Augsburg, Haus Johann Göbel
Inventarnummer: cbdd20004
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Im Haus in der Oblatterwallstraße 24 entstand 1736 das barocke Deckengemälde „Allegorie des Wohlstands im Frieden“ des Augsburger Akademiedirektors Johann Georg Bergmüller. Das zuvor bereits kriegsgeschädigte und wiederaufgebaute Haus musste 2009 zugunsten eines Neubaus weichen.

Das Haus in der Oblatterwallstraße 24

Im Haus in der Oblatterwallstraße 24 entstand 1736 das barocke Deckengemälde „Allegorie des Wohlstands im Frieden“ des Augsburger Akademiedirektors Johann Georg Bergmüller. Das zuvor bereits kriegsgeschädigte und wiederaufgebaute Haus mit dem ehemaligen Deckenfresko im historischen Stadtteil Jakobervorstadt musste 2009 zugunsten eines Neubaus weichen und ist heute nicht mehr erhalten. Ausgehend von einer kleinformatigen Gouachekopie des Karl Nicolai sollen hier aktuelle Erkenntnisse zum bisher nicht erforschten Deckenfresko durchleuchtet werden. Das Fresko wurde im Auftrag der Stadt Augsburg in einem großangelegten Projekt zusammen mit vielen anderen Deckengemälden kopiert und damit vor dem Vergessen bewahrt. Die Datierung und die Umstände der Zerstörung des Freskos konnten durch die Erinnerungen einer nicht namentlich benennbaren Zeitzeugin aus den Jahren 1946 bis 1961 rekonstruiert werden. Mögliche Eindrücke zum Anwesen und zum Raum, in welchem sich das Deckenfresko befand, konnten ebenso durch Erläuterungen der Zeitzeugin und durch Grundrisse aus den Jahren 1904 und 1921 gewonnen werden. Aus den Quellen und der Forschungsliteratur wurden Künstler, Entstehungsdatum und Entstehungsort festgelegt. Vorlagen und Vergleiche dienen zum besseren Aufschluss des Bildinhalts.
Bisheriger Forschungsstand zum Anwesen
Geschichte und Lage
Bauherr des Anwesens in der Oblatterwallstraße 24, in welchem sich das spätere Deckenfresko befand, ist laut Stefan Lindl der evangelische Buchhändler Johann Göbel gewesen. Das Baujahr ist unbekannt, allerdings sind in den Grundbuchauszügen bis 1650 keine Einträge unter Johann Göbel als Eigentümer zu finden, so dass die Errichtung des Hauses vermutlich vor 1650 erfolgte. Zuletzt ging das Eigentum am Haus mit dem Deckenfresko an die Familie einer Zeitzeugin, die nicht namentlich genannt werden möchte, über, bevor es 2009 abgerissen wurde.
Baubeschreibung
Lediglich Grundrisse des Erdgeschosses aus den Jahren 1904 und 1921 sind in den Bauamtsprotokollen im Augsburger Stadtarchiv zum Anwesen in der Oblatterwallstraße 24 zu finden. Hierbei handelt es sich um die Grundrisse der Gaststätte „Zum Geisterhaus“ mit einem Konzertsaal als größten Raum und Gastzimmer, bevor der Großvater der Zeitzeugin das Grundstück erwarb. Nach Aussagen der Zeitzeugin befand sich das Deckenfresko des Johann Georg Bergmüller allerdings im Obergeschoss des Anwesens, im Schlafzimmer der Großeltern. [1] Es sind keine Aufnahmen vorhanden, die nähere Vorstellungen zum Haus geben könnten. Bekannt ist lediglich, dass das „verhältnismässig kleine[n] Wohnhaus" [2] ab 1908 mit den Fabrikhallen des Großvaters durch eine Tür im Erdgeschoss verbunden war.
[1] E-Mail 1, Deckenfresko, 03.12.2019.
[2] E-Mail 3, Deckenfresko, 18.01.2020.
Forschungstand
Forschungsliteratur zum Haus in der Oblatterwallstraße 24 ist nicht vorhanden. Lediglich Oswald Läuterer listet in seinem Beitrag zur Kunstgeschichte Kunstwerke des Johann Georg Bergmüller auf, die die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs, respektive die Nacht vom 25./26. Februar 1944 überlebten, darunter das Deckengemälde in der Oblatterwallstraße 24 von 1736. [1]
[1] Läuterer, Bergmiller, 1954, S. 41.
