Dresden, ehem Opernhaus am Taschenberg
Inventarnummer: cbdd10478
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Das 1664-67 erbaute Opernhaus am Taschenberg hatte ein Deckengemälde von Johann Oswald Harms, das Apoll zusammen mit Aurora und Rosen streuenden Genien zeigte. Es ging bereits 1707 verloren.

Das ehemalige Opernhaus am Taschenberg

Kurzbeschreibung und Lage
Das Opernhaus am Taschenberg[1] wurde als eines der ersten freistehenden Theatergebäude im deutschsprachigen Raum errichtet. Es zeichnete sich durch eine Mittelachse mit Hofloge, Proszenium und Bühnenraum aus. Es stand direkt an der Südwestecke des Schlosses und war mit diesem über einen Gang verbunden.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Opernhaus wurde von 1664 bis 1667 nach Entwürfen von Wolf Caspar von Klengel für Kurfürst Georg II. von Sachsen erbaut. Kurfürst Georg III. ließ es durch Johann Georg Starcke 1691 umgestalten. Nach dem Konfessionswechsel Augusts des Starken 1697 benötigte der katholische Hof in Dresden ein eigenes Gotteshaus. Zu diesem Zweck wurde das Gebäude 1707-08 erneut umgebaut. Nach dem Bau der neuen Hofkirche im Norden des Schlosses, wurde es ab 1755 zum Ballhaus umgestaltet, was mit weiterem Substanzverlust einherging. Nach einem weiteren Umbau zum Archiv ab 1804 wurde es schließlich 1888 endgültig abgebrochen.
Auftraggeber
Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen von Kursachsen[2] regierte von 1656 bis 1680 und führte Dresden nach dem Dreißigjährigen Krieg zu einer ersten kulturellen Blüte.[3] Im Rahmen dieser erfolgreichen Bestrebungen, die Dresden zu einem Zentrum der Musikkultur machten, ist auch der Bau des Opernhauses zu sehen. Unter seiner Regierung wurden in Dresden ferner ein Ballhaus und ein Reithaus errichtet. Im Schloss ließ er zahlreiche Räume umgestalten und neu ausstatten. Auch die Ausstattung der Hoflößnitz[4] geht auf ihn zurück. Sein Nachfolger Kurfürst Johann Georg III.[5] regierte von 1680 bis 1691. Anfänglich reduzierte er die Kulturausgaben und baute ein stehendes Heer auf. Die kulturelle Blüte der Stadt hielt jedoch unvermindert an und gerade die Oper wurde von ihm sehr gefördert. Nach einem Brand 1685 beauftragte er den Wiederaufbau der später so genannten Dresdner Neustadt. Der von seinem Vorgänger begonnene Große Garten[6] wurde ebenfalls weiter ausgebaut.
Architekten, Künstler
Die Architekten Wolf Caspar von Klengel[7] und Johann Georg Starcke[8] waren nacheinander Leiter des kursächsischen Oberbauamtes. Sie prägten das Bauwesen nach dem Dreißigjährigen Krieg in Kursachsen entscheidend.[9] 1656 wurde Klengel Oberlandbaumeister und 1672 Leiter des Oberbauamtes. Nur wenige seiner Bauten haben sich erhalten wie etwa die Schlosskapelle von Schloss Moritzburg. 1691 ist Klengel gestorben. Starcke war bereits 1672 Oberlandbaumeister geworden und folgte Klengel nun nach. Er entwarf u.a. das Palais im Großen Garten und gilt als Begründer der Dresdner Barockarchitektur.
