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Corvey, Fürstabtei und Residenz

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Corvey, Fürstabtei und Residenz, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/226af642-4c92-494e-b484-190c76af271d

Inventarnummer: cbdd10116

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Die Residenz Corvey wurde 1699-1721 für Florenz von dem Velde und Maximilian von Horrich erbaut. Im Hauptsaal und im Sommersaal hat sich Decken- und Wandmalerei von Tobias Querfurt erhalten. Der auch als Speisesaal genutzte Hauptsaal präsentiert an der Decke verschiedene biblische Bewirtungsszenen.

Die Residenz und Fürstabtei in Corvey

Kurzbeschreibung und Lage

Die vormalige Fürstabtei Corvey[1] befindet sich etwas über zwei Kilometer östlich von Corvey an der Weser. Sie ist über eine gerade Allee mit der Stadt verbunden und war ehemals im Norden, Westen und Süden von Gräben umgeben. Die Abteigebäude setzen sich aus einer großen Vorburg mit Wirtschaftshof zusammen sowie fünf Flügeln um zwei Höfe im Bereich des Konvents.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Die Abtei ist eine karolingische Gründung des 9. Jahrhunderts. Im späten Mittelalter verlor Corvey an Bedeutung. Nach einem Tiefpunkt im Dreißigjährigen Krieg erfolgte jedoch ab dem 17. Jahrhundert der Wiederaufbau der Abtei, der mit der Kirche begann. Die Abtei- und Residenzgebäude wurden überwiegend zwischen 1699 und 1716 erbaut. Die Arbeiten zogen sich aber bis 1751 hin. Sie begannen unter Abt Florenz von dem Velde. Der Architekt ist unbekannt. Pläne Michael Beers zur fürstäbtlichen Residenz in Kempten dienten zur Orientierung beim Neubau. An der Ausführung war wohl Ambrosius von Oelde beteiligt, zur Konzeption der Innenräume zog man Hermann Korb heran. Der Innenausbau konnte unter Abt Maximilian von Horrich 1718 abgeschlossen werden. Zuletzt folgten die vorgelagerten Wirtschaftsbauten nach Entwürfen von Justus Wehmer 1730-36. 1803 wurde Corvey säkularisiert und ab 1820 erfolgte eine Umgestaltung der Repräsentationsräume im Westflügel zu Wohnräumen. Nur der so genannte Kaisersaal blieb erhalten. Das ehemalige Appartement des Fürstabts wurde 1832 zu einer Bibliothek umgebaut. Ab 1977 erfolgten umfassende Renovierungsarbeiten und Wiederherstellungsmaßnahmen.[2]

Künstler

Die Malerei wird Tobias Querfurt d. Ä. zugeschrieben. Querfurt war überwiegend in Wolfenbüttel – wo er Hofmaler war – tätig, aber auch in Blankenburg und später nach dem Tod von Herzog Anton Ulrich in Corvey. Dort lebte Querfurt von 1715 bis 1718/19. Er orientierte sich in seinen Kompositionen an der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts, etwa Veronese, und an der französischen Malerei des 17. Jahrhunderts, etwa Simon Vouet und Charles le Brun. Von Querfurt sind überwiegend Tafelbilder bekannt, er schuf aber auch Wand- und Deckenmalerei.[3]

