Baden Baden, Jagdhaus auf dem Fremersberg

Seeger, Ulrike:Baden-Baden, Jagdhaus auf dem Fremersberg, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/34740360-89b8-4752-8f79-e4e159e3943b

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Das 1716 erbaute Jagdhaus, das sich als Zeichen der Zugehörigkeit des Erbprinzen Ludwig Georg Simpert zum kurpfälzischen Hubertusorden auf dem Grundriss eines Malteserkreuzes erhebt, birgt im zentralen Saal ein 1903/04 stark übermaltes achteckiges Deckengemälde mit der Bekehrung des hl. Hubertus.

Baden-Baden, Jagdhaus auf dem Fremersberg - Großer Saal, Deck
Baden-Baden, Jagdhaus auf dem Fremersberg - Großer Saal, Deck

Jagdhaus St. Huberti auf dem Fremersberg

Zusammenhang mit dem Franziskanerkloster auf dem Fremersberg

Am südwestlichen Hang des Fremersberg befand sich seit dem 15. Jahrhundert ein Franziskanerkloster der streng die Regeln befolgenden Linie der Observanten. [1] Mit der Verlegung der Residenz von Baden-Baden nach Rastatt beschloss Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655–1707), das Fremersberger Franziskanerkloster nach Rastatt zu verlegen. Anstelle des Klosters wollte er ein Jagdschloss errichten lassen, wozu das Dekret bereits ausgefertigt war. [2] Dieser Plan stieß jedoch auf Kritik, sodass das Kloster zwar als Mutter für die in Rastatt 1699 erfolgte Klostergründung diente, ansonsten jedoch in reduzierter Form bestehen blieb. [3]

Baulich wurde das Kloster 1758 durch den baden-badischen Hofarchitekten Franz Ignaz Krohmer um einen Flügel erweitert. [4] Es bestand bis 1826. Zum Gedenken wurde 1838 an seiner Stelle ein Steinkreuz aufgestellt. [5]

Den Plan, auf dem waldreichen Fremersberg ein Jagdschloss zu errichten, griff seine Ludwig Wilhelm als Regentin nachfolgende Gemahlin Sibylla Augusta (1675–1733) auf. Das dafür ausersehene Areal lag deutlich weiter im Norden als das Franziskanerkloster auf einem Hochplateau. [6] Im Unterschied zum absichtsvoll in der Waldeinsamkeit versteckten Kloster, war das Jagdhaus von der Rheinebene, wo Sibylla Augusta seit 1710–1712 Schloss Favorite hatte errichten lassen, perspektivisch zumindest zu erahnen. [7]

Daten und Befunde zur Baugeschichte

Das Jagdhaus wurde in Verlauf eines halben Jahres rechtzeitig zur Jagdsaison im Herbst 1716 errichtet. Im Februar 1716 wurde das Areal ausgewiesen, was aus einer Baurelation des Architekten Michael Ludwig Rohrer hervorgeht: „den 20. Februar 1716 hat Ihro Durchlaucht den Blatz ausgewießen, alwo das Jagdthaus solle hingesetzt werden“. [8] Ebenfalls noch im Februar rodeten die Seegräber das Gelände, der Keller wurde ausgehoben und die Fundamente eingerichtet. [9] Zur Anlage des Hauses und der Kamine benötigten die Arbeiter zwei weitere Tage. [9] Bereits am 7. August 1716 konnte Sibylla Augusta ihrem Verwalter Cornelius Hönel nach Schlackenwerth von der Fertigstellung des Hubertihauses berichten. [10]

Gemäß den Hofkammerprotokollen vom 13. September 1717 wurden „auß dem Steinbacher 35 und aus dem Badener Ambt 20 Sandt- und Pflastersteinfuhren auffs St. Huberti-Hauß“ verschrieben. [11] Diese Nachricht hat man vermutlich auf die Nebengebäude und die Auffahrt zu beziehen. Die Nebengebäude, bei denen es sich um Stallungen, den Küchenbau und zwei Kavalierhäuser handelte, wurden im Oktober 1720 bei einem Sturm beschädigt. [12] Im darauffolgenden Oktober 1721 sollte der steinerne Hirsch als Bekrönung des Jagdhauses ausgebessert werden, doch verzögerte sich dies wegen Erkrankung des Baden-Badener Bildhauers. [13]

