Benediktbeuern, ehem. Benediktinerabtei, Treppenhaus des Südtrakts
Treppenhaus des Südtrakts
Zum Bauwerk: Das Treppenhaus des 1728-31 durch Joseph Hainz und Michael Ötschmann erbauten Süd- oder Gästetrakts wird vom westlichen Klosterhof aus betreten, ist im Erdgeschoß ummauert und führt direkt in das erste Geschoß. Im Obergeschoß nimmt die Treppenanlage den Raum zwischen dem im N durchlaufenden Gang und einer nach S liegenden Estrade ein. Diese verbindet die beiden an das Treppenhaus angrenzenden Räume miteinander (westlich befindet sich der Neue Festsaal), ist von der Treppenanlage jedoch durch eine Gitterbrüstung abgetrennt. Die Deckendekoration faßt den Treppenaufgang und die Estrade zu einer räumlichen Einheit zusammen. – Beleuchtung durch vier S-Fenster (Estrade) und drei N-Fenster (Gang) nur im oberen Geschoß
Auftraggeber: Abt Magnus Pachinger von Benediktbeuern (1707–42)
Autor und Entstehungszeit: A ist am Hundehalsband signiert IIZ. Meichelbeck berichtet von einer Anwesenheit zweier Maler namens Zimmermann ab Mai 1732 in Benediktbeuern (s. Neuer Festsaal S. 103). Neben Johann Baptist Zimmermann dürfte damit sein Sohn Johann Joseph Zimmermann (getauft 6. 10. 1707 Miesbach, † 10. 3. 1743 München) gemeint sein, der ab 1730 bei der Dekoration der Reichen Zimmer in der Münchner Residenz als Mitarbeiter seines Vaters auftritt (Thieme-Becker, Bd 36 [1947], S. 512). Man kann daher die Signatur auf Johann Joseph Zimmermann beziehen, der nur hier und im Neuen Festsaal eigenhändig signiert hat. Aufgrund stilistischer Zusammenhänge kann die Mitarbeit Johann Joseph

Zimmermanns auch an den Deckenbildern der Sommerprälatur und der Gästezimmer angenommen werden (s. S. 111–15 und 119–22).
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachdecke über Hohlkehle Rahmen: A, A1-2 Holzprofilleiste (innen) und Stuckprofil Technik: Öl auf Leinwand; polychrom Maße: Höhe ab Estrade 4,80 m
Höhe ab Estrade 4,80 m
A 3,50 × 5,00
A1-2 2,40 × 3,70
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Gemälde wurden 1976/77 restauriert: A durch Hans-Heinrich Müller-Werther, Ebersberg, und Werner Peltzer, Söcking, A1-2 durch Hans-Heinrich Müller-Werther. Sie wurden gereinigt, es wurden mehrere Löcher geflickt, Risse geschlossen und gelockerte Teile gefestigt, ausgebrochene Stellen ausgetupft und eingestimmt und im ganzen elastisch gemacht. Die Bilder sind jetzt in gutem Zustand.
Beschreibung und Ikonographie
Die drei Deckenbilder (A, A1-2) haben ihre Basis im O. sind also auf den Betrachter bezogen, der die Treppe hinaufsteigt.
A EINTRITT IN DAS KLOSTER Schauplatz der Szene ist eine seichte, bildparallel laufende Landschaftsbühne, an der auf der linken Seite ein säulentragender Torbau aufragt. Diese Architektur ist in starker Untersicht und Verkürzung gegeben; sie ist als Raum konstruiert, in dem sich Figuren bewegen, während in der gedrängten Szene der linken Bildhälfte diese Räumlichkeit fehlt. Hier ist der Schauplatz im Hintergrund von einer indifferenten Himmelskulisse gleichsam abgeschlossen. An dieser Seite entsteht Räumlichkeit nur im Verhältnis der gedrängten Körper zueinander.
Ein Zug von Rittern mit ihrem Gefolge nähert sich dem Klostertor. Zwei vornehm gekleidete Knaben schreiten voran und werden von drei Mönchen unter dem Portal erwartet. Am linken Bildrand sind Diener zu sehen, die eine Kiste heranschleppen, die Ausstattung der Knaben. Der ganze Zug, Ritter, Knaben, Knechte, Hund und Pferde ist mit großer Freude am Detail wiedergegeben, an den Rüstungen und Waffen der Ritter, an den prachtvollen goldgestickten Kleidern und wehenden Helmbuschen der Edelleute.
