Baumburg, Ehem. Augustiner-Chorherrenstift, Ehem. Stiftskirche
Ehem. Augustiner-Chorherrenstift Gemeinde Altenmarkt an der Alz, Pfarrei Baumburg-Altenmarkt, Erzdiözese München und Freising Ehem. Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat Baumburg. Gericht Trostberg
Ehem. Stiftskirche, jetzt Pfarrkirche S. 22. Sakristei S. 41. Turmaufgang S. 44
Zur Geschichte: »Vor 1023 übergaben ein Graf Sizo und seine Frau Judith bei der Einweihung der von ihnen erbauten >ecclesia« zur hl. Margarete in Gegenwart des Salzburger Bischofs Hartwig (991–1023) alle ihre Besitzungen an Baumburg« (van Dülmen, S. 4; Walko, Traditionen Nr. 1, S. 3). Baumburg war in der Frühzeit seiner Existenz ein kleines >coenobium« unbekannter Verfassung, von dem Backmund vermutet, es sei bald wieder eingegangen. Die eigentliche Gründungsgeschichte Baumburgs spielt in den letzten Jahren des 11. Jh. und im beginnenden 12. Jh.; die einzelnen überlieferten Daten sind dabei oft widersprüchlich.
Graf Marquart von Marquartstein, nach van Dülmen wohl Sizos und Judiths Sohn, nach Backmund ihr Enkel, entführte und heiratete in schon fortgeschrittenem Alter Adelheid, die Tochter des Grafen Kuno von Megling (MGH XV/2, S. 1061–1064; in der neueren Forschung Kuno von Frontenhausen-Lechsgemünd, s. Düll, S. 41), starb aber bald darauf und hinterließ sein Vermögen Adelheid mit der Maßgabe, in Baumburg ein Kloster zu Ehren der hl. Margareta zu gründen – also entweder das alte >coenobium« wiederzubeleben oder eine Neugründung an dessen Stelle zu setzen. Adelheid schenkte der Kirche St. Margareta von Baumburg zwar einige Güter, »doch erging diese Schenkung noch an die alte Kirche
in Baumburg vor der Neugründung« (van Dülmen, S. 6). In zweiter Ehe heiratete Adelheid den sehr reichen und mächtigen Grafen Ulrich von Passau (1072–99) und brachte ihm die Güter Marquarts zu. Ulrich starb nach kurzer Ehe bei einer Epidemie auf dem Reichstag von Regensburg. Dritter Gemahl Adelheids wurde Graf Berengar I. von Sulzbach († 1125), von dem sie zwar die Stiftung in Baumburg aus ihrem eingebrachten Besitz verlangte, der sie aber zu ihren Lebzeiten nicht voll zog. Als Adelheid dem Tode nahe war, schwor Berengar, die gelobte Stiftung auszuführen.
Berengar war bereits wegen eines Gelübdes seiner Mutter verpflichtet, ein Stift aufzurichten, und zwar in Berchtesgaden, zu dessen Besiedelung er Augustiner-Chorherren aus Kloster Rottenbuch holte. Das junge Stift Berchtesgaden und sein Gründungspropst Eberwin hatten aber wegen der einsamen und gebirgigen Lage anfangs mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. So wandte sich Berengar um 1107 der Gründung von Baumburg zu, zusammen mit Eberwin, der nun auch Baumburger Gründungspropst wurde. Zu den Gefährten Eberwins holte Berengar weitere Konventualen von Rottenbuch. Später kehrte Eberwin nach Berchtesgaden zurück († 1142). Der Nachfolger Eberwins und zweite Propst von Baumburg, Gottschalk, ließ die große romanische Stiftskirche in Baumburg erbauen. Nach der Klostertradition fand anläßlich ihrer Weihe im Jahr 1156 die Überführung der Leiche Adelheids aus Sulzbach und ihre Beisetzung in Baumburg statt; deshalb wurde früher als ihr Todesjahr 1144 angenommen. Nach neuen Forschungen lag es um 1104/05 (Brückner, Dopsch, Weinfurter).

Das Augustiner-Chorherrenstift Baumburg erlangte Bedeutung vor allem durch die Errichtung der vier Archidiakonate im westlichen Teil der Erzdiözese Salzburg durch Erzbischof Konrad I. im 12. Jh. (bestätigt von Papst Clemens III. 1185) Diese Archidiakonate wurden dem Domstift Salzburg und den Augustiner-Chorherrenstiften Herrenchiemsee, Gars und Baumburg unterstellt, wodurch der jeweilige Propst ›Archidiaconus natus« in seinem Gebiet wurde. Unter Propst Caspar Ebenhauser (1436–79) erhielt Baumburg 1446 die Pontifikalien. Anschluß an die Lateranensische Kongregation 1680 unter Propst Patritius I. Mändl (1658–88).
Bau der barocken Klosteranlage 1688-1737 in zwei Abschnitten: Unter Propst Michael Degger (1688-1706) wurde der höchst baufällige Kreuzgang-Osttrakt samt Törringer Kapelle, Kapitelkapelle und Dormitorium 1696/97 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt; unmittelbar anschließend wurden die übrigen Kreuzgangtrakte erneuert. Ziel war ein »Regular-Gepäu«, also eine regelmäßige barocke Klosteranlage. Propst Patritius II. Stöttner (1707–37) erbaute ab 1727 den Trakt mit der Prälatur, der Prälaturkapelle und den Gastzimmern neu (AEM; Sölch S. 33, Hueber S. 15). 1758 fand die 600-Jahrfeier der ersten Kirchweihe statt.
Baumburg galt als Stift mittlerer Größe. Viele seiner Güter besaß es schon seit dem 12. Jh. »a prima fundatione« (Haderstorfer, S. 6; Walko, Traditionen 1, S. 3 ff.). Zum Stift gehörten die geschlossene Hofmark Altenmarkt mit vielen Gewerbetreibenden, die offene Hofmark Neuenchieming, die Baumburg 1640 von den Grafen Törring von Stein erworben hatte sowie die geschlossene Hofmark Truchtlaching mit dem Sitz Poigen, 1643 von Johann Wolfgang von Ruestorf gekauft; der an Truchtlaching anschließenden Sitz Pullach kaufte Baumburg 1645 von Sebastian Weinmeister. Die Pfarreien Baumburg-Altenmarkt, St. Georgen mit den Filialen Irsing, Kirchstätt und Traunwalchen, Truchtlaching mit der Kuratie Kienberg und den Filialen Ising und Rabenden, sowie Chieming mit Stöttham und Pfaffing waren Baumburg inkorporiert, ebenso die niederösterreichischen Pfarreien Sieghartskirchen und Siezendorf.
Die letzten Jahrzehnte Baumburgs waren durch viele Widrigkeiten und hohe Schulden getrübt. 1797/98 diente das Kloster als Lazarett für die kaiserlichen, 1800/01 nach der Schlacht bei Hohenlinden für die bayrischen und französischen Truppen. Säkularisation 1803, in der Folge Abbruch eines Teils der Klostergebäude. Die erhaltenen Bauten sind teils Pfarrhof, teils in Privatbesitz.
Ehem. Stiftskirche, seit 1803 Pfarrkirche der Pfarrei Baumburg-Altenmarkt. An der Kirche bestand die Bruderschaft Unserer Lieben Schmerzhaften Frau unter dem Kreuz (Confraternitas B. M. V. Dolorosae sub cruce), 1639 der Erzbruderschaft in Rom inkorporiert. 1673 wurde die Skapulier-Bruderschaft eingeführt. Wichtigste Reliquie im Besitz der Stiftskirche war die Hirnschale der hl. Margareta. Im Jahr 1700 erhielt die Kirche aus Rom die Leiber der Märtyrerheiligen Marius und Martha.
Patrozinium: St. Margareta
Zum Bauwerk: Erste Altarweihe in der romanischen Stiftskirche 1140, Weihe der Kirche am 12.7.1156 durch Erzbischof Eberhard von Salzburg unter Assistenz der Bischöfe Hartwig von Regensburg und Hartmann von Brixen. Es war eine dreischiffige Basilika mit drei Apsiden ohne Querhaus.
1383 wurde die Törringer Kapelle erbaut, 1441 an der Nordseite der Kirche die alte Sakristei eingerichtet. Unter Propst Johann IV. Zehentner (1637–48), der der »ecclesiae lucem hanc e decorem« gab, wurden die Fenster vergrößert, der Lettner abgebrochen, die Orgel auf die Westempore verlegt und die Kirche ausgemalt (man mag dabei an die zeitlich nahen Ausmalungen in den Kirchen Mariä Himmelfahrt in Burg St. Leonhard am Wonneberg und St. Anna in Tettelham denken; von der Baumburger Ausmalung unter Zehentner ist nichts erhalten). Die Türme bekamen ihre Zwiebelhauben. Barockisierung des Kircheninnern 1690, wahrscheinlich durch Lorenzo Sciasca.
Lorenzo Sciasca. 1754 waren die Seitenschiffe äußerst baufällig, wegen der Wasserschäden, die aufgrund ihrer zu flachen Dächer entstanden waren; da die Dächer wegen der Belichtung des Mittelschiffs nicht steiler gestellt werden konnten, wurde die Neuwölbung der Kirche als unvermeidbar bezeichnet und es kam, offenbar von Anfang an vom Propst beabsichtigt, zu einem fast völligen Neubau; nur die Turmfront und ein Teil der romanischen Umfassungsmauern wurden belassen. Baumeister war der Trostberger Maurermeister Franz Alois Mayr, der 1754 die Überschläge (Maurer- und Zimmerarbeiten 7622 fl.) und ein Kirchenmodell (s.u.) anfertigte. Mit ihm wurde am 3.1.1755 der Kontrakt geschlossen. Innendekoration 1757, Weihe der Kirche am 16.10.1757 durch den Salzburger Fürsterzbischof Sigismund Christoph Graf von Schrattenbach. Zum Restag der ersten Kirchweihe am 17.7.1156 hatte man den Bau nicht mehr fertigstellen können. Die 600-Jahrfeier fand deshalb mit zweijähriger Verspätung vom 26.8.–3.9.1758 statt. Der Stuckator ist unbekannt. Der Wessobrunner Bernhard Rauch wird genannt aufgrund des folgenden Sterbeeintrags in den Matrikeln von Altenmarkt: »8. 3. 1757 Obiit Bernardus Rauch von Unterbeissenberg Oberlands Bayrn maritat: Stocodorer, omnibus morientium Sacramentis ad aeternitatis iter mature rite praemunitus. aetat: 35 ann: «. Der führende Stuckator in Baumburg kann er nicht gewesen sein, weil er bei der Stuckierung des Langhauses 1757 bereits tot war (die Chorstuckierung ist auf der Chorbogenkartusche 1756 datiert). Außerdem wird er im Todeseintrag nicht »arteficiosus« oder zumindest »Dominus« genannt, wie es dem Leiter einer so bedeutenden Stuckierung auf jeden Fall zugestanden wäre. Franz Alois Mayr erhalten (Diözesanmuseum Freising, Leihgabe der katholischen Kirchenstiftung Baumburg), das 1754 entstanden ist. Im Innern eingeklebt sind die geplante Stuckdekoration, auf Papier gezeichnet, sowie die Altäre, Oratorien und die Gliederung des Raums. Die Felder der geplanten Fresken sind mit Zitaten aus dem Neuen Testament belegt.
