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Altenburg, ehem Opernhaus im Schlossgarten

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Altenburg, ehem. Opernhaus im Schlossgarten, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/33dbb2f5-b8ff-4493-b15c-bf73d5dd2293

Inventarnummer: cbdd10291

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Das heute nicht mehr vorhandene Gebäude hatte ein Deckenfresko von Johann Heinrich Ritter aus dem Jahre 1730. Das figurenreiche Gemälde präsentierte u.a. Apoll mit einigen Musen und anderen Göttern.

Altenburg, ehem. Opernhaus im Schlossgarten
Altenburg, ehem. Opernhaus im Schlossgarten

Das ehemalige Opernhaus im Schlossgarten

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Altenburg, ehem. Opernhaus im Schlossgarten

Kurzbeschreibung und Lage

Im Osten des Altenburger Schlossgartens erhob sich ein Opernhaus.[1] Es bildete eine lockere bauliche Einheit mit einer im Westen angrenzenden Orangerie und einem an diese angefügten Lusthaus. Im Süden des Opernhauses lag ein Vorwerk.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das ehemalige herzogliche Opernhaus lag im Schlossgarten und war über die im Westen anschließende Orangerie direkt mit dem so genannten Teehaus verbunden. 1595 war es als Ballhaus errichtet worden. 1727-28 wurde es im Auftrag von Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg zum Opernhaus umgebaut. Wenn der Hof in Altenburg weilte, wurden hier vor allem deutschsprachige Opern aufgeführt.

Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg ließ es 1775 zum Hoftheater umbauen. Hinfort durfte das zahlende Publikum den Aufführungen beiwohnen. 1804 ging es an eine Privatgesellschaft und der Betrieb wurde bald eingestellt. Nach einem erneuten Umbau diente es noch einmal von 1843 bis 1864 als Spielstätte. Dann wechselten die Aufführungen in einen Neubau in der Stadt und das funktionslose Gebäude im Schlossgarten wurde 1904 abgerissen.

Die Architektur des Gebäudes ist weitgehend unklar. Jedoch haben sich im Gothaer Archiv ein Auf- und Grundriss von 1730[2] erhalten. Die Fassade des Baus war nach Norden gegen das Vorwerk gerichtet. Der relativ schmucklose Rechteckbau wurde von Lisenen über einem Sockelgeschoss gegliedert und hatte ein Walmdach mit Schleppgauben.

Der Zuschauerraum

Beschreibung

Wie die Architektur des Gebäudes ist auch das Aussehen des Zuschauerraums weitgehend unklar.[3] Es haben sich nur wenige Fotos des Innenraums (schon während des Abbruchs) erhalten. Demnach und gemäß dem Aufriss und Grundriss war der Zuschauerraum wohl annähernd rechteckig und an drei Seiten von einer zweigeschossigen, hölzernen Empore auf Stützen umgeben. Gegenüber der Kastenbühne befand sich die herzogliche Loge. Die Bühnenfassade selbst war mit kompositen Wandpfeilern geschmückt. In vier Nischen dazwischen erblickte man gemalte Darstellungen von Diana, Orpheus, Minerva und Fortuna. Darüber zeigten vier Medaillons die Bildnisse und Monogramme von Herzog Friedrich II. und seiner Frau Magdalena Augusta. Auf dem Vorhang sowie auf der Courtine wurde jeweils das herzogliche Wappen präsentiert.

Das Deckengemälde

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Nach dem Umbau des Ballhauses zum Opernhaus schuf Johann Heinrich Ritter zwischen Mai und November 1730 ein Deckenbild[4] für den Zuschauerraum. Gemäß Vertrag sollte es sich um ein Fresko handeln. Das figurenreiche Gemälde hat sich nicht erhalten und ist auch fotografisch nicht überliefert.