Wolfgang Stopfel, der die Restaurierung des Jagdhauses 1973 betreute, führt die Baunachrichten von 1716 und 1721 darauf zurück, dass das Gebäude zuerst als Holzbau, wohl ohne innere Abtrennung der Kabinette errichtet worden sei. Erst in einem zweiten Schritt sei es mit steinernen Wänden ummantelt und verputzt worden. [14] Die (erneuerte) Jahreszahl 1721 im Sturz der Eingangstür würde dann das Jahr der Ummantelung festhalten. [15]

Vermutlich erst im Anschluss an die steinerne Ummantelung wurden am Hubertihaus auf dem Fremersberg Feuerwerke gezündet. Franz Pfleger, der außer Maler auch Kastellan von Schloss Favorite war, rechnete für die Jahre von 1723 bis 1725 die nicht unerhebliche Summe von 2 Gulden und 48 Kreuzer ab, was er „auff den Jagt hauß in etlich Mahlen verzehrt wie daß feÿerwerck hat sollen gemacht werden.“[16]

Zusammenhang mit dem kurpfälzischen St. Hubertus Jagdorden

Der Grundriss des Jagdhauses folgt einem Malteserkreuz, wie es zahlreichen höfischen Ritterorden als Kleinod diente. Ausgangspunkt waren der als Hospitalorden gegründete Malteserorden und sein evangelischer Zweig des Johanniterordens, die beide das Malteserkreuz als Abzeichen nutzen. An frühneuzeitlichen Neugründungen mit malteserkreuzförmigen Abzeichen sind der französische Ordre du Saint Esprit, der preußische Schwarze Adlerorden, der württembergische St. Hubertus-Jagdorden, der Bayreuther Rote Adlerorden und andere mehr zu nennen.

Der kurpfälzische St. Hubertus Jagdorden wurde bereits 1444 von Herzog Gerhard II. von Jülich-Berg anlässlich eines am Hubertustag errungenen militärischen Sieges gestiftet. [17] Mit dem Erlöschen des Geschlechts von Jülich-Berg-Kleve 1609 hörte er auf zu bestehen, [18] wurde jedoch von Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg am 29. September 1708 feierlich erneuert. [19] Als Kleinod wurde ein weiß emailliertes, goldgerändertes und mit goldenen Funken besätes Malteserkreuz gewählt. [20] Auf den Spitzen der vier Arme trug es goldene Kugeln. Aus den Winkeln wuchsen je drei goldene Strahlen. Der runde grüne Mittelschild zeigte in Gold den Bekehrungsvorgang: vor dem kreuztragenden Hirsch kniet St. Hubertus, während sein Knappe, der das Pferd am Zügel hält, sein Haupt entblößt. [21]

Den Zusammenhang des Jagdhauses auf dem Fremersberg mit dem Kleinod des kurpfälzischen Hubertusorden hat erstmals Sillib erkannt. [22] Ihm folgten alle weiteren Autoren. [23] Die umgebende Gartengestaltung vervollständigte zumindest in der Planung das Abzeichen des kurpfälzischen Hubertusordens. Einer Idealansicht zufolge, die sich auf einer Ofenplatte erhalten hat, sollten zwischen den Kreuzarmen radial ausstrahlende Parterrefelder angelegt werden, die die drei goldenen Strahlen des Kleinods paraphrasiert hätten. [24] Auf den Ecken der Kabinette waren Hirschköpfe als Ergänzung des zentralen Hirschs auf der Kuppel geplant, die die Kugeln am Ende der Sternzacken symbolisiert hätten. [25] Sie waren auf der Ansicht auf der Ofenplatte ebenfalls zu sehen. [24]