Beschreibung

Die Konventgebäude orientieren sich an der Fürstabtei Kempten. Sie sind nördlich der Kirche auf geschlossenem langgezogenem rechteckigem Grundriss um zwei Innenhöfe herum angeordnet und messen ungefähr 120 auf 90 Meter. Die zweieinhalbgeschossigen Flügel unter Walmdächern sind verputzt. Einziger Schmuck sind die Gewände und Portale von Werkstein. Auf den Ecken stehen quadratische Ecktürme mit Eckquaderungen und geschweiften Hauben, welche dem gängigen Muster von Abteien entsprechen. Nicht in die barocke Gliederung ist die alte Westfassade der Kirche eingebunden. Um den südlichen Hof war der Klausurbereich gelegen, im Mittelflügel befand sich das Refektorium. Im Ostflügel hat sich eine Bildnisgalerie der Corveyer Äbte erhalten. Der Nordbereich nahm die Residenz auf.[4] Die Wohn- und Repräsentationsräume des Abtes waren im ersten Obergeschoss im Nordflügel mit Blick auf den Garten gelegen, die Gäste- und Gesellschaftsräume mit dem Kaisersaal (über der Durchfahrt) schlossen sich im nördlichen Westflügel direkt an. Die Staatsgemächer des Fürstabts umfassten ein Vorzimmer und ein Audienzzimmer. Hinzu kam das so genannte Turmzimmer, das wohl als Kabinett diente. Das Arbeitszimmer des Fürsten dürfte die Funktion einer Retirade übernommen haben. An dieses schloss sich das Schlafzimmer an. Nach einigen Nebenräumen wie einer Privatkapelle folgte der heute noch erhaltene so genannte Sommersaal. Bei diesem handelte es sich um das Bücherzimmer des Fürstabts.[5]

Der Kaisersaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Kaisersaal war 1704 vollendet.[6] Die Stuckarbeiten besorgte Giacomo Perinetti.[7] Die Malerei an Decke und Wänden wird Tobias Querfurt 1715/20 zugeschrieben.[8] 1959/60 wurde der Saal restauriert. Dabei erfolgte die Freilegung der ursprünglichen Farbigkeit des Stucks. Wand- und Deckengemälde wurden gesichert, gereinigt und sparsam retuschiert.[9]

Beschreibung

Der Kaisersaal befindet sich im Westflügel über der Durchfahrt. Er durchmisst die gesamte Breite des Flügels und umfasst auch das obere Halbgeschoss. Der Raum wird von den Schmalseiten im Norden und Süden aus durch je zwei große Doppeltüren betreten. Zwischen diesen stehen zentrale Kamine. Die West- und Ostseite sind durchfenstert, wobei im Mezzaninbereich über den Fenstern Ochsenaugen sind. Im oberen Bereich ist eine umlaufende Porträtfolge von 18 Medaillons Fränkischer und Deutscher Könige und Kaiser angebracht. Hinzu kommen Karl der Große und sein Sohn Ludwig der Fromme über den Kaminen. Die stuckierte Decke präsentiert mehrere Bewirtungsszenen und Speisewunder aus dem Alten und Neuen Testament. Im Mittelfeld ist beispielsweise die Hochzeit zu Kana dargestellt.[10]

Der Kaiserzyklus

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Der Kaisersaal wurde zwar bereits 1704 eingeweiht, der Kaiserzyklus ist aber sehr wahrscheinlich von Tobias Querfurt erst 1715-20 geschaffen worden. 1959/60 wurde er gesichert, gereinigt und sparsam retuschiert.[11]

Beschreibung und Ikonographie

Der Zyklus umfasst 20 Porträts, beginnend mit Karl I. dem Großen und endend mit Karl IV.. Die vermuteten Mitbegründer der Abtei, Karl I. und Ludwig I. der Fromme sind ganzfigurig über den beiden Kaminen dargestellt. In Kartuschen über den Gemälden werden Namen und Regierungszeiten genannt. Die folgenden Könige und Kaiser sind als Bruststücke in Medaillons umlaufend in der oberen Wandzone zu sehen. Es sind im einzelnen Lothar I., Ludwig II. der Deutsche, Karl III., Arnulf von Kärnten, Heinrich I., Otto I. der Große, Otto II., Otto III., Heinrich II., Konrad II., Heinrich III., Lothar III., Konrad III., Friedrich I. Barbarossa, Otto IV., Rudolf I., Ludwig IV. der Bayer und Karl IV. Name und Regierungszeit sind im Bild selbst am oberen Rand angegeben.[12]

