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Berlin, Pfaueninsel, Schloss Pfaueninsel

Aus Deckenmalerei-Lab
Hinterkeuser, Guido:Berlin, Pfaueninsel, Schloss Pfaueninsel, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/2b8505d0-95bb-4cda-b7e1-0b923e796d5b

Inventarnummer: cbdd10516

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Das Schloss auf der Pfaueninsel bei Berlin spiegelt das besondere Interesse der Zeitgenossen an der Natur wieder. Die Wand- und Deckenmalerei im Inneren ist der Darstellung wilder Vegetation gewidmet. Auch Motive aus dem klassischen Bildungskanon sind Thema der Raumausstattung.

Bauwerk

Die Baugeschichte

Nachdem die Planungen Friedrich Wilhelm III., den Neuen Garten in Potsdam zum Pfingstberg hin zu erweitern, an Grundstücksfragen gescheitert waren, richtete sich sein Interesse, Ende des Jahres 1793, auf den "Kaninchenwerder" – die spätere Pfaueninsel.[1] In einer Kabinettsorder vom 12. November 1794 tat er kund, dass er die Insel selbst übernehmen wolle. Die Situation einer Insel mit wilder Vegetation kam einer Zeitströmung entgegen, die auch den Berliner Hof ergriffen hatte und von der Entdeckung der Südseeinseln und von einem neuen, von den Schriften Jean-Jacques Rousseaus beeinflussten Naturgefühl geprägt war. Innerhalb nur eines Jahres wurde das Schloss auf der Pfaueninsel 1794 nach Entwürfen des Hofzimmermeisters Johann Gottlieb Brendel errichtet. Dazu zählten auch bereits ein Großteil der Wand- und Deckenausmalungen. Im Folgejahr 1795 wurde die Innenausstattung komplett vollendet. Da das Oberhofbauamt aus den Planungen herausgehalten wurde, stellt sich natürlich die Frage nach den eigentlich verantwortlichen Ideengebern. Die Oberaufsicht lag beim Geheimkämmerer Johann Friedrich Ritz. Viele Anregungen, insbesondere was die Ausstattung der Räume anbelangt, kamen von seiner Gemahlin Wilhelmine, die bis 1782 die Mätresse des Königs gewesen war und ihm auch danach als enge Beraterin verbunden blieb. Bevor sie im April 1795 zu einer Italienreise aufbrach, standen die Entwürfe zur Ausgestaltung der Räume bereits weitgehend fest. Die gusseiserne Brücke zwischen den Türmen kam erst 1806/07 dazu und ersetze eine ältere Holzbrücke. Das Schloss wurde von allen nachfolgenden Generationen pfleglich behandelt und wurde auch von Kriegsschäden verschont, sodass es bis heute mit seiner originalen wandfesten wie mobilen Innenausstattung erhalten ist.

Die Baubeschreibung

Das Schloss auf der Pfaueninsel setzt sich aus einem würfelförmigen Hauptbau und zwei auf der Westseite an den Ecken angefügten Rundtürmen zusammen. Diese weisen vier bzw. fünf Geschosse auf, während der Kernbau lediglich über zwei Geschosse verfügt, die über einem Kellergeschoss angelegt sind. Auf der annähernd quadratischen Grundfläche des Hauptbaus sind im Erdgeschoss fünf Räume und ein Kabinett, im Obergeschoss vier Räume, darunter der Festsaal, sowie ein Kabinett untergebracht. Hinzu kommt das Treppenhaus, das als Wendelstiege den südwestlichen Treppenturm einnimmt. Der in Fachwerk errichtete Bau wurde außen mit einer Holzverschalung verkleidet, die durch eine aufgebrachte Sandelung und aufgemalte Fugen den Eindruck eines steinernen Gebäudes erwecken soll. Dazu in Kontrast stehen die Türme, deren einzelne Geschosse durch aufgelegte Wülste voneinander getrennt sind, indem es auf eine Quaderung verzichtet und somit der Eindruck verliehen wird, als seien sie glattverputzt. Ihren oberen Abschluss bildet ein auf Konsolen ruhendes Kranzgesims, über dem sich ein Zinnenkranz erhebt, der zugleich die Brüstung für die auf den Türmen befindlichen Plattformen bildet. Auf dem rechten Turm befindet sich außerdem eine Art Stube, die von einer Halbkuppel gedeckt ist und eine Uhr aufweist. Abgesehen von diesem Aufsatz sind sämtliche Fenster am Schloss als Rundbogen angelegt. Auch der Hauptbau wird nach oben hin von mächtigen Zinnen abgeschlossen, die einen ruinösen Zustand vortäuschen sollen und denen vor allem die Aufgabe zukommt, das dahinter aufragende Zeltdach zu verbergen.[2]