Erbprinz Ludwig Georg Simpert (1702–1761) wurde bereits am 4. November 1709, also nur ein Jahr nach der Neugründung in den kurpfälzischen Hubertusorden aufgenommen. [26] Hintergrund war vermutlich die Mitvormundschaft, die Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg über den baden-badischen Erbprinzen von dessen Vater testamentarisch anvertraut worden war. [27] Zwar war Sibylla Augusta als Regentin und Vormünderin daran gelegen, den Einfluss der Mitvormünder, zu denen neben Johann Wilhelm noch der Herzog Leopold von Lothringen gehörte, gering zu halten. [27] Dennoch zeugte die Aufnahme des zukünftigen Regenten in einen kurfürstlichen Ritterorden von hohem Prestige, das sie in der architektonischen Gestalt des Jagdschlosses offenbar nach außen zu tragen trachtete.

Restaurierungen

1777 wurde das Jagdhaus durch den baden-badischen Hofarchitekten Franz Ignaz Krohmer repariert. Damals wurden sechs Stämme Eichen- und 80 Stämme Tannenholz verbaut. [28] Im Vorfeld fertigte Krohmer den noch erhaltenen Situationsplan von 1776 an. [29] Die dort eingezeichneten Stallungen wurden 1830 abgerissen. [30] Wenig später wurden die beiden Kavalierhäuser abgetragen, wobei auf den Grundmauern des nördlichen, 1835 abgetragen Kavalierhauses heute ein Wirtschaftsgebäude steht. [28] Der achteckige Küchenbau hat sich erhalten.

Die das Innere und damit auch das Deckengemälde stark tangierende Restaurierung begann 1903 unter Oberbaurat Friedrich Kredell (1848–1922). [31] Die damals angefertigten Bauaufnahmen von 1904 im Besitz des Landesamts für Denkmalpflege Karlsruhe hat Peter Kohlbecker 2017 publiziert. [32] Nach Angabe von Wolfgang E. Stopfel wurde damals das Deckengemälde im Saal wiederendeckt. [33] Seine Wiederherstellung und die vermutlich gänzliche Erneuerung der gemalten Kuppeldekoration geschah unter Hofrat Karl Forschner (gest. 1943). [34] Die von Wolfgang E. Stopfel begleitete Restaurierung datiert von 1973. [35]

Die jüngste Restaurierung, die die Sanierung aller Gebäude auf dem Grundstück sowie den Umbau des neuzeitlichen Hauptgebäudes umfasste, erfolgte 2007 unter der Leitung von Herrn Dipl. Ing. Urban Knapp durch das Büro Knapp, Haedecke und Partner (khp). [36] In Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurden das Sockelgeschoß und der Keller des Jagdhauses ertüchtigt. Der Lehmstampfboden wurde mit einem in den Fugen offenen Klinkerboden versehen. In den Haupträumen wurde der historische Parkettboden restauriert und wieder konsolidiert. Außerdem wurde rings um das Jagdhaus und die Kavaliersgebäude eine Dränage verlegt. [37]

Baubeschreibung

Das in großen Teilen aus Holz erbaute Jagdhaus besteht aus einem regelmäßig achteckigen Saal, dessen Wände abwechselnd mit rechteckigen Fenstern und rechteckigen Türen zu fünfeckigen Kabinetten versehen sind. Das Fünfeck der Kabinette ergibt sich daraus, dass ihr Grundriss die Arme eines Malteserkreuzes nachzeichnen. Die Außenwände der Kabinette sind ebenfalls durchfenstert, wobei die stumpfwinkelig eingezogene Wand gegenüber der Tür zum Saal nur ein, raffiniert stumpfwinkelig geknicktes Fenster aufweist.

Dem Eingang, der sich an der südöstlichen Oktogonseite befindet, ist ein kleiner Windfang mit kurzem Satteldach vorgesetzt. Das Portal mit geohrtem Profil und rechteckigem Oberlicht trägt im Sturz die (erneuerte) Jahreszahl 1721. [15] Darüber liegt der Dreiecksgiebel des kurzen Satteldachs mit hochovalem Blendfenster.