Die Decke des Kaisersaals

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Der Kaisersaal wurde bereits 1704 eingeweiht, die Deckengemälde in der von Giacomo Perinetti stuckierten Decke sind aber sehr wahrscheinlich erst 1715-20 von vermutlich Tobias Querfurt geschaffen worden. 1959/60 wurde die Decke restauriert und die Malerei gesichert, gereinigt und sparsam retuschiert.[11]

Beschreibung und Ikonographie

Die stuckierte Decke nimmt zahlreiche Malereien in Stuckrahmen auf. Um ein zentrales großes Oval herum sind vier Rundfelder über den Raumecken sowie weitere Kartuschen und rechteckige Felder angeordnet.[13] Das Mittelfeld zeigt die Hochzeit zu Kana. In den vier Rundfeldern erblickt man, wie Abraham die Engel bewirtet, wie Jesus Brot und Fisch vermehrt, das Treffen von Elieser und Rebekka am Brunnen sowie David und Abigail. Es sind Gastungsszenen und Speisewunder. Die beiden Felder an den Schmalseiten der Decke präsentieren zum einen Hagar und Ismael in der Wüste sowie zum anderen Elias in der Wüste unter dem Wacholderbaum. Hier wird gezeigt, wie Gott in der Not hilft. Hinzu kommen an den Längsseiten jeweils drei Darstellungen von Putten, die Gegenstände tragen, die im weitesten Sinne mit Mahlzeiten und Tafeln zu tun haben. An den beiden Schmalseiten des Hauptbildes erblickt man zudem je ein Stillleben mit Speisen und Getränken.

Die Hochzeit zu Kana

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Gemälde wird Tobias Querfurt zugeschrieben und wurde 1715-20 geschaffen. 1959/60 wurde die Malerei gesichert, gereinigt und sparsam retuschiert.[14]

Beschreibung und Ikonographie

Das Mittelbild zeigt eine Hochzeitsgesellschaft an einer reich gedeckten Tafel. Auf der Hochzeit sind auch Jesus und seine Jünger sowie seine Mutter Maria anwesend. Als der Wein ausgeht, weist Maria ihren Sohn Jesus darauf hin. Dieser fordert infolgedessen die Diener auf, sechs Wasserkrüge, die für die rituelle Reinigung bestimmt sind, mit Wasser zu füllen. Als ein Diener davon kostet, stellt sich heraus, dass sich das Wasser in Wein verwandelt hat. Auf der Darstellung sitzt Jesus links — kenntlich durch seinen Nimbus. Schräg hinter ihm befindet sich Maria blau-rot gewandet. Im Vordergrund links sind die sechs Krüge zu sehen.

Abraham bewirtet die Engel

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Gemälde wird Tobias Querfurt zugeschrieben und wurde 1715-20 geschaffen. 1959/60 wurde die Malerei gesichert, gereinigt und sparsam retuschiert.[14]

Beschreibung und Ikonographie

Eines Tages kommen drei Besucher bzw. Engel zu Abraham und sagen ihm voraus, dass seine Frau Sarah innerhalb eines Jahres einen Sohn bekommen wird. Abraham bewirtet die Gäste üppig mit einem Festmahl, anschließend ziehen sie weiter. Auf dem Bild sieht man die Engel links am Tisch, während Abraham rechts des Tisches auf die Knie gesunken ist.

Jesus vermehrt Brot und Fisch

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Gemälde wird Tobias Querfurt zugeschrieben und wurde 1715-20 geschaffen. 1959/60 wurde die Malerei gesichert, gereinigt und sparsam retuschiert.[14]

Beschreibung und Ikonographie

Auf einer Feier, auf der auch Jesus und seine Jünger anwesend waren, reichte das Geld nicht aus, allen Anwesenden zu Essen zu geben. Es waren nur fünf Brote und zwei Fische vorhanden. Jesus nahm jedoch die Brote und Fische, und teilte sie an 4.000 Leute aus, die so viel essen konnten, wie sie verlangten. Nach dem Mahl konnten mit den Resten zwölf Körbe gefüllt werden. Querfurt zeigt den Moment, in dem Jesus zu einem Brot greift, um mit der Verteilung zu beginnen.

