Ebersberg, ehem. Augustiner-Chorherrenstift, Sebastianskapelle
Vorgestellt werden soll hier auch die Sebastianskapelle. Zwar nicht mit Deckengemälden geschmückt, sondern nur mit in die reiche Stuckdekoration eingelassenen Wandbildern, ist ihr Sebastianszyklus als der früheste barocke in Ebersberg von Bedeutung. Auf dem Altar birgt sie die wertvollste Reliquie der Kirche, die Hirnschale des heiligen Sebastian, eingeschlossen in einer Silberbüste aus dem 15. Jahrhundert.
Zum Bauwerk: Die Kapelle entstand 1668/71 in dem Raum über der Sakristei anstelle der oberen Sakristei und der Klosterbibliothek. 1671 Weihe durch den Freisinger Weihbischof Kaspar Kühner in Anwesenheit von Christoph Schorrer, Rektor in München. Baumeister und Bauleiter war der Jesuitenlaienbruder Heinrich Mayr, als ausführende Stuckatoren werden der als Mitarbeiter Mayrs tätige Wessobrunner Michael Schmuzer und Gehilfen vermutet (Rohrmann). 1669 waren die Stuckarbeiten vollendet. Die Stuckatoren arbeiteten nach den Vorgaben des unter den Vorarlbergern Michael Beer und Michael Thumb geschulten Baumeisters, infolgedessen zeigt der Stuck nicht das bekannte Wessobrunner Formengut. Dreijochiger, tonnengewölbter Raum, genordet (9,00 x 8,70 m, Höhe 7,25), Belichtung durch drei hohe Rundbogenfenster auf der Ostseite. In den Glasschränken an den Wänden waren früher die Weihegeschenke der Pilger ausgestellt, heute zeigen sie Reliquienaltärchen und andere Kleinodien.


Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, um 1669 Fürstbischof Albert Sigismund von Freising und Regensburg stiftete anläßlich eines Besuchs in der bereits stuckierten Kapelle 2000 fl. für den Stuck, den Marmoraltar und zwei Silberbüsten (Gedenktafel von 1670 an der Rückwand der Kapelle). Von den Gemälden ist dabei nicht die Rede.
Die in Stuckrahmen eingelassenen Ölgemälde sind sicher gleichzeitig mit der Stuckierung entstanden. Sie wurden 1912 von Pfarrer Martin Guggetzer Anton Vicelli zugeschrieben, aus dem Grund, weil »der Ehrnvest und Kunstreiche Herr Antonj Vicellj, Maler alhier zu Ebersperg« sich am 12. März 1690 als Mitglied in das Ebersberger Bruderschaftsbuch eingeschrieben hatte. Aus der Malerfamilie der aus Sillian in Tirol stammenden Vicelli käme zeitlich aber nur der 1650 geborene ältere Bruder Johann Baptist in Frage, der 1670 in Aibling die Witwe des Malers Franz Weillechner heiratete und bis zu seinem Tod 1720 in Aibling lebte. Sein um 12 Jahre jüngere Bruder Anton Vicelli heiratete 1686 die Tochter der Weillechner-Witwe und lebte von 1689 bis 1695/99 in Ebersberg, dann in Markt Schwaben und später in der Au bei München.
Bildabfolge
Das Gewölbe besteht aus einer Tonne mit Stichkappen, deren Scheitel drei strahlenbekränzte Stuckmedaillons mit den Monogrammen SBS, IHS und MARIA (Sebastianus, Jesus, Maria) zeigt. Unvergleichlich üppig dazu ist die Stuckdekoration der Stichkappen und Wände mit Fruchtgehängen, Bändern und Girlanden, zwischen denen Pfeilchen, die Attribute des hl. Sebastian, stecken. Das Altargemälde zeigt die Pfeilmarter. In die stark plastischen Stuckrahmen der Wände sind Gemälde eingelassen.
Gemälde eingelassen. Über dem Altar: Gottvater Links vom Altar: Jesus Rechts vom Altar: Maria Südwand obere Reihe:
Mitte: Pfeilmarter des hl. Sebastian
Links: Ignatius von Loyola, Ordensgründer der Jesuiten
Rechts: Franz Xaver tauft die Heiden
Untere Reihe:
Rechts: Irene und ihre Begleiterinnen pflegen die Wunden des hl. Sebastian
Links: Sebastian wird mit Keulen erschlagen
Mitte: Weiheinschrift 1670
Die Westwand zeigt in den Lunetten drei Medaillons mit Landschaften, die mittlere mit einer Ansicht von Ebersberg.
Quellen und Literatur
Rohrmann, Hans, Die Wessobrunner des 17. Jahrhunderts. Die Künstler und Handwerker unter besonderer Berücksichtigung der Familie Schmuzer, St. Ottilien 1999, S. 54, 57. Krammer, 2002, S. 252–256
B. S./C. B.