Der Außenbau ist heute weiß verputz mit rosa geschlämmten Eckquaderungen, Fensterrahmen und Gesimsen. Gestalterisch herausragend ist das schiefergedeckte Dach, bei dem die stumpfwinkelig nach innen geführten Walme über den Kabinetten nach einem First in das achteckige Kuppeldach des Saals einschneiden. Ein nicht erhaltener, im Band der Kunstdenkmäler jedoch abgebildeter Plan von Michael Ludwig Rohrer zeigte neben Grundriss, Ansicht und Querschnitt auch die Konstruktion des komplizierten Dachstuhls (mi04865d01). [38]

Raumprogramm

 

Der Eingang führt nach dem kleinen, circa ein Meter tiefen Windfang direkt in den großen Saal. Von dort gehen jeweils zwischen den Fensterwänden die Türen zu den Kabinetten ab. Diese zweiflügeligen Türen wurden nach Angabe der Bearbeiter des Kunstdenkmälerbandes um 1800 erneuert. [39] Der Keller unter dem Saal und den beiden den Eingang flankierenden Kabinetten ist von außen durch eine Falltür zugänglich. [40] Innen wird er durch eine mächtige Holzsäule gestützt. [41]

In jedem Kabinett befindet sich ein Kamin linker Hand der Tür zum Saal. Seine Rahmung ist mit einem Wulst versehen. [41] Die ringsumlaufenden Holzlambris mit Feldereinteilung sind grün gefasst mit vergoldeten Leisten. Die Füllornamente wurden aus vergoldetem Blech aufgenagelt. [33]

Achteckiger Saal im Erdgeschoss

Der zu ebener Erde liegende achteckige Saal wird im Raumeindruck von der hölzernen Kuppel beherrscht. Sie beginnt unmittelbar über dem Kranzgesims, sodass ihr Fußring im Durchmesser dem Saal entspricht. In ihrer Höhe übertrifft sie die eingeschossigen Wändegeringfügig. [42] Die Wände sind heute hellgrün gefasst über einen dunkelgrün gefassten Sockellambris mit Füllornamenten aus vergoldetem Blech. [33] Der Bauaufnahme von 1904 zufolge war die achteckige Kuppel über dem heute dunkelgrün gefassten Kranzgesims in zartem Duktus ornamental bemalt. Jeweils in der Mitte der acht Segmente formierte sich eine Spitze, möglicherweise in Gestalt eines gemalten Hirsches.

Der heutige, neubarock anmutende Kuppeldekor ist allem Anschein nach als Neuerfindung vom Beginn des 20. Jahrhunderts einzustufen. [43] Laut Sillib 1929 wurden die Grisaillemalereien 1903–1904 zwar nach vorgefundenen Resten wiederhergestellt. [44] Hans Krämer schrieb jedoch 1934 von der gänzlichen Erneuerung und dass es fraglich sei, wie die weitere innere Ausmalung, außer dem Deckengemälde, ursprünglich ausgesehen haben mag. [45] Auch der Band der Kunstdenkmäler nennt 1942 am Kuppelrand „ganz erneuerte Grisaillemalereien mit Jagdbeute“. [46] Dargestellt sind Hirschköpfe, gerahmt von Hundeköpfen. Sie alternieren mit Jagdtrophäen, die von den Strahlen eines Sterns herabhängen, der merkwürdigerweise mit dem Kreuz des Jagdordens als Leitidee des Gebäudes nichts zu tun hat.

Den Scheitel der Kuppel bedeckt das 1903–1904 stark übermalte, vielleicht sogar gänzlich erneuerte Leinwandgemälde mit der Bekehrungslegende des hl. Hubertus. [31] Sein Umriss ist achteckig mit einem schmalen Rahmen mit aufgenagelten vergoldeten floralen Blechornamenten. [33]

Achteckiges Deckengemälde mit der Bekehrung des hl. Hubertus
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Baden-Baden, Jagdhaus auf dem Fremersberg - Großer Saal, Deck

Beschreibung und Einschätzung des heutigen Deckengemäldes

Das Deckengemälde, von dem sich eine Abbildung in der Publikation von Kohlbecker aus dem Jahr 2017 findet, [47] zeigt im Zentrum den hl. Hubertus in einem roten Wams kniend im Wald. Vor ihm steht, für den Betrachter am rechten Bildrand, ein großer Hirsch mit dem Kreuz Christi im Geweih. Hinter ihm wartet am linken Bildrand sein Schimmel. Am unteren Bildrand tummeln sich drei Hunde, von denen zumindest einer aufgeregt zu bellen scheint. Der hl. Hubertus, dessen Gesicht, der Abbildung nach zu urteilen, dem Christustyp des 19. Jahrhunderts entspricht, hat seine Arme als Geste des Empfangens geöffnet.

