Eichenzell, Lustschloss Fasanerie Adolphseck
Inventarnummer: cbdd10266
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In den Prunkräumen des bis 1757 zur Sommerresidenz der Fuldaer Fürstäbte ausgebauten früheren Jagdschlosses Fasanerie haben sich mehrere Deckengemälde des Fuldaer Hofmalers Emanuel Wohlhaupter mit biblischen Themen erhalten.

Das Lustschloss Fasanerie

Lage, Bau- und Nutzungsgeschichte
Das Schloss Fasanerie liegt etwa 5km südlich der Stadt Fulda bei der Ortschaft Eichenzell. Von der Längsseite des Schlosses ausgehend breitet sich nach Süden ein ausgedehnter Landschaftsgarten mit verschiedenen Sichtachsen und Staffagebauten aus.[1]
Das Schloss geht zurück auf einen Jagdsitz des fuldischen Fürstabts Adalbert von Schleifras (1650-1714, Fürstabt ab 1700), aus der Zeit um 1710, als Architekt dafür wird Johann Dientzenhofer angenommen. Spätestens ab 1739 ließ Amand von Buseck (1685-1756, Fürstabt ab 1737) die Anlage durch Andrea Gallasini umfangreich erweitern. Es entstand eine repräsentative Schlossanlage mit einer aufwändig gestalteten Gartenanlage, die sich nach Süden hin ausbreitet. Der Bau und die Ausstattung des Schlosses mit aufwendigem Stuckdekor und Deckengemälden von Amands Hofmaler Emanuel Wohlhaupter dauerten bis 1757 an. Die Fasanerie wurde fortan als Sommerschloss der Fürstäbte/seit 1752 Fürstbischöfe von Fulda genutzt.
Nach der Säkularisierung 1813 fiel Schloss dem neu erhobenen Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel zu. Sein Sohn und Nachfolger Wilhelm II. ließ die Anlage nach seinem Regierungsantritt 1821 von Johann Conrad Bromeis modernisieren und einige Räume umgestalten. Seit 1873 war das Schloss durchgehend im Besitz der Landgrafen von Hessen.
Im Zweiten Weltkrieg erlitten vor allem der Südflügel und die südliche Fassade Bombentreffer, die nach dem Krieg größtenteils behoben wurden; die Wiedererrichtung des zerstörten Dreiecksgiebels in der Gartenfassade sowie eine Neufassung der Fassaden in weiß mit Hervorhebungen in grau erfolgten bei einer umfassenden Sanierung des Schlosses ab 2009 bis 2020.[2]
1928 ging das Schloss in die Hessische Hausstiftung über, die es bis heute verwaltet. Seit den 1950ern sind Teile des Schlosses als Museum der Öffentlichkeit zugänglich. Die barocken Paraderäume und große Teile der bemerkenswerten Kunst- und Antikensammlung der Landgrafen von Hessen werden museal präsentiert und sind mit Führungen zu besichtigen.[3]
Baubeschreibung
Das Schloss erstreckt sich von Westen nach Osten auf einem langgestreckten Grundriss mit zwei Innenhöfen und einem angeschlossenen Wirtschaftshof. Nach Westen öffnet sich die Anlage zu einem Ehrenhof, der von zwei Gebäudeflügeln mit vorgelagerten Kavaliershäusern flankiert wird. Der Querriegel mit der Kutschdurchfahrt zum ersten Innenhof bildet den Haupteingang und nimmt im Obergeschoss außerdem den großen Saal des Schlosses auf. Der „Vorgängerbau“ des Fasanerieschlosses wurde in den Ausbau integriert und bildet heute den Querriegel zwischen erstem und zweitem Innenhof. Dieser wird durch das runde Becken einer großen Pferdeschwemme in der Mitte des Hofes charakterisiert. Daran schließt sich endlich ein weiterer Hof mit Wirtschaftsgebäuden und Ställen an.
Die Architektur spielt geschickt mit den Gegebenheiten des Terrains und erlaubt eine theatralisch inszenierte Ankunft am Schloss: Von West nach Ost steigt das Gelände leicht an, gleichzeitig werden die Gebäudeglieder immer niedriger und einfacher. Vor dem Besucher des Fürstabts, der sich über eine zwei Kilometer lange Lindenallee dem Schloss näherte, öffnete sich zunächst der repräsentative Ehrenhof, flankiert von den Gebäudeflügeln, in denen die Wohnappartements lagen. Der Zutritt zum Gebäude erfolgte in die Kutscheneinfahrt, von der aus man in den ersten Innenhof und auf den an den Seiten verlängerten und mit einer geschwungenen Terrasse an die neue Architektur der Anlage angepassten Baukörper des alten Schlosses blickt, der sehr harmonisch im Gesamtgefüge aufgeht. Die anschließenden Höfe wirken durch die deutliche Unterteilung fern und stören den Eindruck der prächtigen Hauptflügel nicht.
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Der Nordflügel
Der Nordflügel blieb von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont, wodurch die repräsentative Raumfolge, die sich im ersten Obergeschoss von der Haupttreppe aus durch eine Enfilade von vier Räumen in Richtung Westen entwickelt, bis heute erhalten blieb.
Die Haupttreppe (sogenannte Kaisertreppe)
