Brakel, Haus Rheder
Inventarnummer: cbdd10138
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In Haus Rehder hat sich eine transozierte Deckenmalerei von Johann Martin Pictorius (1720) erhalten. Sie zeigt Götter als Planeten zusammen mit den von ihnen beherrschten Tierkreiszeichen. Weiter Räume bergen Wandbespannungen mit Chinoiserien von ca. 1770 und Jagdtropäen von ca. 1800.

Haus Rheder
Bau- und Besitzergeschichte
Haus Rheder[1] wurde im Auftrag von Freiherr Franz-Josef von Mengersen 1750 vermutlich nach Plänen von Johann Conrad Schlaun erbaut, die wohl nur sehr gering auf Planungen von Lambert Friedrich Corfey und Gottfried Laurenz Pictorius zurückgingen. Bereits 1714 hatte Corfey Pläne zur Gesamtanlage gezeichnet und ab 1716 war eine Vorburg von Bruno Burchard von Mengersen beauftragt worden, die entgegen der ursprünglichen Planungen nicht durch Corfey oder Pictorius, sondern bis 1727 unter der Bauleitung Schlauns errichtet worden war, der Pläne Pictorius‘ von 1717 mit einbezog. 1686 wurde eine Brauerei gegründet, die bis heute in der Vorburg ihren Sitz hat. Die von Mengersen waren Erbtorhüter von Paderborn und gründeten 1770 den Mengerschen Fideikommiss. 1814 wurden sie in den erblichen Grafenstand erhoben. Im Erbgang gelangte Haus Rheder 1879 an die von Spiegel, in deren Besitz es bis heute (2020) ist.
Baubeschreibung
Die so genannte Vorburg ist ein dreiflügeliges Ökonomiegebäude von zwei Geschossen mit risalitartigem zentralem Torhaus und polygonalen Ecktürmen. Es ist zum Hauptgebäude hin geöffnet und grenzt das Schlossareal nach Osten zur Ortschaft hin ab.
Das schlichte zweigeschossige Hauptgebäude von elf Achsen über Sockelgeschoss öffnet sich zur Eingangsseite mit kurzen Seitenflügeln von je drei Achsen Breite und einer Achse Tiefe. Der schwach betonte einachsige Mittelrisalit wird von einem Dreidecksgiebel überfangen und ist wie die Gebäudeecken mit Lisenen eingefasst. Eine zweiarmige Freitreppe erschließt die zentrale Eingangstür mit Datierung 1750 und alter Adelskrone über der Tür. An der siebenachsigen Gartenseite treten die drei mittleren Achsen pavillonartig polygonal (3/8) vor. Ehemals schlossen zu beiden Seiten Terrassen über dem verlängerten Sockelgeschoss mit angrenzenden Orangerien an. Nur die an der Südseite hat sich erhalten.
Im Innern erschließt ein zweiachsiges zentrales Vestibül zur Linken (Süden) ein Treppenhaus, zur Rechten ein so genanntes Jagdzimmer und zur Parkseite den so genannten Gartensaal. Die beidseitig angrenzenden Repräsentationsräume an der Gartenseite sind in Enfilade angeordnet. Im linken Seitenflügel befindet sich hinter dem Treppenhaus im Sockel- und Erdgeschoss eine Kapelle, die auch direkt vom Hof aus betreten werden kann.
Gartensaal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der wohl von den Brüdern Bernhard Metz und Johann Nepomuk Metz reich stuckierte Gartensaal[2] ist leicht überhöht und hat den Grundriss eines gelängten Achteckes. Er wurde 1961 restauriert.
Bechreibung
An der Ostseite werden die Ecken durch Spiegelkamine besetzt. In die stuckgegliederten Wände sind im oberen Drittel umlaufend Gemälde eingelassen, so über den Türen und Kaminspiegeln, wobei Wandfeld und Tür/Kamin sich abwechseln. Die drei durchfensterten Wände zum Garten lassen nur Raum für Malerei zwischen den Fenstern, nicht aber über ihnen.
