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Büdingen, Residenzschloss

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Büdingen, Residenzschloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/c32201d5-b2ff-4804-bf48-a7039276ac73

Inventarnummer: cbdd10469

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im Schloss hat sich in zahlreichen Räumen Decken- und Wandmalerei aus der Zeit von 1546 bis 1553 erhalten. Dazu gehören Darstellungen in Grisaille von Herkules und Samson sowie von Propheten und Evangelisten, aber auch eine farbige Allegorie auf die Musiktheorie des Pythagoras sowie eine Eberjagd.

Schloss Büdingen
Schloss Büdingen

Das Residenzschloss in Büdingen

Kurzbeschreibung und Lage

Schloss Büdingen[1] ist im Osten in der gleichnamigen Stadt in Zitadellenlage situiert. An die annährend kreisrunde Kernanlage grenzt im Westen ein zum Schloss hin offener hufeisenförmiger Wirtschaftshof. Im Süden ist der ebenfalls zum Schloss hin offene Stallhof gelegen, im Osten erstreckt sich ein weitläufiger Park.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Schloss geht auf eine stauferzeitliche Burg aus dem letzten Drittel des 12. Jahrhunderts zurück. Die Außenmauern des Kernschlosses gründen auf ihren Mauern. Ende des 15. und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfolgten vor allem unter den Grafen Ludwig III. (1461-1511) und Anton (1518-1560) bedeutende Umbauten und Erweiterungen. Entscheidend war hier eine 1521 vollzogene Landesteilung in eine Birsteiner und eine Ronneburger Linie, in deren Folge 1520 auch das Schloss in Büdingen geteilt wurde. Bereits um 1470 kam vor den ehemaligen Palas ein Treppenturm. 1531 wurde ihm für Graf Anton von Isenburg-Ronneburg ein drittes Geschoss aufgesetzt. 1570 kam ein Erkervorbau hinzu. Graf Anton ließ die Räume seines Schlossteils zwischen 1543 und 1556 neu ausstatten und seinen Wohnbereich mit Malereien versehen. Als Maler war der Mainzer Hans Abel zumindest bei der Konzeption beteiligt. Bei der Ausführung war auch der Büdinger Maler Caspar Walrab involviert.[2]

Beschreibung

Das Kernschloss hat einen Durchmesser von 53 bis 57 Metern. Alle Bauten sind ringförmig an die ehemalige Burgmauer gelehnt. Im Westen ist das Eingangstor gelegen mit dem Bergfried direkt daneben. Es schließt nach Osten an der Nordseite des Hofes der ehemalige Palas an. Auf diesen folgt die Schlosskapelle. Im Südosten befindet sich der so genannte Krumme Saalbau. Neben diesem steht im Süden der Küchenbau und zuletzt kommt – neben dem Burgtor – das so genannte Binthaus. Da der Schlosshof im Spätmittelalter erhöht wurde, sind die ehemaligen Erdgeschosse heute im Keller. Vor dem Palas, dem Krummen Saalbau und Küchenbau stehen drei Standerker des 16. Jahrhunderts.[3]

Der so genannte Rittersaal (Kemenate) im Palas

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der so genannte Rittersaal entstand im 14. Jahrhundert im Rahmen einer Dreiteilung eines ehemals den ganzen Palas einnehmenden Raums. Um 1490 erhielt er ein Rippengewölbe und Mitte des 16. Jahrhunderts eine Ausmalung. Um 1570 bekam der Raum einen Standerker zum Hof hin.[4]

Beschreibung

Der Rittersaal ist im Hauptgeschoss des ehemaligen Palas im Osten gelegen. Er durchmisst den ganzen Flügel und hat nach Norden und Süden je zwei Fenster, wobei vor dem östlichen Fenster im Süden der Erker steht.[5]

Die Wandmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wände wurden zu verschiedenen Zeiten bemalt, die heute sichtbare Malerei stammt aus der Zeit von 1546-1553.[4]

