Eching, Alte Pfarrkirche St. Andreas
ECHING
Alte Pfarrkirche (neue Pfarrkirche 1968/70 erbaut), Gemeinde Eching, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war die Pfarrei Eching der Benediktinerabtei Weihenstephan inkorporiert (seit 1354). Der Ort Eching mit der Kirche gehörte zur fürstbischöflich Freisingischen Hofmark Ottenburg, das Kirchenvermögen wurde vom Hofmarkspfleger und vom Pfarrvikar verwaltet. Die große Pfarrei hatte fünf Filialen: Neufahrn, Mintraching, Achering, Pulling und Dietersheim. Zur Hofmark Ottenburg gehörte neben Eching und Ottenburg Günzenhausen und Deutenhausen. Gericht Kranzberg
Patrozinium: St. Andreas
Zum Bauwerk: Das LHs, im Kern romanisch, wurde in der Folgezeit erhöht und nach W erweitert; der Chor ist spätgotisch. 1694 Sakristeianbau im S des AR. Der Hochaltar ist von 1662 (geweiht erst am 13. 5. 1709), der linke Seitenaltar von 1678 (Malerarbeiten von Johann Schreiber, Freising), der rechte von 1691 (Kistler Mathias Ströber, Massenhausen, Bildhauer Christoph Thalhammer, Freising, Maler Johann Georg Kästl). Kanzel 1695 (Kistler Peter Ströber, Massenhausen; Maler Johann Schiessl, Freising).
1731 wurde außer der Reparatur von Dach, Fenstern und Kirchenpflaster eine Erhöhung des Turms und Herstellung einer doppelten Turmkuppel geplant; Kostenvoranschläge und Pläne dafür lieferte Paulus Führer, Maurermeister von Hohenkammer. Die Gelder zum Turmbau waren aber nicht aufzutreiben. Am 2. 5. 1734 baten der Pfleger Georg Kamperer und der seit 24. 12. 1733 in Eching amtierende Pfarrvikar Wilhelm den Bischof um den Konsens zu Außenverputz, Fensterreparaturen und einer weißen Decke statt der ruinierten Holzdecke, »wardurch die Kirchen umb ein nambhafftes liechter, und ansehnlicher wird« (Konsens am 7. 5. 1734); diese Reparatur, noch 1734 ausgeführt, war die Grundlage für die Barockisierung. Der Stuck mit Ranken-, Gitter- und Bandwerk, Festons und Puttenköpfchen ist Thomas Gläsl zuzuschreiben (vgl. die Stuckierung durch Gläsl in Flintsbach 1735). Schmidt nennt die Kirche 1739 »insigniter ornata et reparata« (S. 341).
Saalbau zu drei Jochen, Empore im W, Belichtung durch drei Fenster von N, zwei Fenster von S. Eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Belichtung durch zwei Fenster im N, eines im S und zwei in den Schlußschrägen.
Auftraggeber: Pfarrvikar von Eching war Joseph Anton Wilhelm (1733–37), Pfleger der fürstbischöflich Freisingischer Hofmark Ottenburg Georg Kamperer (1710–41). In ihrer Bitte um den fürstbischöflichen Konsens (s. o.) gaben Pfarrer und Pfleger an, es seien für die Reparaturen 366 fl. vorhanden, mehr, als die Überschläge an Kosten nannten. Es ist anzunehmen, daß sie deshalb auch Stuck und Fresken aus den Kirchenmitteln finanzieren konnten. Der Vorgänger Wilhelms, Pfarrer Kaspar Kern (1696-1733), hatte seiner Kirche 50 fl. hinterlassen. Möglicherweise beteiligte sich auch Kloster Weihenstephan mit Abt Ildefons Huber (1705-49) an der Innenausstattung.
Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, 1734. Datum in A am Ruder 1734 und in B auf der Schriftrolle des rechten Ketzers 1734.
