Zum Inhalt springen

Dresden, Brühlsches Palais

Aus Deckenmalerei-Lab
Burioni, Matteo und Hertzig, Stefan:Dresden, Brühlsches Palais, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/b209fe13-93bb-4dd8-b148-96d2798cb7b6

Inventarnummer: cbdd10485

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

In mehreren Bauphasen errichtete der Architekt Johann Christoph Knöffel das Brühlsche Palais in Dresden. Das zerstörte Deckengemälde, das in allegorischer Form den Sieg Bellephorons über die Chimäre zeigte, wurde von Louis Silvestere 1742 geschaffen.

Baugeschichte

Das berühmte, später namensgebende Dresdner Palais war seit der Erwerbung des an der Augustusstraße gelegenen „Manteuffelschen Hauses“ durch den sächsischen Premierminister Heinrich Graf von Brühl (1700–63) im Jahre 1734 entstanden. In mehreren Bauabschnitten war es von dem Architekten Johann Christoph Knöffel durch die Einbeziehung zahlreicher Nebengebäude in architektonisch gekonnter Weise sukzessive geschaffen worden. In einem ersten Bauabschnitt (1737–40) errichtete man den neunachsigen Mittelrisalit, 1740–43 folgte die Hinzufügung von vier, teilweise nach dem Wall zu gelegenen Häusern. In einem dritten Schritt (1743–44) erweiterte man die Palaisfassade durch den Hinzukauf zweier benachbarter Häuser auf nunmehr 15 Achsen. Ein vierter und letzter Bauabschnitt fügte 1753–63 schließlich noch drei bzw. vier Fensterachsen an der östlich nun um die Ecke herumführenden Hauptfassade sowie westlich gelegene Teilstücke hinzu.[1]

Nicht unwesentlich hatte der geschmeidige Knöffelsche Lisenenstil dazu beigetragen, dass die zu unterschiedlichen Zeiten erfolgten Hinzufügungen an der Fassade nicht auffielen: Den Mittelpunkt des dreigeschossigen und mit einem Mansarddach bedeckten Palais Brühl bildete stets der neunachsige „Gründungsbau“ mit seinen Reliefornamenten zwischen den Fenstern, dem dreiachsigen Mittelrisalit mit Rundbogenfenstern, Verdachungen, vorgelagertem Balkon und bekrönendem Dreiecksgiebel. In dem hier zusätzlichen dritten Obergeschoss erhob sich noch einmal ein weiterer Wappengiebel vor der Dachlandschaft. Sämtliche übrige Hinzufügungen an der Fassade wiesen nur Rechteckfenster mit Lisenen auf. Den äußersten Abschnitten waren kurze, dreiachsige Mezzaningeschosse mit Ovalfenstern aufgesetzt und über den wiederum niedrigeren Zwischenstücken zum Hauptbau hin befanden sich kleinere Trophäenarrangements. In den Jahren 1899/1900 brach man das Brühlsche Palais für den Neubau des Sächsischen Ständehauses von Paul Wallot ab. Einzelne Teile (Gitter, Brunnen, Türe, Stuckornamente) konnten bis heute bewahrt werden.

Der Hauptsaal

Das von der Augustusstraße bis zum Festungswall reichende Brühlsche Palais verfügte über ein hochkompliziertes Inneres mit mehreren Höfen. Durch eine raffinierte Achsführung der Räume hatte Knöffel es geschickt verstanden, sämtliche Unregelmäßigkeiten der komplizierten Baugeschichte zu verschleiern. Am zentralen großen Hof lag oberhalb der Doppelbrunnenanlage Lorenzo Mattiellis (1687–1748) im ersten Obergeschoss der große, zweigeschossige Hauptsaal. Der 17 x 12,5 m große, sieben zu fünf Achsen einnehmende Saal wurde durch drei Fenster auf der Nord- und sechs Fenster auf der Südseite hell erleuchtet. Zwischen den Fenstern, über den vier Türen, den vier eingelassenen Ölgemälden und den beiden zentralen Kaminachsen mit Spiegeln war auf weißem Grund kostbares, vergoldetes Rocailleschmuckwerk aus Holz – angeblich von Gottfried Knöffler geschaffen – angebracht. Ein Kranzgesims, an dem sich weitere vergoldete Ornamente mit doppelten Konsolen abwechselten, leitete zur gemalten Decke über. Im Jahre 1900 konnte der gesamte Saal einschließlich der Decke durch Ermenegildo Antonio Donadini vor dem Abbruch gerettet und in einen neues Gehäuse im Kunstgewerbemuseum an der Güntzstraße transloziert werden, bevor er dort 1945 endgültig vernichtet wurde.

