Assumstadt, Schloss
Inventarnummer: cbdd10392
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Den zum Garten ebenerdigen Saal des 1769 nach einem Entwurf des Prager Architekten Jan Josef Prachner errichteten Schlosses des Freiherrn Karl Reinhard von Ellrichshausen ziert an der Decke eine Allegorie der Stärke. Sie folgt einer 1638 von Michel Dorigny gestochenen Kardinaltugend von Simon Vouet.

Schloss Assumstadt
Bauzeit und Architekt
Das heutige Schloss Assumstadt wurde im Jahr 1769 von dem kaiserlichen Generalfeldzeugmeister in Böhmen, Karl Reinhard Freiherrn von Ellrichshausen (1720–1779) erbaut.[1] Die 1881 erschienene Oberamtsbeschreibung Neckarsulm erwähnt böhmische Handwerksleute, was zur Zuschreibung des Gebäudes sowohl an den Prager Ingenieursarchitekten Paul Wiedhopf als auch den etwas bekannteren Johann Joseph Wirch (1732–1802) geführt haben dürfte.[2]
Die Durchsicht der Archivalien ergab, dass der Entwurf in der Tat von einem Prager Architekten erstellt und vor Ort von dem eigens aus Prag gekommenen Parlier Karl Schmid beaufsichtigt wurde. Bei dem Architekten handelte es sich um Jan Josef Prachner/Johann Joseph Prachner (1732–1792).[3]
Zum Bauherrn Karl Reinhard Freiherr von Ellrichshausen (1720–1779)
Karl Reinhard von Ellrichshausen, zu dem Wilhelm Ganzhorn 1865–1867 einen nach den Quellen gearbeiteten Lebenslauf vorgelegt hat,[4] wurde 1720 in Assumstadt geboren. Er hatte einen älteren Bruder, der ihn überlebte. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Stuttgart trat er 1736 zunächst in das herzoglich württembergische Regiment ein, begab sich jedoch nach dem Ausbruch des russisch-österreichischen Türkenkriegs (1736–1739) ins kaiserliche Heer zu seinem Onkel mütterlicherseits, dem Grafen von Neipperg .
Sein Werdegang in der kaiserlichen Armee ließ ihn zum Feldzeugmeister mit Generalkommando in Mähren und österreichisch Schlesien, später auch in den polnischen Provinzen Galizien und Lodomerien sowie in der Bukowina aufsteigen.
Großer Saal

Der über zwei Geschosse reichende, ebenerdig zum Garten gelegene große Saal besitzt an den Wänden eine scheinarchitektonische Gliederung mit Wandfeldern, Reliefs, Blumenvasen und Skulpturen. Die Formen im goût grec lassen sich ornamentgeschichtlich um 1772/75 datieren, sodass die Saalausstattung unmittelbar nach Fertigstellung des 1769 begonnenen Rohbaus angegangen worden sein dürfte.
Scheinarchitektonische Wandmalerei
Die Scheinarchitektur illusioniert eine gelbliche gefasste Wand mit rot-grau marmorierten Feldern. Die Ornamente sind zumeist gelblich gefasst. Illusionierte Reliefs erscheinen in grauem camaïeu. Weder der Maler noch der Entwerfer der Scheinarchitektur ließ sich den Quellen bislang entnehmen.
Allegorie der Stärke nach Simon Vouet
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Im ovalen Deckengemälde fliegt die Kardinaltugend der Stärke (Fortitudo) nach einer Vorlage von Simon Vouet, die Michel Dorigny 1638 in Kupfer gestochen hat.[5] Sie war Teil einer vierteiligen Serie der Kardinaltugenden im Schlafzimmer der Königinmutter Anne d’Autriche in Saint-Germain-en-Laye.[6]
Fortitudo sitzt als muskulöse Frau mit Helm, Brustpanzer, dem Medusenschild und einem Schwert in der erhobenen Rechten auf einer Wolke. Sie trägt ein rotes Gewand, über dem ein goldener Mantel flattert. Neben ihr reitet ein Junge auf einem Löwen, der ihr Attribut der Stärke darstellt. Der Löwe ist angeschirrt, doch hält er die Trense lose in seinem großen Maul. Die Augen sind weit aufgerissen, die Vorderpfoten vorgestreckt.
Drei Putti sind damit beschäftigt, die Säule, die als weiteres Attribut der Stärke die Personifikation bezeichnet, mit einer grünen Eichengirlande zu verzieren. Ein Putto sitzt rittlings auf der Säule, um sie zu umwickeln, die beiden anderen fliegen mit der Girlande herbei.
Das Deckengemälde folgt seitenrichtig dem Stich von Michel Dorigny. Verändert wurden die Utensilien der Fortitudo, die bei Dorigny ein Schwert in der linken – bei Vouet ursprünglich der rechten Hand hält und sich mit der rechten – bei Vouet ursprünglich der linken Hand durch einen Schild schützt. Der Maler in Assumstadt verzichtete auf den Schild, um seiner Figur das Schwert in die rechte Hand geben zu können.
Außerdem fügte er den zweiten fliegenden Putto sowie einen weiteren Putto hinzu, der einen Helm mit Federbusch davonträgt. Mit diesen beiden zusätzlichen Wesen füllte der namentlich bislang noch nicht bekannte Maler das Oval des Deckengemäldes auf. Der Betrachterstandpunkt des Gemäldes befindet sich mit dem Rücken zum Garten.
Bibliographie
- Ganzhorn, Ellrichshausen, 1865–1867 = [Wilhelm] Ganzhorn, Oberamtsrichter, Feldzeugmeister Karl Reinhard Freiherr von Ellrichshausen, in: Württembergisch Franken [hier Wirtembergisch Franken], Zeitschrift des Historischen Vereins für das wirtembergische Franken, 7 (1865–1867), S. 513–520.
- Merten, Schlösser, 1987 = Klaus Merten, Schlösser in Baden-Württemberg. Residenzen und Landsitze in Schwaben, Franken und am Oberrhein, München 1987.
- Oberamt Neckarsulm, 1881 = Beschreibung des Oberamts Neckarsulm, hg. von dem k. statistisch-topographischen Bureau, Stuttgart 1881, S. 684. https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/oab_neckarsulm1881/0702/scroll https://de.wikisource.org/wiki/Beschreibung_des_Oberamts_Neckarsulm/Kapitel_B_34
- Thuillier, Vouet, 1990 = Jacques Thuillier, Vouet. Ausst.-Kat. Galeries nationales du Grand Palais, Paris, 6 novembre 1990 – 11 février 1991, Paris 1990.
Einzelnachweise
- ↑ Oberamtsbeschreibung Neckarsulm, 1881, S. 683
- ↑ Die Zuschreibung an Paul Wiedhopf überliefert Merten, Schlösser, 1987, S. 267–268, spricht sich selbst jedoch für Johann Joseph Wirch aus. Johann Joseph Wirch wurde im Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Dehio BAW I, 1993, S. 19) übernommen.
- ↑ Die Autorin plant hierzu eine ausführliche Veröffentlichung.
- ↑ Ganzhorn, Ellrichshausen, 1865–1867.
- ↑ Dehio BAW I, 1993, S. 19. http://kk.haum-bs.de/?id=dorigny-m-ab3-0082
- ↑ Thuillier, Vouet, 1990, S. 288–289.