Das Schlossumfeld

Das Schloss liegt am südwestlichen Ufer der Pfaueninsel, welches es mit seiner Turmfassade beherrscht. Unbestritten bildet es den Hauptbau eines Areals, das allseits von Wasser umgeben ist. Seine Position wurde nicht zuletzt deshalb gewählt, um es in direkte Sichtbeziehung zum Marmorpalais im Neuen Garten zu stellen, als dessen Erweiterung man den Park auf der Pfaueninsel trotz der trennenden breiten Havel ansehen kann.

Das Erdgeschoss

Das sich auf einem annähernd quadratischen Grundriss ausbreitende Erdgeschoss weist außer dem im Südwesten gelegenen Vestibül fünf weitere Räume auf, die im ersten Inventar des Schlosses als „Kavalierkammern“bezeichnet sind.[3] Sie waren also anfänglich für Mitglieder des Hofstaats und Gäste gedacht. Drei rechteckige Räume und ein kleines Schlafzimmer werden durch das Otaheitische Kabinett ergänzt, das im Nordwestturm untergebracht ist. Bis auf dieses sind alle übrigen Räume mit Papiertapeten ausgestattet und weisen weder Wand- noch Deckenmalereien auf.

Das Vestibül

Mit dem Vestibül wurde die Tonart des von Horvath beschworenen „alten verfallenen römischen Landhaus“ angeschlagen.[4] Während der Außenbau mehr an die Ruine einer mittelalterlichen Burg erinnert, taucht der Besucher beim Betreten des Schlosses in die klassische Welt der Antike ein. Der Fußboden ist im diagonal angelegten Schachbrettmuster mit weißem und grauem schlesischem Marmor belegt, während die Wände rundherum mit Boiserien verkleidet sind, die durch ihren Anstrich ebenfalls den Eindruck von Stein erwecken. Gegliedert wird die Wand durch rustizierte Lisenen, die freilich mehr wie übriggebliebene Streifen eines Mauerverbands wirken, in welchen außer den verschiedenen Türöffnungen große schwarze quadratische Felderungen eingelassen sind, die von einem wiederum leicht vorspringenden Rahmen gefasst werden. Horvath bezeichnet diese Art der Dekoration „en Niche quarrée“. Auf den Keilsteinen über den Quadraten lagert der umlaufende dorische Fries, der einen vorkragenden Konsolfries trägt, auf dem die flache Decke aufliegt.

Die Deckenausmalung des Vestibüls

Die „en Caisson“ ausgemalte Decke setzt nicht nur das Rastersystem der Wand fort, sondern greift auch deren Reliefierung auf. Allein mit den Mitteln der Malerei wird hier die Illusion einer in mehreren Schichten aufgebauten Deckenoberfläche erzeugt, die gegenüber dem hölzernen Konsolfries bis zu vier Ebenen zurückweicht. Durch das vorherrschende Weiß, das durch Partien in Blau, Gold und Silber ergänzt wird, wirkt die Decke leicht und hell. Auf ihrem umlaufenden Rahmen ist die Position der rustizierten Lisenen mittels Triglyphen und Zapfen markiert, wodurch sie eine ebenso elegante wie einfache Verknüpfung mit der Wand erfährt. Eine weitere Leiste zieht die Arme eines Kreuzes nach, das die Großform der Deckengliederung ausmacht. In dessen Mitte steht eine Raute, die mit einer goldenen Blüte inmitten zweier goldener, umlaufender Kränze auf blauem Grund ausgefüllt ist. Auch der dickere der beiden Kreuzarme ist blau grundiert, davor zeichnen sich silberne Zweige ab. Ein drittes Mal tauchen die blauen Felder in den vier Ecken auf, wo sie mit einem aufgelegten goldenen Kranz und einem silbernen scharrierten Rahmen versehen sind. Überaus geschickt hat Burnat einzelne Konturen des Deckenrasters mit dunkleren Linien oder Streifen in unterschiedlicher Dicke nachgezogen, um so die Illusion von Schattenwurf und damit räumlicher Tiefe zu erzeugen.