Für Baumburg ist ein bemerkenswertes Kirchenmodell von Franz Alois Mayr erhalten (Diözesanmuseum Freising, Leihgabe der katholischen Kirchenstiftung Baumburg), das 1754 entstanden ist. Im Innern eingeklebt sind die geplante Stuckdekoration, auf Papier gezeichnet, sowie die Altäre, Oratorien und die Gliederung des Raums. Die Felder der geplanten Fresken sind mit Zitaten aus dem Neuen Testament belegt.

kierung sind leer. Die eingeklebte Zeichnung der Dekoration wurde von Kreilinger 1976 Johann Baptist Zimmermann zugewiesen (S. 144–46). 1752 hatte Franz Alois Mayr die Kirche Margarethenberg erbaut (Lkr. Altötting, CBD Bd 9, S. 119f.), die 1753 von Johann Baptist Zimmermann freskiert worden war. Die Stuckierung Margarethenbergs gilt als Werk von Mitarbeitern Zimmermanns, möglicherweise nach einem Entwurf des Meisters (nach der Signatur H:F: kann man auf Hans Georg Funk als mitarbeitenden Stuckator schließen). So ist der Gedanke an eine weitere Zusammenarbeit Mayrs mit Zimmermanns Werkstatt in Baumburg naheliegend. Der gezeichnete Stuck im Baumburger Modell zeigt in ornamentalen Details Verwandtschaften mit dem Stuck in Margarethenberg, z. B. in den Kartuschen mit den stuckierten Insignien, in den Rocaille-Formen, die oft als mit gereihten zungenförmigen Motiven besetzte C-Bögen gestaltet sind, oder feinen Dekoration der Stichkappen. Gerade diese Details sind aber nicht eigentlich typisch für Zimmermann, der bei Stuckierungen unter seiner Regie den Mitarbeitern viel Freiheit ließ. Zudem unterscheidet sich der Margarethenberger Stuck vom gezeichneten Stuck im Baumburger Modell dadurch, daß er die Architektur akzentuiert, wobei die freien Flächen des Ornament-Grundes eine große Rolle spielen; im Modell aber füllt der Stuck gleichmäßig und spannungslos die Rahmenzone der Fresken. Daß Zimmermann selbst mit dem Stuckentwurf für Baumburg befaßt war, kann man also ausschließen; es ist aber durchaus möglich, daß ein Margarethenberger Mitarbeiter ihn zeichnete, vielleicht der gleiche, der 1752/54 den kleinen Raum in der Abtkapelle Raitenhaslach stuckierte (Lkr. Altötting, CBD Bd 9, S. 180-82).
Der Stuck im Modell unterscheidet sich wesentlich vom ausgeführten Stuck in Baumburg, wie auch Kreilinger beobachtete (S. 44). Der Baumburger Stuck hat mit Zimmermann und seiner Werkstatt nichts zu tun. Daß er wessobrunnisch ist, steht außer Frage.
Der Hochaltar aus Stuckmarmor wurde nach Plänen des Trostberger Bildhauers Johann Georg Kapfer (seit spätestens 1754 in Trostberg ansässig) durch die Wessobrunner Stuckatoren wohl im Winter 1756/57 ausgeführt, das Altarblatt ist von dem Augsburger Maler Joseph Hartmann 1757. Mit dem im Baumburger Modell eingeklebten Hochaltarentwurf hat der ausgeführte Altar nicht allzuviel gemeinsam. Die Seitenaltäre sind Arbeiten von Johann Georg und Benedikt Kapfer unter Verwendung der alten Altarblätter von Ruprecht Schweind (s. S. 42). Als Gesamtkosten der neuen Kirche werden über 40000 fl. angegeben.
Die Kirche liegt in beherrschender Lage über dem Zusammenfluß von Alz und Traun, mit einer durch Architekturmalerei reich ausgestalteten Schaufassade nach Osten und einer Doppelturmfront nach Westen, vor der ein säulenbesetzter Vorbau als Eingang dient. Zwischen den mittelalterlichen Türmen liegt eine niedrige Vorhalle mit darüberliegender Doppeltür. Das Langhaus ist ein Wandpfeilerbau zu vier Jochen. Die tiefen Wandpfeiler sind mit Pilastern besetzt, zwischen ihnen liegen Seitenkapellen mit Quertonnen. Der Raum ist durch rechteckige Fenster mit geschwungenen oberen Abschlüssen in allen Jochen gleichmäßig belichtet. Der Chorbogen mit stuckierter Kartusche und Draperie ist dem Mittelschiff gegenüber kaum eingezogen. Tiefer Chor zu zwei Jochen mit geradem Schluß und seitlich nach vorn ausschwingenden Oratorien, über denen die Fenster ansetzen.
Auftraggeber: Joachim Fischer, Propst von Baumburg (1748–61). Er wurde am 5. 3. 1696 als Sohn eines Brauers in Schärding am Inn geboren, besuchte das Jesuitengymnasium in Burghausen und dann das Seminar in Baumburg. 1714 Profeß in Baumburg, 1720 Priesterweihe, 1733 Dekan. Am 2. 10. 1748 wurde er zum Propst gewählt. Am 18. 12. 1754 bat er in Salzburg um die Genehmigung zum Neubau unter Hinweis auf die Baufälligkeit der alten Seitenschiffe und auf die bevorstehende 600-Jahrfeier. In den Festpredigten anläßlich der 600-Jahrfeier wird er als Schöpfer der neuen Kirche gefeiert. P. Carolus Sölch aus Seeon sagte in seiner Predigt (S. 35), Joachim Fischer habe am Tag seiner Wahl das Versprechen gegeben, »wann er so lang leben solte, und es die harten Zeiten nur ein wenig zulassen wurden, wolle er, auch mit seiner Ungelegenheit, das Gottes=Hauß neu= und schöner auferbauen. Gelt! Gnädige Herr«, rief Sölch dem Propst zu, »dazumahl hast du die Worte Davidis des Königs in Israel gebrauchet: Unam petii a Domino, hanc requiram, ut videam voluptatem Domini, et visitem templum eius (Ps 26,4) ... Gott Lob! dieses hast du erlebet.« P. Ignaz Bonschab (s.u.) beschloß seine Predigt im Druck mit dem Chronogramm FLOREAT PERPETVA AEDES IOACHIMICA (= 1758).
Propst Joachim Fischer starb nach langer schwerer Krankheit am 6. 7. 1761 im Alter von 66 Jahren und wurde in der Kirche begraben. Die Inschrift auf seinem Epitaph feiert ihn als den, »qui lumen sanctae Margaritae ecclesiae totum propemodum ex tenebris revocavit et usque ad magnificentiam sanctae nostrae patronae templum muniit, reduxit, instauravit« (Düll, Nr. 126, S. 222–25).
Der Kirchenbau hatte Baumburg allerdings in schwere Schulden gestürzt. Eine Untersuchungskommission um 1789 sagte, Propst Joachim habe »ohne Einwilligung des Kapitls die noch in gutem Stand sich befundene Klosterkirche abtragen« lassen und die neue Kirche erbaut, »worüber sich m
Verfasser des ikonologischen Programms von Baumburg war mit Sicherheit der Jesuit Ignaz Bonschab (* 28. 10. 1708 in Ingolstadt, Eintritt in die Gesellschaft Jesu am 7.9. 1728, † 24.7. 1780 in Landsberg). 1748–55 war Bonsch vergessen werden«.
Autor und Entstehungszeit: Felix Anton Scheffler (* 1701 München † 1760 Prag) 1757. Signatur in der südwestlichen Ecke von B: Felix Antonius Scheffler, Regni Behemiae Pictor Aulicus, Pragensis, Pinxit. anno 1757. Inschrift am Chorbogen: SOLI DEO GLORIA MDCCLVI.
Die Ausmalung fand also in den Jahren 1756/57 statt, wobei das Chorfresko (dem Fortschreiten der Stuckierung folgend) vor den Langhausfresken entstand. Als Vermittler des Auftrags zur Freskierung an Felix Anton Scheffler ist der Jesuit P. Ignaz Bonschab anzunehmen (s. o.), der seit 1755 in Augsburg wirkte und mit Sicherheit die 1753/54 entstandenen Fresken in der Landsberger Jesuitenkirche kannte, die Thomas Christian Scheffler geschaffen hatte, der am 25. 1. 1756 in Augsburg starb. Auf den Tod Thomas Christian Schefflers kam Felix Anton Scheffler, sein jüngerer Bruder, der noch 1754 in Schloß Jemnischt in Böhmen und in der Pfarrkirche von Okrouhlitz freskiert hatte, nach Bayern und freskierte 1756 in der Ignatiuskapelle der Landsberger Jesuitenkirche (signiert: Felix Antonius Scheffler Pictor Pragensis Ao 1756). Inzwischen war die Kirche in Baumburg soweit fortgeschritten, daß freskiert werden konnte, und man war wahrscheinlich dankbar für die Vermittlung Schefflers durch Bonschab.
Die Fresken in Baumburg waren Felix Anton Schefflers letztes Freskenwerk. Nach ihrer Vollendung kehrte er nach Böhmen zurück, wo er am 10. 1. 1760 in Prag starb.
Die Vermutung Weichslgartners, Franz Joseph Soll habe über Vermittlung Mayrs 1757 in Baumburg mitgearbeitet, ist bedenkenswert. Als auswärtiger Maler hatte Felix Anton Scheffler ja keine festen Gesellen zur Verfügung und war wahrscheinlich auf örtlich ansässige Maler als Gehilfen angewiesen. Wenn Soll aber wirklich an der Freskierung in Baumburg beteiligt war, dann nur in untergeordneten Partien. In den figürlichen Bereichen der Baumburger Fresken läßt sich Solls Hand nicht feststellen. Diese sind durchwegs von Scheffler.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs und AR leicht gedrückte Tonne mit Stichkappen, ohne Gurtteilung
Rahmen: Geschwungene, mit Ornamenten besetzte kräftige Stuckleisten, immer wieder unterbrochen und überspielt von Rocaille-Ornamenten
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 17,50m; 4,00×7,90 B Höhe 17,50m; 21,00×9,80 C Höhe 16,60m; 11,30×7,50
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1912 wurde beklagt, daß die Ausstattung ihrem Verfall entgegengehe. Der Stuck bröckle ab, seine Vergoldung löse sich. Innenrestaurierung 1913 durch Fa. Vitzthum und Schlee, Altötting, mit Reinigung der Fresken. Um 1950 wurden Schäden am Dach gemeldet und ein Wasserschaden in A über der Orgel. Innenrenovierung 1955–58 mit Reinigung und Restaurierung der Fresken durch Sepp Hilz: Schließen der Risse, Beheben der Wasserschäden, Retuschieren der Fehlstellen. Damals war eigentlich eine Wiederherstellung der ursprünglichen Farbigkeit des Stucks beabsichtigt, doch wurden an der Raumfarbigkeit schwerwiegende Veränderungen vorgenommen: der Stuckvorhang hinter dem Hochaltar z. B. wurde glatt blau gefaßt, er war ursprünglich rot und brokatiert, wie hinter dem Altar noch zu sehen ist; die Pilaster im Langhaus, heute einfarbig grau, waren früher marmoriert, den Stuckmarmorsäulen im Chor entsprechend.
