Altenburg, ehem Lusthaus Schönhaus
Inventarnummer: cbdd10290
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Das sog. Schönhaus im Altemburger Schlossgarten war ein kleines Lusthaus von 1730-32. Es erhielt 1732 zwei Deckengemälde von Johann Heinrich Ritter. Sie sind heute ebenso wie das Schönhaus zerstört.

Das Schönhaus im Altenburger Schlossgarten

Kurzbeschreibung und Lage
Das Schönhaus[1] stand ehemals im Altenburger Schlossgarten am steilen Abhang des Hussitengrabens. So war das Gebäude an der Eingangsseite eingeschossig, im Graben aber dreigeschossig.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Schönhaus wurde anstelle eines Lusthauses 1730-32 im Auftrag von Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg errichtet. Bereits 1731 erfolgte seine Einweihung anlässlich des Geburtstags des Bauherrn. Erst 1732 schuf Johann Heinrich Ritter zwei Deckenbilder. Nach einem Brandschaden 1945 wurde das Schönhaus vernachlässigt und musste 1955 abgebrochen werden.
Auftraggeber
Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg[2] herrschte von 1693 bis 1732 über das Doppelherzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg. In seiner Regierungszeit baute die Schulden des Landes ab, förderte die Wirtschaft und ließ zahlreiche Schlösser um- und ausbauen. Die Residenzschlösser in Gotha und Altenburg wurden modernisiert, wobei das Corps de logis in Altenburg nahezu einem Neubau gleichkam. Die Ausstattung der Innenräume wurde auf einen modernen Stand gebracht. Oft zierten Deckengemälde die wichtigsten Räume. Der Herzog ließ Jagd- und Lustschlösser umgestalteten und aufwendige Gärten anlegen. 1696 heiratete er Magdalena Augusta von Anhalt-Zerbst. Sie überlebte ihn um acht Jahre. Für sie wurde Schloss Tenneberg von Friedrich II. umgebaut.
Architekten, Künstler
Das Schönhaus wurde nach Entwürfen von Friedrich Wilhelm von Wurmb durch Gottfried Samuel Vater erbaut, die skulpturale Ausstattung schuf Johann Christoph Meil, den Stuck Domenico Castelli; die Deckenmalerei stammte von Johann Heinrich Ritter. Johann Heinrich Ritter[3] war neben Carlo Ludovico Castelli in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts der bedeutendste Künstler, der in Thüringen Deckenmalerei schuf. Er wurde vor allem für die Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg als „Hof al Fresco Maler“ tätig. Neben dem Schönhaus arbeitete er unter anderem in den Residenzschlössern in Gotha und in Altenburg, auf Schloss Tenneberg, in der Stadtkirche in Waltershausen und weiteren Kirchen. Er wurde auch für den Saalfelder und den Rudolstädter Hof tätig und schuf dort in den Residenzschlössern ebenfalls Deckenmalerei. Erhalten hat sich auch das Deckengemälde im so genannten Landhaus Studnitz in Wechmar. Ritter arbeitete nachweislich ab 1716 bis zu seinem Tod 1751. Seine Herkunft und Ausbildung sind unbekannt. Er arbeitete als Vergolder, Tafelmaler, Freskant, Theater- und Festdekorateur. Eine wissenschaftliche Arbeit zu Ritter steht bislang aus.
Beschreibung
Das Schönhaus verfügte an der Eingangsseite über eine große offene Halle, deren Dach von jonischen Vollsäulen getragen worden. Die Säulengliederung setzte sich am wesentlich kleineren überkuppelten Hauptbau mit Pilastern fort. Dieser nahm im Eingangsgeschoss einen runden Saal mit Laterne auf. An drei Seiten gewährten große Fenster den Blick in den Garten; an der vierten Seite befand sich die Eingangstür. Zwischen Halle und Saal vermittelte ein kurzer Flur, von dem zwei Nebenräume abgingen – ein Kabinett und ein Abtritt. Im Untergeschoss befand sich eine Küche, die aber nur über eine Außentreppe erreicht werden konnte. Für die Speisen gab es im Saal eine versenkbare Tafel, die so in der Küche gedeckt und anschließen in den Saal emporgefahren werden konnte.
Zwischen Vorhalle und Saal lag ein Vestibül, das von je einem Kabinett begleitet wurde (Abb. 75). Der Zugang zum Untergeschoß, wo sich die Küche befand, war nur über eine Außentreppe möglich. Insofern stellt die versenkbare Tafel auch eine Notwendigkeit dar, da man die Speisen aus der Küche sonst durch das Freie hätte transportieren müssen.
Schrift- und Bildquellen
Verschiedene Fotos, historische Entwürfe und Inventare ermöglichen eine annähernde Rekonstruktion des Gebäudes.
Die Vorhalle
Beschreibung
Die Vorhalle[4] war nach drei Seiten hin geöffnet. Gekuppelte Vollsäulen trugen ihr Dach. Hier stand eine Bacchus- und eine Faunstatue.
Das Deckengemälde
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die flache Decke des Vorhalle zierte gemäß Archivalien ein Deckenfresko, dass Johann Heinricht Ritter im Frühsommer 1732 schuf.