Das Otaheitische Kabinett

Der auffallendste Raum des Pfaueninselschlösschens ist das Otaheitische Kabinett, das Horvath auch als die „vierte Kavalierkammer“ bezeichnet.[5] Dies deutet darauf hin, dass der Raum trotz seiner reizvollen Gestalt nicht etwa vom König und seinem Gefolge genutzt wurde, sondern Gästen zur Verfügung stand. Neben den vollständig ausgemalten Wänden und der Decke bildet der aus einheimischen Hölzern zusammengesetzte Fußboden einen besonderen Blickfang, der überzeugend mit der bekrönenden Bambuskuppel korrespondiert und die Täuschung vervollständigt, man befände sich in einem aus Rohr und Bambus gefertigten Rundpavillon auf einer Südseeinsel.

Im Akademiekatalog von 1795 wird der Raum ausführlich beschrieben, und zwar unter der Rubrik der „Kunstwerke, welche nicht ausgestellt werden konnten.“ Im Einzelnen heißt es darin: „Ein Pavillon im Sommerpalais Sr. Maj. des Königs auf der Pfaueninsel bei Potsdam im Südinsulaner Geschmack. Er ist rund, von acht korinthischen Palmen umgeben, zwischen welchen sich vier Aussichten befinden, die durch ein geflochtenes Geländer, welches den Pavillon rundet, beschränkt werden. Die Kuppel ist von Ribben aus gebundenem Bambusrohr zusammengesetzt und mit halb trockenem Rohrgras gedeckt.“[6] Nachdem die Ansichten einzeln aufgezählt und beschrieben wurden, werden sie summarisch charakterisiert: „Diese Aussichten sind jedoch alle in den Südinsulaner Geschmack transponirt. Das Ganze ist überdem mit viele dahin gehörigen Pflanzen, Bäumen, Vögeln, Insekten usw. geziert.“[7]

Die Deckenausmalung des Otaheitischen Kabinetts

Die „auf Palmenbäumen ruhende Decke von Bambusrohr“[8] ist auf Leinwand gemalt. Durch ein Gerüst aus längs- und querverlaufenden Bambusstangen, die an ihren Kreuzungspunkten mit Riemen verbunden sind, wird an der leicht gewölbten Decke die Illusion einer in konzentrischen Kreisen steil aufsteigenden und sich zunehmend verjüngenden Kuppel erzeugt. Außerdem ist das Bambusstabwerk mit Schilf ausgefacht, worauf lediglich ganz oben zugunsten eines Opaion verzichtet wird, durch welches der hellblaue Himmel in den Raum scheint. Blattwerk und Vögel tragen zum Eindruck des Ausblicks in die Natur bei. Am Fuß der Kuppel sind umlaufend Palmwipfel gemalt, deren Stämme die Konstruktion tragen. Einzig über der Tür ist ein Segmentbogen ausgespart, durch welchen in Korrespondenz zum Opaion erneut der Blick ins Freie, auf dichte Weinreben mit Bündeln von Weintrauben sowie einen Papagei, gewährt wird.

Wandgemälde des Otaheitischen Kabinetts

Auch die Wandflächen sind vollständig mit Malereien bedeckt, die in Leimfarbe auf Leinwand ausgeführt wurden. Dazu zählen an erster Stelle die Gemälde auf den Feldern zwischen den Rundbogenfenstern (je 266 x 133 cm), die den realen Ausblicken in die Potsdamer Seenlandschaft phantastische Einblicke in tropische Welten hinzufügen. Einem aufmerksamen Betrachter musste freilich auffallen, dass es sich hierbei um Landschaftsausschnitte der allernächsten Umgebung handelte, die der Maler allein durch eine entsprechende Flora und Fauna in eine fiktive Südseeatmosphäre versetzte. Die Erzeugung eines „Aha“-Erlebnisses bei demjenigen, der die realen Orte hinter der otaheitischen Verkleidung erkannte, war durchaus willkommen und diente der Unterhaltung der höfischen Gesellschaft.

Während in den gemalten Ausblicken ein in Bambus geflochtenes Gitter den sich in einer Bambushütte wähnenden Betrachter von der vor seinem Auge aufscheinenden Landschaft trennt, täuscht die Malerei auf den Brüstungsfeldern unter den realen Fenstern eine aus Schilf oder Bast geflochtene, undurchdringliche braune Wand vor. Eine ganz andere Wirkung haben hingegen die erwähnten Bambusgitter, entfalten sich doch unmittelbar dahinter exotische Pflanzen wie Palmen, Kakteen, Agaven, Orchideen oder Schilfgewächse, die ansonsten nicht sichtbar wären, denn über der Brüstung wird der Blick bereits in die Ferne gelenkt.