Seit 1985 Untersuchungen zur Statik mit befriedigendem Ergebnis, 2000 war Manfred Lauber mit der Sicherung des Deckenbildes im Chor befaßt. Die Deckenbilder sind in gutem Zustand, vor allem, weil auf eine Heizung der Kirche verzichtet wurde. Eine erneute Innenrestaurierung wäre vor allem wegen der Raumfarbigkeit sehr wünschenswert.
Beschreibung und Ikonographie
Als man 1754 in Baumburg den Bau der neuen Stiftskirche plante, »zielete gleich der erste Gedanke, wie billig, vor allen dahin ab, auf daß, um diese feyrlichiste Danck=Begängnuß desto mehr zu verherrlichen, das schon allbereits ziemlich veraltete Gottes-Hauß vast gantz neu, und sowohl nach der Malherey= als Stuckador-Kunst, nach möglichisten Kräfften auf das zierlichiste möchte hergestellet werden. Welches eben die meiste Ursach gewesen, warum, obzwar das sechste Jahrhundert schon Anno 1756 erfüllet worden, doch dieses erfreulichiste Jubel=Fest erst Anno 1758 gehalten wurde, weil man nämlich vernünfftigist warten wolte, biß diese neue Stifft-Kirch von allen Künstleren ihre ausgemachte Vollkommenheit, und durch die gnädigiste Ertz=Bischöfliche Einweyhung ihre höchste Schätzbarkeit erhalten hätte«. Zum Fest selbst war »der gantze Vor=Hof der Stifft=Kirche, und des Klosters... mit herrlichen Triumph=Bögen, anmüthigen Sinn=Bildern, Chronologischen Inschrifften auf das möglichiste ausgezieret« und überall waren Baum- und Blumenstöcke aufgestellt (»600jähriges Dank- und Jubelfest«, Vorwort).
Die Grundideen des Bildprogramms werden in den Predigten Bonschabs und Sölchs ausgesprochen. Der Kirchenpatron, der Orden und sein Gründer sowie die jeweils individuelle Geschichte sind die drei Hauptthemen jeder Ausmalung einer Stiftskirche. In Baumburg stellte sie Bonschab in den Sinnzusammenhang vom Tempel der kindlichen Dankbarkeit des Stiftes seinen zeitlichen und geistlichen Eltern gegenüber. Die Gründer und damit die zeitlichen Eltern des Stiftes sind Adelheid und ihre drei Ehemänner, die im Chorfresko C in einem »sepulcrum honoris« geehrt sind. Die geistlichen Eltern sind Augustinus und Margareta. Die Taten und Verdienste des Ordenspatrons Augustinus sind im Hauptfresko B ausführlich dargestellt, Margareta wird im Chorfresko gewürdigt.
Im Raumeindruck wirken die Fresken in ihrer Gesamtheit etwas schwer und drückend, was auch durch den sehr guten und nicht üppig, aber souverän eingesetzten Stuck in der für das fortgeschrittene 18. Jh. typischen Farbstellung Malachitgrün auf Weiß nicht ganz ausgeglichen wird. Im Detail aber sind die Deckenbilder erstaunlich qualitätvoll, fein und sorgfältig ausgearbeitet. Für die Gedrängtheit im Bild waren nicht zuletzt die Vorgaben des inhaltsreichen Programms verantwortlich. Hier war wohl das (in Baumburg immer präsente) Vorbild Raitenhaslach bestimmend. Ein Beispiel mag das illustrieren: Baumburg war Grablege für 76 Adelsfamilien, von denen Bonschab in seiner Predigt die Törring, Wart, Amerang, Seyboltstorff, Tattenbach, Fugger und Taufkirchen nennt. In diesem Zusammenhang vergleicht er die Kirche mit dem »benachbarten unvergleichlich schön-erbauten Gottes=Hauß«.

in Raitenhaslach. Das sei »holdseelig mit vielen Wappen geschmückt«, sagt Bonschab (die Wappenschilde sind dort überall im Stuck angebracht, s. CBD Bd 9, S. 172 f.): Wenn man in Baumburg den Stiftern und den hier Begrabenen die gleiche Ehre erwiesen hätte, »muste es (Baumburg) zu einer gantzen Schildkrotte und mit lauter Schilderen bekleydet werden« (S. 15); man habe also darauf verzichtet.
A DAVID PSALLENS - ENGELSKONZERT Ansicht nach W. Der Aufsatz des Orgelgehäuses verdeckt zum großen Teil den Blick auf das Fresko, wobei oben auf der Empore mehr zu sehen ist als vom Langhaus aus. Links halten zwei fliegende Putten einen schweren und großen Vorhang und enthüllen dadurch ein alttestamentliches Szenarium. Über Stufen, auf denen der siebenarmige Leuchter steht, ist der Altar des Salomonischen Tempels mit der Bundeslade und den Gesetzesstafeln des Moses zu sehen, darüber das Jahwe-Zeichen. David, auf der Harfe psallierend, kniet davor (die Figur des David ist wegen der Orgel nicht sichtbar). Diese Szene in der linken Bildhälfte, durch Vorhang und Verschattung von der Hauptdarstellung distanziert, ist als Präfiguration des Engelskonzerts zu verstehen, das die rechte Bildseite einnimmt und das die »Realität« darstellt. In einem großem Kuppelraum, dessen Gewölbe zwischen den eingedrungenen Wolken stellenweise sichtbar ist, und aus dem der obere Lambrequinabschluß eines Baldachins ins Bild ragt, sind auf den Wolken viele musizierende und singende Engel versammelt. Ein Engel spielt auf einer Orgel. In dem aufgeschlagenen Notenbuch, das einer der Engel hält, ist der Text LAUDATE DOMINUM OMNES ANGELI EJUS zu lesen (nach Ps 148,2). Bonschab erinnert bei diesem Fresko daran, daß David der Gedanke gekommen sei, Gott durch den Bau eines Tempels zu danken – ebenso wie den Baumburger Chorherren, und stellt dadurch einen zweiten antetypischen Bezug her: der neue prachtvolle Kirchenbau ist hier als neuer Tempel Davids apostrophiert (s. auch Brossette, S. 139).
B VERDIENSTE UND GLORIE DES HL. AUGUSTINUS Das große Hauptbild faßt die vier LHs-Joche zusammen. Der aus gekurvten Abschnitten zusammengesetzte Rahmen folgt bis zu einem gewissen Grad der architektonischen Konstruktion (Tonne über Wandpfeilern mit Stichkappen). Verschleifungen nähern das Fresko jedoch der Form eines sehr langen Rechtecks an. Es zeigt eine umlaufende Szenerie; an der O- und W-Seite sind ornamental-kulissenhafte Architekturen in Form von Mansionen als Hauptansichten ausgebildet, die Längsseiten sind landschaftlichen Schauplätzen vorbehalten, in denen zahlreiche figürliche Szenen spielen. Durch die zentralperspektivische Konstruktion, in der sich die vertikalen Fluchtlinien der Darstellungen aller vier Seiten in der Mitte des Deckenbildes treffen, versucht Scheffler, die vielen Szenen mit ihren Figuren und Kulissen zu einer Bildeinheit zusammenzufassen.
P. Ignaz Bonschab, der Verfasser des Programms und Erläuterer der Darstellungen in der vierten Festpredigt 1758, hat wahrscheinlich die Darstellung der Verdienste des hl. Augustinus nicht für ein großes Bildfeld, sondern für drei Bildfelder entworfen, denn er spricht von »dreyen Acten, oder Hauptöffnungen« und weiter mehrfach von »drei Öffnungen«, vor allem in der Beschreibung der zentralen Glorie mit den Engeln, die die Ruhmeszeichen tragen. Dadurch lassen sich kleine Unstimmigkeiten zwischen Predigttext und Bild erkennen.

klären. Scheffler unternahm es dann wohl, die drei ohnehin sehr komplexen Bildvorwürfe in einem (weitaus moderneren) großen Bildfeld unterzubringen.
Thema ist die Glorie des hl. Augustinus und die Darstellung seiner Verdienste in Hinsicht auf das Heilsgeschehen. Das Fresko bringt eine komplizierte Kompilation aus Viten-Szenen des hl. Augustinus einerseits und theologischer Argumentation andererseits, was zusammen mit der farbig-naiven und teilweise fast bilderbuchhaften Darstellung Schefflers gerade durch den Kontrast von Inhalt und Form der Vermittlung reizvoll ist. Augustinus selbst tritt im Bild zehnmal auf, fünfmal als Individuum, fünfmal eher als Repräsentant der Augustiner-Orden. Scheffler zeichnete seine Gesichtszüge mit großer Sorgfalt und bemühte sich, die Individualität bei der Wandlung vom jungen Mann bis zum Greis beizubehalten.
AUGUSTINUS VOR DER DREIFALTIGKEIT Im Zentrum des Bildes erscheint eine riesige runde Strahlenglorie, deren Rand mit zahllosen winzigen Engelsköpfchen besetzt ist; in der Glorienmitte ist das Dreifaltigkeitssymbol mit der Taube des Heiligen Geistes zu sehen. Auf Wolken darunter sind Gottvater und Christus dargestellt. Sie wie auch die anschließende himmlische Szene sind auf die Hauptansicht nach O bezogen.
Gottvater, auf Wolken thronend, hält das Zepter in der Linken über der Weltkugel. Christus, auf Wolken schreitend, hat die Arme ausgestreckt. Augustinus wird von zwei großen Engeln zur Dreifaltigkeit emporgetragen. Er ist in Chorkleidung, trägt das Rochett über dem weißen Habit der Lateranischen Chorherren und darüber die violette Almutia, auf der Brust das Pektorale, Ehrenzeichen der Bischöfe und Äbte. Mitra und Stab, seine bischöflichen Würdezeichen, werden von einem Engel gehalten. Augustinus blickt zu Gottvater und Christus auf und präsentiert ihnen mit der Rechten in einem weißen Tuch das brennende, von einem Pfeil durchbohrte Herz, sein Attribut. Aus dem Tüchlein tropfen Tränen und fallen in eine goldene Schale, die ein großer Engel in goldfarbener Draperie hält. Das Herz ist Zeichen der großen Gottesliebe des Heiligen; die Tränen sind laut Bonschab Zeichen seiner großen Demut. Symbolisch bringt Augustinus mit Herz und Tränen die Tugenden seiner großen Liebe zu Gott und seiner großen Demut als die wichtigsten seiner Verdienste der Dreifaltigkeit dar.