Schlafzimmer im ersten Obergeschoss
Das Schlafzimmer der Großeltern im ersten Obergeschoss des Hauses, in welchem sich das Deckenfresko zuletzt befand, hatte nach Schätzungen der Zeitzeugin folgende Maße: 8 m Breite und 5,5 m Länge. Es nahm die gesamte Breite des Hauses ein. Die Außenwand soll zum Fünfgratturm hin ausgerichtet gewesen sein. [1]
Allegorie des Wohlstands im Frieden

Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Quellen folgend wurde das Deckenfresko 1736 von Johann Georg Bergmüller angefertigt. [2] Der Auftraggeber des Gemäldes ist nach derzeitigem Stand nicht bekannt. Den Grundbuchauszügen im Stadtarchiv Augsburg zufolge war der Eigentümer des Anwesens der Lit. J 254 1/2, welche später der Oblatterwallstraße 24 entspricht, von 1728 bis 1749 der Gärtner Johann Wilhelm Kuttler. Allerdings ließen sich keine Hinweise zum Auftrag eines Deckenfreskos finden.
Zur Erhaltungsgeschichte des Freskos sind die Aussagen der Zeitzeugin deckungsgleich mit der Feststellung Läuterers, wonach das Fresko von Bergmüller den Zweiten Weltkrieg überlebte. Zwar wurde das Haus in der Oblatterwallstraße 24 gemäß den Erläuterungen der Zeitzeugin durch den Bombenangriff auf Augsburg in der Nacht des 25. Februar 1944 größtenteils zerstört, so dass es unbewohnbar wurde und die Großeltern unmittelbar danach in ein anderes Haus umziehen mussten. Erst nach dem Wiederaufbau des Hauses zog die Familie der Zeitzeugin wieder in das Haus mit dem Deckenfresko. Die Zeitzeugin beschreibt das sanierte Wohnhaus als verhältnismäßig klein, [1] welches durch eine Tür im Erdgeschoss mit den Fabrikhallen des Großvaters verbunden war. Das Deckenfresko jedoch überlebte den Bombenangriff, das nach den Erinnerungen der Zeitzeugin, die im Jahr 1946 beginnen, noch vorhanden war. [1] In den Jahren nach 1961 wurde das Fresko allerdings aufgrund der zu „weltlichen“ [3] Thematik weiß überstrichen, wobei die Stuckumrahmung nicht entfernt wurde. [3]
Beschreibung und Ikonographie
Die Kopie mit den Maßen 50,5 x 66 cm zeigt das Deckenfresko nach Johann Georg Bergmüller aus dem Jahr 1736 als ein von Stuck umrahmtes querformatiges Gemälde mit einer Szenerie, die im Himmel zu verorten ist. In einer Komposition von Menschengestalten erscheint die Allegorie des Wohlstands im Frieden, bestehend aus weiblichen Personifikationen und mythologischem Personal. Die Figuren interagieren teils paarweise, teils in Gruppen. Über allen Handelnden thront auf Wolken die Divina Providentia in blauem Gewand. Mit ihrem rechten Arm stützt sie sich auf die Erdkugel und hält in dieser Hand einen Stab mit dem Auge Gottes, welches in ein leuchtendes Dreieck gefasst die Trinität symbolisiert. Mit ihrem linken Zeigefinger deutet sie auf die leuchtende Sonne, die in einen goldenen, vermutlich die Unendlichkeit symbolisierenden Kreis gefasst ist. Hinter ihr sind dunklere Wolkenpartien zu sehen. Zur Rechten der Thronenden trägt ein bärtiger Mann die Fortuna in Gestalt einer nackten, jungen Frau empor, die in ihrer Hand ein Velum hält. Ein blauer Umhang, welches mit einem Band um den Oberkörper der männlichen Figur befestigt ist, bedeckt die Scham der beiden Figuren. Unterhalb dieses Paares sind der am Kopf mit Schlangen umwundene, stürzende Neid mit ausgezehrten Brüsten und möglicherweise umgedrehter Fackel zu erkennen, der sich dadurch vor dem Absturz zu bewahren versucht, dass er in den blauen Stoff der männlichen Figur greift. Auch die Falschheit mit rötlichem Inkarnat, eine Maske als zweites Gesicht in ihrer linken Hand haltend, ist zu sehen. So scheint die männliche Figur die wankelmütige Fortuna einerseits vor den Lastern zu retten, andererseits mit beiden Händen am Davonschweben zu hindern.
