Baumburg, Ehem. Augustiner-Chorherrenstift, Sakristei
Sakristei der Pfarrkirche / ehemalige Kapitelkapelle des Stifts Baumburg
Zum Bauwerk: Ehemals lagen im Süden an den Chor der Kirche anschließend am Kreuzgang zwei gotische gewölbte Räume. Der nördliche war die Törringer Kapelle über der Grablege der Törringer, der südliche die Kapitelkapelle über der Gruft der Chorherren. Die Kapitelkapelle wurde wohl anschließend an die erste Barockisierung der Stiftskirche 1690 in einfachen Formen barockisiert. In diese Zeit ist der Stuck zu datieren, schwere Blattgirlanden, die den Gewölbegraten folgen und die Deckenbilder rahmen. An der Westwand befinder sich ein Lavabo aus Rotmarmor mit der Jahreszahl 1696. Der Raum hat zwei Fenster nach O und war ehemals vom Kreuzgang aus zugänglich.

gang aus zu betreten. Das barocke Portal im Kreuzgang ist erhalten. 1909 erhielt der Pfarrer die Genehmigung, die alte Sakristei aus der Johanneskapelle nördlich vom Chor in die Kapitelkapelle über der Gruft der Chorherren zu verlegen, wo sich bis dahin ein Altar befand (AEM, Pfarrakten Baumburg 132 3002 01). Damals wurde wohl die Wand zwischen Törringer und Kapitelkapelle in voller Raumbreite geöffnet, um Raum zu gewinnen. Zugang über die ehem. Törringkapelle von N, der alte Zugang vom Kreuzgang her ist vermauert.
Auftraggeber: Michael Degger, Propst von Baumburg (1688-1706). Die Inschrift am Lavabo an der Westwand nennt ihn als Bauherrn M. P. E. A. N. B. 1696 (= Michael Praepositus et Archidiaconus natus Baumburgensis).
Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Ruprecht Schweindl (* 1623 Ort unbekannt † 1705 Altenmarkt, s. S. 382) um 1696
Dubowy (S. 229) wies die Bilder Felix Anton Scheffler zu, mit dem Vorbehalt, daß sie im Jahr 1910 übermalt worden seien. Zuweisung an Schweindl erstmals durch Walter Brugger (mündliche Mitteilung). Diese Zuweisung ist überzeugend. Mehrere Seitenaltarbilder in der Kirche und einige Bilder im Umfeld der Kirche zeigen den gleichen Figurentyp, gelängt, mit schmalen Köpfen, runden Stirnen und kleinen Gesichtern routiniert gemalt, aber stilistisch altertümlich, so daß angenommen werden kann, daß es sich bei dem Autor dieser Bilder um einen lokalen Maler handelt. Ruprecht Schweindl war seit den fünfziger Jahren des 17. Jh. als vielbeschäftigter Maler in der Klosterhofmark Altenmarkt ansässig und dürfte mit dem Autor der genannten Bildergruppe, zu der auch die Sakristeibilder gehören, zu identifizieren sein. Er starb im Alter von 82 Jahren am 29.4. 1705 in Altenmarkt.


Befund
Träger der Deckenmalerei: Gedrückte Stichkappentonne Rahmen: Kräftige stuckierte Blattkränze Technik: Öl auf Leinwand; polychrom Maße: A Höhe 3,70 m: 1,15 × 1,95 B Höhe 3,70 m; 2,50×1,80 C Höhe 3,70 m: 1,15 × 1,95
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Dubowy fand am Schwibbogen die Jahreszahl 1910 (heute nicht mehr sichtbar) und deutete sie als Restaurierungsdatum. Die Bilder wurden um 1964 durch Jochen Sennfelder aus St. Georgen gereinigt.
Beschreibung und Ikonographie
Das ovale Mittelfeld ist von zwei annähernd halbrunden Feldern begleitet. Dazwischen befinden sich Medaillons mit dem Marienmonogramm (S) und dem Jesusmonogramm (N).
A HEIMSÜCHUNG Ansicht nach N. Elisabeth begrüßt Maria, rechts ist Zacharias dargestellt, am linken Bildrand ist Joseph mit dem Esel beschäftigt. Auf der Schulter hat er die Axt und ein Reisebündel.
B MARIAE HIMMELFAHRT Ansicht nach S. Himmelsszenerie. Maria, in weißem Kleid und blauem Mantel, von Engeln und Putten getragen und begleitet, das Haupt von einem Glorienschein umgeben, schwebt zum Himmel auf.
C JOACHIM UND ANNA Joachim und Anna halten Maria als Wickelkind über der Wiege.
Quellen und Literatur (s. auch S. 40f.) AEM, Pfarrakten Baumburg 132 3002 01 Dubowy, S. 229, als Scheffler Dehio 1990, S. 94.