Malereien und Stuck sind gleichzeitig mit den Baureparaturen 1734 entstanden. Es handelt sich um einfache Malereien eines lokalen Meisters, deren originaler Zustand nach mehreren Restaurierungen sehr beeinträchtigt ist. Die Freisingischen Hofmarken waren, was Künstler und Handwerker betraf, auf Freising ausgerichtet. Von den beiden Freisinger Malern, die zeitlich in Frage kommen, ist von Lorenz Herdegen (* 1674 Tirschenreuth, Bürgeraufnahme 1728, † 1735) nicht bekannt, ob er freskierte; Franz Deschler (* 1688 Schleißheim, Bürgeraufnahme 1717, † 1736) hingegen freskierte 1717 das LHs in Straßbach (LKr. Dachau, CBD Bd 5 S. 254 f.). Die beiden Zyklen in Straßbach und Eching können jedoch kaum miteinander verglichen werden, da beide durch Restaurierungen schwer verändert sind.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHS (A, B) Flachdecke, seitlich abgemuldet, mit Stichkappen; AR (C) Tonne mit Stichkappen, im O abgemuldet
Rahmen: A und B Stuckprofil in Vierpaßform, in den Einbuchtungen übergriffen von Stuckornamenten; C Stuckprofil, übergriffen von Ornamenten und einem Engelskopf im O
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 5,35 m; 2,70 × 2,70
B Höhe 5,35 m; 2,70 × 2,70
C Höhe 6,30 m; 2,30 × 1,90


Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1783 mußte der Stuck ausgebessert werden, von dem viele Stücke herabgefallen waren; gleichzeitig wurde die Kirche ausgeweißt. Mehrere Restaurierungen sind außer dem Datum 1734 in A am Ruder verzeichnet: renov. / 1863 / Kromer / 1894 / Steineck renov. / 1923 / Neumann. Die Kirche war sehr feucht; 1863 war das Innere wieder reparaturbedürftig und wurde vom Freisinger Maler Adalbert Kromer restauriert; ebenso 1894 (Steineck). Bei diesen Restaurierungen wurden die Fresken stark übermalt. Die Restaurierung von 1923 mußte sich wegen Geldmangels auf das Tünchen des Raums beschränken.
Der Schluß der z. T. unleserlichen Inschrift an der Chorbogen-Innenseite REN... / ANO MDCCCLI(?) DEN / ... und A.D. 1951 weist auf die Innenrestaurierung 1951 hin. Damals wurde die Raumschale durch Christian Seibold, Freising, neu gefaßt, die Fresken unter Schichten späterer Übermalungen aufgedeckt (»...die kleinen Deckenbilder sind schon des öfteren übermalt und zuletzt mit Ölfarben in handwerklicher Art«, BLfD) und durch Bartholomäus Mayer, Dietersheim, restauriert. Bei der letzten Restaurierung 1981/84 durch Bernd Holderried, Pfaffenhofen, wurden die Fresken gereinigt, Risse geschlossen und Feuchtigkeitsschäden beseitigt, der Stuck wurde nach Befundproben neu gefaßt. Die Fresken sind durch Übermalungen und Aufdeckung in ihrer originalen Substanz stark beeinträchtigt.
Beschreibung und Ikonographie
0 A BERUFUNG DES HL. ANDREAS (Mc 1,16–18; Mt 4,18–20) Das vierpaßförmige Fresko hat seine Basis im W. Es zeigt die Berufung der Brüder Simon Petrus und Andreas am See Genezareth. Beide sind als Fischer in kurze blaue und grüne, gegürtete Tuniken gekleidet und mit ihrem grauen Haar und den Bärten als ältere Männer gekennzeichnet. Jesus, das Haupt von Strahlen umgeben, in blauem Gewand und rotem Mantel steht links von ihnen am Ufer und streckt ihnen die Hand entgegen. Petrus eilt auf Jesus zu, Andreas, in der Linken das Fischernetz, legt seine Rechte demütig auf die Brust.
Die aus wenigen Requisiten gebildete Szene zeigt im Vordergrund das Seeufer mit Pflanzen, im Hintergrund links am Horizont des Sees einen Felsen mit einer Kirche und Häusergruppe, wohl als Hinweis auf Petrus, den Fels. Zwei Drittel des Freskos nimmt der Himmel in den Farben Ocker und Grau ein, in welchem seitlich zwei auf Wolken sitzende Putten, mit Draperien in Grün und Blau, ein Schriftband halten: RELICTIS RETIBUS SECUT[I] SVNT EVM mathae 4 (Mt 4.20).