Mittig im Gemälde sind zwei sitzende Figuren zu sehen. Bei dem Paar, um welches sich die gesamte Komposition anordnet, handelt es sich zum einen um eine Frau mit Mauerkrone in einem weiten goldenen Gewand. Sie ist Augusta, die Personifikation der Stadt Augsburg. Zum anderen um den Flussgott Lech mit seinem Dreizack, Kranz aus Schilf und Muscheln, der auf einem umgestürzten Gefäß ruht, aus dem Wasser strömt, als Personifikation des Wasserreichtums der Stadt Augsburg. Blickkontakt haltend reichen sie sich zum Bündnis die Hände. Ein Löwe liegt friedlich zwischen beiden, ihre Stärke symbolisierend. Links daneben ist Abundantia zu sehen, den Betrachter direkt anblickend, mit einem Blumenkranz in ihren Haaren. Sie trägt in ihrer Linken ein Füllhorn mit Blumen und Ähren als Zeichen des Ertragsreichtums und garantiert als Göttin des Überflusses den Wohlstand. Mit ihrer rechten Hand lüftet sie das Gewand der Augusta. Der Stoff im Rücken des Lechs flattert hoch in Richtung eines schwebenden Paares. Merkur, erkennbar an seinem Caduceus, Flügelhut und geflügelten Füßen, hält die ebenfalls geflügelte Fama fest im Griff. Diese ist an ihrer Posaune zu erkennen, mit welcher es ihr möglich ist, den Ruhm auszurufen. Fama deutet hier mit ihrem Zeigefinger nach unten auf einen Putto mit blondem Haar, welcher mit den Attributen Schwert und Waagschale auf die Justitia hindeutet. Links daneben symbolisiert ein nackter Putto mit Ölzweig den Frieden. An der Basis der gesamten Komposition steht ein Bienenkorb, aus welchem Blumen herunterhängen. Bienen sind zu erkennen und deuten auf den Fleiß als Grundstock des Wohlstands. Die Szenerie ruht auf Architekturversatzstücken, die als Stufen einer Mauer zu erkennen sind.
In dem umgestürzten Wasserkrug sind die Initialen JB des Johann Bergmüller und rechts die Jahreszahl 1736 zu sehen. Am unteren Segment des Gemäldes ist außerdem zu lesen: KOPIERT VON NICOLAI. Auch die Quadratur ist auf der Kopie deutlich zu erkennen.
In Leserichtung wird der Betrachter durch die männliche Gestalt, welche die wankelmütige Fortuna festhält, in das Bild geführt. Fortunas Blick geht in Richtung des goldenen Kreises, welches den unendlichen Kreis des Lebens darstellt und die Ewigkeit symbolisiert. Das Glück steht im Dienste Gottes durch die thronende Göttliche Vorsehung, gekennzeichnet mit dem Auge Gottes und der Trinität im Dreiecks-Stab. Flankiert wird sie vom Ruhm durch den Handel in Gestalt der Fama, die von Merkur gehalten wird. Fama indessen deutet mit ihrem Zeigefinger auf die Gerechtigkeit in Friedenszeiten, wodurch der Handel erst florieren kann. Als Grundstock dient der Fleiß, aufgezeigt durch den Bienenkorb als Basis der gesamten Komposition. Der Überfluss in Gestalt der Abundantia ist nicht nur auf den Fleiß zurückzuführen, sondern auch auf den günstigen Standort der wasserreichen Stadt Augsburg mit dem Lech als wirtschaftliche Lebensader. Dies zeigt Bergmüller, indem Abundantia das Gewand der Augusta anhebt, sodass auch das Geheimnis des Überflusses gelüftet ist. Der Kreis im Bild schließt sich mit den stürzenden Lastern Neid und Falschheit, vor welchen das Glück durch die mächtige männliche Figur beschützt wird.
Der von Fortuna begünstigte und von Fama gerühmte Handel muss durch Fleiß vorangetrieben und gegen Neid und Falschheit verteidigt werden, damit Friede und Gerechtigkeit herrschen.