Das nördliche Wandgemälde

Die beiden Südsee-Ansichten, die dem Betrachter beim Betreten des Kabinetts als erstes ins Auge springen, sind zugleich diejenigen, deren lokales topographisches Vorbild sich schnell erkennen lassen dürfte. Denn auf ihnen sind das Schloss auf der Pfaueninsel bzw. das Marmorpalais abgebildet. Der „[2.] Prospekt des Königl. Palais am heiligen See“, wie es im Akademiekatalog von 1795 heißt,[7] zeigt das am Ufer des Heiligen Sees gelegene Gebäude des Marmorpalais mit seiner markanten Laterne. Dahinter steigt der Pfingstberg auf, dessen Anblick daran erinnert, dass Friedrich Wilhelm II. die Erweiterung seines Neuen Gartens eigentlich zunächst nach dorthin ausrichten wollte, bevor er sich dann für die Pfaueninsel entschied. Die Vegetation im Hintergrund wirkt durchaus eher märkisch, doch genügen die drei hohen Palmen, um die Vedute in eine otaheitische Stimmung zu tauchen.[9]

Das westliche Wandgemälde

Der Blick auf die „[1.] die Pfaueninsel selbst, nebst dem gedachten Palais und der umliegenden Gegend.“[7] erfolgt vom nahegelegenen Südufer, und zwar von der Stelle aus, wo sich heute die Fährverbindung befindet. Im Vordergrund und fast am Wasser steht das Kastellanshaus, während das Schloss selbst unverkennbar auf der Anhöhe thront, die in der Realität allerdings längst nicht so ausgeprägt ist.[10]

Das südliche Wandgemälde

Die Aussicht auf Schwanenwerder, „[4.] eine Insel von mannigfaltigen Bäumen umgeben, welche einige Palläste zieren,“[7] ist vom östlichen Ufer der Pfaueninsel, so zum Beispiel von der Meierei aus, möglich. Hier sind es die pagodenartigen Gebäude, die der Insel einen exotischen Anstrich verleihen. Der dunkle Höhenzug im Hintergrund zeigt das an dieser Stelle teilweise steil zur Havel abfallende Ufer an.[11]

Das östliche Wandgemälde

Der Parschenkessel ist eine von drei Seiten umschlossene Bucht im nördlichen Teil der Pfaueninsel, nicht weit entfernt von der Meierei gelegen. Im Akademiekatalog wird die Ansicht folgendermaßen beschrieben: „3. Ein geschlossener See, in welchem auf einer Erdzunge die neue im Gothischen Stil erbaute Meierei (auf der Pfaueninsel) befindlich.“[7] Die erwähnte Meierei ist in dem hier gezeigten Ausschnitt allerdings nicht auszumachen.

Das Treppenhaus

Der südliche Rundturm enthält das Treppenhaus, das nicht nur das Obergeschoss erschließt, sondern darüber hinaus bis zu einer Tür führt, durch die man auf die eiserne Brücke gelangt, die zwischen die beiden Türmen gespannt ist.[12] Der Boden am Fuß des Treppenhauses ist wie das Vestibül mit Marmor belegt, der hier sowohl aus Frankreich wie aus Schlesien stammt. Die an den Außenwänden entlang geführte Wendeltreppe mit offener Spindel, die 118 Stufen aufweist, ist in Eichenholz gearbeitet.

Die Ausmalung des Treppenhauses an Wand und Decke

Sämtliche Wand- und Deckenflächen des Treppenhauses sind bemalt. Da hier verschiedene Motive des Vestibüls wieder auftauchen, könnte man meinen, dass hier ebenfalls Peter Ludwig Burnat am Werk war, doch stammt die Ausmalung nach übereinstimmenden Nachrichten von Johann Carl Wilhelm Rosenberg. Angesichts der kurzen Bauzeit von nur einem Jahr liegt es nahe, dass die Aufträge an verschiedene Maler vergeben werden mussten.

