Bonndorf im Schwarzwald, Schloss und Priorat
Inventarnummer: cbdd10481
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Im reichsunmittelbaren Bonndorf beauftragte Abt Blasius III. Bender von St. Blasien 1726 den jungen Franz Joseph Spiegler mit einer Aussendung der Apostel zwischen den vier Kontinenten. Für die Voute erdachte er ein persönliches, in vielfältiger Weise auf sein Wappen anspielendes Programm.

Das Bauwerk
Rechtlicher Status
Bonndorf im Schwarzwald war eine Reichsherrschaft (später Grafschaft) knapp außerhalb des vorderösterreichischen Herrschaftsgebiets. Für die Äbte des in Vorderösterreich landsässigen Benediktinerklosters St. Blasien war Bonndorf deshalb besonders attraktiv. Der vollständige Erwerb von Bonndorf gelang dem Kloster unter Abt Martin I. (amt. 1596–1625) im Jahr 1613.[1] Als Inhaber der Grafschaft wurde Abt Franz Schächtelin von St. Blasien (amt. 1727–1747) im Jahr 1746 in den Reichsfürstenstand erhoben.[2]
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Schloss wurde 1592–1594 von den Herren von Mörsperg nach einem Brand völlig neu errichtet.[3] Möglicherweise handelte es sich um ein Wasserschloss.[4] Da in den Quellen mehrfach ein „Bawmaister vom Mösskirch“ erwähnt wird, könnte Jörg Schwartzenberger das Gebäude entworfen haben.[5]Nach dem Erwerb der Grafschaft durch St. Blasien wurde im Schloss ein Priorat eingerichtet.
Die mehrfach erneuerte Bemalung des dreigeschossigen Außenbaus mit einer Eckrustika und Fensterädikulen wird in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts, also in die Zeit des Priorats gegeben.[6] Gut erkennbar anhand der Ornamentik ist der Sachverhalt, dass der rechteckige Baukörper mit den schwellenden Akanthusblättern in den Giebelfeldern gegen Ende des 17. Jahrhunderts bemalt worden sein dürfte, wohingegen der rückwärtige Treppenhausrisalit in den Giebelfeldern Bandelwerk erkennen lässt, also in die Zeit des 1723/1724 beginnenden Umbaus datieren ist.
Den barocken Umbau, bei dem die Giebel des einstigen Satteldachs durch Walmdächer ersetzt wurden, initiierte Abt Blasius III. Bender (amt. 1720–1727).[7] In Anbetracht der vorerwähnten Bemalung des Außenbaus dürfte damals auch der rückwärtige Treppenhausrisalit hinzugekommen sein, der einen Vorgänger- (vielleicht polygonalen) Treppenturm der Renaissance ersetzt haben dürfte. Die Maßnahmen begannen Ende des Jahres 1723 oder Anfang 1724.[8] An einem Portal findet sich die Jahreszahl 1726, doch war angeblich der Umbau beim Tod des Abts 1727 noch nicht ganz abgeschlossen.[6]
Der Architekt des Umbaus war Franz Joseph Vogel, Gipser und Maurer aus Freiburg.[9] Von ihm stammen auch die Stuckaturen im zweiten Obergeschoss.[9] Im Inneren ließ Abt Bender das zweite Obergeschoss umgestalten. Dort haben sich einige Räume mit Stuckdecken sowie der an der Decke ausgemalte Saal erhalten. Unter Abt Martin II. Gerbert (amt. 1764–1793) wurde das erste Obergeschoss mit Rokokostuck an der Decke neu gestaltet.[6]
Saal im zweiten Obergeschoss
Saal mit eigens aufgestocktem Spiegelgewölbe
Der große Saal im zweiten Obergeschoss erstreckt sich über drei Achsen durch die gesamte Tiefe des Baus. Er befindet sich links des Eingangs hinter den drei Fensterachsen zwischen polygonalem Standerker und der Mittelachse, die er miteinschließt. Der Zugang zum Saal erfolgt über das Treppenhaus im rückwärtigen Mittelrisalit. Die ursprüngliche Treppensituation des Schlosses sowohl was den Renaissancebau als auch den barocken Umbau anbelangt, ist im Detail noch nicht geklärt.
Entlang der beiden Schmalseiten und an den Rändern der Längsseiten verläuft die Saaldecke völlig flach und ist vor allem niedriger als in der Mitte des Raumes. In der Mitte wurde die Decke beim barocken Umbau als Spiegeldecke erhöht. Dadurch wurde der Raum höher und es kam eine Voute hinzu, die mit den Szenen zu Abt Benders Wappen ausgemalt wurde. Die nachträgliche Erhöhung lässt sich auf dem Dachboden erkennen, müsste in ihrer speziellen Konstruktion jedoch erst noch untersucht werden.
Kaminaufsatz mit Abtswappen
Erhalten hat sich aus der Bauzeit der Kamin oder zumindest der Kaminaufsatz. Typologisch folgt er einem französischen Kamin mit einem großen, bis zum Gesims reichenden Feld über der Kamineinfassung. Es nimmt keinen Spiegel auf, sondern Bandelwerkstuck, der das Wappen Abt Benders mit Stern, Krone, Küferhammer und Kleeblättern umrahmt. Darüber steht etwas kleiner das Wappen von Abt Benders Nachfolger Abt Schächtelin mit dem Hirsch für St. Blasien und dem geschachteten Schrägbalken für Abt Schächtelin.[10] Darunter befinden sich als grüne Bäumchen die drei auf einem Dreiberg stehenden bewurzelten grünen Bohnenstengel für Bonndorf.[11]
Aussendung der Apostel zwischen den vier Kontinenten und Tugenden
Franz Joseph Spiegler (1691–1757) arbeitete frühestens ab Mai 1726 im Bonndorfer Priorat.[12] Die freskierten Deckengemälde wurden stark übermalt und gelten deshalb als stilistisch entstellt.[13]
Das zentrale Deckengemälde rechnet mit einem Betrachter, der mit dem Rücken zur Fensterfront steht. Es tritt damit zwar nicht unmittelbar nach dem ersten Betreten des Raums nach dem Treppenhaus vor Augen, doch sieht man es in besonders gutem, nicht blendenden, da von hinten kommenden Licht.
