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Bonn Poppelsdorf, Lustschloss Clemensruhe

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Bonn-Poppelsdorf, Lustschloss "Clemensruhe", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/6d4ed4fc-09ee-4d01-8655-4395d53f26ee

Inventarnummer: cbdd10367

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Die Malerei des kurkölnischen Lustschlosses Clemensruhe ist zerstört und kann nur anhand historischer Beschreibungen und Abbildungen rekonstruiert werden. An der Decke des Schlosskapelle befand sich ein fünfteiliger Freskenzyklus von Johann Adam Schöpf zum Leben des heiligen Isidor von Madrid.

Schloss "Clemensruhe"

Kurzbeschreibung und Lage

Schloss Clemensruhe[1] in Bonn-Poppelsdorf wurde 1715-23 sowie 1744-56 erbaut, im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und bis 1959 verändert wieder aufgebaut. Es ist im Südwesten der ehemaligen Residenzstadt Bonn gelegen und axial über die Poppelsdorfer Allee mit dem so genannten Buen-Retiro-Flügel des Bonner Residenzschlosses verbunden.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das ehemalige Lustschloss steht an Stelle einer mittelalterlichen Burg, die 1657 abgerissen wurde. 1715-23 entstand an ihrer Stelle für Kurfürst Joseph Clemens ein Lustschloss nach geänderten Plänen von Robert de Cotte unter der Bauleitung von Guillaume d‘Hauberat. Aufgrund des Todes des Bauherrn 1723 wurden die Arbeiten nicht beendet. Man begann sogar mit einem Teilabbruch, ehe das Schloss 1744-56 unter seinem Nachfolger Kurfürst Clemens August unter Leitung von Balthasar Neumann vollendet wurde. In dieser Zeit kam der Name Clemensruhe auf – eventuell, weil der Bauherr hier oft übernachtete. Seit 1818 wird das Schloß von der Bonner Universität genutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bausubstanz weitgehend vernichtet – der Wiederaufbau war 1959 abgeschlossen.

Beschreibung

Die quadratische Vierflügelanlage mit einer Seitenlänge von jeweils 17 Achsen wird von leicht vorspringenden dreiachsigen Eckpavillons und ebenfalls dreiachsigen Mittelpavillons gegliedert. Der Hof ist kreisrund und von einer gewölbten Arkadengalerie umschlossen. Die Zufahrt erfolgt von der Nordostseite. Die vier Flügel haben eine unterschiedliche Höhe von ein oder zwei Geschossen. Vor dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg war dieser Unterschied noch ausgeprägter. Der ehemals eingeschossige Nordflügel mit Belvedere wurde zweigeschossig wieder aufgebaut. Das Mansarddach ist zudem nach dem Krieg ohne seitliche Abwalmung gegen die Pavillons rekonstruiert worden.

Das Innere des Schlosses wurde 1945 fast vollständig vernichtet. Außer im Nordostflügel mit Durchfahrt befand sich in jedem Flügel im Erdgeschoß ein Mittelsaal: im Nordwesten ein Grottensaal, im Südwesten eine zweigeschossige Kapelle und im Südosten ein ebenfalls zweigeschossiger Sommerspeisesaal. Im Westen dieses Raumes erstreckte sich bis zur Kapelle das Winterappartement des Kurfürsten. Nach Osten folgte die kurfürstliche Bilder- und Porträtgalerie. Im Norden der Kapelle befanden sich zwei Spielzimmer: Truckspiel- und Billardzimmer. Rechts der Einfahrt gab es ein komplettes Appartement, das wohl für Besucher gedacht war. Das Winterappartement lag über dem Sommerappartement des Erdgeschosses, über den Sammlungsräumen befand sich ein weiteres Gästeappartement. Die Innenräume sind bis auf die Reste eines Appartementsaals zerstört.