Die Analyse der Farbpigmente anlässlich der Restaurierung 2007 ergab, dass sie nach 1830 zu datieren sind, das Gemälde also umfänglich 1903–1904 übermalt wurde. [48] Sillib bezeichnete die gesamte Ausmalung der Kuppel nach vorgefundenen Resten der ursprünglichen Bemalung unter der Leitung von Forstrat Forschner 1903–04 als „trefflich besorgt“. [31] Hans Krämer charakterisierte das Deckengemälde 1934 als sattes farbenfrohes Gemälde „St. Huberti mit dem Hirsch“, [45] stellte es hinsichtlich seiner Ursprünglichkeit jedoch nicht so stark in Frage wie die ornamentale Ausmalung der Kuppel. Im Band der Kunstdenkmäler heißt es „noch 18. Jh. aber übergangen“. [41]

Das Gemälde wird in den allerdings nur spärlich erhaltenen Quellen der Bauzeit nicht erwähnt. Dadurch ist weder ist der Name des ursprünglichen Malers bekannt, noch das Motiv als solches für die Entstehungszeit gesichert. Dennoch ist aus konzeptionellen Grünen davon auszugehen, dass schon das erste, um 1900 durch das Klima vermutlich verdorbene Leinwandgemälde, die Bekehrung des hl. Hubertus darstellte. Die Szene schmückte das Herzschild des Ordenskleinods, sodass sie im Zentrum des Saals das als Architektur inszenierte Kleinod folgerichtig ergänzte.

Programm und Synthese

Als Zeichen der Zugehörigkeit des baden-badischen Erbprinzen Ludwig Georg Simpert zum prestigereichen kurpfälzischen Hubertusorden ließ Markgräfin Sibylla Augusta als Regentin und Vormünderin auf dem waldreichen Fremersberg ein Jagdhaus auf dem Grundriss eines Malteserkreuzes errichten. Der Architekt war Michael Ludwig Rohrer. Wer das zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark übermalte achteckige Leinwandgemälde an der Decke mit der Bekehrung des hl. Hubertus ursprünglich schuf, ist in Ermangelung von Quellen nicht bekannt.

In der Literatur wird die Errichtung des Jagdhauses stets auf die Jagdleidenschaft der Söhne und ganz besonders des Erbprinzen bezogen, die diesem später den Beinamen „Jägerlouis“ im Gegensatz zu seinem Vater Ludwig Wilhelm als „Türkenlouis“ eingebracht hat. [49] Ludwig Georg Simpert war bei Baubeginn 1716 zwar bereits 14 Jahre alt, doch ist die Konzeption des Gebäudes als gebautes Kleinod eines kurfürstlichen Ritterordens, zumal mit seiner perspektivischen Ausrichtung auf die Rheinebene, wo sich in Sichtweite seit 1710–1712 Schloss Favorite befand, in erster Linie als eine von Sibylla Augusta in Auftrag gegebene architektonische Veranschaulichung der prestigereichen Verbindungen des Hauses Baden-Baden zu katholischen höherrangigen Fürstenhäusern zu begreifen.

