Aschering, Filialkirche St. Sebastian
Filialkirche, Gemeinde und Pfarrei Pöcking, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung hatte Kloster Polling das Präsentationsrecht auf die Pfarrei, Grundherrschaft Kloster Polling
Patrozinium: St. Sebastian
Zum Bauwerk: Einfacher, ungegliederter Saalraum mit eingezogenem querrechteckigem Chor. Innenausstattung 1768 unter Pfarrer Michael Waibl
Auftraggeber: Propst Franz Töpsl von Polling (1744–96) ist wohl wie in Landstetten - ebenfalls eine Filiale der Pfarrei Pöcking – als Auftraggeber anzusehen. Hierfür spricht auch die Wahl des Künstlers Baader, der in Polling mehrfach tätig war (s. LKr. Weilheim-Schongau).
Autor und Entstehungszeit: Signatur in A: Bader pinxit anno 1768. Diese Signatur wurde 1929 sicherlich nachgemalt, doch besteht kein Zweifel, daß eine ursprüngliche Signatur Baaders vorlag. Das Fresko ist typisch für Baader. - Im »Monumentum debitae gratitudinis . . . « schreibt Johann Nepomuk Daisenberger, der letzte Propst von Polling (1796–1803): »Ecclesiae in Aschering et Anstetten (= Landstetten), ubi Collegium nostrum plenas possidet decimas, prorsus aliam induere faciem artificiali manu D. Joan Baader et Thassilonis Zoepf omni ex parte renovatae et tribus altaribus instructae.« Dort ist auch die Jahreszahl 1768 zu finden (zitiert auch bei Emerich).
Befund
Träger der Deckenmalerei: Stichkappentonne Rahmen: A und B Stuckprofil Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 6,05 m; 2,50 × 3,20 B Höhe 6,05 m; 7,00 × 4,50
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Als 1929 ein neues Deckengemälde – signiert J. M. – im AR gemalt wurde, wurden auch die Fresken im LHs restauriert. Fresko A zeigt Haarrisse und Abblätterungen, Fresko B ist durch Feuchtigkeitsschaden und Abblättern von Putzteilen sehr beeinträchtigt.

Beschreibung und Ikonographie
A DREIFALTIGKEITSGLORIE In A ist ein Wolkenring dargestellt, in dessen Mitte das Symbol der Dreifaltigkeit mit dem hebräischen Tetragramm erstrahlt. In den Wolken Puttoköpfe und zwei musizierende Engel, einer mit Harfe, der zweite mit Laute. Ein Putto hält ein Notenblatt mit der Aufschrift Sanctus.

B ST. SEBASTIAN PATRON DER PESTKRANKEN Einansichtige Szene; Betrachterstandort unterhalb des westlichen Bildrandes. Starke Verkürzungen wurden versucht, besonders bei den Architekturen, doch sind sie nur teilweise überzeugend.
Die terrestrische Zone nimmt das östliche Bildviertel ein, sie ist waagerecht begrenzt und wird nicht an den Bildseiten, den Rahmen begleitend, herumgezogen. Der Abschluß nach den Seiten wird durch naturgemäß höhere Bildteile gebildet, links durch einen hochragenden Baum und im Hintergrund durch den Hügel mit einem antikisierenden Rundtempel, rechts durch eine Säulenarchitektur.
Den Schauplatz der Handlung bildet ein Brückenbogen über einer konkav nach vorne geschwungenen Basis; zu beiden Seiten führen Treppen hinauf. Ein runder, aus Quadern gemauerter, brunnenähnlicher Schacht ist hinter an den Brückenbogen gefügt.
Oben, in der Mitte des Deckengemäldes, im Himmel, erscheint Christus, auf Wolken thronend, mit Pfeilen die Erde bedrohend. Engel mit dem Kreuz Christi begleiten ihn. Darunter kniet, ebenfalls auf Wolken, der hl. Sebastian. Auf ihn weist ein Engel, der über der irdischen Szene schwebt.
Unten auf der Erde naht von links über die Brücke eine Bittprozession, Buben und Mädchen in bäuerlicher Kleidung, mit Rosenkränzen in Händen. Ein Teil der Bittflehenden schaut zum Himmel auf, der Anführer trägt ein Kruzifix, das mit einem wehenden weißen Tuch umwunden ist.
Rechts auf der Brücke lagert ein Pestkranker, umringt von seinen klagenden Angehörigen. Dahinter, in der Säulenhalle, liegt auf hohem Bett ein Sterbender, mit dem

Sterbekreuz in Händen. Ein Priester tröstet ihn, indem er auf den hl. Sebastian im Himmel weist.
In den Schacht hat man die Leichen Pestkranker geworfen; eine letzte wird gerade hinabgelassen. An der Brunnenöffnung sieht man Weinende. Im Vordergrund, rechts auf den Stufen, sitzt eine Mutter und hat ihre Augen zu Sebastian erhoben. Klagend weist sie auf eine Kinderleiche im Brunnen. Auf ihren Knien liegt ein krankes Kind.
Die Darstellung, ein Pestbild (vgl. LCI Bd 3, Sp. 407–409), gibt die Fürbitte Sebastians für das von Gott durch Pest gestrafte Volk im Typus eines Votivbildes wieder. Der Schacht spielt auf die »cloaca Maxima« an, in die der Leichnam des Martyrers angeblich geworfen worden war (vgl. die Passio, AASS Jan., Tom. 2, 20. 1., S. 278).
Inschriftkartusche über dem Brückenbogen: Dem (?) Recht und Heyle (Inschrift anscheinend nicht original)
Quellen und Literatur
[Daisenberger], Johann Nepomuk, Monumentum debitae gratitudinis... erga Franciscum Toepsel, (o. O.) 1815, S. 30. Braun-Augsburg, Bd 1, S. 359 f. (Böcking). KDB I OB (1), S. 852
Emerich, Karl, Johann Baptist Baader, in: Landsberger Geschichtsblätter 29, 1932, S. 77.
Fuchs, Adolf, Johann Baptist Baader, der Lechhansl, Kaufbeuren 1959, S. 32.
Simon, Adelheid, Die Fresken des Johann Baptist Baader mit einem kritischen Katalog des Gesamtwerkes, unge- druckte Diss. München 1972.