Der Maler Johann Oswald Harms[10] hatte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine prägende Stellung in Norddeutschland inne. Nach Aufenthalten in Italien zwischen 1675 und 1708 war er u.a. an den Höfen in Bayreuth, Dresden, Eisenberg, Kassel, Weißenfels und Wolfenbüttel tätig. Sein Werk ist fast komplett vernichtet; seines Könnens vollauf bewusst, archivierte und datierte Harms jedoch seine Entwürfe und notierte, wo und in welcher Technik sie realisiert worden waren. 118 dieser Entwürfe haben sich erhalten und ermöglichen es, Harms‘ Werk dennoch zu beurteilen.[11] Am Anfang seines Schaffens in Dresden konzipierte er aufwendige Quadraturmalerei in Bologneser Tradition, zuletzt aber auch Bandelwerk und Arabesken in Anlehnung an französische Vorbilder. In den 80er und 90er Jahren schuf er für die Schlösser in Weißenfels[12] und Salzdahlum[13] aber auch große illusionistische Wandfresken mit monumentalen Perspektivgemälden.
Beschreibung
Als freistehendes Gebäude war es eines der frühesten seiner Art im deutschsprachigen Raum[14] zusammen mit Wien[15] und München.[16] Der Bau erhob sich über einem unregelmäßigen kreuzförmigen Grundriss mit einer Länge von rund 45 Metern und einer Breite von ungefähr 22 Metern. Sein Äußeres wurde schlicht gehalten, sodass er nicht in Konkurrenz zum Residenzschloss trat.
Der Zuschauerraum
Ausstattungsgeschichte und Beschreibung
Das Innere[17] des 2000 Zuschauerplätze umfassenden Raums maß 16 auf 20 Meter und war im Gegensatz zum Außenbau aufwendig dekoriert. Historische Ansichten von 1678 und 1691 erlauben eine annähernde Rekonstruktion des Raums. 1678 wurden zwei Ränge von einer kompositen Kolossalordnung zusammengefasst, wobei die untere Galerie auf der Postamentzone ruhte. Vollsäulen waren vor Pilaster gestellt und trugen ein ausgeprägtes Gebälk. Hinter ihnen verlief die obere Galerie. In der Mittelachse der Anlage war eine Hofloge eingebaut –vermutlich die erste im deutschen Sprachraum. Sie wurde aber nicht besonders hervorgehoben. Das verwundert nicht, denn der Hof nahm tatsächlich auf einem durch Balustraden abgegrenzten Podest vor der Bühne Platz. Das war der damals übliche Platz.[18] Das Parkett hinter dem Podest stieg leicht an. Ein Proszenium vermittelte zwischen Zuschauerraum und Bühnenraum. Hier befanden sich Podien für Trompeter. Für die Musiker gab es einen tiefen Orchestergraben. Die Bühne selbst war 25 Meter tief.
Nach den Umbauten stellte sich der Zuschauerraum 1691 als modernes Rangtheater stark verändert dar.[19] Nun befanden sich im Parkett und ersten Rang zwei Hoflogen, die deutlich gegenüber dem übrigen Raum abgegrenzt und hervorgehoben waren. Ein neuer Herrschaftsstand im zweiten Rang wurde von vollplastischen Figuren flankiert. Zudem gab es statt der ehemals zwei Galerien nun vier Ränge. Der oberste Rang kam in die ehemalige Gebälkzone der Säulen und Pilaster.
Das Deckengemälde

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde[20] wurde von Johann Oswald Harms 1678 geschaffen. Bei der Umgestaltung 1691 wurde es unverändert übernommen und fiel erst dem Umbau zur katholischen Hofkirche 1707 zum Opfer.
Beschreibung und Ikonographie
Zwei Raumansichten und Beschreibungen von 1678 und 1691 erlauben jedoch eine ikonografische Rekonstruktion. Man sah Sol-Apoll auf seinem Vierspänner, wie er den Tag brachte. Ihm voraus eilten Aurora und rosenstreuenden Genien.
Gestalterische Mittel - Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit war von der Bühne her, sodass Apoll seinen Ausgang von der Hofloge aus nahm – unabhängig davon, ob der Landesherr dort tatsächlich Platz nahm.
Vergleiche
Apoll war als Musenführer an Theaterdecken ein beliebtes Thema. Im Stadtschloss Potsdam oder im Markgrafentheater in Bayreuth etwa kam ebenfalls eine Darstellung Apolls an die Decke, allerdings zusammen mit den Musen.[21] Und auch in Bayreuth war die Ansichtigkeit der Malerei wie in Dresden auf die Bühne bezogen.