Forschungsstand

Der Forschungsstand zur Baugeschichte und Ausstattung von Schloss Clemenswerth ist gut. Vor allem die von Georg Satzinger angestoßenen Arbeiten zur höfischen Repräsentation und kirchlichen Auftraggeberschaft der wittelsbachischen Erzbischöfe im Kurfürstentum Köln im 18. Jahrhundert haben zahlreiche neue Erkenntnisse erbracht.[2] Von den insgesamt vorgesehenen fünf Bänden liegen die beiden zur Profanarchitektur geplanten 2021 allerdings noch nicht vor.

Die ehemalige Schlosskapelle

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die ehemalige Schlosskapelle[3] befand sich im Mittelpavillon des Südwestflügels. Sie wurde bereits unter Joseph Clemens nach Plänen von Benoît de Fortier und Guillaume d'Hauberat erbaut und war beim Tod des Bauherrn fast komplett ausgestattet, jedoch noch nicht geweiht. Unter Clemens August wurde die Kapelle 1744-53 modernisiert, die Ausstattung ergänzt und die bislang fehlende Deckenmalerei geschaffen. Ferner erhielt die Kapelle ein neues Patrozinium und wurde 1746 dem heiligen Isidor von Madrid geweiht. Unter Joseph Clemens war die heilige Magdalene als Patronin vorgesehen gewesen.

Beschreibung

Der 1945 zerstörte Raum wurde nicht wiederhergestellt und ist nur über wenige Fotografien dokumentiert. Er öffnete sich im Erdgeschoss mit je drei großen Fenstern nach Nordwesten und Südosten. Im Obergeschoss gab es ursprünglich an allen vier Seiten je drei Fenster. Der annähernd quadratische Raum reichte über zwei Geschosse. Im Erdgeschoss war er durch Anräume in den Flügeln erweitert. An den Seiten befanden sich Emporen für den Hofstaat. Die Ausstattung war den vier Jahreszeiten sowie dem Garten verpflichte. Der geweißte Stuck an Wänden und Decke präsentierte Gartenwerkzeuge, Blumengirlanden, Vasen, Füllhörner etc. und stammte von Carlo Pietro Castelli und seinen Söhnen Carlo Pietro und Domenico sowie Carlo Pietro Morsegno. Die Decke nahm fünf Felder für Deckenmalerei auf. Um ein zentrales quadratisches Hauptfeld ordnete sich an jeder Langseite je ein Nebenfeld an. Sie wurden erst 1744/45 mit Malerei versehen, und das geplante Programm von 1717 ist unbekannt. Die Nebenfelder flankierten Genien. Hinzu kamen darunter im Wechsel das Wappen und das Monogramm von Joseph Clemens. Die Felder waren zudem mit Girlanden aus Sonnenblumen verbunden. In den Ecken der Decke waren Vasen und Füllhörner stuckiert, die für die Jahreszeiten standen.

Die Kapelle sollte einer Art Garten gleichen. Ihre Ausstattung spielte somit zum einem auf Lage und Funktion des Schlosses als Lust- und Landschloss an, zum anderen auf den Garten Gethsemane als Ort der Erscheinung Christi und auf den von Gott gelenkten Kreislauf der Natur.[4]

Die ehmalige Deckenmalerei der Schlosskapelle

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die 1945 zerstörten Fresken[5] wurden 1744/45 von Johann Adam Schöpf im Rahmen der Umgestaltung bzw. Modernisierung der Kapelle durch den Kölner Kurfürsten Clemens August geschaffen. Die Malerei bezieht sich auf den neuen Patron der Kapelle und kann daher nicht dem 1717 vorgesehenen Programm entsprechen. Der heilige Isidor von Madrid war ein Bauernheiliger und 1622 kanonisiert worden. Es ist unbekannt, warum er als Kirchenpatron gewählt wurde. Die bereits vorhandene Ikonografie der Kapelle passt jedoch gut zu diesem Heiligen, den man um eine gute Ernte bittet.

Beschreibung und Ikonographie

Die Nebenbilder zeigten vier wichtige Stationen aus dem Leben Isidors. Das Hauptbild präsentierte seine Apotheose.