Bibliographie

  • Bader, Fremersberg, 1859 = Joseph Bader, Ein Gang über den Fremersberg bei Baden-Baden, in: Badenia oder das badische Land und Volk, Zweite Folge, Bd. 1 (1859), S. 439–499.
  • KDM Baden-Baden Stadt, 1942 = Die Kunstdenkmäler Badens, 11,1: Die Kunstdenkmäler der Stadt Baden-Baden, bearbeitet von Emil Lacroix u. a., Karlsruhe 1942.
  • Kitzing-Bretz, Krohmer, 2001 = Martina Kitzing-Bretz, Der Markgräflich Baden-Badische Hofbaumeister und Bauinspektor Franz Ignaz Krohmer (1714–1789), Phul. Diss. Kunsthistorisches Institut der Ruprect-Karls-Universität Heidelberg, Heidelberg 2001. http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/4650
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  • Krämer, Jagdschlößlein, 1934 = Hans Krämer, Das Jagdschlößlein bei Baden-Oos, in: Die Ortenau. Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelbaden, 21 (1934), S. 48–50. Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden (21. Heft: Burgen und Schlösser Mittelbadens.1934) (Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 519,m) - Freiburger historische Bestände - digital - Universitätsbibliothek Freiburg (uni-freiburg.de)
  • Lahrkamp, Hubertusorden, 1959 = Helmut Lahrkamp, Beiträge zur Geschichte des Hubertusordens der Herzöge von Jülich-Berg und verwandten Gründungen, in: Düsseldorfer Jahrbuch. Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, 49 (1959), S. 3–49.
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  • Leist, Hausritterorden, 1892 = Friedrich Leist, Der Königlich Bayerische Hausritterorden vom Heiligen Hubertus, Bamberg 1892.
  • Merten, Schlösser, 1987 = Klaus Merten, Schlösser in Baden-Württemberg. Residenzen und Landsitze in Schwaben, Franken und am Oberrhein, München 1987.
  • Müller, Fremersberg, 1978 = Wolfgang Müller, Das Franziskanerkoster Fremersberg, in: Die Klöster der Ortenau, hg. vom Wolfgang Müller (= Die Ortenau. Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelbaden, 58 [1978]), S. 438–444.
  • Passavant, Rossi, 1967 = Günter Passavant, Studien zu Domenico Egidio Rossi und seine baukünstlerische Tätigkeit innerhalb des süddeutschen und österreichischen Barock, Karlsruhe 1967.
  • Peters, Hubertusorden, 1976 = Leo Peters, Der Hubertusorden in den ersten Jahren nach der Neugründung im Spiegel der Ordensrechnungen (1708–1712), in: Archiv für Geschichte. Festschrift Rudolf Brandts, hg. von Hans Peter Neuheuser, Horst Schmitz und Kurt Schmitz, Köln 1978, S. 163–174
  • Sillib, Favorite, 1929 = Rudolf Sillib, Schloß Favorite und die Eremitagen der Markgräfin Franziska Sibylla Augusta von Baden-Baden, 2. Auflage, Heidelberg 1929. (1. Auflage: Neujahrsblätter der Badischen Historischen Kommission, Neue Folge 17, Heidelberg 1914).
  • Stoll, Rohrer, 1986 = Claudia Stoll, Studien zu Michael Ludwig Rohrer (1683–1732). Markgräflicher baden-badischer Baumeister, phil. Diss., Bonn 1986.
  • Stopfel, Fremersberg, 1984 = Wolfgang E. Stopfel, Das Jagdschlößchen auf dem Fremersberg, in: Burgen und Schlösser in Mittelbaden, hg. von Hugo Schneider (= Die Ortenau. Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelbaden, 64 [1984]), S. 123–126.
  • Werner, Jägerlouis, 1982 = Johannes Werner, Der Jägerlouis und die Jagdlust überhaupt. Vom Leben im Barock, in: Die Ortenau. Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelbaden, 62 (1982), S. 99–109.
  • Zepf, Markgräfin Sibylla Augusta, 2008 = Markus Zepf, Markgräfin Sibylla Augusta als Regentin, in: Ausst.-Kat. Extra Schön. Markgräfin Sibylla Augusta und ihre Residenz. Eine Ausstellung anlässlich des 275. Todestages der Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden, hg. Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Katalog: Petersberg 2008, S. 27–41.