Beschreibung und Ikonographie

Vor allem an der Süd- und Ostwand hat sich Grisaillemalerei erhalten. Neben Schweifwerk und Grotesken sind die Portalmalerei zum Erker an der Südwand sowie eine Badeszene und die Darstellung eines Reiters zwischen Erker und Fenster zu nennen. Bemerkenswert ist ein farbiges Medaillon an der Südwand rechts des Fensters. Es fingiert ein rundes Fenster mit Gitterkreuz, durch das man vermeint, die Nordseite von Schloss Büdingen zu sehen. Ein derartiger Illusionismus ist in Hessen zu dieser Zeit sonst unbekannt.[6]

Die Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Der Raum wurde um 1490 mit Rippen eingewölbt. Die heute sichtbare Malerei stammt aus der Zeit von 1546-1553.[4]

Beschreibung und Ikonographie

Die Kappen sind in Grisaille mit floral-ornamentaler Schweifwerkmalerei in der Art von Grotesken mit Fabelwesen geschmückt.[7]

Der so genannte Herkulessaal im Palas

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der so genannte Herkulessaal entstand im 14. Jahrhundert im Rahmen einer Dreiteilung eines ehemals den ganzen Palas einnehmenden Raums. Um 1490 erhielt er ein Rippengewölbe und Mitte des 16. Jahrhunderts eine Ausmalung.[8]

Beschreibung

Der Herkulessaal ist der mittlere der drei Räume im ehemaligen Palas. Er durchmisst die ganze Tiefe des Flügels und ist zwischen Rittersaal sowie dem so genannten Gemaltem Zimmer gelegen. Im Norden befinden sich ein Fenster und ein Aborterker, im Sünden der Zugang vom Treppenturm aus.

Die Wandmalerei - Samson und Herkules

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die heute sichtbare Malerei stammt aus der Zeit von 1546-1553.

Beschreibung und Ikonographie

Die Wände waren ehemals komplett in Grisaille bemalt. Türen und Fenster werden von gemalten Gewänden mit Schweif- und Rollwerk begleitet. An der Ostwand ist links neben der Tür zum Rittersaal eine die gesamte Wandfläche einnehmende Darstellung des Samson zu sehen, der im Begriff ist, einen Löwen zu zerreißen. Er stürmt mit vorgestreckten Armen auf das Tier zu, das ihm abwehrend eine Pranke entgegenstreckt. Im Bildhintergrund ist eine hügelige Landschaft mit wenigen Bäumen angedeutet. Im Westen wird neben der Tür zum angrenzenden Gemalten Gemach Herkules präsentiert, der dabei ist, die Hydra zu erschlagen. Die Malerei füllt auch hier die gesamte Wand und zieht sich noch um die Raumecke herum. Herkules ist mit seinem Löwenfell bekleidet und hat seine Keule zum Schlag erhoben. Auch hier ist die leicht gewellte Landschaft im Hintergrund nur angedeutet. Über der Tür ist eine weitere, stark beschädigte Szene zu erkennen, die zeigt, wie der Riese Cacus die Rinder des Herkules in einer Höhle versteckt.[9]

Die Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke wurde um 1490 eingewölbt. Die Malerei in den Kappen stammt aus der Zeit von 1546-1553.

Beschreibung und Ikonographie

Grisaillemalerei mit Blattwerk und Masken umgibt runde fingierte Öffnungen in jeder Kappe.

Das so genannte Gemalte Zimmer im Palas

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Gemalte Zimmer entstand um 1430 im Rahmen einer Dreiteilung eines ehemals den ganzen Palas einnehmenden Raums. Die Wände erhielten zwischen 1330 und 1340 eine Malerei mit aufgemalten Wappen. Diese Malerei hat dem Raum seinen Namen gegeben. Es handelt sich zum einen um das Balkenwappen des Heinrich von Isenburg, das im Wechsel mit dem Sparrenwappen seiner Frau Adelheid von Hanau die Wand oberhalb einer Vorhangmalerei komplett bedeckt, zum anderen um die Wappen ihrer Vorfahren gleich einer Ahnenprobe. Als der Raum um 1490 ein Rippengewölbe erhiel,t wurden die Wappen übermalt. 1546 erfolgte eine erneute Ausmalung. Erst in den 1940/50er Jahren kam es zur Wiederfreilegung und Überfassung der übermalten Wappen des 14. Jahrhunderts.[10]

Beschreibung

Der Raum ist im westlichen Teil des ehemaligen Palas gelegen. Er durchmisst die ganze Tiefe des Flügels und nach Norden ein Fenster sowie nach Süden drei.