Die repräsentative Hauptstiege des Fasanerieschlosses, oft bezeichnet als Kaisertreppe, ist als dreiläufige Treppe in einem quadratischen Raum ausgeführt, der über zwei Geschosse reicht und den gesamten Risalit ausfüllt, in dem sich Nord- und Westflügel treffen. Über den mittleren Treppenlauf erreicht man ein Zwischenpodest, von dem aus die beiden äußeren Läufe in entgegengesetzter Richtung in die Beletage des Nordflügels führen. Vom Abschlusspodest aus erschließen sich in Enfilade nach Osten und Westen Appartements, sowie der Festsaal mit dem vorgelagerten Galeriesaal (vor der Umgestaltung 1823 befanden sich hier stattdessen mehrere Vorzimmer und eine kleinere Treppe, noch zu erkennen in der Bauaufnahme aus diesem Jahr[4]) in Richtung Süden. Die Geländer bestehen aus schwarzgrauem Marmor mit rotbraunen Balustern.
Kannelierte Pilaster gliedern die Wände des Treppenhauses in jeweils drei Achsen. Von Norden fällt Tageslicht durch zwei Reihen mit je drei Fenstern in den Raum. Die tief ins Mauerwerk eingeschnittenen Fensterlaibungen werden von dezenten Stuckrahmen eingefasst und sind mit geschwungenen Kartuschen und Rankenwerk bekrönt. Die unteren Wandfelder und Türen der übrigen Wände sind mit Stuckbögen mit denselben Kartuschen gefasst. Die obere Fensterreihe wurde derweil auch über die anderen Wände geführt - da die Architektur in diesen Wänden aber keine echten Fenster erlaubt, sind sie stattdessen mit Spiegelgläsern versehen, die das einfallende Licht vervielfältigen. Dies dient einerseits der Vereinheitlichung und Ausweitung des Raumeindrucks, andererseits wohl aber auch der tatsächlichen Verbesserung der Lichtsituation, da die einzige natürliche Beleuchtung aus Richtung Norden kam. In den oberen Fenstern sind zudem Büsten der zwölf ersten Kaiser nach Suetons Biografiensammlung "De vita Caesarum" (2. Jhd.) aufgestellt, die von Jakob Christoph Biedermann aus Gotha geschaffen wurden und ursprünglich für die sala terrena (den sogenannten Kaisersaal) des Residenzschlosses in Fulda vorgesehen waren.[5] Auf diese Büsten ist die Bezeichnung der Haupttreppe als Kaisertreppe zu beziehen.
In den ebenfalls mit feingliedrigen Rankenkartuschen dekorierten Deckenspiegel schneiden flache Stichkappen ein, die sich zwischen den Wandpilastern über den Fenstern aufspannen. Im Zentrum der Decke steht ein schlichter geschweifter Stuckrahmen, der das monumentale Deckengemälde aufnimmt.
Das Deckenbild: Die vier Erdteile
Das Deckengemälde ist al secco in Temperafarben auf den Putz aufgetragen. Es zeigt die vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika als Personifikationen mit identifizierenden Attributen. Jedem Kontinent sind außerdem ein Kind sowie ein oder mehrere Tiere als Begleiter beigestellt. Die vier Personengruppen befinden sich jeweils auf einem separaten Stück Land, zwischen ihnen liegt Wasser.
Das Deckenbild ist nach Süden ausgerichtet, sodass man die Szene beim Aufstieg über den mittleren Lauf und vom Abschlusspodest der Treppe aus am besten erfassen kann. Die Lichtquelle im Bild, eine Sonne am oberen Bildrand, entspricht nicht der Lichtquelle des Raumes (der Nordwand), sondern zeigt die Richtung an, in der die Sonne ihren Zenit hat - im Süden.
Das Paradeappartement
Das sogenannte Gobelin-Zimmer
Das Deckenbild: Christus, Petrus und Kleopas auf dem Weg nach Emmaus
Das sogenannte Langrafenzimmer
Das Deckenbild: Die drei Engel bei Abraham
Das sogenannte Chinesische Kabinett
Das Deckenbild: Allegorie des besonnenen Handelns
Der westliche Mitteltrakt
Der große Speisesaal
Das Deckenbild: Die Speisung der Fünftausend
Der Südflügel

Der Reihersaal
J.H. Tischbeins "Waberner Reiherbeize"
Deckenzyklus mit dem Triumph des Apoll, Jahres- und Tageszeiten
Das Mittelbild: Triumph des Apoll
Die vier Jahreszeiten
Die vier Tageszeiten
- ↑ Nähere Einzelheiten zur Geschichte des Gartens und zu einem der Pavillone darin, der ein Deckengemälde nach Vorlagen von Francois Boucher enthält, siehe Kruse, Jasmin: Eichenzell, Pavillon im Schlosspark (sog. "Japanisches Teehaus") (cbdd10487), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/537bdb0f-ab7c-47fc-bea6-d3df7b801377, letzter Zugriff: 2024-12-16.
- ↑ Wüllenkemper, Maria: Eichenzell bei Fulda - Schloss Fasanerie; in: o. Hg.: Denkmal Hessen, Band 2022 / 1, S. 6–15, S. 8–12.
- ↑ https://www.schloss-fasanerie.de/startseite/ (16.12.2024)
- ↑ http://architekturzeichnungen.museum-kassel.de/15800/[30.12.2024]
- ↑ Gregor Karl Stasch: Fulda. Schloss und Orangerie, Königstein/Taunus 1980, S. 54.