An den Wänden findet man erneut die rustizierten Wandstreifen in Sandsteinfarbe, die uns bereits im Vestibül begegneten. Die Felder dazwischen sind hellblau grundiert, ihre Umrisse werden von Rahmen aus gelben schlichten Leisten nachgezeichnet. An der Unterseite des Treppenlaufs formen weiße Leisten ein Netz von Rauten aus, auf deren gelbem Grund weiße Akanthusblüten oder -blätter sitzen, die die Assoziation zu Stuck aufkommen lassen. Desgleichen gilt für die fächerförmige Rosette, die den Boden des abschließenden Treppenpodests ziert und als Decke des Treppenhauses wirkt. Über diesem Podest öffnet sich ein eigener Raum, eine Art Turmstube, in welcher die Treppe ausläuft und aus der der Austritt auf die Brücke erfolgt. Die Ausmalung dieser Turmstube greift die Gestaltung des Treppenhauses auf, indem die blau grundierten Wände – und desgleichen gilt für die flache runde Decke – wiederum mit gelben Rahmen strukturiert werden, wobei statt rustizierter Lisenen nunmehr lediglich Streifen in einem dunkleren Blau die Wand in einzelne Kompartimente unterteilen.

Das Obergeschoss

Die Räume im Obergeschoss tauchen im ersten Inventar des Schlosses unter der Bezeichnung „Konversationszimmer“ auf.[3] Sie sollten also der königlichen Familie bzw. dem König und der Gräfin Lichtenau bei ihren Besuchen auf der Insel zur Verfügung stehen. Dafür kam insbesondere der Festsaal in Frage, der die westliche Hälfte des Grundrisses einnimmt. An seiner Ostflanke sind zwei große Zimmer angelegt, die vergleichbar der Situation im Erdgeschoss, von einem kleinen Schlafzimmer getrennt werden. Hinzu kommt noch das Turmzimmer im nordwestlichen Turm, so dass im Obergeschoss also außer dem Festsaal insgesamt vier weitere Räume existieren. Nach dem Thronwechsel 1797, also nur wenige Jahre nach der Vollendung des Schlosses, wurden die Räume von Friedrich Wilhelm III. und seiner Gemahlin Luise bezogen, die während der Sommermonate gerne längere Aufenthalte auf der Insel mit ihren Kindern einlegten. Dabei diente der südöstliche Raum der Königin als Schlafzimmer, an das sich nach Norden das Schlafzimmer des Königs und dessen Ankleidezimmer anschlossen. Zudem richtete Friedrich Wilhelm III. im Turmzimmer sein Arbeitszimmer ein. Allein dieses Zimmer und der Festsaal weisen Deckenmalereien auf, während die östlichen Zimmer mit Tapeten aus Zitz ausgeschlagen sind und weder Wand- noch Deckenausmalungen besitzen.

Der Festsaal

Der bedeutendste Raum im Schloss war der große Festsaal, der die Hälfte des Obergeschosses einnimmt.[13] Je zwei große Rundbogenfenster im Norden und Süden und gleich drei an der Westseite lassen viel Licht in den Raum. Zugleich rahmen die Fenster Ausblicke in die Umgebung und greifen damit das Spiel auf, das im Otaheitischen Kabinett den Betrachter bewusst mit dem Wechsel von realer und gemalter Landschaft konfrontierte. Aufgrund der zahlreichen Fensteröffnungen konzentriert sich der gestalterische Aufwand bei der Verkleidung der Wand vor allem auf die lange Rückwand. Ein Entwurf dafür, der von der Ausführung in einigen Details abweicht, hat sich in der Graphischen Sammlung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg erhalten.[14]

Allerdings gilt für sämtliche Wandflächen, dass sie boisiert und furniert sind. Mit der ionischen Pilasterordnung wird das Obergeschoss in eine höhere Sphäre versetzt, die sich vom Erdgeschoss mit seiner dorischen Stillage im Vestibül und der otaheitischen im gleichnamigen Kabinett abhebt. Zudem erweist sich die Rückwand mit ihrer Verwendung unterschiedlichster Hölzer als ein Meisterwerk der Berlin-Potsdamer Zimmermannskunst dieser Zeit. Horvath listet die unterschiedlichen Hölzer auf: „Die Plinte von Rüsternholze, der Fond von Nußbaum, die Pilaster vom schwarzen Pappel-, die Superporten von Pflaumen- und rothem Apfelbaum, die Thüren von Taxus- die Schaftgesimse, Thürgewände und Dekorationen von Kastanienbaumholze, und das Gesims von allerley einheimischen Hölzern fournirt.“[8] Zum warmen Ton der Holzverkleidung bilden die Marmorreliefs über den Türen sowie der ebenfalls aus Marmor gearbeitete Kamin einen wirkungsvollen Kontrast.