Die Wandmalerei - Allegorie der Musik

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei wurde 1546 von Caspar Walrab nach einem Entwurf von Hans Abel aus Mainz geschaffen.[11]

Beschreibung und Ikonographie

Die Malerei ist an der Ostwand über der Tür datiert. Hier wurde mit malerischen Mitteln in Grisaille eine Türrahmung mit Rankenmalerei und Fabelwesen sowie begleitenden Säulen geschaffen – lediglich die Kapitelle sind von goldener Farbe. Die Wandfläche rechts der Tür wird von einem großen farbigen Wandbild dominiert. Man erblickt eine höfische Gesellschaft im Freien. Sie ist in drei Gruppen gegliedert. Links sind drei Schmiede um einen Amboss versammelt. In der Mitte lagert eine Frau vor einem Baum, umgeben von musizierenden Männern, von denen einer – als Narr gekleidet – sich abwendet. In dem sitzenden Paar hat man das Auftraggeberpaar sehen wollen. Die Männer spielen Querflöte, Violoncello, Gambe und Bratsche – einer singt. Die dritte Gruppe rechts hat sich um einen Tisch versammelt, auf dem eine Tischorgel (Regal) steht, die ein rechts sitzender Mann spielt. Hinzu kommen Posaune und Zink, alles Instrumente also, die Luft zur Klangerzeugung brauchen. Im Bildmittelgrund erblickt man zwei Männer, von denen der eine Dudelsack spielt, der andere eine Trommel schlägt. Im Baum sitzt ein musizierender Affe und am Himmel öffnen sich die Wolken und zeigen vor göttlichem Licht drei musizierende Engel.

Die Schmiede links im Bild ist der Schlüssel zu seinem Verständnis. Der antike Philosoph Pythagoras von Samos soll in einer Schmiede erkannt haben, dass gleichzeitige Hammerschläge wohlklingende Töne erzeugen würden, sofern die Hämmer unterschiedliche Gewichte hätten, die in einem bestimmten Verhältnis zueinander stünden. Dies wurde die Grundlage seiner musiktheoretischen Beschreibung von Intervallen. Es geht also um die Musiktheorie (des Pythagoras). Er galt lange als Erfinder der Musik.[12]

Die Deckenmalerei - Propheten und Evangelisten

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei wurde 1546 geschaffen.

Beschreibung und Ikonographie

Die acht Kappen des Gewölbes nehmen in Grisaille vier Propheten- und vier Evangelistendarstellungen auf. Sie alle lagern auf Wolken und sind über ihren Köpfen beschriftet. Es handelt sich im Einzelnen um Markus, Jesaja, Matthäus, Hesekiel, Johannes, Samuel, Lukas und Daniel. Alle Evangelisten schreiben in einem Buch und sind mit ihren Attributen Löwe, Knabe, Adler und Stier versehen. Auch die Propheten schreiben in ihre Bücher.[13]

Der so genannte Graf-Diether-Saal im Krummen Saalbau

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum im heutigen Erdgeschoss des Krummen Saalbaus wurde wohl um 1490 erbaut. 1547 kam ein Erker an die Hofseite.[14]

Beschreibung

Der Raum hat ein Kreuzrippengewölbe, das auf einem zentralen achteckigen Pfeiler ruht. Der Raum durchmisst die ganze Tiefe des Flügels.