B DISPUT MIT AEGEAS Ansicht nach O. – Das Fresko zeigt Andreas im Disput mit Aegeas, dem Statthalter von Patras, der die Verhaftung und das Martyrium des Heiligen veranlaßte (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 896 f.). Aegeas sitzt rechts vor einer grauen Quadermauer auf einem goldenen mit einer Büste gekrönten Rocaille-Thron, gekleidet in Renaissance-Tracht in den Farben Gelb, Grün und Rot, und blickt mit belehrend erhobenem Zeigefinger zu Andreas. Dieser steht in der Bildmitte, barfuß, in grüner Fischertunika und rotem Umhang, und legt mit weit ausholender Geste Zeugnis ab. Zu seinen Füßen liegen zwei aufgeschlagene Bücher, die den Heiligen als Missionsprediger ausweisen, und im äußersten unteren Bogenrand des vierpaßförmigen Bildes zwei gestürzte Ketzer im grauen Reformatoren-Gewand mit Schriftrollen in der Hand. Am linken Bildrand sieht man die Halbfigur eines Häschers mit dem Andreaskreuz.

Im Hintergrund links Nadelwald über einer schmalen Erdzone, rechts trennend zwischen den Figuren von Andreas und Aegeas gesetzt ein heidnischer Rundtempel über hohem Stufenunterbau und einer Bedachung mit bekrönender Götterstatue, seitlich ein Arkadenanbau mit einer figurenge-schmückten Balustrade als Bekrönung. Dieses Architektur-Requisit könnte seine Bildvorlage in dem Hochaltarbild von 1662 haben (Martyrium des hl. Andreas, vermutlich von Hans Martin Kapplin aus Moosburg). Der Himmel in Ocker, Grau und Rosa zeigt wie in A zwei Putten, die ein Schrift-band halten: CHRISTI FIDEM PREDICARE NUMQUAM INTERMITTENS.


C GLORIE DES HL. ANDREAS Der Heilige schwebt in Wolken, an sein Kreuz gelehnt, die Martyrerpalme in der Hand. Putten halten einen Lorbeerkranz und sein Marterinstrument und Attribut, das X-förmige Andreaskreuz. Um das Kreuz und hinter dem Heiligen windet sich eine grüne Girlande und rahmt die Figur des Apostels.
Seitlich von C befinden sich Kartuschen, deren ursprüngliche Darstellungen verloren sind. Die heutigen Inschriften dürften auf die Restaurierung von 1951 zurückgehen. Sie beziehen sich auf den hl. Andreas. An der N-Seite: DOMINE REX AETERNAE / GLORIAE SU/SCIPE. ME / PENDENTEM / IN PATI:/BULO. An der S-Seite: DIGNUS DEI / APOSTO LUS / GERMANUS / PETRI ET / IN PAS:/SIONE SO=/CIUS.
Die Kartusche am Chorbogen zeigt die Inschrift O BONA CRUX, die Anfangsworte der Kreuzeshymne, die Andreas auf dem Weg zur Richtstätte der Überlieferung nach rezitiert haben soll (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 897; LCI, Bd 5, Sp. 139).
Quellen und Literatur
AEM, Pfarrakten Eching, 158 0001 01: Pfarrbeschreibung; 158 2002 01: Verlassenschaft Kaspar Kern; 158 3002 02: Pfarrkirchenbauten 1694–1783.
AEM, Kunsttopographie, Dekanat Weihenstephan, Pfarre Eching (Sylvia Hahn).
Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 341 f.
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 422-28.
Prechtl, Johann Baptist, Beiträge zur Chronik der Pfarrei Fürholzen bei Freising, in: OAVG 44, 1887, S. 209-31 (Hofmark Ottenburg).
KDB I OB (1), S. 394.
Kollmannsberger, Georg, Eching. Gemeinde auf dem G’fild, Eching 1973, S. 145 f.
Brenninger, Georg, Zur Barockausstattung der Pfarrkirche St. Andreas in Eching, in: Amperland 1985, S. 198-200.
Kollmannsberger, Georg, Geschichte der Gemeinde Eching, Eching 2 1990, S. 140 f.
Dehio 1990, S. 207.