Elieser und Rebekka am Brunnen

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Gemälde wird Tobias Querfurt zugeschrieben und wurde 1715-20 geschaffen. 1959/60 wurde die Malerei gesichert, gereinigt und sparsam retuschiert.[14]

Beschreibung und Ikonographie

Vor seinem Tod befahl Abraham seinem Knecht Elieser, in sein altes Heimatland zu gehen und dort eine Frau für seinen Sohn Isaak zu finden. Gott offenbart dem Elieser die Richtige durch die großzügige Tat des Wasserspendens. Denn Rebekka leistet seiner Bitte um Wasser Folge und gab ihm zu trinken. In Corvey erblickt man Rebekka zweimal: Einmal füllt sie rechts am Brunnen ihren Krug und einmal gibt sie links dem vor ihr knienden Elieser zu trinken.

David und Abigail

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Gemälde wird Tobias Querfurt zugeschrieben und wurde 1715-20 geschaffen. 1959/60 wurde die Malerei gesichert, gereinigt und sparsam retuschiert.[14]

Beschreibung und Ikonographie

Da der reiche Nabal es ablehnte, den vor König Saul flüchtenden David zu unterstützen, beschloss David, ihn zu töten. Nabals Frau Abigail gelang es jedoch, David von seinem Vorhaben abzubringen, indem sie zu ihm sprach und ihre Rede mit Geschenken unterstützte. Querfurt zeigt in der Mitte die vor dem links stehenden David kniende Abigail, während Diener rechts die Geschenke herbeitragen.

Hagar und Ismael

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Gemälde wird Tobias Querfurt zugeschrieben und wurde 1715-20 geschaffen. 1959/60 wurde die Malerei gesichert, gereinigt und sparsam retuschiert.[14]

Beschreibung und Ikonographie

Hagar war die zweite Frau Abrahams und zugleich Sklavin von dessen erster Frau Sarah. Hagar war zudem die Mutter des erstgeborenen Sohns von Abraham. Als aber auch Sarah einen Sohn gebar, kam es zu Konflikten zwischen den Frauen und Hagar wurde zusammen mit ihrem Sohn Ismael fortgeschickt. In der Wüste gingen ihr bald Nahrung und Wasser aus. Sie legte ihren verdurstenden Ismael unter einen Strauch in der Wüste und weinte über den bevorstehenden Tod des Sohnes. Daraufhin zeigte ihr ein Engel Gottes eine Quelle. Dieser Moment wird in Corvey dargestellt: Ein Engel auf einer Wolke zeigt der dankbar zu ihm aufblickenden Hagar die sprudelnde Quelle. Links schläft Ismael.

Elias unter dem Wacholderbaum

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Gemälde wird Tobias Querfurt zugeschrieben und wurde 1715-20 geschaffen. 1959/60 wurde die Malerei gesichert, gereinigt und sparsam retuschiert.[14]

Beschreibung und Ikonographie

Während der Prophet Elias sich in der Wüste befindet und schläft, weckt ihn ein Engel und weist ihn auf Brot und Wasser hin, das Gott für ihn bereitgestellt hat. Auf der Darstellung in Corvey ist Elias noch im Schlaf, Brot und Wasser sind jedoch bereits am Platz. Ein Engel auf einer Wolke weist auf die Nahrung.

Putten an der Decke des Kaisersaals

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Gemälde werden Tobias Querfurt zugeschrieben und wurden 1715-20 geschaffen. 1959/60 wurde die Malerei gesichert, gereinigt und sparsam retuschiert.[14]

Beschreibung und Ikonographie

Insgesamt sechs Bilder zeigen Putten vor blauem Wolkenhimmel. Auf einem Bild hantieren zwei von ihnen mit einer Kanne und Gläsern. Auf einem weiteren tragen zwei Putten eine Amphore. Ein weiteres Bild zeigt eine Putte, die einen Obstkorb über ihrem Kopf trägt. Ferner werden zwei Putten mit Früchten dargestellt. Ebenso gibt es eine Putte mit Rosenzweigen. Und nicht zuletzt erblickt man zwei Putten mit Kelch und Hostie, so dass die Putten nicht nur im weitesten Sinne auf Mahlzeiten stehen, sondern diese Mahlzeiten auch auf das Letzte Abendmahl bezogen werden können.