Beschreibung und Ikonographie
Es hat sich ein Entwurf[5] für das Deckengemälde von 1731 erhalten. Es zeigt einen Wolkenhimmel mit Eulen und Fledermäusen. In der Mitte ruht Venus mit den Abendstern über dem Haupt. In ihrem Schoß schläft Amor. Zwei schnäbelnde Tauben rechts sind als Attribute der Venus beigegeben. Das Blatt ist rechts unten beschriftet: „ Dieser Plafond in den VorSaal des Lusthauses im Altenburgischen Wäldchen ist verdungen worden, vor 28 Thaler, jedoch daß alles wohl gemahlet und nach diesen Dessein executiret werde, Gotha d. 29. Jun. 1731, Wurmb“.
Der Saal
Beschreibung
Der runde Saal[4] im Lusthaus war von einer Kuppel mit Laterne überdacht. Seine Wände wurden von korinthischen Pilastern gegliedert. Zwischen den Fenstern und Türen waren vier Nischen in die Wand eingelassen. Nischen und Spiegel präsentierten Wappenschilde sowie Schilde mit den Initialen des Bauherrn F(riedericus) D(ux) S(axoniae). Zur Ausstattung gehörten ferner zwei Skulpturen von Diana und Venus. Zwei marmorne Kamine dienten der Beheizung.
Die Deckenmalerei
Beschreibung und Ikonographie
Die Kuppel über dem Saal erhielt die illusionistische Malerei einer Kassettierung.
Bibliographie
- Literatur:
- Faicus, Friedrich II., 1932. – Facius, Friedrich: Staat, Verwaltung und Wirtschaft in Sachsen-Gotha unter Herzog Friedrich II. (1691-1732). Eine Studie zur Geschichte des Barockfürstentums in Thüringen (Mitteilungen des Vereins für Gothaische Geschichte und Altertumforschung e.V. Beiheft zum Jahrgang 1932 und 1933). Gotha 1932.
- Facius, Schloßgarten, 1936. – Facius, Friedrich: Der Schloßgarten zu Altenburg. In: Schmidt, Franz P. (Hrsg.): Festschrift zum 250jährigen Bestehen der Landesbibliothek Altenburg. Altenburg 1936.
- Huschke, Ernestiner, 1982. – Huschke, Wolfgang: Politische Geschichte von 1572 bis 1775. Die Ernestiner. In: Patze, Hans/Schlesinger, Walter (Hrsg.): Geschichte Thüringens, Bd. 5. Tl. 1 (Mitteldeutsche Forschungen 45/V/1/1). Köln/Wien 1982.
- Künzl, Schloßgarten, 1993. – Künzl, Uta: Archivalische Fakten zu ausgewählten Bauwerken im Altenburger Schloßgarten. In: 400 Jahre Schloßpark Altenburg (Altenburgica, 2). Altenburg 1993, S. 19-25.
- Künzl/Keil, Schloss, 2011. – Künzl, Uta/Keil, Toralf: Das Altenburger Schloss in Wort, Bild und Ton. Altenburg 2011.
- Laß, Lustschlösser, 2006. – Laß, Heiko: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben. Dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Petersberg 2006.
- Archivalien:
- Hopf/Künzl, Ritter, 2021. – Hopf, Udo/Künzl, Uta (Bearb.): Der Hof- und Freskenmaler Johann Heinrich Ritter (um 1680 - 1751). Auswertung der archivalischen Überlieferung in den Belegen der Friedensteinschen Kammerrechnungen für die Jahre 1725-1750 (Künstler auf Schloss Friedenstein in Gotha, 7). Weimar, 04/2021.
- LATh-StA Altenburg, Haus- und Privatarchiv, Nr. 1668. (Inventar des Schloßgartens, 1782/91).
- LATh-StA Altenburg, Haus- und Privatarchiv Nr. 1669. (Inventar des Schloßgartens, 1732).
- LATh-StA Gotha, Geheimes Archiv OO IV Nr. 73, Blatt 157, 158, 163 a,164, 166 (Aufrisse, Schnitte, Grundrisse, Dachkonstruktionsplan für das Schönhaus, ca. 1730).
- LATh-StA Gotha, Geheimes Archiv OO IV Nr. 73, Blatt 64 (Grundrissentwurf zum Schönhaus, ca. 1730).
- LATh-StA Gotha, Geheimes Archiv OO IV Nr. 73, Blatt 185 (Entwurf für ein Deckengemälde im Schönhaus von J.H. Ritter).
- LATh-StA Gotha, Geheimes Archiv OO IV Nr. 73, Blatt 45 (Entwurf für eine Wandnische im Schönhaus. ca. 1730).
Einzelnachweise
- ↑ Hopf/Künzl, Ritter, 2021, S. 69-70; Künzl/Keil, Schloss, 2011, S. 214-216; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 80, 409; Künzl, Schloßgarten, 1993, S. 23-24; Facius 1936, S. 19-20.
- ↑ Laß, Lustschlösser, 2006, S. 241-246; Huschke, Ernestiner, 1982, S. 398-427; Facius, Friedrich II., 1932.
- ↑ Hopf/Künzl, Ritter, 2021.
- ↑ 4,0 4,1 Hopf/Künzl, Ritter, 2021, S. 69-70; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 409.
- ↑ LATh-StA Gotha, Geheimes Archiv OO IV Nr. 73, Blatt 185.