In den fünfziger Jahren des 15. Jh. führte Bischof Johannes III. von Eych (1445-64) in St. Walburg mit Hilfe mehrerer Benediktinerinnen aus Marienburg bei Boppard am Rhein eine Klosterreform durch und führte die volle Observanz der Benediktusregel ein. Die Äbtissin Elisabeth von Seckendorff (1443-56) und ein Teil des Konvents wehrten sich dagegen. Viele Nonnen verließen das Kloster, die Äbtissin wurde 1456 vom Bischof zur Resignation gezwungen. Als neue Äbtissin ernannte der Bischof Sophia aus Köln (1456-75), eine der Marienberger Nonnen. Anschließend ließ Bischof von Eych 1451/56 die Kirche renovieren.

Kirchenneubau in den Jahren 1629/31, kurz bevor die schweren Heimsuchungen des Eichstätter Gebiets während des Dreißigjährigen Krieges begannen, mit Plünderungen, Flucht, Brandschatzungszahlungen, Mißhandlungen der Nonnen. Geiselnahme der Äbtissin mit sechs Schwestern. Bei der Plünderung und Zerstörung Eichstätts durch die Schweden vom 6.-12. 2. 1634 wurde auch das Kloster St. Walburg ausgeraubt und zum großen Teil zerstört. Die neuerbaute Walburgakirche konnte jedoch durch kniefälliges Flehen der Nonnen vor der bereits durch brennende Lunten ins Werk gesetzten Einäscherung bewahrt werden. Die Grabanlage der hl. Walburga wurde nur außen zerstört, der Steinsarkophag selbst blieb unversehrt, da er im Innern der Anlage verborgen war. Auf die Kriegsgreuel folgte die Pest, sodass das Kloster nach dem Krieg völlig verarmt und baufällig war. Fürstbischof Marquard II. Schenk von Castell (1637–85) ließ den Nordflügel des Konventbaus errichten. 1688 Bau von West- und Südflügel des Konventgebäudes unter Äbtissin Maria Cordula Litzler (1678-1704) mit Hilfe des Fürstbischofs Johann Euchar Schenk von Castell (1685–97).

Unter Äbtissin Anna Barbara Schmauss (1705–30) wurden die zwei Flügel des Abteigebäudes erbaut. Mit Neu- bzw. Umbauten im Süden der Klosteranlage nach Plänen von Benedikt Ettl, dem Gästehaus, dem Richterhaus, dem Frühmesser und dem Mesnerhaus schloss die Äbtissin Adelgundis I. Pettenkofer (1730–56) den barocken Klosterkomplex ab.

Die Abtei St. Walburg hatte in 92 Orten grundherrschaftliche Rechte (zum Besitz des Klosters s. Löffelmeier 1994). Adelgundis I. gab vier Bilder in Auftrag, »noch heute im sogenannten Unteren Abteigang des Klosters angebrachte Gemälde der Orte, über welche die Abtei ganz oder zum Teil Grund- und Gerichtsherrin war, nämlich von Preith, Böhmfeld, Gempfing sowie Wasserzell und dem vom Kloster selbst bewirtschafteten Birkhof« (Zunker 2008, S. 144). Auch die Wallfahrt trug zum Wohlstand bei. Der Abtei war neben der Pfarrei St. Walburg selbst die Pfarrei Gempfing inkorporiert, über die Pfarreien Dietfurt, Rehlingen und Preith besaß bzw. beanspruchte sie die Patronatsrechte.

Nach der langsamen Erholung des Klosters in der zweiten Hälfte des 17. Jh. kam es im 18. Jh. noch zu einer neuen Blüte von Kloster und Wallfahrt. Trotz der großen Ausgaben für die Kirchenzier hatte das Kloster beim Tod der Äbtissin Adelgundis I. Pettenkofer nur 11600 fl. Schulden; bis 1777 häuften sich 48000 fl. Schulden an, die bis zum Ende des 18. Jh. durch kluge Wirtschaftsführung des Klosters, vor allem der Äbtissin Michaela Morasch, getilgt werden konnten (vgl. Zunker 2008 S. 160, 164, 173f.).

Durch den Friedensvertrag von Preßburg am 26. 12. 1805 fiel das ehemalige Fürstbistum an Bayern. Das Kloster St. Walburg wurde am 11. 7. 1806 aufgehoben, doch erhielten die Konventualinnen die Erlaubnis, bis zu ihrem Tod im Kloster zu bleiben. Sie behielten das klösterliche Leben bei, durften aber keine Novizinnen mehr aufnehmen. Dreizehn Mitglieder

== EICHSTÄTT ST. WALBURG == des alten Konvents waren 1835 noch am Leben, als St. Walburg durch König Ludwig I. von Bayern als Kloster wiederhergestellt wurde (Zunker 2008, Morasch S. 177f.). Es blühte rasch wieder auf, viele junge Frauen traten ein. Dem neuen Konvent wurde der Mädchenunterricht in Eichstätt übertragen. 1912 erhielt das Kloster St. Walburg wieder seinen Rang als Abtei.