Die Decke des Festsaals

Die flache Decke wurde in Öl auf Putz gemalt, wobei sich in diesem Falle zwei Maler die Arbeit teilten. Bereits 1794 schuf Peter Ludwig Burnat die in Grisaille gemalte Kassettendecke, zu welcher auch das in der Deckenmitte befindliche Rahmensystem gehört.

Darin werden drei Bildfelder ausgespart, und zwar ein querrechteckiges Mittelfeld mit abgeschrägten Ecken und zwei flankierende Hochovale (die der zweite Maler dann freilich als Querovale behandelt hat).

Erst drei Jahre später erfolgte dagegen die farbenprächtige Ausmalung der drei Bildfelder durch Johann Christoph Frisch. Sie sind die hochrangigsten Malereien im Schloss, das durch sie wieder – frei von otaheitischen Abschweifungen – an die Welt des klassischen Bildungskanons angebunden wird. Im Akademiekatalog von 1797 werden die „Deckenstücke. In dem Saal des Schlosses auf der Pfauen-Insel bey Potsdam“ kurz beschrieben, und zwar unter der Rubrik der „Kunstwerke von hiesigen Künstlern, die nicht ausgestellt werden konnten.“[15]

Das mittlere Deckengemälde

Besondere Aufmerksamkeit kommt dem Mittelstück zu, eine bis in die Farbgebung hinein getreue Kopie von Guido Renis Deckenfresko der Aurora (1612/14) im Casino des Palazzo Rospigliosi in Rom.[16] Johann Christoph Frisch war selbst, noch gefördert von Friedrich dem Großen, von 1765 bis 1768 zu Studienzwecken in Rom gewesen, doch dürfte die gewählte Vorlage nicht seiner Idee entspringen. Stattdessen könnte man die Gräfin Lichtenau, die 1795/96 ihrerseits über ein Jahr in Italien gewesen war, als die entscheidende Ideengeberin vermuten. Außerdem sei darauf hingewiesen, dass an der Decke im Schlafgemach des Wörlitzer Schlosses eine 1770 in Rom entstandene Kopie des Malers Olivieri angebracht ist.

Im Akademiekatalog wird das Mittelstück knapp beschrieben: „Aurora, welche dem Apoll auf seinem Wagen von den Tagesstunden umgeben vorausfliegt. Nach Guido Reni.“[15] Dagegen mutet die Beschreibung Horvaths blumiger an: „Im Mittelstück ist Apollo mit dem Sonnenwagen, Aurora streuet Blumen vor und wird von einem Genius mit einer Flambe, so den Morgenstern vorstellet, geleuchtet; ferner sieben junge Mädchen, die einen Kreis um den Apollo machen und die sieben Tage in der Woche vorstellen.“[17]

Vor einem flammend gelben Hintergrund prescht Apoll, die Zügel fest in der Hand, in seinem von zwei braunen Pferden gezogenen Sonnenwagen heran. Er trägt einen roten Mantel, der sich farblich ideal mit dem grünen, gelben und blauen Gewand der im Vordergrund auf Wolkenbahnen einherschreitenden Horen ergänzt. Insgesamt sieben Stundengöttinnen flankieren seinen Wagen. Darüber fliegt ein nackter Putto, dessen Fackel den Morgenstern symbolisiert, und an der Spitze des Zuges schwebt Aurora, in gelbem Gewand und weißem Mantel, die Blumenkränze in ihren Händen hält. Unter ihr erhascht man bereits einen Blick auf eine nunmehr vom Tag erleuchtete arkadische Landschaft.

Das nördliche Deckengemälde

Auch die beiden Nebenstücke werden im Akademiekatalog beschrieben: „Die Entführung des Hyazintus und die Entführung des Ganymedes nach Hannibal Caracci.“[15] Jupiter ist dargestellt als schwarzer – und damit zugleich preußischer – Adler, der den nackten Ganymed in seinen Fängen hält, indem er dessen Waden fest umklammert. Zugleich hat dieser jedoch seinen linken Arm um den Hals des Adlers gelegt. Ihr zugewandter Blick lässt gegenseitige Zuneigung erkennen. Einen besonderen Farbakzent setzt Ganymeds zu einer Bahn zusammengelegter roter Mantel, der ihn wie den Adler ornamental hinterfängt. Am Himmel im Bildhintergrund wechseln sich verschiedene Stimmungen ab, wobei die dunklen Wolken den dramatischen Charakter einer Entführung unterstreichen.[18]