Westlich von dieser Szene sind auf einer querliegenden Wolkenbank mehrere Heilige versammelt, die Bonschab in seiner Predigt nicht erklärt. Doch bringt auch P. Carolus Sölch in seiner Predigt viel Erhellendes zum Bildprogramm. Er zählt unter die reichen Früchte, die das Wirken des hl. Augustinus hervorbrachte, die Orden nach der Regel des hl. Augustinus, die Augustiner-Eremiten, die Ritterorden und vor allem die Chorherren, »welche obschon sie ursprünglich nicht von dem Heil. Augustinus herkommen, dannoch in den Baum des heil. Augustini als schönste Zweige der Kirch also seynd eingepfropftet worden, daß sie dem Heil. Augustinus allen Safft, Krafft, und Fruchtbarkeit danckbarlich zuschreiben« (S. 26). Die Heiligen unterhalb von Augustinus sind stellvertretend für die Orden nach der Augustinerregel dargestellt. Sie sind nur durch ihre Kloster-bzw. Standestrachten, nicht aber durch persönliche Attribute gekennzeichnet. Links beginnt die Reihe mit drei Augustiner-Chorfrauen in weißem Habit mit Rochett und schwarzem Schleier. Auf einer Wolke vor ihnen kniet hochaufgerichtet, mit weitgebreiteten Armen in ähnlicher Tracht, nur in einem besonders feingefältelten Rochett die hl. Monika, die Mutter des hl. Augustinus, die ihre Blicke auf den Sohn gerichtet hat. Vor ihr liegt ein Buch, ein Putto zu ihren Füßen hält eine Steintafel mit dem Namen Jesu IHS. Es folgt nach rechts ein bärtiger Mönch in brauner Kutte; er repräsentiert die Bettelorden nach der Augustinerregel, deren bedeutendster die Augustiner-Eremiten sind (diese tragen einen schwarzen Habit mit Ledergürtel). Im Hintergrund sieht man die Köpfe mehrerer Heiliger in Meßgewändern; zwei von ihnen halten Märtyrerpalmen. Sie vertreten die Märtyrer aus den Augustiner-Orden. Rechts davon thront auf Wolken ein graubärtiger Kardinal in rotem Gewand, neben sich den Kardinalshut und ein Buch, und schräg über ihm ein Papst mit Tiara und Pluviale. Im Hintergrund ist der Kopf eines Bischofs mit Pedum zu sehen, sowie ein weiterer graubärtiger Kopf. Sie stellen die hohen geistlichen Würdenträger dar, die aus diesen Orden hervorgegangen sind. »Weil auf den Päbstlichen Stuhl gesessen 54 Römische Stadthalter Christi auf Erden. Mit dem Purpur der Kirch (Kardinäle) haben ohne Hoffart gepranget mehr als 300. Die Anzahl der Ertz=Bischöffen, und Bischöffen übersteiget fast allen Glauben« (Sölch, S. 28; s. auch Hueber, S. 12)
Ganz rechts auf einer Wolke erscheinen Petrus und Paulus. Paulus trägt ein grünes Gewand mit rotem Mantel und hat das Schwert in der Hand. Petrus neben ihm hat ein blaues Gewand und einen gelben Mantel; er hält in der Linken ein Buch und in der rechten einen goldenen und einem silbernen Schlüssel an einem Bund. Petrus und Paulus scheinen zunächst in den genannten Zusammenhang nicht zu passen. Doch sagt Sölch, Chorherren gebe es seit Anfang der Kirche »als welche schon zu Apostel=Zeiten unter einem Oberhaubt ein gemeinschafftliches Leben geführet«. Damit könnte Petrus auf das Alter der Institution der Chorherren hinweisen; sie sind »superaedificati super fundamentum Apostolorum« (Sölch). Paulus hat in der Vita Augustini eine besondere Bedeutung: Die entscheidende Stelle aus der Heiligen Schrift, die zur seiner Bekehrung führte, waren Worte des Paulus aus dem Brief an die Römer (s. S. 30). Bonschab spricht ihn in seiner Predigt an: »Heiliger Paulus, du hast durch deine Hand in und durch Augustinus einen solchen Baum (Baumburg) in den Weinberg des Herrngepflanzet...«.
An der Fresko-Nordseite ist im Himmelsbereich eine Wolke mit vier Erzengeln zu sehen. Zuvorderst sitzt Raphael mit dem Stab, von unten fliegt Gabriel mit der Lilie herbei, als nächster thront Michael auf der Wolke, in goldener Rüstung, mit Flammenschwert und dem Schild des St.-Michael-Ordens (Aufschrift FFPP = fideliter, fortiter, pie, perseveranter). Mit dem Engel links hinter Michael, der in der Haltung tiefster Devo- tion, mit den Händen das Gesicht verbergend dargestellt ist, dürfte der Erzengel Uriel gemeint sein.
ENGEL MIT HIMMLISCHEM LOHN UND EHRENZEICHEN Der Gedanke, welchen Himmelslohn und welche irdischen Ehren Augustinus und mit ihm die Mitglieder der Familia Sancti Augustini auf ihre Häupter sammeln, wird durch vier Engelsgruppen an den vier Ecken der Himmelsdarstellung weitergeführt. Es sind erstens die weltlichen Ehren: Ein großer Engel in der Südostecke präsentiert die Kaiserkrone, während der Putto bei ihm auf einem roten, goldgesäumten Kissen eine weitere Krone, einen Kurhut und einen Ritterhelm mit großem Federbusch hat. Die weltlichen Ehrenzeichen beziehen sich auf höchste weltliche Würdenträger, die dem Dritten Orden bzw. den Ritterorden nach der Augustinerregel angehörten. Auf die hohen geistlichen Würden der Ordensangehörigen bezieht sich der Engel im Nordosten: Er hält auf seinem rotgoldenen Kissen die päpstliche Tiara und den Kardinalshut, sowie in Seitenansicht eine Mitra. Die Gruppe im Südwesten bringt den Lohn für die Märtyrer aus der Ordensfamilie der Augustiner: ein großer Engel hält Palmzweig und Kranz hoch, der Putto neben ihm hält ebenfalls einen Kranz, hat aber außerdem einen ganzen Vorrat an Märtyrerlohn bei sich: eine Garbe von Palmzweigen und einen Korb voller Märtyrerkränze. Es bleibt die Gruppe im Nordwesten. Hier hat ein großer Engel im rechten Arm ein Füllhorn mit einer Getreidegarbe, Trauben, Kirschen, Birnen und Apfeln; mit der Linken hält er zwei Ähren hoch. Ein Putto zu seinen Füßen hat eine Lilie in der Hand und zwei Putten rechts davon präsentieren einen Korb mit Blüten sowie einzelne Blumen. Durch Blumen und Früchte sind allgemeine göttliche Gnadenerweise symbolisiert, Blühen und Gedeihen der ganzen Ordensfamilie

Bonschab bezeichnet die Engel als »über die Werck Augustinus flügend ... deren einer eine Menge der schönsten Früchten Trauben, Ähren Blumen gleichsam über Augustinus und sein Werck herab regnen lasse, der andere besträu Lorbeer und Palmen, der dritte zieret ihne mit Kronen und Helm, der vierte mit Inflen und höchsten Ehrenzeichen der Kirch Christi« (S. 24).
Ostseite – BEKEHRUNG UND TAUFE DES HL. AUGUSTINUS Die dreigeteilte Zierarchitektur an der Ostseite ist aus bewachsenen Treillagen gebildet, sie stellt einen »dreyfachen, holdseeligen, lebhafftist-grünenden Portall oder Lust- Bogen« in einem »herrlichen Garten« dar (S. 21). In der linken Bogenöffnung sieht man einen bärtigen, elegant gekleideten Herrn unter einem Feigenbaum sitzen. Die ferne Vergangenheit seiner Existenz ist durch mittelalterliche Kleidung angezeigt, weiße Strümpfe mit grünen Strumpfbändern, einen roten, mit Hermelin besetzten Mantel und eine grüngelbe geschlitzte Pumphose. Es ist der junge Augustinus unter dem Feigenbaum im Garten seines Freundes Alypius. Über ihm schwebt auf einem weißen Wölkchen ein Engel, aus dessen Mund ein Schriftstrahl ausgeht mit den Worten TOLLE LEGE.
Es handelt sich um die Szene der Bekehrung nach den Confessiones des Augustinus (8,12), in denen er berichtet, als er einst im Garten seines Freundes war, sei er in Trauer und Verwirrung über sein schuldvolles Leben gewesen und habe in der größten Bitterkeit seines Herzens geweint. Und siehe, er hörte aus dem benachbarten Hause die Stimme eines Knaben oder eines Mädchens in singendem Tone sagen und öfters wiederholen: Nimm und lies, nimm und lies. Augustinus erinnerte sich, daß für die Bekehrung eines Mannes namens Antonius eine Stelle im Evangelium bestimmend gewesen sei, auf die er zufällig gestoßen war, und daß dieser sich daraufhin sofort bekehrt habe. So nahm er das Evangelium, schlug es auf und fand die Stelle aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (13,13 f.): »Wie am Tage laßt uns ehrbar wandeln, nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Wollust und Ausschweifungen, nicht in Streitereien und Eifersüchten. Zieh vielmehr den Herrn Jesus Christus an.« Die Worte »Tolle lege« kommen in der Bildtradition dieser Szene manchmal vor einem Engel, oft mit einem Schriftstrahl direkt vom Himmel. Der Bekehrung ist in der rechten Bogenöffnung die Taufe durch Bischof Ambrosius von Mailand gegenüber gestellt (Confessiones 9,6). Augustinus trägt die Kleider der Bekehrungsszene, den hermelinbesetzten Mantel und die mittelalterliche Pumphose, dazu ein violettes Wams. Er kniet vor dem Bischof Ambrosius, der mit der Mitra auf dem Haupt und im goldenen Pluviale dargestellt ist. Ambrosius tauft Augustinus, während zwei Ministranten die Schale mit dem Taufwasser und das Pedum halten. Ein Engel schwebt über der Szene, mit dem Schriftstrahl TE DEUM, der daran erinnert, daß Ambrosius und Augustinus nach der Taufe im Wechselgesang das »Te Deum laudamus« gesungen haben sollen.
AUGUSTINUS ZWISCHEN DEM GEKREUZIGTEN UND MARIA In der Mitte unter einem »hoh-auffsteigen den Triumph-Bogen erscheint ein gantz neuer und andere Augustinus, wie er nämlich über die, unter seinen Füssen lie gende gantze Erden und alles irdisches unter den Stufen recht Züchtigung des Lasters, links Symbole der irdischen Eitelkei ten, einen Heldenmäßigen Sieg, und darfür einen zweyfacher Siegs- und Jubel-Trunck von dem Himmel erhalten, den erster aus dem verwundeten Hertz Jesu, seines gecreitzigten Hey lands, den anderten von der Jungfräulichen Brust Mariae, sei ner liebsten Mutter« (Bonschab, S. 22). Augustinus, wie in der Himmelsszene in geistlichem Gewand kniet zwischen dem hochaufragenden Kruzifixus und der auf Wolken erscheinenden Maria, die die Hand auf ihre Brust gelegt hat. Augustinus zwischen dem Blut Christi und der Milch Mariens ist eines der Lieblingsthemen der Augustinus-Zyklen. Es handelt sich um eine legendäre Vision (in den Schriften des Augustinus wird sie nirgends erwähnt), nach der Augustinus sich zwischen der Milch Mariens und dem Blut Christi unentschieden sah (»Positus in medio, quo me vertam, nescio. Hic pascor a vulnere, hic lactor ab ubere« s. Weyarn, CBD Bd 2, S. 622; Kloster Indersdorf, CBD Bd 5, S. 113 f.; Au am Inn, CBD Bd 8, S. 48). Die Szene zielt natürlich nicht auf eine Unentschlossenheit des Heiligen ab, ob er sich Christus oder Maria zuwenden solle, sondern soll die Überfülle der geistlichen Gnaden illustrieren, die ihm zuteil wurden.