Der Gemäldezyklus der Famlie von Mengersen
Der Eintretende erblickt zuerst zwischen den Fenstern auf Friedrich Christian von Mengersen (links) als Komtur des Deutschen Ordens zu Mecheln sowie Clemens August Constantin von Mengersen (rechts) in Talar mit Bäffchen, der in Hildesheim und Paderborn hohe Ämter innehatte und den Fideikommiss begründete. Wendet man sich zurück, erblickt man an der Eingangsseite links neben der Eingangstür Ferdinand Mauritz Falco Franz von Mengersen in Feldherrnpose und rechts Wilhelm Werner von Mengersen mit schwarzem Talar und weißem Kragen. Sind die bisher genannten Bilder wohl vor 1772 geschaffen worden, muss dieses Gemälde zwischen 1776 und 1778 entstanden sein, als Wilhelm Werner Propst der Benediktinerpropstei von Johannisberg bei Fulda war. An herausgehobener Stelle über den Spiegelkaminen sind der Bauherr und seine Ehefrau zu sehen. Franz Joseph von Mengersen erblickt man in der nordöstlichen Raumecke als Mitglied des Ritterordens vom heiligen Michael. In der Südwestecke ist als Pendant Sophie Antoinette von Mengersen mit Schoßhündchen zu sehen. Alle Gemälde sind annährend gleich groß und als Hüftstücke geschaffen. Teilweise wird das Würdemotiv eines Vorhangs bemüht, meistens ist der Bildhintergrund unbestimmt. Lediglich bei Sophie Antoinette und Wilhelm Werner ist ein Innenraum angedeutet.
Die kleinen Ovalgemälde rechts und links der Türen zu den nach Norden und Süden angrenzenden Räumen unterscheiden sich von den bisher genannten. Zum Süden hin sind die Eltern des Bauherrn - Burchard Bruno von Mengersen und Maria Theresia von Mengersen – zu sehen. Die Gemälde werden auf vor 1772 datiert und müssen von Stratmann nach älteren Vorlagen geschaffen worden sein, da beide bereits 1730 bzw. 1740 verstorben waren. Es handelt sich um Bruststücke, während die Gemälde an der Nordseite Hüftstücke sind. Sie zeigen Clemens August Bruno von Mengersen links und seine Frau Maria Anna Felicitas von Mengersen rechts und werden beide um 1780 datiert.
Die übrige Malerei
Die drei Supraporten mit mythologischen Szenen sind jüngeren Datums und haben keinen Bezug zu den Familienporträts. Das nahezu glatte Spiegelgewölbe nahm 1772 nachweislich ein von Stuck umgebenes, heute verlorenes Deckengemälde auf. Sein Thema ist unbekannt. Heute befindet sich hier ein Ersatz, der aus dem nördlichen Eckpavillon der Vorburg stammt.
Deckengemälde

Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckenbild[3] von 1720 schuf Johann Martin Pictorius. Es ist transloziert und stammt aus dem nördlichen Eckpavillon der Vorburg. 1961 wurde es gesichert und gereinigt.[4]
Beschreibung und Ikonografie
Dargestellt ist Sol-Apoll im Olymp. Der Sonnengott sitzt auf einer Wolke mit strahlendem Haupt. Seine rechte Hand ruht auf der Lyra, seine linke auf einem Löwen. Effektvoll flattert sein rotes Gewand. Zu seiner Rechten sitzt Jupiter mit seinem Adler. Dieser hält ein Blitzbündel im Schnabel, Jupiter eines in seiner linken Hand, während seine rechte lässig ein Zepter hält. Ihm zugehörig ist der Schütze im Hintergrund. Schräg vor Jupiter hat sich Luna-Diana mit Monddiadem niedergelassen. Ihr zugeordnet ist ein Krebs, der über die Wolke kriecht, auf der sie sitzt. Sie hält in ihrer rechten Hand eine brennende Fackel und sieht auf Merkur, der sich ihr gegenüber niedergelassen hat und dem Betrachter den Rücken zukehrt. Ihm ist eine Jungfrau mit Rosen beigegeben. Sie stellt als einzige der Figuren Blickkontakt zum Betrachter her. Rechts von Sol-Apoll ist Saturn zu sehen, wie er eines seiner Kinder verspeist. In seiner linken hält er eine Sichel. Rechts, vom Bildrand überschnitten, erblickt man einen Wassermann, der einen Krug Wasser ausgießt. Vor Saturn sitzen Mars und Venus mit Amor. Venus hält eine Waage in der Hand. Zu Füßen des Mars erblickt man einen Skorpion. Dass es sich bei den dargestellten Göttern um Planeten handeln soll, verdeutlichen die Sterne, die bis auf Sol und Luna alle Figuren über der Stirn tragen. Kennzeichnend für die Darstellung in Rheder ist die Zuordnung bestimmter Tierkreiszeichen zu bestimmten Planeten, die nach Claudius Ptolemäus die Herrscher des jeweiligen Zeichens sind wie etwa Sonne und Löwe.