Die Wandmalerei - Sauhatz

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wandmalerei wurde von Hans Abel 1553 geschaffen.[15]

Beschreibung und Ikonographie

Die Südwand nimmt zwei Türen auf. Die rechte Tür hat eine gemalte Umrahmung mit einer Supraporte, die die Devise Graf Antons von Isenburg-Büdingen zeigt: „ARMVT VND ŸBERFLVSS GIBT ZEITLICH BETRVBNVS“. Links der Tür befindet sich ein großformatiges Wandbild, aus dem die zweite Tür ausgeschnitten ist. Zu sehen ist die Jagd auf einen Eber. Das Tier stürmt durch eine Winterlandschaft im Vordergrund nach rechts, verfolgt von drei Hunden. Im Hintergrund ist ein Dorf auszumachen, dessen Bewohner offenbar aufgrund des Wildschweins in Aufregung sind.[16]

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung erinnert an zeitgenössische niederländische Kupferstiche.[17]

Die Deckenmalerei im Erker

Schloss Büdingen in Hessen

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Deckenmalerei im Erker stammt von 1547.

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke des Erkers wird von Rippen gegliedert. Die mittleren vier präsentieren mehrere farbige Cherubimköpfe, die äußeren schwarzweiße ornamentale Malerei.[18]

Die Stellung der Decken- und Wandmalerei in Schloss Büdingen

Bedeutung:

Die Malerei in Büdingen gehört zu den ältesten gegenständlichen Decken- und Wandmalereien im Schlossbau in Hessen überhaupt.[19]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Decker/Großmann, Büdingen, 1999. – Decker, Klaus-Peter/Großmann, G. Ulrich: Schloß Büdingen (Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, 2). Regensburg 1999.
  • Dehio, Hessen II, 2008. – Dehio, Georg: Hessen II. Regierungsbezirk Darmstadt (Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Folkhard Cremer u.a.. München/Berlin 2008.
  • Enders, Wetteraukreis I, 1982. – Enders, Siegfried R.C.T.: Wetteraukreis I (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Abteilung: Baudenkmale in Hessen). Braunschweig/Wiesbaden 1982.
  • Großmann, Büdingen, 2013. – Großmann, G. Ulrich: Büdingen, Schloss [zuletzt geändert am 04.09.2013], in: Großmann, G. Ulrich: Hessische Renaissanceschlösser, https://schloesser.gnm.de/wiki/B%c3%bcdingen,_Schloss [zuletzt abgerufen am 08.11.2024].
  • Großmann, Renaissanceschlösser, 2010. – Großmann, G. Ulrich: Renaissanceschlösser in Hessen. Architektur zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg. Regensburg 2010.

Einzelnachweise

  1. Großmann, Büdingen, 2013; Dehio, Hessen II, 2008, S. 113-117; Decker/Großmann, Büdingen, 1999; Enders, Wetteraukreis I, 1982, S. 58, 71, 110-112.
  2. Großmann, Büdingen, 2013; Großmann, Renaissanceschlösser, 2010, S. 154-157; Dehio, Hessen II, 2008, S. 113, 116; Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 4-19; Enders, Wetteraukreis I, 1982, S. 110-111.
  3. Großmann, Büdingen, 2013; Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 22-57.
  4. 4,0 4,1 4,2 Großmann, Büdingen, 2013; Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 40.
  5. Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 40.
  6. Großmann, Büdingen, 2013; Großmann, Renaissanceschlösser, 2010, S. 158; Dehio, Hessen II, 2008, S. 116; Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 40.
  7. Großmann, Büdingen, 2013; Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 40, 41.
  8. Großmann, Büdingen, 2013; Dehio, Hessen II, 2008, S. 116; Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 40-41.
  9. Großmann, Büdingen, 2013; Dehio, Hessen II, 2008, S. 116; Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 41.
  10. Dehio, Hessen II, 2008, S. 116; Großmann, Büdingen, 2013; Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 41-43.
  11. Dehio, Hessen II, 2008, S. 116.
  12. Großmann, Renaissanceschlösser, 2010, S. 158; Dehio, Hessen II, 2008, S. 116; Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 43.
  13. Großmann, Büdingen, 2013; Großmann, Renaissanceschlösser, 2010, S. 157; Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 43.
  14. Großmann, Renaissanceschlösser, 2010, S. 157.
  15. Großmann, Büdingen, 2013.
  16. Großmann, Büdingen, 2013; Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 52.
  17. Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 52.
  18. Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 51-52.
  19. Großmann, Renaissanceschlösser, 2010, S. 253.