Bobingen, Unteres Schloss
Inventarnummer: cbdd10304
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Christian Dominikus Erhard (1731-1805), der weniger talentierte Neffe des hochstiftischen Hofmalers Johann Georg Bergmüller, erhielt wohl aufgrund seiner verwandtschaftlichen Beziehung den Auftrag für das Göttermahl im Festsaal des Sitz des hochstiftischen Oberpflegers in Bobingen.

Besitz- und Baugeschichte
„Die Burg wurde Verwaltungsmittelpunkt der dortigen hochstift. Besitzungen und Sitz des Pflegers, von 1473 ab des Amtsmanns oder Vogtes.“[1] „Der jeweilige Fürst-Bischof zu Augsburg war damit höchster Landesherr.“[2]
1543/44 erwarb Anton Welser d.J. zwei Bobinger Sölden für 495 Gulden. Laut archivalischen Belegen durfte Welser im November 1544 und Januar 1545 Ziegelsteine und Mauerwerk von Augsburg nach Bobingen bringen lassen, um es dort zu verbauen. Sein Sohn Markus Welser errichtete die im 19. Jahrhundert zerstörte Laurentiuskapelle. 1590 erwarb Octavian Secundus Fugger den Ansitz um 5.100 Gulden, er vergrößerte den Garten durch Ankäufe. Seine Erben erweiterten das Schloss baulich um den sogenannten Neuen Bau. 1648 ging das Anwesen an Quirin Rehlinger, 1669 an Oberst Baron de la Poippe und von 1681 bis 1772 an das Hochstift Augsburg, das es als Sitz des Maiers und des Oberpflegers nutzte. In dieser Funktion waren u.a. Franz Anton von Stain und Franz Maria Joseph Zech auf Deubach vor Ort. Um 1730 erfolgten weitreichende Umbauten, darunter auch der halbrunde Anbau, in dem sich das Fresko des Festmahles befindet.
Ab dem späten 18. Jahrhundert wechselten die Besitzer häufig, seit 1938 ist es im Besitz der Gemeinde Bobingen, die es dem Kunstverein Bobinger zur vielfältigen Nutzung übergab.[3]
Das Gebäude
„1543/44 durch Anton Welser d. J. errichtet; 1601 erweitert und um 1730 grundlegend erneuert."[4] „Zweigeschossiger Massivbau mit fünf zu sechs Achsen und steilem Satteldach, nach Westen zweigeschossiger, halbrunder Anbau.“[5] "Im Festsaal des Obergeschosses Deckenbild: Göttermahl, um 1760, wohl von Christian Dominikus Erhard.“ [4]
Christian Dominikus Erhard(t) (1731-1805)
Christian Dominikus Erhard(t) (1731–1805) erhielt aufgrund seiner verwandtschaftlichen Beziehung zu Johann Georg Bergmüller, dessen Neffe er war, noch sehr spät bei diesem seine Ausbildung und wurde 1756 als Meister in Augsburg zugelassen. Wohl nicht zuletzt aufgrund seiner fehlenden Begabung tritt er nur in untergeordneten Aufträgen in Erscheinung. Als sein Hauptwerk gilt die Ausmalung der Pfarrkirche in Kottingswörth, in Augsburg stattete er einige Häuser mit Fassadenmalerei sowie mit Fresken in ihrem Inneren aus.[6]
Restaurierung
Das Fresko erfuhr 2004 eine Restaurierung durch den Restaurator Franz Kugelmann aus Kleinaitingen, die am 28.09.2004 abschließend dokumentiert wurde:
„Befund Fresko: Das Fresko (3,9 m x 3,6 m) wird von einem stuckierten Rahmen eingefaßt. Es weist ein unauffälliges Rißbild auf mit nur wenigen, etwa handtellergroßen hohlliegenden Stellen (siehe Grafik). Die Putzhaftung kann als intakt bezeichnet werden.“[7]
Das Göttermahl
Das Bild ist in einen hochrechteckigen Stuckrahmen in der Form eines abgewandelten stehenden Vierblattes eingefügt. Das einansichtige Deckengemälde zeigt einen terrestrischen Bodenstreifen auf dem sich entlang der breitesten Bildstelle ein Göttermahl entwickelt, über dem in luftiger Höhe und umgeben von Putten der Göttervater Zeus mit seinen attributiven Pfeilen auf einer Wolkenbank thront. Linski interpretiert die Ikonographie nach Absprache mit Georg Paula als Hochzeit von Thetis und Peleus.[8] Da der Zankapfel von der Göttin Esis/Discordia in diesem Bild jedoch fehlt, soll hier eine alternative Deutung der Personen vorgenommen werden:
Das Gastmahl wird eingeleitet von der links in das Bild schreitenden Tellus, die Göttin der Erde, über die ein hinter ihr schreitender Diener in zeitgenössischer Tracht schützend einen Sonnenschirm hebt. Der Maler hielt sich bei der Ausgestaltung dieser Göttin der Erde exakt an Ripa, der sie, Boccaccio folgend, als eine Matrone beschreibt, die als Kopfschmuck eine Mauerkrone trägt. Sie sei in einem grünen Kleid darzustellen und die Blumen und Kräuter in ihrem Korb symbolisieren die Artenvielfalt, die sie hervorbringt.[9] Tellus wird von Flora, dargestellt mit entblößtem Oberkörper und einem attributivenen Blumenkranz, zum Festmahl herbeigeführt. Vor ihr sitzt Mars (oder Peleus) mit Speer als seitliche Rückenfigur, der seinen Kopf zu einem aus der Luft herabschwebenden Schwan(?) wendet. Auf ihm steigt Ganymed, der Mundschenk der Götter, zum Göttermahl herab, um einen Rotweinkelch zu servieren. Im Zentrum der Komposition sitzt barbusig Venus (oder Thetis) und verweist mit ausladender Geste auf die Früchte der Tellus und einen Weinkelch. Hinter ihr bringt eine Frau schnellen Schrittes eine Schale, deren Inhalt auf dem Bild nicht identifiziert werden kann. Linskis Interpretation folgend, müsste es sich hierbei um Esis handeln, die auf der Schale den Zankapfel servieren würde. Allerdings kann auf dem Bild etwas formal Ähnliches nicht erkannt werden. Vor ihr sitzt Diana mit Köcher und Halbmond, die den neben ihr am rechten Ende der Tafel sitzenden Merkur, erkennbar am geflügelten Helm, umarmt. Ihm gegenüber an der Tafel lagert Neptun als Rückenakt auf einem rot gepolsterten Triclinium, während er seinen Dreizack am Boden abgelegt hat.