Das südliche Deckengemälde

Apoll ist nur leicht mit einem roten Mantel bekleidet, der hinter seinem Rücken herabfällt. In der Rechten hält er eine schön geformte Leier, während seine Linke Hyacinths Unterarm ergriffen hat. Dieser, dargestellt als muskulöser Jüngling, richtet seinen Blick auf Apoll, während er dem Betrachter den Rücken zuwendet. Sein grüner Mantel hat sich reifartig um seinen Unterkörper gewunden. In der Rechten hält er eine blaue Hyacinthe, die an das traurige Unglück erinnert, das die kurze Liebe zwischen den beiden beendete und zu seiner Verwandlung in eine Blume führte.[19]

Das Turmzimmer

Direkt über dem Otaheitischen Kabinett befindet sich das Turmzimmer, dessen Decke ebenfalls gewölbt und mit einer illusionistischen Kuppel ausgemalt ist.[20] Die Wände sind über einem umlaufenden hölzernen Lambris mit gelben Tapeten verkleidet, deren dunkelblaue Borten von dünnem Bambusrohr eingefasst und mit Muscheln bemalt sind. Damit wird nochmals ein Bezug zur Südseeatmosphäre des darunter liegenden Zimmers hergestellt, während sich das Turmzimmer ansonsten aufgrund seiner Kuppel eher der klassischen Baukunst verpflichtet zeigt. Ein erhaltener Entwurf Johann Carl Wilhelm Rosenbergs – also des im Treppenhaus tätigen Malers –, „in Arabesken Geschmack“, doch aufgrund eingestreuter Landschaften und zahlreicher figürlicher Darstellungen relativ aufwendig gehalten, kam nicht zur Ausführung.[21] Zur Ausstattung des Raums gehören 14 Kupferstiche, die mit der Italienreise der Gräfin Lichtenau in Verbindung gebracht werden.

Die Deckenausmalung des Turmzimmers

Peter Ludwig Burnat, der für das Otaheitische Kabinett eine Kuppel im Südseestil entwarf, kehrte hier nun zur klassischen Architektur zurück, indem er die Decke „en Caisson“ gestaltete.[22] Dabei hat er über dem mehrfach profilierten Gesims eine Attikazone aus längsrechteckigen hellblauen Feldern in goldgelben Rahmen angelegt, die von en grisaille gemalten Greifenpaaren eingenommen werden, die sich einander gegenübersitzen. Eine ihrer Pfoten halten sie auf einem Feston, der hinter ihnen in doppeltem Schwung angebracht ist. Von der Attika steigen acht schlichte Rippen zu einem achteckigen Kuppelauge empor, das durch einen achteckigen Stern abgeschlossen ist. Die Kuppelschale wird durch ein Raster aus diagonal verlaufenden Kassetten gegliedert.

Bibliographie

  • Akademiekatalog 1795. – Beschreibung derjenigen Kunstwerke, welche von der Königlichen Akademie der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften in den Zimmern der Akademie über dem Königl. Marstalle auf der Neustadt den 26. September und folgende Tage [...] öffentlich ausgestellt sind, Berlin 1795.
  • Akademiekatalog 1797. – Beschreibung derjenigen Kunstwerke, welche von der Königlichen Akademie der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften in den Zimmern der Akademie über dem Königl. Marstalle auf der Neustadt den 26. September und folgende Tage [...] öffentlich ausgestellt sind, Berlin 1797.
  • Boersch-Supan, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 1989. – Boersch-Supan, Helmut (bearb.): Die Pfaueninsel, hrsg. v. d. Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, Berlin 1989.
  • Göres/Burkhardt/Vogtherr, Friedrich Wilhelm II., 1997. – Göres, Burkhardt/Vogtherr, Christoph Martin/ Evers, Susanne (Hrsg.): Friedrich Wilhelm II. und die Künste. Preußens Weg zum Klassizismus, Ausst. Potsdam, Orangerie und Marmorpalais im Neuen Garten, Weißer Saal im Schloss Charlottenburg, hrsg. v. d. Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam 1997.
  • Horvath, Der Königliche neue Garten, 1802. – Horvath, Carl Christian: Der Königliche neue Garten an der heiligen See, und die Pfauen- Insel bey Potsdam welche Friedrich Wilhelm der Zweyte zu seinem Lieblings- Aufenthalte erbauet hat, Potsdam 1802. Unveränderter fotomechanischer Nachdruck der Originalausgabe. Mit freundlicher Genehmigung der Berliner Staatsbibliothek Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin, hrsg. von der Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci, Potsdam 1991.
  • Poensgen/Effenberger, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 1934. – Poensgen, Georg/Effenberger, Walter (bearb.): Die Pfaueninsel, hrsg. von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, 1. Aufl., Berlin 1934.
  • Schendel/Göres/Seiler, Die Pfaueninsel, 1997. – Schendel, Adelheid/Göres, Burkhardt/ Seiler, Michael: Die Pfaueninsel, in: Göres/Burkhardt/Vogtherr, Friedrich Wilhelm II., 1997, S. 448.
  • Schendel, Johann Christian Angermann, 1997. – Schendel, Adelheid: Johann Christian Angermann. Entwurf für die Rückwand des Saals im Obergeschloß von Schloß Pfaueninsel (1794), in: Göres/Burkhardt/Vogtherr, Friedrich Wilhelm II., 1997, S. 449f., Kat.-Nr. IV.142.
  • Schendel, Johann Carl Wilhelm Rosenberg, 1997. – Schendel, Adelheid: Johann Carl Wilhelm Rosenberg. Entwurf für das Turmzimmer im Obergeschoß von Schloß Pfaueninsel (1794), in: Göres/Burkhardt/Vogtherr, Friedrich Wilhelm II., 1997, S. 448, Kat.-Nr. IV.141.
  • Seiler, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 1993. – Seiler, Michael (bearb.): Die Pfaueninsel 1793–1993, neu hrsg. zum 200. Gartenjubiläum von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, 1. Aufl., Berlin 1993.
  • Seiler, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 2000. – Seiler, Michael (bearb.): Die Pfaueninsel. Amtlicher Führer, Zum 200. Gartenjubiläum 1993, hrsg. v. d. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, 2. neubearb. Aufl., Berlin 2000.