Stillleben an der Decke des Kaisersaals

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Gemälde werden Tobias Querfurt zugeschrieben und wurden 1715-20 geschaffen. 1959/60 wurde die Malerei gesichert, gereinigt und sparsam retuschiert.[14]

Beschreibung und Ikonographie

Gezeigt wird jeweils ein Tisch mit einem Korb. Der eine Korb enthält verschiedenes Obst. Links des Korbs steht ein Becher und rechts liegt ein Kürbis. Der andere Korb ist mit Weintrauben gefüllt. Links von ihm steht ein Teller mit einem Hummer, rechts von ihm ein Weinglas.

Der Sommersaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der so genannte Sommersaal ist 1706 vollendet worden. Der Raum wurde von Giacomo Perinetti stuckiert. Die Deckenmalerei kam wahrscheinlich erst 1715/20 durch vermutlich Tobias Querfurt hinzu.[15] Der Raum diente dem Fürstabt als Bücherzimmer.[16] Er wurde 1983 restauriert.[17]

Beschreibung

Der Raum reicht durch die ganze Tiefe des Flügels. Nach Norden und Süden hat er je drei Fenster. Die Wände haben über dem umlaufenden Gesims eine Hohlkehle mit Stichkappen, die zum Deckenspiegel überleiten. In den Lünetten befinden sich 14 runde Landschaftsbilder — jeweils fünf an den Längsseiten und zwei an den Schmalseiten. Die mittleren Medaillons an den Schmalseiten nehmen statt eines Gemäldes je eine Öffnung zu einem Fenster auf. Den Deckenspiegel schmückt ein großes Gemälde der Hl. Kunigunde, die über glühende Kohlen läuft.[18]

Die Feuerprobe der Kaiserin Kunigunde

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Deckenmalerei ist wahrscheinlich erst 1715/20 vermutlich von Tobias Querfurt geschaffen worden. Sie ist direkt auf den Putz gemalt.[19]

Beschreibung und Ikonographie

Das Gemälde zeigt die über glühende Kohlen gehende Kaiserin Kunigunde.[20] Sie war des Ehebruchs bezichtigt worden und unterzog sich, um ihre Unschuld zu beweisen, einem so genannten Gottesurteil, das darin bestand, über glühende Pflugscharen zu schreiten. Sie konnte Ihre Unschuld damit beweisen. Statt der Pflugscharen hat Querfurt glühende Kohlen gemalt, über die die Kaiserin leichtfüßig schreitet. Links stehen ihre besorgten Hofdamen, rechts sitzt ihr Ehemann Kaiser Heinrich IV. auf dem Thron, umgeben von seinem Hofstaat.

Malerei in den Lünetten des Sommersaals

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Gemälde wurden wahrscheinlich erst 1715/20 durch vermutlich Tobias Querfurt in Öl auf Leinwand gemalt.[19]

Beschreibung und Ikonographie

Die 14 Landschaften sind monochrom blau in blau gemalt. Zu sehen sind Städte, Bauten und Festungen, Felsen, ein Leuchtturm sowie ein Sonnenaufgang. Teilweise sind im Vordergrund Staffagefiguren dargestellt.