Komposition und Ansichtigkeit
Die Figuren sind im Kreis angeordnet. Heute ist die Ansichtigkeit auf den Garten hin ausgerichtet und nicht auf das Vestibül und damit den Eintretenden. Ob die Malerei auf ehemalige Lichtverhältnisse Bezug nahm, ist unbekannt. Der ursprüngliche Raum im nördlichen Eckpavillon der Vorburg ist nicht mehr erhalten. Im Obergeschoss des Pavillons lag ein Gartensaal mit sternförmigem Parkett.[5]
Chinesisches Zimmer
Beschreibung
Das Chinesische Zimmer[6] liegt an der Gartenseite Richtung Norden und ist das letzte der Raumfolge. Eine Tür im Norden und eine im Osten erschließen es. Nach Westen gewähren zwei Fenster Aussicht in den Garten. An der Ostseite sind die Raumecken abgeschrägt, die nordöstliche nimmt eine Ofennische auf. Über der Nordtür ist in die Wand eine Supraporte eingelassen, die Diana im Bade zeigt.
Die chinoise Wandbespannung schuf ein unbekannter Künstler um 1770. Die Rapporte zeigen vegetabile Ranken, in die vor allem in der mittleren Zone einzelne figürliche Darstellungen eingelassen sind, die Chinesen darstellen sollen. Diese befinden sich auf einem Bodenstreifen, gehen verschiedenen Beschäftigungen nach, sie sitzen, tragen Gegenstände oder haben Tiere bei sich. Einer reitet. Oft findet sich ein Baum, selten eine Architektur bei der Darstellung. Ferner sind über die Tapete fliegende Vögel verteilt.
Jagdzimmer
Raum und Ausstattungsgeschichte
Das sogenannte Jagdzimmer[6] im Norden des Vestibüls weist mit zwei Fenstern auf den Hof hinaus. Der rechteckige Raum hat an der Westseite abgeschrägte Ecken, die einen Einbauschrank sowie eine Ofennische aufnehmen. Die Wandfelder sind mit auf Leinwand gemalten Jagdtrophäen bedeckt. Die Wandbespannung ist um 1800 geschaffen worden, die Malerei wurde aber 1866 von Gräfin zu Münster-Ledenburg übermalt. 1980/81 wurde die Leinwandbespannung durch die Firma Ochsenfarth restauriert.[7] Kleine Sichtfenster in der Malerei lassen erkennen, dass die ursprüngliche Thematik der Trophäen wohl nicht verändert wurde, wohl aber die dekorative Rahmung.