Einzelnachweise

  1. Horvath, Der Königliche neue Garten, 1802, S. 46–49; Boersch-Supan, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 1989, S. 5 f.; Schendel/Göres/Seiler, Die Pfaueninsel, 1997, S. 448; Seiler, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 2000, S. 12–15.
  2. Außenmalerei an der Hauptfassade: Thomas Harndt nach Peter Ludwig Burnat, Burgtor mit Fallgitter, 1975 (1794).
  3. 3,0 3,1 Seiler, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 2000, S. 76.
  4. Horvath, Der Königliche neue Garten, 1802, S. 49 [225]; Boersch-Supan, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 1989, S. 18; Seiler, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 2000, S. 77.
  5. Horvath, Der Königliche neue Garten, 1802, S. 51f. [227f.]; Boersch-Supan, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 1989, S. 24; Seiler, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 2000, S. 80.
  6. Akademiekatalog 1795, S. 58f.
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 Akademiekatalog 1795, S. 59.
  8. 8,0 8,1 Horvath, Der Königliche neue Garten, 1802, S. 52 [228].
  9. Peter Ludwig Lütke, Tropische Landschaft mit Blick auf das Marmorpalais, 1795, GK I 12016.2.
  10. Peter Ludwig Lütke, Tropische Landschaft mit Blick auf die Pfaueninsel, 1795, GK I 12016.1.
  11. Peter Ludwig Lütke, Tropische Landschaft mit Blick auf die Schwanenwerder, 1795, GK I 12016.3.
  12. Horvath, Der Königliche neue Garten, 1802, S. 52 [228]; Boersch-Supan, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 1989, S. 24; Seiler, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 2000, S. 82.
  13. Horvath, Der Königliche neue Garten, 1802, S. 52–54 [228–230]; Boersch-Supan, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 1989, S. 24f.; Seiler, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 2000, S. 82, 84.
  14. Schendel, Johann Christian Agermann, 1997, S. 449f., Kat. IV.142.
  15. 15,0 15,1 15,2 Akademiekatalog 1795, S. 78.
  16. Johann Christoph Frisch nach Guido Reni, Aurora, 1797, GK I 12017.1
  17. Horvath, Der Königliche neue Garten, 1802, S. 53 [229].
  18. Johann Christoph Frisch, Jupiter und Ganymed, 1797, GK I 12017.3.
  19. Johann Christoph Frisch, Apoll und Hyacinth, 1797, GK I 12017.2
  20. Horvath, Der Königliche neue Garten, 1802, S. 55f. [231f.]; Boersch-Supan, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 1989, S. 26; Seiler, Amtlicher Führer Pfaueninsel, 2000, S. 85, 87.
  21. Schendel, Joann Carl Wilhelm Rosenberg, 1997, S. 449, Kat, IV.141.
  22. Horvath, Der Königliche neue Garten, 1802, S. 55 [231].