Komposition und Ansichtigkeit
Auskunft bezüglich des Standortes des Gemäldes geben lediglich Erinnerungen und Beschreibungen der Zeitzeugin aus den Jahren 1946 bis 1961. Ihrer Beschreibung folgend, befand sich das Deckenfresko im Schlafzimmer der Großeltern, welches sich im ersten Obergeschoss des Hauses befand. Nach ihren Schätzungen war der Raum 8 m breit und 5,5 m lang und nahm die gesamte Breite des Hauses ein. Die Außenwand soll zum Fünfgratturm hin ausgerichtet gewesen sein, [1] so dass ebenso das Fresko mit 4 m Breite und 3 m Länge diese Ausrichtung hatte.
Gestalterische Mittel
Bergmüller verzichtet auf die illusionistischen Effekte einer Quadratura in seinem Fresko und zeigt seine Figuren sowie die Architektur leicht lesbar, ohne perspektivische Verkürzungen. Lediglich die himmlische Verortung in Wolken deutet auf ein Bild an der Decke hin. Die zentralperspektivisch angelegten Architekturteile sind auf die untere Randzone beschränkt, somit wird der Raum zwar nach oben hin erhöht, aber nicht nach oben hin geöffnet. Die meisten Fresken Bergmüllers sind tafelbildartig aufgebaut. [4] Der Stuckrahmen, welcher gemäß der Zeitzeugin auch um das vorliegende Fresko vorhanden war, hat bei Bergmüller selten die Funktion, das Fresko zu begrenzen. Auch in der „Allegorie des Wohlstands im Frieden“ sind Figuren wie der Neid im unteren linken Rand oder die Füße der Putti rechts unten von der Rahmung angeschnitten, so dass kein Abschluss entsteht. Die Szenerie geht scheinbar „hinter“ dem Rahmen weiter, wodurch wiederum Breitenillusionismus entsteht. [5] Ebenso verhält es sich mit der gemalten Architektur, welche nicht auf dem Rahmen, sondern dahinter zu sein scheint. So wird nicht das Bild, sondern der Blick des Betrachters begrenzt, der scheinbar auf eine Bühne blickt. [5] Eine klassisch-nüchterne, von klarer und ausgeprägter Konturschärfe bestimmte Malweise mit der Abstandnahme zum „inganno degli occhi“, der Augentäuschung, nimmt Bergmüller aus seinen Aufenthalten in den reformierten Niederlanden mit. Dieser Unterschied zur italienischen illusionistischen Deckenmalerei machte ihn offensichtlich auch besonders interessant für protestantische Auftraggeber. [6] Da Bergmüller in erster Linie für katholische Kirchen und Klöster arbeitete, spielen Mythologien und andere profane Themen in seinem Œuvre keine wesentliche Rolle. Diese wurden hauptsächlich von privaten Sammlern oder vor allem dem Adel in Auftrag gegeben. [7] Für Bergmüller scheint die Konfession keine Rolle gespielt zu haben [8].
Forschungsstand
Auskunft über Titel, Maße, Standort, Künstler und Entstehungsdatum des Freskos liefern Dokumentationsunterlagen der Kunstsammlungen und Museen Augsburg über die Gouache des Karl Nicolai von 1936, unter der Inventarnummer G 25199. Auch die Neue Augsburger Zeitung vom 16.10.1937 berichtet von der Aufnahme des Deckengemäldes in der Oblatterwallstraße 24 im Auftrag der Stadt Augsburg. [2] Neben der Erwähnung des Deckenfreskos von Oswald Läuterer ist keine Forschungsliteratur vorhanden.