Beschreibung der Wandmalerei
Im Einzelnen sind dargestellt an der Südwand neben der Eingangstür ein Hirsch und Fasan, die an einem Nagel hängen sowie Obst und Gemüse am Boden. An der Westwand links neben der Tür erblickt man in einem Netz an einem Nagel Fische und Krustentiere sowie eine Tonne, einen Fangkorb und Fischspeere. Bei dieser Malerei ist partiell das Original freigelegt. Man erkennt deutlich, dass Münster-Ledenburg 1866 zwar die Jagdbeute korrekt – wenn auch in anderen Farben – wiederholte, die dekorative Rahmung jedoch eine andere ist, als ursprünglich. Rechts der Tür erblickt man Hasen und Vögel zusammen mit einem Jagdhorn und einer Jagdbüchse, ebenfalls an einem Nagel. Einen Boden mit Früchten, Pflanzen oder Tieren gibt es bei den beiden Malereien an der Westwand nicht. An der Nordwand neben der Tür wird ein Rehbock zusammen mit einer Ente und weiteren Vögeln präsentiert. Wie der Hirsch gegenüber ist er mit vier Läufen an einen Nagel aufgehängt. Auch hier ist wieder ein Bodenstreifen zu sehen mit einer jungen Entenfamilie im Wasser, die von einem Fuchs am Ufer beobachtet wird. Über der Darstellung erblickt man auf der abschließenden Stange ein weißes Taubenpaar. An der Ostwand links neben den Fenstern werden Gans, Hahn und Taube sowie weitere kleine Vögel, Feldblumen und Kornähren gezeigt. Rechts neben den Fenstern sind es Reiher, Ente und Rohrkolben. Zwischen den Fenstern erblickt man feiernde, Wein trinkende Zwerge. Das zentrale Weinfass ist mit 1866 datiert. Diese Darstellung geht auf keine Vorlage um 1800 zurück, sondern kam 1866 hinzu.
Die Jagdstücke sind klar nach ihrer Bedeutung verteilt. Die hohe Jagd auf Hirsch und Reh ist an den Schmalseiten zu sehen, wobei der Hirsch im Süden den höchsten Status hat. An der West und Ostwand sind die mittlere und niedere Jagd mit Fischen und Vögeln zu sehen. Das bäuerliche Geflügel in der Nordostecke ist bereits schon nicht mehr als Jagdwild anzusprechen.
Bibliographie
- Literatur:
- Bálint, Schlösser, 2002. – Bálint, Anna: Burgen, Schlösser und historische Adelssitze im Kreis Höxter. Höxter 2002.
- Böker, Corfey, 1989. – Böker, Johann Josef: Unbekannte Planzeichnungen Lambert Friedrich Corfeys. In: Westfalen 67 (1989), S. 171–183.
- Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
- Matzner/Schulze, Schlaun 1995. – Matzner, Florian/Schulze, Ulrich: Johann Conrad Schlaun. 1695-1773. Das Gesamtwerk. 2 Bde. Köln 1995.
- Niemer, Pictorius, 2002. – Niemer, Jörg: Gottfried Laurenz Pictorius. Diss. Münster 2002. http://repositorium.uni-muenster.de/document/miami/922c6b89-9a77-4760-b90f-99cf90bdcd29/diss_niemer_.pdf
- Platte, Rheder, 2005. – Platte, Hartmut: Haus Rheder bei Brakel und seine adeligen Besitzer v. Mengersen - v. Spiegel. Werl 2005.
- Strohmann, Stratmann, 1997. – Strohmann, Dirk: Anton Joseph Stratmann 1734-1807. Leben und Werk eines Malers aus dem Paderborner Hochstift (Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte, 33). Paderborn 1997.
- Westfalen 41 (1963). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 41. Münster 1963.
- Westfalen 67 (1989). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 67. Münster 1989.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 190-191; Platte, Rheder, 2005; Niemer, Pictorius, 2002, S. 148; Bálint, Schlösser, 2002, S. 146; Matzner/Schulze, Schlaun 1995, S. 27; Böker, Corfey, 1989, S. 172-173.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 190; Strohmann, Stratmann, 1997, S. 86; Westfalen 41 (1963), S. 210.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 190; Bálint, Schlösser, 2002, S. 146.
- ↑ Westfalen 41 (1963), S. 210.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 190-191.
- ↑ 6,0 6,1 Dehio, Westfalen, 2011, S. 190.
- ↑ Westfalen 67 (1989), S. 434.