Bibliographie
- Literatur:
- Blaschke, Johann Georg II., 1974. – Blaschke, Karlheinz: Johann Georg II. In: Neue Deutsche Biographie (NDB), 10. Berlin 1974, S. 526-527.
- Blaschke, Johann Georg III., 1974. – Blaschke, Karlheinz: Johann Georg III. In: Neue Deutsche Biographie (NDB), 10. Berlin 1974, S. 527.
- Deppe, Johann Georg II., 2006. – Deppe, Uta: Die Festkultur am Dresdner Hofe Johann Georgs II. von Sachsen (1660 - 1679) (Bau + Kunst, 13). Kiel 2006.
- Ermisch, Das alte Archivgebäude, 1888. – Ermisch, Hubert: Das alte Archivgebäude am Taschenberge in Dresden. In: Neues Archiv für sächsische Geschichte 9 (1888), S. 1–28.
- Frenzel, Schloßtheater, 1959. – Frenzel, Herbert A.: Brandenburg-Preußische Schloßtheater. Spielorte und Spielformen vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Berlin 1959.
- Frenzel, Geschichte, 1979. – Frenzel, Herbert A.: Geschichte des Theaters. Daten und Dokumente 1470-1840. München 1979.
- Gurlitt, Beschreibende Darstellung, 1901. – Gurlitt, Cornelius: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Stadt Dresden, H. 22. Dresden 1901.
- Heusinger, Oper, 1990. – Heusinger, Christian von: Oper im Barock. Herzog Anton Ulrichs Bühnenbildner Johann Oswald Harms In: Biegel, Gerd et al.: 300 Jahre Theater in Braunschweig 1690 - 1990. Braunschweig 1990, S. 433-617.
- Johann Georg II., 1993. – Lühr, Hans-Peter (Red.): Johann Georg II. und sein Hof. Sachsen nach dem Dreißigjährigen Krieg (Dresdner Hefte, 33). Dresden 1993.
- Laß, Musiktheater, 2020. – Laß, Heiko: Bauten für das höfische Musiktheater im 17. und 18. Jahrhundert – vornehmlich in den deutschsprachigen Ländern. In: Scharrer, Margret/Laß, Heiko/Müller, Matthias (Hrsg.): Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa (Höfische Kultur interdisziplinär, 1). Heidelberg 2020, S. 91-116 (https://heiup.uni-heidelberg.de/reader/index/469/469-69-88858-2-10-20200618.xml).
- Laß, Norddeutschland, 2020. – Laß, Heiko: Die landesherrlich beauftragte profane Wand- und Deckenmalerei in Norddeutschland 1650-1720. Versuch eines Überblicks. In: Hoppe, Stephan/Laß, Heiko/Karner, Herbert (Hrsg.): Deckenmalerei um 1700 in Europa. Höfe und Residenzen. München 2020, S. 294-311.
- May, Architektur, 1993. – May, Walter: Höfische Architektur zur Zeit Johann Georgs II. In: Lühr, Hans-Peter (Red.): Johann Georg II. und sein Hof. Sachsen nach dem Dreißigjährigen Krieg (Dresdner Hefte, 33). Dresden 1993, S. 42-52.
- Passavant, Klengel, 2001. – Passavant, Günter: Wolf Caspar von Klengel. Dresden 1630-1691. München/Berlin 2001.
- Reeckmann, Anfänge der Barockarchitektur, 2000. – Reeckmann, Kathrin: Anfänge der Barockarchitektur in Sachsen. Johann Georg Starcke und seine Zeit. Weimar/Wien 2000.
- Richter, Harms, 1963. – Richter, Horst: Johann Oswald Harms. Ein deutscher Theaterdekorateur des Barock. Emsdetten 1963.
- Roettgen, Apollo, 1999. – Roettgen, Steffi: Apollo und die Musen im Theater – zum Deckenbild des Bayreuther Opernhauses. In: Opernbauten des Barock. Eine internationale Tagung des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS und der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Bayreuth, 25.-26. September 1998 ( Icomos. Hefte des Deutschen Nationalkomitees, 31). München 1999, S. 61-72.