Der Einsatz der Farben ist einfach: als Buntfarben erscheinen nur Blau und Rot in den Gewändern der Edelleute und Gelb als vermittelnde Farbe in dem reichen Goldaufputz und im Mantel des zweiten Knaben vor den Grauwerten des Himmels; Grau tritt auch in den Rüstungen der Ritter auf. Das Schwarz der Mönchsgewänder steht zu den Farben der Weltleute im Gegensatz, nicht nur in malerischem, sondern auch in inhaltlichem Sinn.
Es handelt sich hier offenbar um eine historische Szene; darauf deuten die Ritterkostüme sowie die Tatsache, daß zwei Knaben von zwei Vätern (?) zum Kloster gebracht
werden. Damit ist die Deutung ausgeschlossen, hier könnte ganz allgemein der Eintritt ins Kloster dargestellt sein. Bei den beiden Knaben handelt es sich wahrscheinlich um die beiden Heiligen Placidus und Maurus, dieser Sohn des römischen Senators Equitius, jener Sohn des römischen Patriziers Tertullus, beide von vornehmer Abkunft. Beide wurden von ihren Vätern schon in jugendlichem Alter dem hl. Benedikt anvertraut (Alfons M. Zimmermann, Kalendarium Benedictinum, Metten 1933–38, Bd 1, S. 85–89, Bd 3, S. 138-40) und treten in Benediktus-Zyklen bei Aufnahme oder Einkleidung gelegentlich gemeinsam auf. Für diese Deutung spricht auch der physiognomische Typ des empfangenden Mönches, der für Benedikt-Darstellungen verbindlich ist.
Möglich wäre auch eine Deutung der Szene im Zusammen hang mit der Benediktbeurer Geschichte: Wilhelm V. ver traut seine Söhne Ferdinand und Philipp, die für der geistlichen Stand erzogen wurden, in der Vakanz dem Ab Johann Benedikt März (1570–1604) an (frdl. Mitt. P. Kar Mindera †; vgl. Mindera, GKF 19703, S. 6). Dieser Deutung widerspricht, daß die Knaben offenbar von zwei Vätern zum Kloster gebracht werden; ferner ist unwahrscheinlich, daß der Herzog oder die Söhne nicht als bayrische Prinzen gekennzeichnet wären.
A1-2 ALLEGORIEN AUF DEN EINTRITT INS KLO- STER Die beiden begleitenden Deckenbilder liegen westlich (A1) und östlich (A2) vom Hauptbild. Es sind einansichtige Szenen gegen O ohne illusionistische Effekte angelegt.
A1 Verzicht auf Reichtum und weltliche Ehren In heftiger Abwehr stoßen zwei Putti zwei weibliche Gestalten zurück, die an den beiden Bildseiten dargestellt sind, und weisen dabei zum Himmel. Links beugt sich die Allegorie des Reichtums über eine Schatztruhe; sie hat als Attribut Geldsäcke bei sich. Die Personifikation des weltlichen Ruhmes rechts ist durch Rüstungsteile und Waffe (= Kriegsruhm) und Herrscherinsignien, Kurhut und Zepter (= Macht) gekennzeichnet; sie bietet den Puttoknaben eine goldene Krone an.
A2 Verzicht auf irdische Liebe und Eitelkeit Die beiden Putti in der Bildmitte weisen mit heftigen Gebärden die Gaben der weiblichen Allegorien an den Bildseiten zurück. Der linke tritt die Kugel der Fortuna und hebt abwehrend beide Hände. Die zugehörige Allegorie hat neben der Kugel eine Maske als Attribut. Die Maske, Attribut der Fraus wie auch der Superbia, und die Kugel, als Fortuna-Symbol Zeichen der Vergänglichkeit des Glücks und damit Vanitas-Attribut, weisen beide auf die Eitelkeit des irdischen Glücks hin. Die rechte Allegorie sitzt unter einem roten Vorhang, der über einen dürren Ast drapiert ist. Sie hat den Amorknaben bei sich, der Pfeil und Bogen auf die Puttoknaben richtet. Sie verkörpert Amor carnalis, die irdische Liebe.
Literatur siehe S. 133