An der Nordostseite war dargestellt, wie Engel für Isidor den Pflug führten, während er betete. Isidors Herrn war nämlich berichtet worden, dass Isidor anstatt zu arbeiten, beten würde. Bei einer Überprüfung zeigte sich, dass das zwar stimmte, die Arbeit aber dennoch erledigt wurde, nämlich durch Engel. Man sah Isidor links im Gebet und rechts im Hintergrund die Engel mit dem Rinderpflug.

An der Südwestseite wurde gezeigt, wie Wölfe in die Herde Isidors einfielen. Dieser ließ sich in seinem Gebet nicht stören und antwortete einem Knecht, der ihn warnte, dass nichts zu befürchten sei. Schöpf zeigte Isidor im Gebet vor einer Madonnenfigur. Hinter ihm wies der Knecht auf das Feld und die Herde des Isidor.

An der Südostseite erblickte man Isidor, wie er Vögel fütterte. Auf dem Fresko waren zwei beladene Wagen zu sehen. Während Isidor den Vögeln vom Korn auf seinem Wagen gab, ereiferte sich sein Kollege mit dem anderen Wagen darüber.

Die Nordwestseite war dem Tod des Isidor gewidmet. Dieser war zuletzt Bischof geworden und starb, umringt von seinen Anhängern. Man erblickte ihn betend auf seinem Sterbebett, den Blick gen Himmel gerichtet. Ein neben ihm stehender Bischof verwies auf einen strahlenden Gegenstand, der anhand der Fotografien nicht bestimmt werden kann. Einige der ihn umgebenden Figuren trugen zeitgenössische Allongeperücken, wurden aber nie identifiziert.

Das Mittelfeld verbildlichte die Apotheose Isidors. In starker Untersicht erblickte man den Heiligen, wie er von Engeln empor zu Gottvater getragen wurde. Dieser erwartete ihn mit Zepter und Weltkugel in der rechten Hand, während er seine linke segnend erhoben hatte. Ein Engel reichte Isidor einen Kranz. Weitere Engel schlossen die Komposition formal nach oben ab.

Gestalterische Mittel - Komposition und Ansichtigkeit

Das Mittelbild war auf eine Ansicht vom Herrschaftsstand her ausgerichtet.

Das ehemalige so genannte Billardzimmer und seine Deckenmalerei

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Billardzimmer[6] wurde zusammen mit dem Schloss errichtet und zerstört. Es befand sich nördlich der Schlosskapelle hinter dem so genannten Truckspielzimmer im Westpavillon.

Beschreibung

Der eingeschossige quadratische Raum hatte jeweils drei Fenster im Südwesten sowie im Nordwesten. Seine Stuckdecke präsentierte Mars, Minerva, Diana und Apoll.

