Seeger, Ulrike:Birkenfeld, Schloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/714f1913-e2d7-4bfa-9f6b-d359d48a1833

Inventarnummer: cbdd10500

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In der zweiten Ausstattungsphase seines 1738–52 erbauten Landsitzes ließ der ehemalige Ansbacher Minister und Präsident der Baudeputation Johann Philipp Friedrich von Hutten durch Johann Franz Gout 1773–75 den Speisesaal an Wänden und Decke sowie das Schlafzimmer seiner Gemahlin ausmalen.

Das Bauwerk

Bauherr des Schlosses war Johann Philipp Friedrich von Hutten (1711–1783), dessen Familie seit dem 16. Jahrhundert der fränkischen Reichsritterschaft angehörte. Johann Philipp trat 1734 in die Dienste des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach.[1] Dort war er zuerst Kammerherr, danach Geheimer Minister und Kammerpräsident des Justizrates. Mit seinem Tod im Jahre 1783 starb die Linie Hutten-Birkenfeld aus.

Der Speisesaal


Gemalte Wand- und Deckengliederung des Saals


Das Deckengemälde mit den vier Jahreszeiten

Die durchgehend weiblich personifizierten vier Jahreszeiten wurden an den Schmalseiten des Plafonds zu zwei Zweiergruppen zusammengefasst. Für den Eintretenden zur Rechten und damit an der Seite des Appartements des Herrn lagern Frühling und Winter. Für den Eintretenden zur Linken sind Richtung Appartement der Dame Sommer und vermutlich Herbst zu erkennen.

Eindeutig zu bestimmen ist die Personifikation des Winters als braun gekleidete Frau mit Kopfbedeckung neben einer Feuerschale. Sie greift versonnen in eine Blumengirlande, die Putten auf die Personifikation des Frühlings herabgleiten lassen. Weitere Blumen quellen aus dem Füllhorn des Frühlings als deren wichtigstem Attribut.

Auf der Gegenseite lagert die Personifikation des Sommers in Gestalt der Fruchtbarkeitsgöttin Ceres, die an einem Ährenbündel, der Sichel und einem Putto mit Rechen im Hintergrund ebenfalls eindeutig zu erkennen ist. Sie trägt am Oberkörper ein grünes Gewand. Auf ihrem Schoß sitzt im blauen Gewand eine Frau mit Weinlaub im Haar und einem Kranz aus vermutlich Eichenblätter in der erhobenen Rechten. Zur Vervollständigung des Programms muss es sich bei ihr um den Herbst handeln, wenngleich der Maler auf Weintrauben als eindeutiges Attribut verzichtet hat.

Die melancholische Beziehung von Winter und Frühling war möglicherweise ein Grund dafür, nicht Frühling und Sommer sowie Herbst und Winter zu Paaren zusammenzufassen wie es traditionell üblich ist. Ein weiterer könnte darin liegen, dass der Dame des Hauses mit Ceres und dem Herbst zwei fruchtbare, landwirtschaftlich ertragreiche Jahreszeiten zugeordnet werden sollten.

Prinzipiell passt das Programm der vier Jahreszeiten zur Funktion des Speisesaals. Zugleich zeigt es die landwirtschaftliche und ökonomische Funktion des Herrensitzes an.

Wandgemälde: Dädalus legt Ikarus die Flügel an


Wandgemälde: Odysseus verlässt Kirke / Aeneas verlässt Dido (?)


Wandgemälde: Odysseus kehrt zu Penelope zurück


Wandgemälde: Deukalion und Phyrra werfen nach der Sintflut Steine hinter sich


Supraporte: Apoll und Daphne


Supraporte: Merkrur tötet den Hirten Argos


Supraporte: Pan verfolgt die Nymphe Syrinx


Das Schlafzimmer der Gemahlin


Harlekin / Arlecchino bittet eine Dame zum Tanz


Bibliographie

  • Freeden, Landschlösser, 1969 = Max von Freeden, Aus fränkischen Landschlössern und Prälaturen, Würzburg 1969.
  • KDM, Bezirksamt Hofheim, 1912 = Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, 3: Unterfranken und Aschaffenburg, Heft 5: Bezirksamt Hofheim, bearbeitet von Georg Lill und Felix Mader, München 1912, hier S. 15–28.
  • Rößner, Birkenfeld, 2014 = Volker Rößner, Schloss Birkenfeld. Eine ritterschaftliche Residenz (Schriftenreihe des Historischen Vereins Landkreis Haßberge e. V., 11), 2. überarbeitete Auflage Haßfurt 2014 (1. Auflage Haßfurt 2000).
  • Rößner, Ritterkanton Braunach, 2000 = Volker Rößner, Schlossbau des 18. Jahrhunderts im Ritterkanton Braunach (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte Würzburg e. V., Reihe 8: Quellen und Darstellungen zur Fränkischen Kunstgeschichte, 12), Neustadt an der Aisch 2000.

Einzelnachweise

  1. Rößner, Birkenfeld, 2014, S. 9.