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Dresden, Venustempel im Großen Garten

Aus Deckenmalerei-Lab
Hertzig, Stefan:Dresden, Venustempel im Großen Garten, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/0ff45193-ad50-43d2-8f0a-2ac9a27e3f08

Inventarnummer: cbdd10473

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Der Venustempel im Großen Garten wurde um 1719 errichtet, 1725 nach Schloss Pillnitz transloziert und beim Schlossband 1818 zerstört.

Dresden, Venustempel aus dem Großen Garten in Pillnitz
Dresden, Venustempel aus dem Großen Garten in Pillnitz

Baugeschichte

Der Venustempel im Großen Garten war wohl im Jahre 1719 von Zacharias Longuelune (1669–1748) am rückwärtigen Palaisteich des Großen Gartens errichtet worden. Es handelte sich dabei um eine ephemere Holzarchitektur, die man speziell für die Abhaltung von Bällen und Tanzveranstaltungen während der Hochzeitsfestlichkeiten des Jahres 1719 geschaffen hatte.

Der Bau bildete ein Achteck mit offenen Rundbögen und eingestellten Säulen und wurde von einem Zeltdach abgeschlossen wurde. Dieses war oben offen und dort von einer Balustrade mit Vasen bekrönt. Nach Beendigung der Festlichkeiten translozierte man den Bau wohl im Jahre 1725 nach Schloss Pillnitz und erweiterte ihn an jeder zweiten Achse um insgesamt vier quadratische Nebenräume (darunter u. a. auch eine Kapelle), um ihn auch für den täglichen Hofbetrieb nutzen zu können. Beim Schlossbrand von 1818 wurde der Venustempel vernichtet.[1]

Die Decke im Venustempel

Die überlieferte Innenraum-Darstellung des Venustempels zeigt die gestaltete Decke, die in den Seitenansichten klar zu erkennen gibt, dass sich dort Malereien befanden.[2] Die Decke bestand aus acht konisch, sich nach oben verjüngenden Feldern. In jeder zweiten Ache hielt jeweils zwei Putten große ovale Gemälde hoch, auf denen – dem Motto des Saales entsprechend – antike Göttinnen oder andere schöne Frauengestalten dargestellt waren. In den übrigen, etwas untergeordneten Feldern wurden frei im Luftraum umher schwebende Putten in verschiedenen Tätigkeiten und Posen, z. B. einen Feston tragend, dargestellt.

Ikonographie/Vorlagen

Der ephemere Venustempel im Großen Garen war, wie es scheint, einmal mehr auf Francesco Colonnas „Hypnerotomachia Poliphili“ (1499) zurückgegangen. Dieser phantasievoll-phantastische Roman, angefüllt mit zahlreichen sowohl erotischen als auch architektonischen Schilderungen während der Traumreise seines Helden Poliphilus auf der Suche nach seiner Geliebten Pollia, muss heute als eine der wichtigsten Inspirationsquellen Augusts des Starken angesehen werden. Diese schlugen sich in zahlreichen –zumeist Planung gebliebenen – Bauprojekten für das Dresdner Elbtal nieder und verbanden sich dabei mit Eindrücken, die der Herrscher während seiner Kavalierstour durch Europa in den Jahren 1687–89 gewonnen hatte. Eine der wichtigsten Architekturbeschreibungen des Romans war aber der „Tempel der Venus Physizoa“, ein kuppelüberwölbter Zentralbau, welcher beim End- und Höhepunkt des Romans, dem Zusammentreffen der beiden Geliebten auf der Liebesinsel „Kythera“ geschildert wurde.[3]

Tatsächlich gab es gleich mehrere Übereinstimmungen zwischen dem bei Colonna auf einem der beigefügten Holzschnitte dargestellten Vorbild und dem ephemeren Venustempel: sowohl die Anordnung der hohen, mit Säulen oder Pilastern geschmückten Rundbogenarkaden, welche außen zudem mit Statuen geschmückt waren als auch vor allem die charakteristische Lage am Wasser – in Dresden am Palaisteich des Großen Gartens.[4] Bereits Heinrich Magirius hatte 1979, jedoch noch ohne Kenntnis der tieferen Bezüge und Verbindungen, den nach Pillnitz umgesetzten Venustempel zu Recht als „eine der wenigen realisierten ‚Zentralbauideen‘ Augusts, allerdings ‚en miniature.‘“ bezeichnet.[5] Die Ausstattung des Bauwerks mit Bildnissen schöner Damen oder Göttinnen fügte sich schließlich ganz in die galante, auf das Fest von 1719 zugeschnittene Bestimmung des Gebäudes.