Die ehemalige Deckenmalerei

In die vier Eckkartuschen waren unspezifisch Putten mit Blumen auf Wolken gemalt. Sie stammten wohl von Johann Adam Schöpf.[7]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Clemen, KDM Bonn, 1905. – Clemen, Paul (Bearb.): Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Bonn (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 5,III). Düsseldorf 1905.
  • Dehio, Rheinland, 2005. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen I, Rheinland (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Claudia Euskirchen, Olaf Gisbertz, Ulrich Schäfer. München/Berlin 2005.
  • Hansmann, Kunstgeschichte, 1989. – Hansmann, Wilfried: Die Bau- und Kunstgeschichte. In: Höroldt, Dietrich (Hrsg.): Bonn als kurkölnische Haupt- und Residenzstadt 1597-1794 (Geschichte der Stadt Bonn in vier Bänden, 3). Bonn 1989, S. 351-448.
  • Hartmann, Baugeschichte, 2011. – Hartmann, Eric: Baugeschichte und Baugestalt. In: Satzinger, Georg (Hrsg.): Schloss Clemensruhe in Bonn-Poppelsdorf. München/Berlin 2011, S. 9-33.
  • Holzhausen, Schloß, 1968. – Holzhausen, Walter: Das Poppelsdorfer Schloß. In: Lützeler, Heinrich unter Mitarbeit von Eva Brües, Walter Holzhausen, Hans-Joachim Kunst und Dorothee Rondorf: Die Bonner Universität. Bauten und Bildwerke. Bonn 1968, S. 29-42.
  • Jumpers, Schlossausstattung, 2011. – Jumpers, Marc: Die Schlossausstattung im 18. Jahrhundert. In: Satzinger, Georg (Hrsg.): Schloss Clemensruhe in Bonn-Poppelsdorf. München/Berlin 2011, S. 40-53.
  • Kalnein, Clemensruhe, 1956. – Kalnein, Wend Graf: Das kurfürstliche Schloß Clemensruhe in Poppelsdorf. Ein Beitrag zu den deutsch-französischen Beziehungen im 18. Jahrhunderts (Bonner Beiträge zur Kunstwissenschaft, 4). Düsseldorf 1956.
  • Krohn, Schlosskapelle, 2011. – Krohn, Vanessa: Die Schlosskapelle. In: Satzinger, Georg (Hrsg.): Schloss Clemensruhe in Bonn-Poppelsdorf. München/Berlin 2011, S. 54-59.
  • Krohn, Pietas Bavarica, 2019. – Krohn, Vanessa: Pietas Bavarica am Rhein. Die kirchliche Bau- und Ausstattungstätigkeit im Erzbistum Köln unter Joseph Clemens und Clemens August von Bayern (Tholos Kunsthistorische Studien, 10.1). Münster 2019.
  • Laß, Burgen, 2005. – Laß, Heiko: Der Rhein. Burgen und Schlösser von Mainz bis Köln (Burgen – Schlösser – Herrensitze, 1). Petersberg 2005.
  • Lützeler, Entwicklung, 1968. – Lützeler, Heinrich: Die Entwicklung nach dem zweiten Weltkriege. In: Lützeler, Heinrich unter Mitarbeit von Eva Brües, Walter Holzhausen, Hans-Joachim Kunst und Dorothee Rondorf: Die Bonner Universität. Bauten und Bildwerke. Bonn 1968, S. 117-230.
  • Satzinger, Clemensruhe, 2011. – Satzinger, Georg (Hrsg.): Schloss Clemensruhe in Bonn-Poppelsdorf. München/Berlin 2011.
  • Satzinger, Repräsentation, 2019. – Satzinger, Georg (Hrsg.): Höfische Repräsentation und kirchliche Auftraggeberschaft der wittelsbachischen Erzbischöfe im Kurfürstentum Köln im 18. Jahrhundert (Tholos Kunsthistorische Studien, 10). 3 Bde. Münster 2019.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Rheinland, 2005, S. 163-164; Laß, Burgen, 2005, S. 152-153; Hansmann 1989, S. 396-399; Holzhausen, Schloß, 1968; Lützeler 1968, S. 183-184; Kalnein, Clemensruhe, 1956; Clemen, KDM Bonn, 1905, S. 239-250.
  2. Satzinger, Repräsentation, 2019. Bestandteil der fünf Bände: Krohn, Pietas Bavarica, 2019. Vgl. auch: Satzinger, Clemensruhe, 2011.
  3. Krohn, Pietas Bavarica, 2019, S. 120-142; Krohn, Schlosskapelle, 2011; Dehio, Rheinland, 2008, S. 164; Kalnein, Clemensruhe, 1956, S. 150-151; Clemen, KDM Bonn, 1905, S. 244-246.
  4. Krohn, Pietas Bavarica, 2019, S. 141.
  5. Krohn, Pietas Bavarica, 2019, S. 130-131, 139-142; Krohn, Schlosskapelle, 2011, S. 59; Kalnein, Clemensruhe, 1956, S. 150.
  6. Jumpers, Schlossausstattung, 2011, S. 47-48; Kalnein, Clemensruhe, 1956, S. 145-146; Clemen, KDM Bonn, 1905, S. 246-247.
  7. Jumpers, Schlossausstattung, 2011, S. 47; Kalnein, Clemensruhe, 1956, S. 145-146.