Vor den Stufen, die zu der Gartenarchitektur emporführen, ist links das ›Irdische‹ dargestellt, das Augustinus überwunden hat, in Form von Spiegel und goldenem Schmuck, Würfel und Karten, Musikinstrumenten (Laute, Geige und Trompete) und Theaterrequisiten (Maske, roter Umhang und Textbuch). Rechts liegt eine reich gekleidete Frau am Boden. Sie hält einen Pfauenfächer als Anspielung auf das Laster Superbia. Ein kleiner Amor mit Bogen, Köcher und einer nach unten gekehrten

Fackel stellt Amor carnalis dar; mit dieser Gruppe ist die Sinnenlust als Teil des Irdischen gemeint, von dem sich Augustinus bei der Bekehrung abwandte.
Der Sinn dieser Szene zwischen Bekehrung und Taufe ist, daß die Bekehrung, die Aufnahme in die Kirche durch die Taufe sowie der Verzicht auf die Freuden der Welt dem Heiligen neue, geistige Freuden durch mystische Gnaden erschlossen.
Westseite - AUGUSTINUS ALS KIRCHENLEHRER Die Ansicht nach W zeigt über konvex in der ganzen Breite der Schmalseite geführten Stufen einen hochaufragenden rechteckigen, säulengetragenen offenen Tempelbau; nach Bonschab ist es ein »herrlicher Bücher-Saal ... Armentarium Ecclesiae, ein Rist- oder Zeug-Hauß der Kirch Christi« (S. 23). Seine drei vorderen Seiten sind offen, die hintere ist durch ein Bücherregal in voller Höhe gebildet, vor das zum Teil ein grüner Vorhang gezogen ist. In diesem Bau, der den Charakter eines Baldachins hat, thront Augustinus auf einem über einer Sockel erhöhten Sessel. Von oben dringen Wolken in den kleinen Tempel ein, und in einer aufgelichteten Glorie erscheint die Taube des Heiligen Geistes und schickt einen Gnadenstrahl auf das lichtumgebene Haupt des Heiligen. In unmittelbarer Nähe der Geisttaube sind auf Wolken und einem rotgoldenen Kissen die Symbole des Papsttums zu sehen: Tiara, Schlüssel und dreifacher Kreuzstab auf einem Buch, Hinweis darauf, daß die Schriften des hl. Augustinus vom Heiligen Geist inspiriert sind, aus dem auch die Lehre der katholischen Kirche kommt.
Neben Augustinus steht ein karminrot bedecktes Tischchen mit dem Tintenfaß. Augustinus hält in der Rechten die Feder, in der Linken ein geöffnetes Buch mit der Inschrift EVAN GE/LI/UM. Das Evangelium ist die Grundlage der Lehren des hl. Augustinus: Das besagen die goldenen Basen der vier Säulen des Tempels, die die Evangelistensymbole tragen, Stier, Engel, Adler, Löwe. »Schier keinem Heiligen, al quam Augustino. Quidquid enim simul omnes Apostoli, atque alii Apostolorum sectatores rigarunt, hic coronavit, ut nihil pene ex sacris litteris possit, nisi eo duce, intelligi, nisi eo interprete explicari«.
Vom Evangelium aus fällt ein Blitzstrahl auf die Augen eines Ketzers, der auf den Stufen steht und von einer nackten Teufelsgestalt gepackt wird. Ihm zu Füßen liegt ein weiterer Ketzer, das Buch ist ihm entfallen, die Kappe scheint über den Bildrahmen in die Kirchentiefe zu fallen. Links auf den Tempelstufen wird ein dritter Häretiker von einer Teufelsgestalt gepackt, und ein vierter liegt gestürzt auf den Stufen. Alle diese Ketzer tragen die schwarze Tracht des 16. Jh., die ›Protestantentracht‹, mit der Häretiker im 18. Jh. meist dargestellt wurden.
Vor Augustinus auf den Stufen legt ein Engel eine brennende Fackel an verschiedene Schriften, die bezeichnet sind: DONA=TUS. FAU=STUS. PELA=GIUS. FORTU=NA-TUS. Es sind Namen von Häretikern, die Augustinus bekämpft hat.
Donatus, Bischof von Karthago, war ein Vertreter der Donatisten, eines Schismas des 4./5. Jahrhunderts. Seit 393 kämpfte Augustinus gegen den Donatismus und war Wortführer bei dem Religionsgespräch in Karthago im Jahr 411, auf das hin der Donatismus auch vom Staat streng verfolgt wurde.
Faustus von Mileve war Vertreter des Manichäismus, dem Augustinus in seiner Jugend angehangen hatte. Nach seiner Bekehrung schrieb der Heilige nach dem Jahr 400 die Schrift gegen die Irrlehre der Manichäer »Contra Faustum Manicha eum«.
Pelagius war der Hauptvertreter des Pelagianismus, einer Häresie im 5. Jahrhundert. Er stand im Widerspruch zur Lehre der Kirche von der Gnade und der Erbsünde. Auf die ersten Schriften des hl. Augustinus im Jahr 412 gegen den Pelagianismus »De peccatorum meritis et remissione« und »De spiritu e littera« folgten weitere. 418 wurde der Pelagianismus durch die Generalsynode von Karthago verworfen und die Pelagianer wurden aus Italien verbannt.
Fortunatus von Karthago war ein Vertreter des Novatianismus, der eine überstrenge Bußpraxis forderte. Die Irrlehre, deren Anhänger sich Katharer (die Reinen) nannten, verbreitete sich schnell und führte zu einem Schisma. Augustinus vertrat den Novatianern gegenüber die kirchliche Nachlaßgewalt (»De agone christiano« nach 396).
AUGUSTINUS UND DIE AUSBREITUNG DES GLAUBENS Die beiden Darstellungen an der Süd- und Nordseite beschäftigen sich mit der Bedeutung des hl. Augustinus und der Orden nach der Augustiner-Regel für die katholische Kirche und die Ausbreitung des Glaubens. »Ihr sehet den Farben ausgedrucket ... wie Augustinus ein halbe Christliche Europäische Welt mit der Kirch halten hilffet, daß sie nicht sincke: wie eine Heydnische Welt das Liecht des Heil Glaubens häuffigist erhalten, und der Tod
das weite Wieer auch dei überbringet« (S. 23 f.).
Nordseite – An der Nordseite ist dargestellt, wie Augustinus hilft »ein halbe christliche Europäische Welt mit der Kirch« zu halten, »daß sie nicht sinke«. Dieser bereits christianisierte Teil der Welt ist symbolisiert durch eine große grünliche Kugel, auf der Augustinus das dreifache Papstkreuz aufpflanzt zum Zeichen dafür, daß sie von der katholischen Kirche beherrscht ist. Er weist zum Himmel. Links an der Weltkugel kniend ist die Personifikation der Europa dargestellt, eine reich geschmückte junge Frau mit langem Blondhaar, auf dem Haupt die Kaiserkrone. Sie trägt einen roten Umhang mit Hermelin- kragen und -futter, der von einem weißblau gekleideten Pagen getragen wird. Sie hält mit Augustinus das dreifache Kreuz auf der Kugel fest. Der Stier als Attribut der Europa ist hinter ihr zu sehen. Eine dunkelhäutige weibliche Gestalt, die Personifikation Amerikas, mit Federkrone und Perlen auf dem Haupt, greift nach dem Kreuz. Sie ist von einer ebenfalls dunkelhäutigen, federgeschmückten Gestalt im Hintergrund begleitet, die ...


den Papagei als Attribut der America auf der Hand hält. Mit der America-Figur ist der bereits missionierte Teil Amerikas gemeint.
Vor der Kugel liegt am Boden über einem geöffneten Buch eine überwundene Teufelsgestalt mit Tierfratze, Schwanz und Schlange; es ist die Allegorie der durch Augustinus im katholischen Teil der Welt überwundenen Irrlehren.
Südseite – Gegenüber zeigt die Mittelszene das bei Bonschab genannte Schiff: »... wie eine heidnische Welt das Licht des Heil. Glaubens häufig ist erhalten, und der Tod aus selbige habe weichen müssen, zeiget jenes grosse Schiff...«. Im Schiff sind neben den Schiffsleuten am Heck zahlreiche Angehörige der Augustiner-Orden zu sehen. Am Mast weht eine Fahne, auf der die Szene von Augustinus und dem Kind am Meer gemalt ist (Augustinus sucht das Geheimnis der Dreifaltigkeit zu ergründen). Vorn am Bug steht ein Chorherr, der in der Rechten ein großes Kreuz und in der Linken eine Kerze hält und beides auf eine Art Weltkugel pflanzt, die vor ihm im Wasser zu sehen ist. Seitlich ist diese Kugel aufgeplatzt und aus der gezackten Öffnung fällt der Tod in Form eines Skeletts in die Wellen - der Tod weicht aus der heidnischen Welt. Das Schiff fährt auf eine Kaimauer zu, auf der zwei Erdteil-Allegorien zu sehen sind, die das Schiff mit ausgestreckten Armen begrüßen: Die kniende Asia, reich gekleidet, mit Turban und Schleppe und dem Elefanten als Attribut, und dahinter Africa mit dem Krokodil: Sie repräsentieren den heidnischen Teil der Welt. Zusammen mit Europa und America auf der Gegenseite sind damit die Vier Erdteile dargestellt.
Südwestecke – Von dieser Kaianlage nach Westen hin bis zum »Büchersaal« zieht sich eine gebirgige Landschaft mit einzelnen Palmen. Hier ist zu sehen, wie Augustinus durch seine Ordenssöhne »das wahre Licht über das weite Meer auch den Mohren, Türcken und Barbaren überbringet«. Augustinus steht mit Gefolge unter den Palmen auf einem Hügel. Er hält die Fahne mit dem dreifachen Papstkreuz und einen Schild mit einem Kreuz und ist begleitet von Angehörigen der Orden nach der Augustiner-Regel. Neben Augustinus, an dessen linker Seite, ist ein junger Mann in weißem Talar und weißem Skapulier dargestellt, ein Vertreter der Augustiner-Chorherren süddeutscher Observanz mit dem ›Sarrozium‹ über dem Talar. Die Ritterorden vertritt ein Johanniter, an dem achtzackigen Kreuz auf dem schwarzen Mantel zu erkennen. Hinter den Palmen ist in dem weißen Chorherrn wohl ein Prämonstratenser zu sehen, neben ihm ein Augustiner-Chorherr. Symbolisch führt Augustinus die Schar seiner Ordensfamilie an im Kampf gegen die Heiden, die von rechts anstürmen: Ein Mohr mit Turban schleudert einen Speer; es folgen ein zweiter Mohr, ein Türke mit Krummsäbel und der Halbmond-Fahne. Die beiden letzten Soldaten kann man wohl als Vertreter der in Bayern seit 1704/05 so gefürchteten »Kroaten und Panduren« sehen.