Die Decke des Hauptsaals

Das im Jahre 1742 von Louis de Silvestre erschaffene Deckengemälde war von einem raffiniert dargestellten doppelten Rahmen eingefasst, welcher illusionistisch in die Voute des Gewölbes eingefügt war. An dem unteren, realen Hauptgesims wechselten sich konvex aufwölbende Kartuschen an den Längsseiten und an den Ecken – dort zusätzlich mit geflügelten Wesen und Putten bereichert – mit geraden Stücken ab. Mittels einer illusionistisch wiedergegebenen Balustrade mit vasenbesetzten Postamenten eröffnete sich darüber ein zweiter, imaginärer Hypetralraum. Dieser wiederum öffnete sich nach oben mittels eines einfach gerahmten regelmäßigen Ovals in das eigentliche figürliche Gemälde hinein. Silvestre stellte darin in allegorischer Form den Sieg Bellephorons über die Chimäre dar. Umgeben von weiteren Engeln und Genien war dieser auf dem weißen Pegasus in der Bildmitte zu sehen. Gemeinsam mit dem Ungeheuer stürzen dessen Begleiter – die Laster Neid, Spiel, Trunk, Geiz und Wollust – in die Tiefe. Während von links Cybele auf dem Löwenwagen naht, eilt oberhalb des Helden diesem der Gott Apoll (als Verkörperung Brühls) zur Hilfe.

Wenn man den historischen Farbfotografien Glauben schenkt, war das Kolorit des Deckengemäldes besonders interessant: Während der äußere gemalten Rahmen in Weiß und Gold im Wesentlichen den Farbtönen des realen Raumes entsprach, war der dazwischengesetzte Hypetralraum von eher dunkeln, satten Tönen geprägt. In dieser Umgebung kam das figürliche Gemälde in hellen, bläulich-silbrigen Farben zu optimaler Entfaltung. Besonders gekonnt war des Weiteren auch das Einfügen eines weiteren, fiktiven Raumes, wodurch Silvertre mehr Bildtiefe gewann, die er dann mittels dort hinein- oder herausfliegender Gestalten zur Geltung bringen vermochte.[2]

Das grüne Speisezimmer

Das grüne Speisezimmer des Brühlschen Palais war mit einer Reihe von Gemälden Christian Wilhelm Ernst Dietrich ausgestattet, die sich heute im Kunstgewerbemuseum in Schloss Pillnitz befinden. Diese sind nach 1753 zu datieren und wurden im Auftrag des Grafen von Brühl geschaffen. Dietrich arbeitete nach Watteau. Zwei Vorzeichnungen für die Gemälde haben sich in der Zeichnungssammlung des Louvre erhalten, eine Vorzeichnung in der Albertina.

Bibliographie

  • Marx, Louis de Silvestres Deckengemälde, 1970. – Marx, Harald: Louis de Silvestres Deckengemälde für den Festsaal des Brühlschen Palais, in: Dresdener Kunstblätter, 14 (1970) 5, S. 147–154.
  • Ruggero, Zur Baugeschichte, 2020. – Ruggero, Christina: Zur Baugeschichte des Palais Brühl und der Bauten an der Augustusstraße und auf dem Festungswall in Dresden, in: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hg.): Heinrich Graf von Brühl (1700–1763). Bauherr und Mäzen (= Arbeitsheft 29 des LfD), Altenburg, 2020, S. 14–40.
  • Zumpe, Die Brühlsche Terrasse, 1991. – Zumpe, Manfred: Die Brühlsche Terrasse in Dresden, Berlin 1991.
  • Liebsch, Thomas, Galante Szenen von Christian Wilhelm Ernst Dietrich im Watteauzimmer des Pillnitzer Bergpalais und ihre Herkunft aus dem ehemaligen Brühlschen Palais in Dresden, in: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hg.): Heinrich Graf von Brühl (1700–1763). Bauherr und Mäzen (= Arbeitsheft 29 des LfD), Altenburg, 2020, S. 154-161.

Einzelnachweise

  1. Zumpe, Die Brühlsche Terrasse, 1991, S. 47–120; Ruggero, Zur Baugeschichte, 2020, S. 14–40.
  2. Marx, Louis de Silvestres Deckengemälde, 1970, S. 147–154.