Das Turmzimmer

Turmzimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Turmzimmer wurde zusammen mit dem Schloss erbaut und war vermutlich 1707 vollendet. Unter Abt Caspar von Böselager wurde der Raum um 1740 umgestaltet.[21]

Beschreibung

Das quadratische Turmzimmer ist im Turm an der Nordwestecke gelegen und hat Fenster in allen vier Himmelsrichtungen.[21]

Die Reste des Deckenbildes

An der Decke befinden sich Reste einer in Stuck gefassten Deckenbemalung. Aufgrund der starken Beschädigung ist der Inhalt der Darstellung nicht mehr zu bestimmen. Die Malerei ist in roten Farben gehalten. Durch aufbrechende Wolken hindurch erblickt man eine Frau, die von Putten mit Girlanden geschmückt wird.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Arnhold, Corvey, 2011. – Arnhold, Elmar: Corvey. Ehemalige Reichsabtei und Residenz. Braunschweig 2011.
  • Arnhold/Paulus, Corvey, 2006. – Arnhold, Elmar/Paulus, Simon: Schloss Corvey. In: Paulus, Simon (Red.): Hermann Korb und seine Zeit: 1656-1735. Barockes Bauen im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Wolfenbüttel/Braunschweig 2006, S. 98-99.
  • Brüning, Corvey, 1984. – Brüning, Hans Joachim: Zur Kunst- und Baugeschichte der Abtei Corvey in der Barockzeit. In: Westfalen. Hefte für Geschichte und Volkskunde 62 (1984), S. 129-152.
  • Brüning, Corveyer Bibliothek, 1984. – Brüning, Hans Joachim: Die klassizistische Einrichtung der Corveyer Bibliothek. In: Westfalen. Hefte für Geschichte und Volkskunde 62 (1984), S. 153-171.
  • Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
  • Grote, Bey-Zierden, 2006. – Grote, Hans-Henning: Von den Bey-Zierden der Architectur. Welche durch Mahlerey und Bildhauerey zuwege gebracht werden. In: Paulus, Simon (Red.): Hermann Korb und seine Zeit: 1656-1735. Barockes Bauen im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Wolfenbüttel/Braunschweig 2006, S. 267-272.
  • Hanemann, Corvey, 1947. – Hanemann, August: Schloß Corvey an der Weser. Ein Abriß seiner Geschichte und seines Baues. Höxter 1947.
  • Hengst, Klosterbuch, 1992. – Hengst, Karl (Hrsg.): Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung. Teil 1, Ahlen-Mühlheim (Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschichte, Band 2). Münster 1992.
  • Kelsch, Querfurt, 1983. – Kelsch, Wolfgang: Die Künstlerfamilie Querfurt im Spiegel barocker Hofkultur des Herzogs Anton Ulrich. Zum 350. Geburtstag des Herzogs Anton Ulrich am 4. Oktober 1983. In: Braunschweigische Heimat 69 (2/1983), S. 33-47.
  • Lobbedey, Corvey, 2005. — Lobbedey, Uwe: Corvey. Kirche, ehemaliges Kloster und heutige Schlossanlage, München 2005.
  • Mette, Klosteranlagen, 1993. – Mette, Michael: Studien zu den barocken Klosteranlagen in Westfalen. Bonn 1993.
  • Püttmann, Klosterarchitektur, 1982. – Püttmann, Klaus: Westfälische Klosterarchitektur der Barockzeit. In: Monastisches Westfalen. Klöster und Stifte 800-1800. Münster 1982, S. 485-498.
  • Tiggesbäumker, Corvey, 2004. – Tiggesbäumker, Günter: Die fürstliche Bibliothek zu Corvey (Westfälische Kunststätten, 17). Münster 2004.
  • Tiggesbäumker, Corvey, 2008. — Tiggesbäumker, Günter: Corvey. Zeuge einer großen Vergangenheit, Berlin 2008.
  • Tiggesbäumker, Corvey, 2019. —Tiggesbäumker, Günter: Welterbe Corvey. Schloss — Kirche — Museum. Lindenberg 2019.
  • Westfalen 46 (1968). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 46. Münster 1968.
  • Archivalien:
  • LWL, Corvey. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Höxter-Corvey. ehem. Kloster / Schloß Corvey, Nebenakte Schloss – Bibliothek.