Auf die Heldentaten der Ordensangehörigen im Kampf gegen das Heidentum beziehen sich auch die oben schon genannten Märtyrerpalmen und Lorbeerkränze in den Händen der zugehörigen Engelgruppe.
ORDENSGRÜNDUNG, MISSION UND PREDIGT LATERANENSISCHE KONGREGATION In den weiteren drei Ecken des Freskos sind weitere Augustinus-Szenen zu sehen. Bonschab faßt sie mit folgenden Worten zusammen: »Die Herrlichkeit und Majestät des Lobs Gottes in den höchsten Stiffteren und Chören, der Eifer und die Nutzbarkeit des Worts Gottes auf den Kantzlen und Kinder-Lehren, die Heiligkeit des einsamen oder beschaulichen, des öffentlichen oder wircklichen Lebens. Die heroische und unüberwindliche Seelen-Sorg bis zur Vergiessung des Bluts bey Armen und Reichen, Hohen und Niedern, für Ausbreitung und Erhaltung der heil. Kirch, alles dieses stehet uns vor Augen...« (S. 24).
Südostecke - In der Südostecke wird die Gründung von Orden nach der Augustiner-Regel durch die Darstellung der Gründung der Augustiner-Eremiten repräsentiert. Augustinus steht mit einem Begleiter in einer Felsenschlucht. Zwei schwarzgekleidete Mönche knien vor ihm; im Hintergrund sind drei weitere Mönche in braunen Kutten zu sehen. Rechts an der Felswand ist ein primitiver Altar errichtet, auf dem ein Kruzifixus steht und neben dem ein Totenkopf liegt. Eine Hacke weist auf das harte Leben in unkultivierter Gegend hin, eine Gurde auf Pilgerschaft. Augustinus überreicht den Mönchen ein geöffnetes Buch mit der Inschrift Regula/S./Augustini.
Der Augustiner-Eremiten-Orden wurde nicht von Augustinus gegründet. Papst Alexander IV. faßte 1256 auf der Basis der Augustiner-Regel mehrere Eremitenverbände unter diesem Namen zusammen: das wird durch die Verschiedenheit der Kleidung der im Bild versammelten Mönche gezeigt. Das Auftreten des hl. Augustinus bei der Gründung ist wie bei den anderen Szenen nur symbolisch zu sehen.
Nordwestecke - In der Nordwestecke wird anschließend an den »Büchersaal« die Verkündigung des Worts Gottes gezeigt. Hier steht Augustinus auf einer hohen Kanzel und predigt. Der Obelisk im Hintergrund und der Ansatz eines Rundbaus bezeichnen eine zeitlich und örtlich unbestimmte Antike. Die Menschen, die sich zu Füßen der Kanzel versammelt haben bzw. von rechts herandrängen, sind eher vornehme Leute, historisierend gewandet, mit Umhängen und Spitzenkragen, geschlitzten Hosen und Strümpfen mit Strumpfbändern. Zu Füßen der Kanzel sitzt auf einem Säulenstumpf eine Mutter mit zwei kleinen Kindern. Die Szene steht wohl für die verhältnismäßig friedliche Missionierung im Italien des 5. Jahrhunderts, für Predigt und Seelsorge ganz allgemein. Die Engelsgruppe darüber bringt Früchte und Blumen, Symbole für die reichen geistlichen Früchte, die das Heilswirken der Söhne des hl. Augustinus der Welt brachte.
Nordostecke – Es bleibt die Nordostecke. Gezeigt ist hier nur ein hoher, einfacher aber sehr würdevoller Bau; neben ihm steht ein Rundtempel mit geöffnetem Tor, durch das man auf einen Altar blickt. Zu beiden Seiten dieses Altars sind weißgekleidete Chorherren in einem Chorgestühl zu sehen.
Es spricht alles dafür, daß in diesem Palast der Lateranspalast zu sehen ist. Die Lateranensischen Augustiner-Chorherren wurden von Papst Alexander II. († 1073) eingeführt und blieben bei der Lateranskirche bis 1299, »wo sie von Bonifaz VIII. durch Säkularkanoniker ersetzt wurden; Kleidung weiß (daher trägt der Papst, aus der Zeit seiner Residenz im Lateran, heute noch den weißen Talar). Durch Eugen IV. wieder eingeführt, verloren sie nach 1471 endgültig diese Kirche und haben
seither nur den Titel Congregatio Canonicorum regularium SS. Salvatoris Lateranensium« (LThK Bd 1, Sp. 814, s.v. Augustiner-Chorherren [V.O. Ludwig]). Die Zugehörigkeit eines Chorherrenstifts zur Lateranensischen Kongregation (Baumburg seit 1680) galt auch im 18. Jh. noch als Auszeichnung und brachte »gar herrliche Privilegien, Ansehen, und Vorzüg« »gar herrliche Privilegien, Ansehen, und Vorzüg« ein (P. Hueber, S. 14f.). Durch den Rundtempel, das Symbol der römischen Kirche, wird vermutlich auf Rom als Sitz der Kongregation angespielt. Daß der Engel mit der Tiara als päpstlichem Würdezeichen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Palast und Rundtempel erscheint, stützt diese Deutung. Er ist außerdem Symbol für die hohen geistlichen Würden, zu denen Angehörige der Augustiner-Ordensfamilie gelangten.
C BAUMBURGER EHRENTEMPEL
Das Fresko erstreckt sich über die beiden Chorjoche. Eine komplizierte Prunkarchitektur stellt eine Art Ehrentempel der Geschichte Baumburgs dar, wobei die einzelnen Themen in verschiedenen Realitäten abgehandelt sind. In ihrem Aufbau bildet die Bildarchitektur in etwa den realen Altarraum im Chor darunter ab. Konvex geschwungene Stufen bilden eine Vordergrunds-Bühne. Dahinter und darüber erhebt sich eine nach hinten nischenartig ausbuchtende Säulen-Arkaden-Architektur mit dem Altar in der Mitte und seitlichen Ausblicken durch die Arkadenbögen. Diese weitgeschwungene Nischenarchitektur wird von einer Halbkuppel überwölbt.
Auf den Stufen vor dem Altar findet die Beisetzung der Gründerin Adelheid von Megling statt. Im Bereich der Altar-Schauwand sind die Gründer Baumburgs als Stifterfiguren zu sehen. In den Ausblicken sind Szenen aus der Gründungsgeschichte dargestellt. Über dem Tabernakel erscheint die Kirchenpatronin Margareta.
DIE KIRCHENPATRONIN MARGARETA
Die golden ornamentierte Halbkuppel über der Altararchitektur ist gerahmt von einem nach vorn und oben abschließenden Diadembogen. Dieser obere Architekturbereich wird von einer üppigen violettroten Baldachindraperie hinterfangen. Zwei große Engel halten die Draperie und blasen nach zwei Richtungen auf Fama-Posaunen. Engelsköpfchen erscheinen in den Falten und vor den seitlich eindringenden grauen Wolkenkissen. Auf dem Sims des ornamentierten Diadembogens sitzen zwei Putten, die eine offene Perlmuschel präsentieren. Putten und Muschel sind weiß vor dem rötlich marmorierten Sims mit seinen Goldverzierungen und stellen damit weiße Marmorplastik vor roter Marmorarchitektur dar. Die Perle in der Muschel bezieht sich auf die Kirchenpatronin Margareta von Antiochien. Sie ist ein beliebtes Emblembild für Margareta, wegen ihres Namens (lat. margarita = Perle) und als Symbol der Reinheit. Margareta selbst erscheint auf Wolken schwebend über dem Altar, an der Stelle, wo im realen Altar das Altarbild angebracht ist. Sie ist als Prinzessin gezeigt, mit Diadem und Perlenschmuck, trägt ein goldgesäumtes Kleid und einen kleinen Schleier. Sie hält den Palmzweig als Märtyrerzeichen in der Linken und umfaßt mit der Rechten ein hohes Kreuz, ihr Attribut, auf dessen Querbalken in überirdischer Helle die Taube des Hl. Geistes sitzt, zu der Margareta aufblickt. Diese Taube, im Zusammenhang mit Margareta selten dargestellt, erinnert daran, daß sie im Gefängnis von einer Taube getröstet wurde. Zu Margaretas Füßen ist der teuflische Drache zu sehen, den sie im Kerker mit Hilfe des Kreuzes überwand; sie hat den Fuß des Kreuzes und ihren eigenen Fuß zum Zeichen ihres Sieges auf ihn gesetzt. Von den Putten, die sie begleiten, hält einer als weiteres Attribut Margaretas das Schwert, das Instrument ihres Martyriums. Ein großer Engel in blauem Gewand fliegt aus den Wolken hernieder und reicht ihr den Lorbeerkranz als Märtyrerlohn.
SEPULCRUM HONORIS
Der als real dargestellte Altar mit dem weiß und goldenen Tabernakel, auf dem in goldenen Leuchtern brennende Kerzen stehen und über dem die Patronin Margareta erscheint, ist verbunden mit einer Bogenarchitektur, erbaut aus verschiedenen Marmorsorten, eine Arkadenwand mit vorgelegten verkröpften Säulen, an denen vor Podesten weiße Marmorstatuen stehen, die die Gründer Baumburgs darstellen. Dieser Aufbau ist laut Bonschab (S. 11 f.) ein Grabmonument, wie nach ihm auch die ganze Kirche Baumburgs »ad memoriam aeternam« errichtet war. »Dahero der gantze Verlauff, der in vielen seltsamen Erfillungen des ersten Willens des gütigen Stiffters bestunde, also sichtbarlich entworffen worden, damit jedermann in Ansehung Adelheidis, und beygesetzter drey herrlichen Statuen oder Bild=Saulen Ihro drey gewesenen Ehe=Herren, könne auf die Frag und also auf die Bedeitung der Geschicht geleitet werden...«. Diese Bildarchitektur über dem Grab Adelheids (s.u.) ist ein »sepulcrum gloriosum«, um das Gedächtnis der Frühgeschichte Baumburgs zu bewahren, das Gedächtnis der Stifter ebenso wie das Gedächtnis der wunderbaren Geschehnisse, die nach der Vorsehung endlich zur Stiftung Baumburgs führten. Stufen, Bogen, Säulen und Kuppel sind ein herrlicher Tempel, »mit welchen als mit einem majestät=vollen ewigen Triumph=Bogen die Krüfften... der ersten zeitlichen Brod= Elteren solten gekrönnet verharren« (Bonschab, S. 12).
Die Version der Gründungsgeschichte nach der Baumburger Überlieferung bringen die Festpredigten von 1758, vor allem die von P. Eugenius Hueber aus Raitenhaslach und P. Carolus Sölch aus Seeon: Danach stand ehemals an der Stelle Baumburgs ein Schloß der Herren von Marquartstein. Marquart, »Ritter und Graf von Hohenstein und Marquartstein« verliebte sich in Adelheid. Diese war aus fürstlichem Geblüt, ihr Vater war Kuno von Megling und Frontenhausen, Graf von Gars und Au, der seine Tochter zum Heiraten zu schön und hochgeboren fand. Marquart entführte und heiratete Adelheid, die ihn ihrerseits liebte, worauf sie der Vater enterbte und verstieß. Nach zweimonatiger Ehe wurde Marquart bei einer Jagd im Wald von Meuchelmördern tödlich verletzt. Er setzte Adelheid noch zu seiner Erbin ein und bestimmte, sie solle ein Kloster zu Ehren der hl. Margareta an seinem Sitz Baumburg gründen und nach ihrem Tod sein ganzes Vermögen diesem Kloster schenken. Adelheid vermählte sich bald in zweiter Ehe mit dem reichen Grafen Ulrich von Passau, der die testamentarischen Bestimmungen Marquarts nicht achtete; er starb bald. In dritter Ehe heiratete Adelheid Graf Berengar von Sulzbach, der die Gründung zunächst auch nicht vollzog. Auf ihrem Totenbett endlich flehte Adelheid Berengar an, »zum Trost der Seel Marquardi, und zu ihrer Gewissens=Beruhigung«.