Auch die Geschichte des Venustempels nach seiner Umsetzung nach Pillnitz und teilweisem Umbau fügte sich in diese Auffassung: Wie Benjamin Gottfried Weinart 1777 berichtete, war der mittlere Kuppelsaal erneut mit Damenbildenissen – in diesem Falle mit Ölgemälden, die an den Wänden aufgehängt waren – ausgestattet worden: „Ausser den schon gedachten Pavillions und alten Schloße ist noch zur Seite desselben ein obzwar nur leicht von Holz mit Steinen ausgesetztes, jedennoch aber großes Gebäude, in welchem der so bekannte Venus=Tempel, ein Saal von beträchtlicher Größe, der mit den schönsten Portraits von Damen, die ehemals zu Augustus des zweyten Zeiten am Hofe in Ansehen gestanden, unter welchen auch verschiedene andere Gemählde von guter Hand sind, ausgeziert ist.“[6]

Bibliographie

  • Archivalien:
  • Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett, Inv.-Nr. C 6722.
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  • Literatur:
  • Hertzig, Stefan/Friedrichs, Kristina/Karge, Henrik: Das Japanische Palais in Dresden. Porzellanschloss – Staatsmonument – Museum. Konzeption und Baugeschichte, in: Jahresgabe des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft, Petersberg 2019.
  • Magirius, Zur Entstehungsgeschichte, 1979. – Magirius, Heinrich: Zur Entstehungsgeschichte des Schlosses Pillnitz und seiner Fassadenbemalung, in: Institut für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Dresden (Hg.): Denkmale in Sachsen. Ihre Erhaltung und Pflege in den Bezirken Dresden, Karl-Marx-Stadt, Leipzig und Chemnitz, Weimar 1978, S. 249-278.
  • Wenzel, Michael: Heldinnengalerie – Schönheitengalerie. Studien zu Genese und Funktion weiblicher Bildnisgalerien 1470–1715, Diss. Heidelberg 2001.

Einzelnachweise

  1. Magirius, Heinrich: Zu Entstehungsgeschichte des Schlosses Pillnitz und seiner Fassadenbemalung, in: Institut für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Dresden (Hrsg.): Denkmale in Sachsen. Ihre Erhaltung und Pflege in den Bezirken Dresden, Karl-Marx-Stadt, Leipzig und Cottbus, Weimar 1979, S. 267. Für den Hinweis auf die Translozierung des Tempel danke ich sehr herzlich Herrn Stephan Reinert M.A., Saarbrücken
  2. Carl Heinrich Jakob Fehling: Venustempel beim Venusfest 1719 im Großen Garten, zwischen 1726 und 1728, Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett, Inv.-Nr. C 6722 (Sax. Top. Ca 200, Bl. 69).
  3. Hertzig, Stefan/Friedrichs, Kristina/Karge, Henrik: Das Japanische Palais in Dresden. Porzellanschloss – Staatsmonument – Museum. Konzeption und Baugeschichte, in: Jahresgabe des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft, Petersberg 2019, S. 150–152.
  4. Carl Heinrich Jakob Fehling: Illumination beim Venusfest 1719 im Großen Garten, zwischen 1726 und 1728, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett, Inv.-Nr. C 1978-19.
  5. Magirius, Entstehungsgeschichte des Schlosses Pillnitz, 1979, S. 267.
  6. Zitiert nach Wenzel, Michael: Heldinnengalerie – Schönheitengalerie. Studien zu Genese und Funktion weiblicher Bildnisgalerien 1470–1715, Diss. Heidelberg 2001, S. 416f.