Beschreibung und Ikonographie

Erhalten hat sich jedoch der gerasterte Entwurf Ritters.[5] Zu sehen sind die sechs vertraglich vereinbarten Figuren. Der Entwurf zeigt Apoll mit einigen Musen und anderen Göttern zusammen mit Pegasus auf Wolken. An der Spitze der Komposition thront Apoll mit seiner Leier. Weiter unten lagern fünf Musen. Sie sind nicht einwandfrei zu identifizieren, da ihre Attribute auf der Zeichnung nur schematisch angegeben sind. Eine Figur links macht tänzerische Bewegungen. Zu ihren Füßen liegen eine Panflöte und eine Theatermaske. Es könnte sich um Terpsichore oder Melpomene handeln. In der Mitte unter Apoll lagert Klio mit einem aufgeschlagenen Buch. Rechts von ihr sitzt eine weitere weibliche Figur mit ausgebreiteten Armen, neben der ein Rüstpanzer, ein Schild und zwei Keulen liegen. Ganz unten spielt Erato die Leier. Neben ihr ist Merkur zu sehen. Wäre nicht rechts unten Pegasus zu sehen, wäre ein Bezug zu den Musen zweifelhaft, so aber ist er wahrscheinlich.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Engemann, Theaterkultur, 2021. – Engemann, Franziska: „Schon längst ist das Bedürfniß eines neuen Theaters gefühlt worden“. Die Anfänge der Theaterkultur in Altenburg. In: Eckerle, Felix/Müller Harald (Hrsg.): 150 Jahre Theater Altenburg. Die Festschrift. Altenburg 2021, S. 14-19.
  • Facius, Schloßgarten, 1936. – Facius, Friedrich: Der Schloßgarten zu Altenburg. In: Schmidt, Franz P. (Hrsg.): Festschrift zum 250jährigen Bestehen der Landesbibliothek Altenburg. Altenburg 1936.
  • Frenzel, Schlosstheater, 1965. – Frenzel, Herbert A.: Thüringische Schlosstheater. Beiträge zur Typologie des Spielortes vom 16. bis zum 19. Jahrhundert (Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte, 63). Berlin 1965.
  • Langner, Theatergeschichte, 1993. – Langner, Wolfgang: Der Schloßpark – ein wichtiges Kapitel Altenburger Theatergeschichte. In: Altenburgica 2 (2/1993), S. 25-26.
  • Schachtschneider, Opernhaus, 1993. – Schachtschneider, Perdita: Einige Anmerkungen zum „Fürstlichen Opernhaus“ im Schloßgarten. In: Altenburgica 2 (2/1993), S. 28–30.
  • Archivalien:
  • Hopf/Künzl, Ritter, 2021. – Hopf, Udo/Künzl, Uta (Bearb.): Der Hof- und Freskenmaler Johann Heinrich Ritter (um 1680 - 1751). Auswertung der archivalischen Überlieferung in den Belegen der Friedensteinschen Kammerrechnungen für die Jahre 1725-1750 (Künstler auf Schloss Friedenstein in Gotha, 7). Weimar, 04/2021.
  • Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Gotha, Geheimes Archiv OO IV 73/162 (Schnitt und Grundriss des Opernhauses, 1730).
  • Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Gotha, Geheimes Archiv OO IV 73/163 (Aufriss des Opernhauses, 1730).
  • Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Gotha, Geheimes Archiv OO IV 73/186 (Entwurf für Deckenfresko)

Einzelnachweise

  1. Hopf/Künzl, Ritter, 2021, S. 62; Engemann, Theaterkultur, 2021, S. 16-17; Langner, Theatergeschichte, 1993, S. 26; Schachtschneider, Opernhaus, 1993; Frenzel, Schlosstheater, 1965, S. 124-125; Facius, Schloßgarten, 1936, S. 11, 19.
  2. LATh-StA Gotha, Geheimes Archiv OO IV 73/162, Geheimes Archiv OO IV 73/163.
  3. Hopf/Künzl, Ritter, 2021, S. 62; Schachtschneider, Opernhaus, 1993, S. 28-29; Frenzel, Schlosstheater, 1965, S. 124-125.
  4. Hopf/Künzl, Ritter, 2021, S. 62; Schachtschneider, Opernhaus, 1993, S. 28.
  5. LATh-StA Gotha, Geheimes Archiv OO IV 73/186.