Gründung« Kloster Baumburg zu gründen; eher wolle sie nicht begraben sein. Berengar versprach es vor zwölf seiner Ministerialen als Zeugen, ließ sich mit der Gründung aber Zeit. »Zwölf gantzer Jahr lieget der mit ein wenig Erden bedeckte Leichnam Adelheidis in der Capellen zu Sultzbach unbegraben, weil sie begehret hat nicht ehender begraben zu werden, bis das Kloster gestifftet ist.« Am Tag der Weihe der neuen Klosterkirche am 17.7.1156 wurde nach der Baumburger Überlieferung Adelheid im Kirchenschiff vor dem Kreuzaltar beigesetzt, zusammen mit den sterblichen Resten Marquarts und Ulrichs. Berengar kam später hinzu.
In der Marmorstatue im Chorfresko ist Adelheid von Megling, »des hochgebornen Fürsten und Herrn Chunoni Herzogen in Bayern Tochter«, als vornehme Dame in perlengeschmücktem Gewand dargestellt, mit kronenähnlichem Kopfputz, die Handschuhe in der Hand. Sie weist nach oben auf die Kirchenpatronin. Neben ihr hält ein Kind das bayrische Wappen (geviertet, 1 und 4 steigender Löwe, 2 und 3 Rauten), das ihr nach der Klostertradition zustand, weil ihr Vater in Baumburg als »Fürst und Herzog in Bayern« angesehen wurde. Er hat auf seiner Grabplatte aus dem 15. Jh. bereits dieses Wappen (Düll, S. 149). Auf Adelheids Grabstein fand sich laut Predigt Sölchs die Inschrift »Filia Principis Bavariae Chunonis«, überliefert durch eine Tafel von 1561, die auch Bonschab erwähnt, und am Triumphbogen von 1758 an der Einfahrt zum Kloster war die Stifterin ebenso bezeichnet.
Die Statue ihres ersten Mannes Marquart von Marquartstein, der bald nach der Hochzeit erschlagen wurde († 1095), steht ihr gegenüber rechts am Altar. Er ist als bärtiger Mann mit Barett, Pluderhose und Mantel dargestellt, der sich mit der Linken auf sein Wappen stützt (sechs heraldische Lilien s. Düll, S. 230f., Abb. 7). Diese beiden mittleren Stifterfiguren, der Tabernakel auf dem Altar und die Kirchenpatronin Margareta darüber sind wiederum von einem Baldachin hinterfangen, diesmal von einem roten, der einen oberen Abschluss aus goldenen Rocaille-Ornamenten und Lambrequins hat. Damit sind sie quasi als thematisches Konzentrat des Deckenbildes zu einer Einheit zusammengeschlossen und hervorgehoben.
Seitlich ist die Altararchitektur als prächtige Schauwand aus Marmor und Gold weitergeführt, als Bogenarchitektur mit seitlich je zwei Ausblicken. Die Pfeiler sind mit roten Marmorsäulen besetzt und tragen ein verkröpftes Gebälk. Vor den Pfeilern stehen weitere Gründerfiguren, Ulrich von Passau und Berengar von Sulzbach, wie Adelheid und Marquart als imitierte Statuen auf Sockeln.
Adelheids zweiter Gemahl Graf Ulrich von Passau ist in der Statue außen rechts zu sehen. Sein Reichtum war groß, größer war »die fast allen Reichen angezauberte Sucht noch mehr, noch mehr zu haben« (Bonschab, S. 7). Er vollzog zwar die von Marquart geforderte Gründung nicht, doch sein Vermögen ging in Adelheids bzw. Berengars Vermögen ein. Deshalb und wegen seiner Bestattung 1156 mit Adelheid zählt er zu den Stiftern - mehr als seine Absichten zählte seine, wenn auch unfreiwillige Rolle als Instrument der Vorsehung in der Gründungsgeschichte. Er ist hier als modisch-mittelalterlich gekleideter Mann mit Federn auf dem Barett dargestellt, der sich auf einen Degen stützt. Sein Wappen zeigt den steigenden Wolf.
Adelheids dritter Gemahl, Berengar Graf von Sulzbach, der schließlich die Gründung ausführte, steht als Statue links außen (Wappen sechs 3:2:1 gestellte Lilien). Er trägt geschlitzte Pumphosen, Wams und pelzbesetzten Mantel und hält einen großen Kirchenplan, den Plan der Baumburger Kirche von 1755/56.
Bei der Darstellung der vier Gründerpersonen und ihrer Wappen ließ sich Scheffler offenbar von einem Bild inspirieren, das um 1700 zu datieren, aber nur in einer Kopie von 1848 überliefert ist (Düll, Kat. Nr. 134, S. 230f., Abb. S. 7: das verlorene Original könnte von Ruprecht Schweindl stammen; die Kopie befindet sich im Pfarrhaus). Es zeigt Adelheid mit ihren drei Männern und den gleichen Wappen auf Sockeln zu Seiten einer Ansicht des Stifts stehen, das in etwa die gleiche Form wie bei Wening hat.
SZENEN AUS DER GRÜNDUNGSGESCHICHTE Die vier Ausblicke in der Altar-Schauwand zeigen vier Szenen aus der Baumburger Gründungsgeschichte. In der äußersten rechten Öffnung ist der gewaltsame Tod Marquarts dargestellt, den P. Bonschab erklärt: »Sie sehen vorgestellet einerseiths, wie einige verhaßte Mörder mit Knotten und Schwerdern mit einem Ritter auf offentlichem Feld grausam verfahren, und ist dieser kein anderer, als Marquardus von Marquartstein, der erste auserlösniste Gemahl Adelheidis, ein Herr in der Blühe seiner Jahren, welcher sich mit Adelheidis vielleicht wegen der besonders auserlösenen Gaben sowohl der Natur als der Gnad, dieser Mörderen eifersüchtigen Haß über den Halß gezohen«. Er machte vor seinem Tod noch das »heilige Testament, daß aus seinem Hauß solten geistliche Kindern, und Söhne des H. Augustinus allhier in Baumburg, und dort in Berchtoldsgaden, wie es eben das Gemähld in der Ferne entwürffet, gestifftet ... werden« (S. 9).
In der zweiten Öffnung von rechts, neben der Statue des Grafen Marquart auf dem Altar, sieht man auf hohem Bergrücken das Stift Baumburg, darunter im Tal die Kirche von Altenmarkt. Die Neugründung von Baumburg ging auf Marquarts letzten Willen zurück.
Im Ausblick links vom Altar, zwischen den Statuen von Adelheid und Berengar, ihrem dritten Gemahl, ist das Stift Berchtesgaden zu sehen, dessen Gründung Bonschab (s.o.) auch dem Testament Marquarts zuschreibt, das aber Berengar von Sulzbach auf Wunsch seiner Mutter Irmingard vollzog.
Der Ausblick ganz links erinnert an Berengars Schwur beim Tod seiner Frau, Baumburg zu errichten und Adelheid bis zur vollzogenen Gründung nicht zu bestatten: »Ihr sehet in dem angewiesenen Feld dort in der Weite eine schlecht=errichtete Hütte, welche der Eigen=Nutz dem Berengarius in Sinn gegeben«, denn er wollte zwar die Gründung nicht vollziehen, aber doch Adelheids Bedingung erfüllen, sie vorher nicht zu bestatten. Und so ließ er »dero Körper schlecht mit Wasen bedecken, und zu Sultzbach gleichwohl unbegraben in einer alten Schloß=Capellen in ihrer Sarge vermoderen« (Bonschab, S. 10f.).
Die Engel mit den Fama-Posaunen über dem im Bild dargestellten Altar beziehen sich nicht nur auf Margareta als Kirchenpatronin, sondern vor allem auf die ganze ruhmvolle Gründungsgeschichte, die in den Augen des 18. Jh.

für das Wirken der Göttlichen Vorsehung war und Legitimation Baumburgs als eines Orts in der Heilsgeschichte.
ZWEITE BEISETZUNG ADELHEIDS VON MEGLING Auf den Stufen vor dem im Chorfresko dargestellten Altar tragen von links junge Chorherren einen großen altertümlicher Sarg herbei. P. Virgil Härl von Gars sagte in der Predigt am 27.8.1758 über das »in gegenwärtigem Fresco von einem kunstreichen Pinsel verfertigte Gemäld ober dem Chor= Altar«, er sehe darin »die Durchläuchtig=Gottseligiste Stiffterin dieses hochwürdigen Gottshauß von denen allhiesiger Hochwürdigen Herrn Canonicis zum Grab tragen«; und an die Kirche gewandt, rief er, daß ihre und die Gebeine ihrer drei Ehemänner »bey deiner letzt=geschehenen prächtigen Erneuerung als ein kostbarer Schatz mit grösten Frolocken aller Anwesenden seynd gefunden worden« (S. 4). Das alte Stiftergrab (mit der Grabplatte, s. u.) war also während der Bauarbeiten aufgefunden worden und die würdige Wiederbestattung war als Affirmation der Geschichte Baumburgs wesentlicher Teil der 600-Jahrfeier. Am 1.9.1758 sang der Baumburger Dekan Joachim Högl das Requiem für alle Toten des Klosters und für die Stifter. Danach gingen alle mit dem Propst an der Spitze, um »bey den vier besonderen gantz=neu=errichteten ansehnlichen Grab=Stätten derselben die gewöhnliche Kirchen=Besängnuß unter Zusamläutung aller Glocken« abzuhalten.
Die Altarstufen auf dem Fresko sind in der Mitte aufgebrochen und die Wölbung einer Gruft ist zu sehen, mit den beiden Balken, auf die der Sarg zur Aussegnung zu stehen kommen wird. Zwei Ministranten mit Kreuz, Weihrauchfaß und Weihwasserbecken erwarten den Sarg an der Öffnung.
Rechts sieht man eine Gruppe von vier Chorherren, an der Spitze Propst Joachim Fischer. Er trägt den weißen Talar der Lateranensischen Kongregation, darüber das weiße Rochett und die violette Mozetta; in der Hand hält er das violette Barett. Auch die übrigen drei Chorherren zeigen individuelle Züge. Einer von ihnen dürfte der Dekan Joachim Högl sein.