Einzelnachweise

  1. Ausführlich zur Geschichte des Franziskanerklosters auf dem Fremersberg: Müller, Fremersberg, 1978.
  2. Sillib, Favorite, 1929, S. 62. Sillib bezieht sich auf Bader, Fremersberg, 1859, S. 492. Ebenso Krämer, Jagdschlößlein, 1934, S. 48; Kitzing-Bretz, Krohmer, 2001, S. 267. Passavant, Rossi, 1967, S. 160, Anm. 63 zitiert aus einem Akkord vom 29. Juni 1700, in dem jedoch kein Jagdschloss erwähnt wird.
  3. Müller, Fremersberg, 1978, S. 441.
  4. Kitzing-Bretz, Krohmer, 2001, S. 60, 266–269 mit Abb. 60.
  5. Müller, Fremersberg, 1978, S. 444.
  6. Etwas irreführend schreibt Stoll, Rohrer, 1986, S. 171, das Jagdhaus Sibylla Augustas sollte gegenüber dem Franziskanerkloster zu stehen kommen.
  7. Der Blick ins Tal ist heute durch Bäume verstellt, doch gibt es eine gemalte Postkarte um 1910 (Rückseite von Aquae, 50 (2017) und eine historische Fotografie (Lauck, Fremersberg, 1986, S. 13), die den perspektivischen Blick in die Rheinebene und auf die Vogesen dokumentieren.
  8. Zitiert nach Sillib, Favorite, 1929, S. 62. Ebenso Krämer, Jagdschlößlein, 1934, S. 48. Sehr knapp bei Stopfel, Fremersberg, 1984, S. 128. Siehe auch Stoll, Rohrer, 1986, S. 171, nur dort mit Erwähnung der Seegräber.
  9. 9,0 9,1 Stoll, Rohrer, 1986, S. 171.
  10. Státní oblastní archiv v Plzni, pracoviště Klášter (SOAvPlzni), Vrchní Úřad Ostrov, Karton 336, No. 273 (Inhaltsverzeichnis des beiliegenden Briefes von Sibylla Augusta vom 7. August 1716).
  11. Zitiert nach Sillib, Favorite, 1929, S. 62. Ebenso Krämer, Jagdschlößlein, 1934, S. 48–49. Sehr knapp bei Stopfel, Fremersberg, 1984, S. 128.
  12. Sillib, Favorite, 1929, S. 62. Weitere Nebenbauten waren ein Fischerhaus und eine Brunnenstube (Lauck, Fremersberg, 1986, S. 12).
  13. Sillib, Favorite, 1929, S. 62 (mit Quelle in GLA Karlsruhe, Rastatt Spec. Konvolut 3). Ebenso, aber weniger genau bei Krämer, Jagdschlößlein, 1934, S. 49. Sehr knapp bei Stopfel, Fremersberg, 1984, S. 128. Ausführlich und erstmals mit der Präzisierung, dass es sich um die Ausbesserung des Hirschs handelte, bei Stoll, Rohrer, 1986, S. 171–172.
  14. Stopfel, Fremersberg, 1984, S. 125. Stoll, Rohrer, 1986, S. 172 nimmt zu dieser These nicht Stellung, sondern referiert sie lediglich.
  15. 15,0 15,1 Stoll, Rohrer, 1986, S. 368, Abb. 3. Vgl. KDM Baden-Baden Stadt, 1942, S. 397.
  16. Státní oblastní archiv v Plzni, pracoviště Klášter (SOAvPlzni), Bádenská Tajná Dvorská Kancelář v Rastattu, Karton 23, No. 278.
  17. Lahrkamp, Hubertusorden, 1959, S. 6.
  18. Lahrkamp, Hubertusorden, 1959, S. 36.
  19. Lahrkamp, Hubertusorden, 1959, S. 42.
  20. Lahrkamp, Hubertusorden, 1959, S. 43. Zum Kleinod und den aufgestickten Ordenssternen außerdem: Peters, Hubertusorden, 1976.
  21. Lahrkamp, Hubertusorden, 1959, S. 43.
  22. Sillib, Favorite, 1929, S. 62.