- Schrader, Hoftheater, 1988. – Schrader, Susanne: Architektur der barocken Hoftheater in Deutschland (Beiträge zur Kunstwissenschaft, 21). München 1988.
- Sommer-Mathis, Kurtine, 2014. – Sommer-Mathis, Andrea: Das Theater auf der Kurtine. In: Karner, Herbert (Hrsg.): Die Wiener Hofburg 1521–1705. Baugeschichte, Funktion und Etablierung als Kaiserresidenz (Veröffentlichungen zur Bau- und Funktionsgeschichte der Wiener Hofburg, 2). Wien 2014, S. 422-427.
- Tintelnot, Harms, 1941. – Tintelnot, Hans: Johann Oswald Harms. Ein norddeutscher Maler des Barock. In: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 8 (1941), S. 245-260.
- Tintelnot, Freskomalerei, 1951. – Tintelnot, Hans: Die barocke Freskomalerei in Deutschland. Ihre Entwicklung und europäische Wirkung. München 1951.
- Quellen:
- Ballet Von Zusammenkunft und Wirckung derer VII. Planeten: Auf Ihr. Churfl. Durchl. zu Sachsen großem Theatro gehalten Den 3. Februarii Anno 1678 . https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1063433924#page/n0/mode/2up.
Einzelnachweise
- ↑ Passavant, Klengel, 2001, S. 300-312; Reeckmann, Anfänge der Barockarchitektur, 2000, S. 173-185; Schrader, Hoftheater, 1988, S. 61-69; Gurlitt, Beschreibende Darstellung, 1901, S. 391-392; Ermisch, Das alte Archivgebäude, 1888, bes. S. 8-18.
- ↑ Blaschke, Johann Georg II., 1974.
- ↑ Deppe, Johann Georg II., 2006; Johann Georg II., 1993.
- ↑ www.deckenmalerei.eu/60c4434f-2e67-4946-8fa2-f6330ea8ac27.
- ↑ Blaschke, Johann Georg III., 1974.
- ↑ www.deckenmalerei.eu/a12591d5-4edc-4c15-8033-e467e58c3f60.
- ↑ Passavant, Klengel, 2001.
- ↑ Reeckmann, Anfänge der Barockarchitektur, 2000.
- ↑ May, Architektur, 1993.
- ↑ Laß, Norddeutschland, 2020, S. 297, 305; Heusinger, Oper, 1990; Richter, Harms, 1963; Tintelnot, Freskomalerei, 1951, S. 44-46; Tintelnot, Harms, 1941.
- ↑ Die Blätter werden im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig verwahrt. Online abrufbar bei: http://kulturerbe.niedersachsen.de.
- ↑ www.deckenmalerei.eu/34585b54-ce13-4ca2-ae4c-1204704c5ffe.
- ↑ www.deckenmalerei.eu/0516ed87-89a3-4b4a-b28b-a786f1933c28.
- ↑ Passavant, Klengel, 2001, S. 312.
- ↑ Frenzel, Geschichte, 1979, S. 146; Sommer-Mathis, Kurtine, 2014.
- ↑ http://www.deckenmalerei.eu/cd3d0a41-84a9-4529-bd21-6151a6e916d0.
- ↑ Passavant, Klengel, 2001, S. 307, 310; Reeckmann, Anfänge der Barockarchitektur, 2000, S. 175, 179; Schrader, Hoftheater, 1988, S. 61-69, 186-189; Ermisch, Das alte Archivgebäude, 1888, S. 11-12.
- ↑ Laß, Musiktheater, 2020, S. 101-103; Frenzel, Geschichte, 1979, S. 146.
- ↑ Passavant, Klengel, 2001, S. 310; Reeckmann, Anfänge der Barockarchitektur, 2000, S. 178-179.
- ↑ Reeckmann, Anfänge der Barockarchitektur, 2000, S. 176, 182; Schrader, Hoftheater, 1988, S. 65.
- ↑ Roettgen, Apollo, 1999; Frenzel, Schloßtheater, 1959, S. 56.