Nach der Klostertradition wurde Adelheid erst am 12.7.1156, dem Tag der Kirchweihe »sambt den Aschen ihrer zween ersten Ehe-Herren in hiesigen Gottes-Hauß ... beygesetzet« (Bonschab, S. 11), später auch Berengar. »Hier ruhen sie jetzt schon über 600 Jahr, und seynd erst bey letzter Erbauung dieses Gotts=Hauß wiederum erhoben worden« (Sölch, S. 15). Das Datum der ersten Beisetzung Adelheids und ihrer Ehemänner in Baumburg weicht von der historischen Wahrscheinlichkeit ab, nach der sie bereits wesentlich früher in Baumburg ihre letzte Ruhe gefunden haben muß. Durch diese historische Manipulation wurde eine Parallelsetzung von Gründungsgeschichte und Baugeschichte hergestellt: Gleichzeitig mit der Fertigstellung der ersten Kirche wurde die Gründerin mit ihren Ehemännern in ihr begraben, gleichzeitig mit der Fertigstellung der zweiten Kirche wurden die erhobenen Gebeine in ihr würdig wieder beigesetzt.
Der erste Grabstein Adelheids aus dem 12. Jh. mit einem ergänzenden Text Propst Joachim Fischers über die zweite Translation befindet sich an der Westwand der zum Kirchenschiff offenen Vorhalle (Düll, Nr. 1, S. 95–98). Über der Grabstätte vor dem Kreuzaltar, also in der Mitte des Schiffs vor dem Chor, wurde im 15. Jh. ein Hochgrab für Adelheid errichtet, dessen Deckplatte erhalten ist (Düll, Nr. 54, S. 143–46).
Auf den Altarstufen hält ein steinerner Löwe ein goldenes Wappen, das kurbayrische Wappen mit dem Reichsapfel als Herzschild und dem Kurhut als Bekrönung. Bonschab erklär das folgendermaßen: »damit nämlich, wie der Löw ein gutthätige Schutz-Wacht dieses Hauses Margarita, also Margarita eine gebenedeyte Fruchtbringende Schutz-Frau des Groß- Hauses des Löwens bis zu Ausgang alles dieses irrdischen Weesens seyn wolle«. Wie also die bayrische Landeshoheit (der bayrische Löwe) das Haus Margaretas (die Kirche Baumburg) schützt, so bringt die Heilige dem bayrischen Kurhaus Segen. P. Virgil Härl ruft zum Beschluß seiner Predigt (S. 19) »Gott seegne dich o durchläuchtigistes Churhauß Bayrn, damit du endlichen nach so vielen inbrünstigisten Seuftzern benedictionem in filiis consequaris, den Göttlichen Seegen in Uberkommung einiger Durchl. Mannlicher Erben erhalten mögest« (die Bitte ging nicht in Erfüllung).
In diesem Zusammenhang ist auch das Altarblatt von Joseph Hartmann zu sehen, das Ludwig XIV. von Frankreich und seine Gemahlin Maria Theresia vor der hl. Margareta darstellt. Nach Bonschab nahm das Paar bereits bei seiner Eheschließung in Hinblick auf einen künftigen Erben Zuflucht bei der Heiligen, in Erwägung der Tatsache, daß die Eltern Ludwigs XIV. den Himmel so lange um einen Erben anflehen mußten. Das im Jahr nach deren Eheschließung 1660 pünktliche Erscheinen des Dauphins (* 1661) wird damit im Baumburger Altarblatt als Werk der hl. Margareta in Anspruch genommen. Am 11.8.1756, also noch lange vor der Fertigstellung der Kirche, war das bayrische Kurfürstenpaar in Baumburg gewesen und hatte sich in seinem Wunsch nach Nachkommen an Margareta als Patronin der Kinderlosen gewandt.
Quellen und Literatur
BHStA, KL 58: Besuch des Kurfürstenpaares in Baumburg. AEM, Pfarrakten Baumburg, 132 0001 01: Pfarrbeschreibung; 132 3002 01: Pfarrkirche, Baufälle, Baulast, Ausstattung 1878–1923; 132 4001 06: Säkularfeyer der Pfarrkirche Baumburg betr. 1856.
AEM, Klosterakten Baumburg, A 31: Propstwahlen 1748–61, Wahl und Tod Propst Joachim Fischers, Inventare; A 36: Temporalia, Klosterbauten 1696–98 und 1727, Kirchenbau 1754–56 mit Überschlag Mayrs; A 40: Visitationen 1708 und 1778; Administration 1778–86; Pfarrei Sieghartskirchen.
BLfD, Akten Baumburg, Pfarrkirche St. Margaretha, ehem. Stiftskirche.
Wening, Bd 2, Rentamt Burghausen, München 1721, S. 26, Abb. nach S. 26.
Sechshundertjähriges Danck= und Jubel=Fest für 600jährige gnädigste Erhaltung dem allmächtigen Gott feyerlichst angestellt von dem in Obern Bayern, Ertz=Bistums Saltzburg gelegenen Archi=Diaconal=Stifft und Gotts=Hauß Baumburg, Burghausen 1759 (Vorwort unpaginiert, die einzelnen Predigten in sich paginiert. Exemplar im AEM, HB 1802).
Bonschab, P. Ignaz S. J., Tempel Kindlicher Danckbarkeit für 600jährige Wohltaten, aufgebauet von einem hoh=ansehnlichen Stifft der Hochwürdigen Regulierten Chor=Herrn zu Baumburg, und auf gnädiges Begehren des Hochwürdigst= Hoch=Edl=gebohrnen gnädigen Herrn, Herrn Joachim ... bey 8tägiger Feyrlichkeit auf der Kantzel vorgestellet, Predigt am 30.8.1758, in: Danck= und Jubel=Fest (s.o.).
Härl, P. Virgil aus Gars, Daß von Gott der Heiligen Margaritae ..., und eben darum höchst=beglückte Stifft Baumburg, Predigt am 27.8.1758, in: Danck= und Jubel=Fest (s.o.).
Hueber, P. Eugen aus Raitenhaslach, Baumburg als ein herrlich= und zierliche, vest= und unüberwündliche Burg, Predigt am 29.8.1758, in: Danck= und Jubel=Fest (s.o.).
Sölch, P. Carolus aus Seeon, Der Drey=Einige Baum zu Ehren des Drey=Einigen Gottes, Predigt am 28.8.1758, in: Sechshundert=jähriges Danck= und Jubel=Fest (s.o.).
Koch-Sternfeld, Joseph Ernst Ritter von, Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke in drey Büchern, Salzburg 1815, Bd 1, S. 17–42; Gründungsgeschichte. Mayer-Westermayer Bd 2, S. 669–74.
KDB I OB (2), S. 1730–37.
Pirmin Lindner, Monasticon Metropolis Salisburgensis, Salzburg 1908. S. 17–20.
Dubowy, Ernst, Felix Anton Scheffler. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts, in: Jahrbuch des Vereins für Christliche Kunst in München 6, 1925/26, S. 88–281. Baumburg S. 129 und 226–30.
Hartig. Bd 1. S. 159–65.
Stadler, Klemens, Baumburg, München 1935.
Bomhard, Peter von, Der Chiemgau (= GKF Nr. 18), München 1955, S. 46f.
Fassnauer, Alois, Baumburg. Ehemalige Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstifts (= Kirchenführer), Trostberg 1957, 1993.
Sieghardt, August, 800 Jahre Klosterkirche in Baumburg. Ein Rokoko-Kleinod im nördlichen Chiemgau. Rede zum Abschluß der Restaurierung zum 800jährigen Jubiläum, in: Heimat am Inn 1957, Nr. 4, S. 25–27.
Monumenta Germaniae Historica Bd XV/2, Hg. Oswald Holder-Egger, Hannover 1888. Nachdruck Stuttgart-New York 1963, S. 1061–64 (Fundatio Baumburgensis).
Krausen, Edgar, Zur gesellschaftsgeschichtlichen Bedeutung des Brauerstandes. Brauersöhne als Äbte und Pröpste bayerischer Klöster und Stifte, in: Gesellschaft für die Geschichte und Bibliographie des Brauwesens e.V., Jahrbuch 1965, Berlin 1965, S. 163, mit Abb. eines Kupferstichporträts des Propstes Joachim Fischer.
Backmund, Norbert, Die Chorherrenorden und ihre Stifte in Bayern, Passau 1966. Baumburg S. 55–57.
Haderstorfer, Rudolf, Die Säkularisation der oberbayerischen Klöster Baumburg und Seeon. Die wirtschaftlichen und sozialen Wandlungen (= Forschungen zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Bd 9), Stuttgart 1967.
Van Dülmen, Richard, Zur Frühgeschichte Baumburgs, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 31, 1968, S. 10f.
Weinfurter, Stefan, Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jahrhundert. Der Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106–47) und die Regularkanoniker. Köln 1975.
Kreilinger, Kilian, Der bayerische Rokoko-Baumeister Franz Alois Mayr (= Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst in München 11), München 1976, S. 34–51.
Courcelle, Jeanne und Pierre, Iconographie de Saint Augustin Bd 3,1: Les Cycles du XVIIIe Siècle/Allemagne, Paris 1980, S. 75–81.
Gansl, A., Historia Baumburgensis. Das Augustiner-Chorherrenstift in Kunst und Geschichte. Sonderausstellung im Städtischen Heimatmuseum Trostberg 1981 (Hg. E. Boesmillor).
Rosenegger, Josef und Josef Wegner, Klöster und Stifte zwischen Inn und Salzach, Freilassing 1982, S. 36f.
Dopsch, Heinz, Salzburg im Hochmittelalter, in: Geschichte Salzburgs. Stadt und Land (Hg. Heinz Dopsch) Bd I, Vorgeschichte – Altertum – Mittelalter, 1. Teil, Salzburg 1983, S. 261–63, 365.
Zang, Ulrike, Die Ausstattung der ehemaligen Stiftskirche St. Margaretha in Baumburg, Obb., und Festdekorationen v.J. 1758, gewürdigt in einer Predigt zum 600jährigen Jubiläum des Augustiner-Chorherrenstiftes (ungedr. Magisterarbeit München 1981).
Hawel, Peter, Der spätbarocke Kirchenbau und seine theologische Bedeutung. Ein Beitrag zur Ikonologie der christlichen Sakralarchitektur, Würzburg 1987, S. 67–74.
Historischer Atlas I, Bd 55, Laufen an der Salzach (Helga Reindel-Schedl), München 1989, S. 113–15.
Weinfurter, Stefan, Die Gründung des Augustiner-Chorherrenstiftes. Reformidee und Anfänge der Regularkanoniker in Berchtesgaden, in: Brugger/Dopsch/Kramml 1991, S. 229–264.
Düll, Siegrid, Die Inschriftendenkmäler im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Baumburg, in: Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst Bd 19, München 1993, S. 7–260.
Dehio 1990, S. 92–95.
Weichslgartner, Alois J., Baumburg (= Kleine Pannonia-Reihe 91), Freilassing 1994.
Brossette, Ursula, Theatrum virtutis et gloriae – Barocke Freskenprogramme und Altargemälde im liturgischen Festkontext einer Säkularfeier, in: Niehoff, Franz (Hg.), Mit Kalkül und Leidenschaft (= Schriften aus den Museen der Stadt Landshut 17), Landshut 2003, S. 124–61, Baumburg S. 139–45.
Walko, Martin Johann, Die Traditionen des Augustiner-Chorherrenstifts Baumburg an der Alz (= Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte Bd 44,1), München 2004.