Vorlagen und Vergleiche
Eine thematische Verwandtschaft zu den Friedensgemälden wird durch einen Stich Bergmüllers deutlich. Friedensgemälde sind stets zweiteilig angelegt, mit einem Bildteil in der oberen und einem Sinngedicht im unteren Teil, welches das obige Bild erklärt [9]. Die Darstellung des Psalms 85, 11 „Justitia et pax osculatae sunt“ ist eine geläufige Friedensemblematik [10], die auch Bergmüller mit einer neuen Bildfindung zu seinem Kupferstichwerk Anthropometria 1723 als Anhang veröffentlichte (Bild 1). Im oberen Bildteil ist das thronende Paar Pax und Iustitia zu sehen, die sich liebevoll zu einem Kuss einander zuwenden. Pax hält den Heroldstab und einen Ölzweig in der rechten Hand, wohingegen Iustitia ihre Rechte heilend auf den Globus legt, auf den sich bereits die Friedenstaube mit Ölzweig gesetzt hat. In ihrer Linken hält sie das Schwert und die Waagschale der Gerechtigkeit auf dem Schoß. Hinter ihnen blickt ein Knabe mit einem Bündel Stäben als Zeichen der Eintracht hervor. Chronos mit Flügel und Sichel, ragt von der rechten Bildseite hinein und hält über dem Paar einen Sternenreifmit der Aufschrift „Horum Auxilio“, mit Hilfe der Horen. Fortuna auf der linken Bildhälfte schüttet ihr Füllhorn mit Blumen, Obst, Getreide, Schmuck und Münzen aus, gleichzeitig pusten Windgötter günstige Winde aus den Wolken herab. Unter ihr schmücken zwei Putti die Büste der Minerva mit Girlanden und einem Lorbeerkranz, zu erkennen an Rüstung und dem Schild mit Medusenhaupt. Auch eine Posaune, als Zeichen des Ruhms hält eines der beiden Putti in der Hand. Im Schatten zu Füßen der Gerechtigkeit liegt eine Maske, die möglicherweise die Falschheit symbolisiert. Eine Figur mit Maske von Bergmüller, in der Vorlage des 1730 ausgeführten Deckenfreskos im Chor der St. Nikolauskirche in Stadtbergen bei Augsburg, auf welchem der Erzengel Michael Laster und Irrlehre im Zeichen des Kreuzes besiegt, benannte Straßer als Falschheit [11].
Im unteren Schriftteil, Justitia et Pax osculatae sunt David Psal. 82, ist zu lesen:
„O Edle Zeit O Süßigkeit wo Frid in allen Landen Wo die Justiz nimbt ihren Sitz, das Unrecht wird zu schanden. Die Ewigkeit macht große freud, bringt nur auf ganzer Erden Das Glück erscheint, ehe mans vermeint, bereichet ohne bschwerden, An Uberflus sind man genus, die Zephyr windlein wehen Auf diese Weis kann Kunst und Fleis hoch aestimiert bestehen.“
Der Vergleich zwischen Kupferstich und Fresko zeigt die Platzierung der Fortuna ebenfalls auf der linken Seite des Bildes. Auch gibt es in beiden eine himmlische Sphäre, im Fresko allerding ohne Zephyren. Die Ewigkeit ist im Text des Stichs enthalten, wobei möglicherweise im Bild der Sternenkranz über Pax und Iustitia diese ebenfalls symbolisiert. Einen goldenen Ring mit Sonne zeigt Bergmüller außerdem in der zwölften Nummer seiner Stichserie Symbolum Apostolicum, 1725 entworfen [12] (Bild 2), als Symbol der Ewigkeit, mit dem letzten Satz des Credos „Und das ewige Leben“, so dass auch dieser als Vorlage für den Kreis der Ewigkeit gedient haben könnte.
Unterschiede zwischen Fresko und Stich sind beispielsweise, dass im Stich der Fortuna das Füllhorn beigegeben wurde und im Fresko der Abundantia. Das Zentrum im Fresko füllt Augusta mit dem Lech, während Frieden und Gerechtigkeit als Putti mit den Attributen unter diesen platziert sind. Der herausstechende Fleiß im Fresko mit Bienenkorb und Bienen, wird im Stich nur im Text erwähnt und besagt, dass der Fleiß bestehen kann solange die Winde günstig wehen. Merkur als Gott des Handels ist im Stich lediglich mit seinem Stab in Händen des Friedens vertreten.
Die Zusammenkunft einiger, der im Deckenfresko vorhandenen mythologischen Gottheiten weist die auch namentlich verwandte, farbig aquarellierte Zeichnung von Bergmüller aus dem Jahre 1746 auf. Eine „Allegorie auf den Handel“ [13]zeigt in der Bildmitte in einem ovalen Feld Merkur, Fama, Fortuna und einen Flussgott. Eine Ausführung ist nicht bekannt, daher ist sie als Deckenentwurf eines Treppenhauses eines Handelsherren zu vermuten. Da allerdings Quadrierung oder andere Übertragungshilfen fehlen, spricht auch der aufwendig ausgeführte Entwurf eher für ein „Vorzeigeblatt“, welches dem künftigen Auftraggeber eine Vorstellung über das Deckensystem vermitteln sollte [14].
