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Bayersoien, Pfarrkirche St. Georg

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 273–274, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung dem Augustinerchorherrenstift Rottenbuch inkorporiert, Kloster-Ettalisches-Gericht Ammergau

Patrozinium: St. Georg

Zum Bauwerk: Umgestaltung der spätgotischen Kirche 1717, aus dieser Zeit stammt auch die Stuckdekoration. Saalbau zu vier Jochen; Pilastergliederung; im W Doppelempore; gotischer, eingezogener zweijochiger AR mit 3/8- Schluß

Autor und Entstehungszeit: Durch Signatur oder Quellen ist kein Autor überliefert. Der stilistische Befund weist auf Franz Seraph Zwinck (* 1748 Oberammergau † 1792 Oberammergau), den »Lüftlmaler« von Oberammergau. Die oval geformten Gesichter mit dem hinter den Ohren aufgesteckten Haar, die weichen Bewegungen der gerundeten Arme und Beine, die sich zum Teil unter bauschigen Kleidern abzeichnen, sind in Zwincks Bildern überall zu finden (vgl. Kappel, 1779, S. 350-54, besonders die Gestalt der Veronika in B mit der Spes in Bayersoien, und Kirchberg 1784, CBD, Bd 1, S. 422-25; Kirchen, die wie Bayersoien zu Kloster Rottenbuch gehörten. Vgl. auch Margarete Bauer-Heinhold, Bemalte Fassaden, München 1973, Register.) Die Entstehungszeit ist um 1780 anzusetzen.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, C) Flachtonne mit Stichkappen

Rahmen: A, B, C Stuckprofil, A und C in der Form zweier sich durchdringender Vierpässe, B verkröpfter Vierpaß Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 7,60 m; 2,70 × 2,70

B Höhe 7,60 m; 2,70 × 2,70

C Höhe 7,60 m; 2,70 × 2,70

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei der Restaurierung von 1878/79 wurde im AR an die Decke ein blauer

EB1 Stiftung und Neuausstattung der Votivkapell

Sternenhimmel gemalt, der 1930 wieder übertüncht wurde. Die Deckenbilder A, B und C im LHs zeigen Risse, Feuchtigkeitsschäden an den Rändern und Ausbesserungen. 1962/63 Restaurierung der Deckenbilder und Tönung der Gewölbedekoration durch Joseph Lang, Lechbruck.

Beschreibung und Ikonographie

Die Bildkomposition der drei Fresken ist sehr ähnlich. Jede der drei theologischen Tugenden ist als weibliche Figur auf einer Wolkenbank wiedergegeben, eine lichte Himmelsglorie jeweils angedeutet. Puttopaare spielen in den Gewandfalten oder halten die Attribute. Die Figuren sind in leichter Untersicht und geringer Verkürzung gezeigt, der Betrachterstandort ist jeweils in der Mitte darunter. Farblich dominieren in dem hellen blau-rosa bis gelb abschattierten Himmel und den weiß-grauen bis rötlichen Wolken die Gewänder der Tugenden, die in unbunt wirkenden Blau- und Rottönen gehalten sind, bei Spes (B) überwiegt eine lichtgelbe gebauschte Gewandpartie.

A Caritas

A CARITAS Die Liebe zu Gott und zum Nächsten, ist durch die geläufigen Symbolattribute Herz, Flamme und Kind bezeichnet (vgl. Ripa, S. 63–4). Die Symbole sind durch verschiedene Bildmotive variiert: ein Herz in der Hand der Caritas und viele auf einer Schale (= Opfer und Hingabe); Flammen auf dem Haupt der Caritas, auf aller Herzen und auf einer Fackel. Das Kind ist mit einem Putte spielend gezeigt.

B SPES hat den üblichen Anker, dazu ist im Hintergrund ein Segelschiff in Seenot als »fatto« dargestellt.

C FIDES-ECCLESIA präsentiert Kreuz und Eucharistiekelch. Sie sitzt vor einem kleinen Rundbau, der wie die Hostie einen Strahlennimbus hat. Putti halten Papsttiara und -stab.

BAYERSOIEN

C Fides-Ecclesia

Die Göttlichen Tugenden, die traditionell im Zusammenhang umfangreicher Bildprogramme als Begleitbilder auftreten, stellen in Bayersoien allein das Thema für die LH's Ausstattung. Die Vereinfachung der Ikonologie ist bezeichnend für die Spätphase der barocken Deckenmalerei.

Quellen und Literatur

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 5–7. KDB I OB (1), S. 577. Hofmann, Sigfrid, Der Landkreis Schongau, München 1959, S. 51.

DICKELSCHWAIG