  23. KDM Baden-Baden Stadt, 1942, 1942, S. 395; Stopfel, Fremersberg, 1984, S. 125; Lauck, Fremersberg, 1986, S. 12; Kitzing-Bretz, Krohmer, 2001, S. 336; Merten, Schlösser, 1987, S. 193–194. Stoll, Rohrer, 1986, S.171 hat sich insofern vertan, als sie die Gründung des kurpfälzischen Ordens versehentlich Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg zuschrieb, der 1702 ebenfalls einen St. Hubertus Jagdorden gestiftet hatte. Bei Krämer, Jagdschlößlein, 1934, S. 49 lediglich Malteser- oder Johanniterkreuz als Grundlage genannt.
  24. 24,0 24,1 KDM Baden-Baden Stadt, 1942, S. 396; Stopfel, Fremersberg, 1984, S. 125–126.
  25. Stopfel, Fremersberg, 1984, S. 125–126. Die „Eckhürsche“, die 1722 noch fehlten (Lauck, Fremersberg, 1986, S. 12) bei Sillib, Favorite, 1929, S. 63. Eine Abbildung des zentralen vergoldeten Hirschs, der mit erhobenem Haupt in seinem Wundbett liegt und von einer Bracke angefallen wird, bei Kohlbecker, Fremersberg, 2017, S. 26.
  26. Leist, Hausritterorden, 1892, S. 41.
  27. 27,0 27,1 Zepf, Markgräfin Sibylla Augusta, 2008, S. 29.
  28. 28,0 28,1 Kitzing-Bretz, Krohmer, 2001, S. 337.
  29. Kitzing-Bretz, Krohmer, 2001, S. 336 (GLA Karlsruhe G Baden-Baden 39). Siehe auch KDM Baden-Baden Stadt, 1942, S. 397, Abb. 305.
  30. Kitzing-Bretz, Krohmer, 2001, S. 338.
  31. 31,0 31,1 31,2 Sillib, Favorite, 1929, S. 63.
  32. Kohlbecker, Fremersberg, 2017, S. 46–49 mit Bildnachweis S. 51.
  33. 33,0 33,1 33,2 33,3 Stopfel, Fremersberg, 1984, S. 124.
  34. Sillib, Favorite, 1929, S. 63; Krämer, Jagdschlößlein, 1934, S. 49.
  35. Stopfel, Fremersberg, 1984, S. 125.
  36. Kohlbecker, Fremersberg, 2017, S. 33. Für weiterführende Informationen und das Zurverfügungstellen von Fotografien dankt die Autorin Herr Dipl. Ing. Urban Knapp.
  37. Freundliche Mitteilung Herrn Dipl. Ing. Urban Knapp.
  38. KDM Baden-Baden Stadt, 1942, S. 395, vgl. Stoll, Rohrer, 1986, S. 172, die das Dachwerk jedoch nicht besonders hervorhebt. Eine Würdigung der Dachflächen bei Krämer, Jagdschlößlein, 1934, S. 49.
  39. Laut KDM Baden-Baden Stadt, 1942, S. 397.
  40. Krämer, Jagdschlößlein, 1934, S. 49. KDM Baden-Baden Stadt, 1942, S. 398.
  41. 41,0 41,1 41,2 KDM Baden-Baden Stadt, 1942, S. 398.
  42. Die Maße sind der Bauaufnahme von 1904 zu entnehmen. Der gesamte Raum war 8, 35 Meter hoch. Die Höhe der Wände bis zum Kranzgesims betrug 3,95 Meter (Kohlbecker, Fremersberg, 2017, S. 47).
  43. Für Abbildungen siehe Kohlbecker, Fremersberg, 2017, Abb. 7–8.
  44. Sillib, Favorite, 1929, S. 63; KDM Baden-Baden Stadt, 1942, S. 398.
  45. 45,0 45,1 Krämer, Jagdschlößlein, 1934, S. 49.
  46. KDM Baden-Baden Stadt, 1942, S. 397–398.
  47. Siehe Kohlbecker, Fremersberg, 2017, Abb. 8.
  48. Kohlbecker, Fremersberg, 2017, S. 33.
  49. Sillib, Favorite, 1929, S. 62; Werner, Jägerlouis, 1982; S. 101–102, 106–107; Lauck, Fremersberg, 1986, S. 11; Kitzing-Bretz, Krohmer, 2001, S. 336; Kohlbecker, Fremersberg, 2017, S. 30–31.