Friedens- und Handelsallegorien waren besonders im Augsburg des 18. Jahrhunderts vielfältig und im bürgerlichen Stadtbild stark vertreten. So ist Merkur nicht zufällig auch Bote des Friedens und der Frieden stets Voraussetzung des prosperierenden Handels [15]. Auch kann der Heroldstab des Merkur nach Ripa als Attribut der Industria gelesen werden [16], der durch den Bienenkorb als Basis der Komposition besonders verstärkt wird. Auch die Emblematik zeigt Bienen um einen Bienenkorb als Zeichen großen Fleißes und interpretiert dieses Motiv sogar genauer als uneigennütziges Handeln im Dienst der Allgemeinheit [17]. Indem schließlich der durch Bienenfleiß vorangetriebene Handel gegen Neid und Falschheit verteidigt wird, kann er von Fortuna begünstigt und von Fama gerühmt werden.
Programm und Synthese
Bibliographie
- Augsburger Freskenpracht in Miniatur. Zahlreiche alte Wandgemälde im Auftrag der Stadt kopiert. Neue Augsburger Zeitung, 1937 Nr. 241. Augsburgs letzter Akademiedirektor. Augsburger Nationalzeitung, 21.07.1937.
- Dreyer, Angelika: Zwischen barocker Frömmigkeit und katholischer Aufklärung. Die Fresken von Joseph Mages (1728-1769), Regensburg 2017.
- Dreyer, Angelika: ¬"Ein¬ Bild kommt von der Hand des Künstlers ungeweyhet". Barocke Freskomalerei in den protestantischen Kirchen Augsburgs. In: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst, 2017, Bd. 68, S. 85-104.
- Epple, Alois: Johann Georg Bergmüller - pinxit al fresco, Türkheim 2001.
- Epple, Alois / Straßer, Josef: Johann Georg Bergmüller ; 1688 - 1762; die Gemälde; [Begleibuch zur Ausstellung im Schaezlerpalais Johann Georg Bergmüller, ein Meister des Augsburger Barock; 19.2. - 15.4.2012]; Die Gemälde - Johann Georg Bergmüller, Lindenberg im Allgäu 2012.
- Läuterer, Oswald: Johann Georg Bergmiller. In: Die Künstler Türkheims. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte Mittelschwabens. 1. Teil, Türkheim 1954.
- Ripa, Cesare: Iconologia Overo Descrittione Di Diverse Imagini cauate dall'antichità, & di propria inuentione, Rom 1603.
- Straßer, Josef: Johann Georg Bergmüller 1688 – 1762. Die Zeichnungen, Kat. Ausst. Salzburg 2004/München 2005.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 E-Mail 3, Deckenfresko, 18.01.2020.
- ↑ 2,0 2,1 Neue Augsburger Zeitung, Freskenpracht, 1937.
- ↑ 3,0 3,1 E-Mail 1, Deckenfresko, 03.12.2019.
- ↑ Epple, al fresco, 2001, S. 54.
- ↑ 5,0 5,1 Epple, al fresco, 2001, S. 53.
- ↑ Dreyer, Barocke Freskomalerei, 2017, S. 85 f.
- ↑ Epple/Straßer, Bergmüller, 2012, S. 37.
- ↑ Epple/Straßer, Bergmüller, 2012, S. 40 f.
- ↑ Dreyer, Mages, 2017, S. 203.
- ↑ Dreyer, Mages, 2017, S. 204.
- ↑ Straßer, Bergmüller, 2005, S. 88.
- ↑ Epple, Bergmüller, 1988, S. 134.
- ↑ Straßer, Bergmüller, 2005, S. 113.
- ↑ Straßer, Bergmüller, 2005, S. 112.
- ↑ Dreyer, Mages, 2017, S. 206.
- ↑ Ripa, Iconologia, 1603, S. 227.
- ↑ Dreyer, Mages, 2017, S. 209.