Einzelnachweise

  1. Tiggesbäumker, Corvey, 2019; Arnhold, Corvey, 2011; Dehio, Westfalen, 2011, S. 489-497; Tiggesbäumker, Corvey, 2008; Lobbedey, Corvey, 2005; Mette, Klosteranlagen, 1993; Brüning, Corvey, 1984; Püttmann, Klosterarchitektur, 1982, S. 489-491; Hanemann, Corvey, 1947.
  2. Arnhold, Corvey, 2011, S. 33, 35, 40; Dehio, Westfalen, 2011, S. 490-492, 496-497; Arnhold/Paulus, Corvey, 2006, S. 98-99; Brüning, Corvey, 1984, S. 147-151; Püttmann, Klosterarchitektur, 1982, S. 189-490; Hanemann, Corvey, 1947, S. 13-14.
  3. Arnhold, Corvey, 2011, S. 35; Grote, Bey-Zierden, 2006, S. 268; Kelsch, Querfurt, 1983.
  4. Arnhold, Corvey, 2011, S. 32-37; Dehio, Westfalen, 2011, S. 496-497; Arnhold/Paulus, Corvey, 2006, S. 98-99. Hanemann, Corvey, 1947, S. 13, 16-19.
  5. Tiggesbäumker, Corvey, 2019, S. 40-41, 44-45; Arnhold, Corvey, 2011, S. 38-53; Dehio, Westfalen, 2011, S. 496; Brüning, Corvey, 1984, S. 150; Brüning, Corveyer Bibliothek, 1984, S. 158-161; Püttmann, Klosterarchitektur, 1982, S. 491.
  6. Tiggesbäumker, Corvey, 2019, S. 41-44; Arnhold, Corvey, 2011, S. 42-44; Hanemann, Corvey, 1947, S. 19.
  7. Arnhold, Corvey, 2011, S. 35; Dehio, Westfalen, 2011, S. 496; Tiggesbäumker, Corvey, 2008, S. 43.
  8. Arnhold, Corvey, 2011, S. 35; Arnhold/Paulus, Corvey, 2006, S. 98-99; Grote, Bey-Zierden, 2006, S. 268.
  9. Westfalen 46 (1968), S. 245.
  10. Tiggesbäumker, Corvey, 2019, S. 41-44; Arnhold, Corvey, 2011, S. 42-44; Mette, Klosteranlagen, 1993, S. 28-29; Püttmann, Klosterarchitektur, 1982, S. 489, 491; Hanemann, Corvey, 1947, S. 19.
  11. 11,0 11,1 Arnhold, Corvey, 2011, S. 35, 42-44; Grote, Bey-Zierden, 2006, S. 268; Arnhold/Paulus, Corvey, 2006, S. 98-99; Westfalen 46 (1968), S. 245.
  12. Arnhold, Corvey, 2011, S. 42-44; Mette, Klosteranlagen, 1993, S. 28-29; Püttmann, Klosterarchitektur, 1982, S. 491; Hanemann, Corvey, 1947, S. 19.
  13. Arnhold, Corvey, 2011, S. 42-44.
  14. 14,0 14,1 14,2 14,3 14,4 14,5 14,6 14,7 14,8 Arnhold, Corvey, 2011, S. 35, 42-44; Arnhold/Paulus, Corvey, 2006, S. 98-99; Grote, Bey-Zierden, 2006, S. 268; Westfalen 46 (1968), S. 245.
  15. Arnhold, Corvey, 2011, S. 35.
  16. Brüning, Corveyer Bibliothek, 1984, S. 161.
  17. LWL, Corvey.
  18. Tiggesbäumker, Corvey, 2019, S. 44-45; Arnhold, Corvey, 2011, S. 48-49; Hanemann, Corvey, 1947, S. 18.
  19. 19,0 19,1 Arnhold, Corvey, 2011, S. 35. LWL, Corvey.
  20. Lobbedey, Corvey, 2005, S. 21.
  21. 21,0 21,1 Arnhold, Corvey, 2011, S. 46-47.