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Bergisch Gladbach, Neues Schloss Bensberg

Aus Deckenmalerei-Lab
Seeger, Ulrike:Bergisch Gladbach, Neues Schloss Bensberg, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/68dc61b0-50e1-48d7-a467-df4538fedfbb

Inventarnummer: cbdd10286

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Von der umfangreichen Gemäldeausstattung verblieben im Schloss nach 1805 nur die beiden Fresken über den einstigen Treppenhäusern, von denen das der Kurfürstin von Antonio Pellegrini 1943 zerstört wurde. Erhalten hat sich das des Kurfürsten von Domenico Zanetti mit einem Gigantensturz von 1710–1712.

Das kurfürstliche Jagdschloss


Erschließung des Schlosses über die Seitenflügel


Südliche Durchfahrt


Arkadengang zur Erschließung des äußeren Südflügels


Treppenhaus des Kurfürsten im Süden


Deckenfresko Gigantensturz, Domenico Zanetti, 1710–1712

Im Zentrum des Deckenfreskos stützt Jupiter sein rechtes Knie auf eine Wolke, um mit dem rechten erhobenen Arm mit voller Kraft sein Flammen- und Blitzbündel auf die unter ihm stürzenden Giganten zu schleudern. Neben ihm lauert mit gefährlich vorgerecktem Kopf und funkelnden Augen sein Adler mit einem weiteren Blitzbündel im Schnabel. Jupiter mit goldener Krone, blondem Haar und blondem Bart ist nahezu unbekleidet. Lediglich ein zart lilafarbenes, mit den umgebenden Wolken farblich verschmelzendes Tuch umfasst lose seine Scham.

Die Giganten, die angestachelt durch ihre Mutter Gaia, Felsen und Berge aufeinandertürmten, um den Olymp zu erstürmen, stürzen nach allen vier Seiten des Gewölbes. Zanetti hat sie zu Paaren oder ganzen Menschenbündel zusammengefasst, deren Extremitäten nach allen Seiten in den Raum ragen. Die Jugend und Alter, Männer und Frauen abbildenden Gesichter variieren zwischen Erschrecken, Erstaunen und Nachdenklichkeit. Zanetti interessierte sich offenbar sehr für den menschlichen Körper, den er virtuos in allen erdenklichen Haltungen wiedergab. Die stürzenden Felsen, die beispielsweise bei Giulio Romano im Palazzo del Te in Mantua im Vordergrund standen, treten dahinter zurück.

Zanetti hat die Wölbung des Treppenhauses geschickt zur Steigerung seiner Komposition genutzt. Jupiter steht nicht nur im Zentrum, sondern auch im Scheitel des Gewölbes, was ihm trotz seiner perspektivisch bedingten Kleinheit und seines Abstandes zu den stürzenden Giganten großes Gewicht verschafft. Die Giganten mit zum Teil intensiv braunrotem Inkarnat verschwinden eindrucksvoll in die Ecken des an seinen Langseiten durch hochovale Fenster unterbrochenen Gewölbes. Die ungeordnet herausragenden Gliedmaßen, das dunkle Inkarnat und flatternde rote Tücher assoziieren den Aufprall der Giganten mit den lodernden Flammen der Hölle.

Nördliche Durchfahrt


Arkadengang zur Erschließung des äußeren Nordflügels


Treppenhaus der Kurfürstin im Norden


Verlorenes Deckenfresko Sturz des Phaeton, Giovanni Antonio Pellegrini, 1713


Appartement des Kurfürsten im Süden


Appartement der Kurfürstin im Norden


Gemeinsame Raumfolge in der Mitte


Gemeinsames Schlafzimmer auf der Gartenseite


Bibliographie

  • Casey, Magnificence, 2017 = Christine Casey, Making magnificence. Architects, stuccatori and the eighteenth-century interior, London 2017, S. 164.
  • Dobisch, Bensberg, 1938 = Werner Dobisch, Das Neue Schloß zu Bensberg (Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz, 31), Düsseldorf 1938.
  • Fulco, Apotheoses, 2016 = Daniel Fulco, Exuberant Apotheoses. Italian Frescoes in the Holy Roman Empire. Visual Culture and Princely Power in the Age of Enlightenment (Brill’s Studies in Intellectual History, 255; Brill’s Studies on Art, Art History, and Intellectual History, 15), Leiden/Boston 2016.
  • Fulco, Pellegrini, 2018 = Daniel Fulco, Imperial Politics & The War of the Spanish Succession. Giovanni Antonio Pellegrini’s Fall of Phaeton (1713) at Schloss Bensberg, in: Barockberichte, 65 (2018), S. 23–34.
  • Gamer, Alberti, 1978 = Jörg Gamer, Matteo Alberti. Oberbaudirektor des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, Herzogs zu Jülich und Berg etc. (Die Kunstdenkmäler des Rheinlandes, Beiheft 18), Düsseldorf 1978.
  • Knox, Pellegrini, 1995 = Antonio Pellegrini 1675–1741, Oxford 1995.
  • Magani, Bensberg, 2006 = Fabrizio Magani, I pittori veneziani della corte palatina e la decorazione del Castello di Bensberg, 2006, in: Ausst.-Kat. La principessa saggia. L’eredità di Anna Maria Luisa de’ Medici. Elettrice Palatina, a cura di Stefano Casciu, Florenz, Galleria Palatina, Katalog: Livorno 2006, S. 72–77.
  • Quaeitzsch, Augenlust, 2009 = Christian Quaeitzsch, Augenlust und Herrschaft. Bildliche Repräsentationsstrategien am Hofe Johann Wilhelms von der Pfalz: in: Ausst.-Kat. Kurfürst Johann Wilhelms Bilder. Bd.1: Sammler und Mäzen, hg. von Reinhold Baumstark, München 2009, S. 157–187.
  • Rinn-Kupka, Stuck, 2018 = Barbara Rinn-Kupka, Stuck in Deutschland. Von der Frühgeschichte bis in die Gegenwart, Regensburg 2018, S. 162.
  • Weidner, Bellucci, 1926/27 = Heide Weidner, Deckengemälde Antonio Belluccis im Bensberger Schloss, in: Wallraf-Richartz Jahrbuch, 3/4 (1926/27), S. 234–237.

Einzelnachweise