Verwirft man die These einer Darstellung der Hochzeit von Thetis und Peleus aufgrund der fehlenden Attribute, so würde das Fresko lediglich ein Göttermahl zeigen, an dem sich, parallel zu der Festtafel unterhalb des Deckenbildes, leicht identifizierbare Gottheiten an den Erträgen der Erde ergötzen und laben.
Bibliographie
- Bauer, Schwabmünchen, 1994 — Bauer, Hans: Schwabmünchen. In: Historischer Atlas von Bayern, 15, 1994, S. 392-399.
- Bosl, Bayern, 1961 — Bosl, Karl: Bayern. Stuttgart 1961.
- Bushart/Paula, Schwaben, 2008 — Bushart, Bruno/ Paula, Georg: Bayern III. Schaben (Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler), München 2008.
- Grimminger, Corpus, Bd. 13, 2008 — Grimminger, Christina: Freistaat Bayern. Regierungsbezirk Oberbayern. Landkreis Eichstätt (Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Bd. 13). München 2008.
- Kießling, Schlösschen, 1994 — Kießling, Rolf: Höfe, Zehnten, Schlösschen - Besitz Augsburger Bürger im Alten Reich, in: Bobingen und seine Geschichte. Bobingen, Straßberg, Reinhartshausen, Burgwalden, Waldberg, Kreuzanger (Hrsg. von Walter Pötzl/ Barbara Beck). Bobingen 1994, S. 167-182.
- Lieb, Fugger, 1980 — Lieb, Norbert: Die Fugger und die Kunst, Band 2. München 1980.
- Metzger/Heiß/Kranz, Landsitze, 2005 — Metzger, Christof/ Heiß, Ulrich/ Kranz, Anette: Landsitze Augsburger Patrizier. München 2005.
- Neu/Otten, Schwabmünchen, 1967 — Neu, Wilhelm/ Otten, Frank: Bayerische Kunstdenkmale. Landkreis Schwabmünchen. München 1967.
- Sponsel, Burgen, 2006 — Sponsel, Wilfried: Burgen, Schlösser und Residenzen in Bayerisch-Schwaben. Augsburg 2006.
- Wüst, Bobingen, 1994 — Wüst, Wolfgang: Bobingen und seine Geschichte. Bobingen, Straßberg, Reinhartshausen, Burgwalden, Waldberg, Kreuzanger (Hrsg. von Walter Pötzl/ Barbara Beck).Bobingen 1994.
- QUELLEN
- Kugelmann, Bobingen, 2004: Ordner im BLfD mit der Aufschrift: Bobingen, Römerstraße 73. Unteres Schlösschen Wand Bd. 1 Schwaben Restaurierung Wand 2004 durch Franz Kugelmann, Restaurator, Gartenstraße 12. 86507 Kleinaitingen, 28.09.2004.
Einzelnachweise
- ↑ Bosl, Bayern, 1961, S. 93
- ↑ Bauer, Schwabmünchen, 1994, S. 495.
- ↑ Zusammenfassung nach: Metzger/Heiß/Kranz, Landsitze, 2005, S. 70-74
- ↑ 4,0 4,1 Bushart/Paula, Schwaben, 2008, S. 212.
- ↑ www.alleburgen.de/bd.php?id=31430(29.12.2017)
- ↑ Paula, Erhard, 2002, S. 322, Grimminger, Corpus, Bd. 13, 2008, S. 318–320.
- ↑ Kugelmann, Bobingen, 2004.
- ↑ Ingeborg Anderson, Besucher schwelgen in Macht und Pracht, in: Augsburger Allgemeine vom 11. September 2017 (http://www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/Besucher-schwelgen-in-Macht-und-Pracht-id42635031.html) (29.12.2017). Reinhold Lenski sei hier für das Telefonat am 29.12.2017 gedankt.
- ↑ Ripa 2012, S. 82f., 46.3d Carro della Terra.