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Beidenfleth, Hof Groß Kampen 20

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Beidenfleth, Hof Groß Kampen 20, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/66eb4e74-18a2-4a75-a4f5-88d07077a1b3

Inventarnummer: cbdd20127

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

In der Sommerstube des Hofs hat sich an einer Wand die ehemalige Raumausmalung erhalten. Sie fingiert eine offene Veranda, von der aus man die vornehme Gesellschaft vorbeiziehen sieht. Eine weitere Dame reist in einer Kutsche an. Motiv und Qualität sind im bäuerlichen Bereich ohne Vergleich.

Der Hof Groß Kampen 20

Kurzbeschreibung und Lage

Der Hof steht auf einer Warft, die von Resten eines umlaufenden Grabens umgeben ist.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Die Hofstelle ist seit dem Ende des 16. Jahrhunderts nachgewiesen. Das heutige Bauernhaus wurde um 1740 errichtet.[1] Damals gehörte der Hof Marten Witt und seiner Frau Gesche. Im 19. Jahrhundert erhielt der Wohnbereich eine klassizistische Backsteinfassade. 1911 wurden die Stuben des Hauses an das Altonaer Museum verkauft, das diese allerdings nicht behielt, sondern weitergab.[2]

Beschreibung

Das Niederdeutsch Hallenhaus von 11 Fach ist mit Reet gedeckt und aufgrund seiner nördlichen Anbauten ein Kreuzhaus. Es handelt sich um ein für die Region typisches Husmannshus.[3]

Die Stube

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Sommerstube wurde um 1740 gebaut. Um 1866 wurde der Raum verändert. 1988 erfolgten Umbauten im Haus und 1999 wurde das Zimmer restauriert.[1][4]

Beschreibung

Die Sommerstube ist der letzte Raum des Flügelbaus und öffnet sich mit Fenstern nach Norden und Westen. Die Außenwände und die Ostwand sind gemauert, die Südwand ist aus Eichenbohlen gefertigt.[5]

Das Wandbild in der Stube

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei ist um 1740 entstanden. Sie bedeckte ehemals alle Wände des Raums. 1866 wurde sie verdeckt und erst 1998 bei Umbauarbeiten wiederentdeckt. Freigelegt wurde sie nur an der Holzwand, wo sie am besten erhalten ist. Auf dem Putz fanden sich nur fragmentarische Reste. Stark geschädigt ist die Malerei auch auf der Holzwand rechts. Ehemals befanden sich dort wohl Fliesen, um das Holz vor der Hitze des nachträglich eingebauten Ofens zu schützen und diese zu reflektieren. Ferner weist der obere Bereich der Malerei einen Schaden an der Stelle auf, wo ursprünglich eine abgehängte Decke an die Wand stieß.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Die sichtbare Malerei fingiert den Blick über marmorierter Brüstung — auf der Vasen mit Orangenbäumen stehen — in eine weite Landschaft. Im Vordergrund wandeln mehrere Personen allein und in Gruppen. Oben befindet sich eine gemalte Draperie, sodass der Eindruck entsteht, man befinde sich in einer Veranda. Links schreitet ein einsamer Herr im roten Rock mit Schirmmütze und Tabakpfeife. Rechts von ihm wird eine Dame im blauen Kleid von einem Mann mit Dreispitz und ebenfalls einen roten Rock tragend geführt. Dieser hat seinen Stock hoch erhoben und scheint der Dame offenbar etwas zu erklären. In der Mitte sitzt ein Flötenspieler vor einem Strauch auf einem Postament. Rechts von ihm diskutiert eine Gruppe von drei Herren in blauen und roten Röcken und mit Drei- bzw. Zweispitzen auf ihren Häuptern. Ganz rechts gehen ein Pastor und ein Herr im roten Rock spazieren. Blickkontakt zu den Betrachtenden stellen die Dame und der Pastor her. Im Bildmittelgrund erhebt sich ein Weinberg. Vor diesem fährt eine von zwei Rappen gezogene Kutsche mit einer Dame sowie livriertem Kutscher und Diener vorbei. Ein weiterer Livrierter eilt der Kutsche mit einem Brief in der Hand voraus — wohl um den Besuch der Dame anzukündigen. Auf der Kutschentür sind die Initialen HB und JJK auszumachen. Sie können bislang nicht gedeutet werden und beziehen sich eventuell auf den Künstler. Am Weinberg steht ein sehr stilisiert dargestelltes rotes Haus. Hinter dem Berg fließt ein Fluss, der sich links ins Meer ergießt und auf dem ein Schiff in Richtung offene See steuert. Außerdem sind zwei größere Ansiedlungen oder kleine Städte, eine Windmühle sowie eine Hügellandschaft erkennbar. Auf dem dargestellten Meer ist eine Insel mit einer weiteren Ansiedlung gelegen. Auch hier sind alle Bauten rot. Am linken Bildrand segeln weitere Schiffe dem Horizont entgegen.[7]

Bedeutung der Malerei

Die Malerei ist von vergleichsweise hoher Qualität. Ein wandfüllendes Gemälde mit nur einem Motiv, das den Raum erweitern und einen tatsächlichen Blick auf eine Landschaft imaginieren soll, ist für die Region einzigartig. Auch der repräsentative Anspruch mit Orangenbäumen, einer Kutsche mit Bediensteten und der vornehmen Gesellschaft sind bislang ohne Vergleich. Es wurde sogar vermutet, dass die Dargestellten porträthafte Züge haben. Prinzipiell war die Ausmalung einer nicht beheizbaren Sommerstube aber Standard.[8]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Butt, Traum, 2000. — Butt, Britta: Der Traum vom schönen Leben .... Die Wiederentdeckung von Landschaftsmalereien aus dem Rokoko in einem Bauernhaus der Wilstermarsch, in: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein 7 (2000), S. 65-68.
  • Archivalien:
  • ONR 6361. — Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte IZ Beidenfleth, Groß Kampen 20, Fachhallenhaus. ONR 6361. lfd. Nr. 11626, Bd. 1.
  • Ochsenfarth, Beidenfleth, 1999. — Ochsenfarth Restaurierungen: Dokumentation zur Restaurierung einer Rokokomalerei in Beidenfleth, Groß Kampen 20. August 1999. Im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Akte IZ, Beidenfleth, Groß Kampen 20, Fachhallenhaus. ONR 6361, RM 69).

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Butt, Traum, 2000, S. 65.
  2. ONR 6361.
  3. Butt, Traum, 2000, S. 65. ONR 6361.
  4. Ochsenfarth, Beidenfelth, 1999, S. 6.
  5. Butt, Traum, 2000, S. 65-66.
  6. Butt, Traum, 2000, S. 65-66. Ochsenfarth, Beidenfelth, 1999, S. 3, 6.
  7. Butt, Traum, 2000, S. 65, 67. Ochsenfarth, Beidenfelth, 1999, S. 4.
  8. Butt, Traum, 2000, S. 65, 67.