Aussendung der Apostel

Europa
Asien
Afrika
Amerika
Glaube
Hoffnung
Zwei Putten der Caritas
Putto mit Säule der Fortitudo
Heraldisches Programm der Voute
Jeweils in der Mitte der Vouten beginnen bemalte Felder, deren Himmel in den flachen Teil des Spiegelgewölbes hineinragt. Sowohl formal als auch inhaltlich verbinden diese vier ebenfalls von Franz Joseph Spiegler gemalten Felder die irdische mit der himmlischen Sphäre. Sie bestehen jeweils aus einer in Untersicht gegebenen Scheinbalustrade, vor und auf der sich Putten tummeln. Die Putten spielen mit den Bestandteilen des Wappens von Abt Blasius III. Bender.
Das Wappen enthält für den Namen Bender (Fassbinder) markante Utensilien des Küferhandwerks wie das Fass, die Bänder und den Küferhammer. Gleichzeitig mit der Zerlegung des Wappens hat, hat Spiegler die vier Felder durch die Gegenüberstellung von Tag und Nacht sowie Frühjahr und Herbst inhaltlich miteinander verbunden.[14] Für das Frühjahr spielen Putti mit den Kleeblättern des Wappens, für den Herbst bauen sie an einem Fass. Für die Nacht steht ein hell leuchtender Stern am tiefblauen Himmel, für den Tag wird die Büste Abt Benders von Putten bekrönt.
Putten binden ein Fass
Putten krönen die Büste von Blasius Bender
Putten mit Kleeblättern
Putten weisen auf einen Stern
Die päpstliche Kirche besiegt die Häretiker
Bibliographie
- • AK Freiburg 2020 = Ausst.-Kat. Der Schatz der Mönche. Leben und Forschen im Kloster St. Blasien, hg. von Guido Linke für die Städtischen Museen Freiburg und die Erzdiözese Freiburg, Katalog: Petersberg bei Fulda 2020, Kat.-Nr. 87.
- • Booz, St. Blasien, 2001 = Paul Booz, Bau- und Kunstgeschichte des Klosters St. Blasien und seines Herrschaftsbereichs, hg. von Marianne Booz, Freiburg im Breisgau 2001.
- • Grube, Amtshäuser, 1981 = Walter Grube, Barocke Amtshäuser in Baden-Württemberg. Zur Geschichte südwestdeutscher Ämterverwaltung, hg. vom Landkreistag Baden-Württemberg (Schriftenreihe des Landkreistags Baden-Württemberg, 2), Stuttgart 1981, S. 106–107.
- • Kolb, Spiegler Kostbarkeiten, 1991 = Nanette und Raimund Kolb, Franz Joseph Spiegler. Historien- und Freskenmaler. Kostbarkeiten barocker Malerei 1691–1757. F. J. Spiegler zum 300. Geburtstag (Peda-Kunstführer, 100), Passau 1991.
- • Kolb, Spiegler, 1991 = Raimund Kolb, Franz Joseph Spiegler (1691–1757). Barocke Vision über dem See. Erzähltes Lebensbild und wissenschaftliche Monographie, Bergatreute 1991, S. 335–336.
- • Neubert, Spiegler, 2007 = Michaela Neubert, Franz Joseph Spiegler 1691–1757, Weißenhorn 2007.
- • Wörner, Bonndorf, 1977 = Judith und Hans Jakob Wörner, Das ehem. fürstliche Schloß zu Bonndorf. Bemerkungen zu seiner Baugeschichte, Sonderdruck aus der Reihe „Heimat am Hochrhein“ des Geschichtsvereins Hochrhein, Waldshut-Tiengen 1977.
Einzelnachweise
- ↑ Wörner, Bonndorf, 1977, S. 8.
- ↑ Grube, Amtshäuser, 1981, S. 106; AK Freiburg 2020, S. 165, Kat.-Nr. 87 (Guido Linke).
- ↑ Wörner, Bonndorf, 1977, S. 6.
- ↑ Wörner, Bonndorf, 1977, S. 6–7.
- ↑ Booz, St. Blasien, 2001, S. 284.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Wörner, Bonndorf, 1977, S. 9.
- ↑ Wörner, Bonndorf, 1977, S. 9; Booz, St. Blasien, 2001, S. 283–289.
- ↑ Booz, St. Blasien, 2001, S. 283.
- ↑ 9,0 9,1 Wörner, Bonndorf, 1977, S. 11.
- ↑ Zum Wappen von Abt Schächtelin: AK Freiburg 2020, S. 165, Kat.-Nr. 87 (Guido Linke).
- ↑ Vgl. AK Freiburg 2020, S. 165, Kat.-Nr. 87 (Guido Linke).
- ↑ Neubert, Spiegler, 2007, S. 113.
- ↑ Neubert, Spiegler, 2007, S. 112.
- ↑ Kolb, Spiegler, 1991, S. 335; vgl. auch Neubert, Spiegler, 2007, S. 113, Anm. 612.