Zum Inhalt springen

Altdöbern, Rittersitz

Aus Deckenmalerei-Lab
Oertel-Pohl, Christina:Altdöbern, Rittersitz, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/c8410354-af06-4a43-acc6-c5e771a1c9a0

Inventarnummer: cbdd10369

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Das Objekt ist noch in Bearbeitung

Der Rittersitz Altdöbern ist noch in Bearbeitung

Geschichte und Beschreibung

Der Ort Altdöbern, im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, liegt 25 km südwestlich der Stadt Cottbus. Der Ort war von 1656 bis 1815 Teil des Kurfürstentums, später Königreichs Sachsen und wurde erst nach den Befreiungskriegen wieder Brandenburg zugeschlagen. Altdöbern wurde das erste Mal 1285 erwähnt[1]und seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts als Rittersitz und Marktflecken benannt[2]. Nachdem in den folgenden 300 Jahren der Gutsbesitz immer wieder den Besitzer wechselt, erwirbt ihn schließlich im Jahr 1712 der sächsische General Alexander Dietrich von Eickstedt.

Das Gut Altdöbern hatte Jahre vorher dem Großvater seiner Frau, einer geborenen Knoch, gehört, sodass der Ankauf nach dem Tod des nunmehrigen Besitzers, des Hofmarschalls von Bomsdorf, die Familienbesitzungen wieder zueinander führte.

General von Eickstedt ließ den vorherigen Renaissancebau: „wohl im Herbst 1717 ganz oder teilweilse nieder[legen] und sofort de[n] Neubau beg[i]nnen“ [3]. Er errichtete anschließend eine zweigeschossige Dreiflügelanlage, deren Fundamente und Teile des Erdgeschosses aus dem Vorgängerbau übernommen wurden. So erklären sich auch die ungewöhnliche Ausrichtung des Ehrenhofes zur Parkseite und das Kreuzgratgewölbe im Vestibül. Das Haus stand auf einer rechtwinkligen Insel, die von einem breiten Graben umgeben war. Eine Holzbrücke führte zu dem Anwesen.

Der Hauptbau zeigte eine schlichte Fassade mit wenigen Ornamenten. Ein Mittelrisalit betonte den Haupteingang mit darüberliegenden Fenstern und die beiden Eckrisalite an den Seiten umschlossen jeweils eine Fensterachse in vertikaler Richtung. Zwischen dem Erd- und Obergeschoss wurden Kartuschen in die Fassade eingelassen[4]. Über den beiden Geschossen war ein hohes Mansarddach aufgebaut, welches aufgrund von drei parallel verlaufenden Reihen von halbrunden Dachfensten, auf noch drei weitere Geschosse für die Bediensteten schließen lässt. Damit war in seiner Proportionierung das Dach größer als der eigentliche Bau darunter.

Hinter dem gepflasterten Ehrenhof führte in Verlängerung der Mittelachse eine Holzbrücke von der Insel wieder hinunter in den hinteren Garten. Dieser war dem Zeitgeschmack entsprechend in Bosketts und einzelne Kompartimente aufgeteilt.

Nach dem Tod des Generals im Jahr 1727 ging das Gut an seinen Sohn Heinrich Alexander über. Dieser entzog sich jedoch zweimal der Lehnspflicht für den sächsischen Kurfürsten, da er in preußische Dienste eingetreten war[4].

1742/43 wird ihm das Gut entzogen und von Sachsen verwaltet, bevor der Vertraute des Grafen Brühl, Karl Heinrich von Heineken, im Jahr 1748 das Herrenhaus kauft.

Karl Heinrich von Heineken entstammte einer Künstlerfamilie aus Lübeck. Er hatte Literatur und Recht in Leipzig studiert und bildete sich selbst zum Kunstkenner aus. Nachdem er über private Vermittlung als Erzieher beim Premierminister Graf Sulkowsky in Dresden tätig war, wurde er nach dessen Sturz 1739 Bibliothekar beim neuen Premierminister Graf Brühl[5]. Heineken wurde in der darauffolgenden Zeit der persönliche Sekretär des Ministers und damit zuständig als Kunstbeschaffer und Aufseher über dessen Haus-und Wirtschaftskasse[6]. Er übernahm die Leitung der Kupferstichsammlung und die Oberaufsicht über die Bildergalerie[4]des Königs. Entsprechend besaß er ein Netzwerk aus Künstlern und Kunstagenten, welche er auch für seinen Landsitz in Altdöbern in Anspruch nahm. Er begann mit der Umgestaltung des Gartens und ließ den Teil des Teiches vor dem Schloss zuschütten und die Brücke entfernen[5]. Nach dem Tod des Schwiegervaters im Herbst 1749 begann dann auch der Ausbau des Hauses. Dabei hat ihm vermutlich der Dresdner Baumeister Johann Christoph Knöffel entsprechende Pläne oder Zeichnungen geliefert[7]. Der Umbau war bereits nach einem Jahr abgeschlossen, wie eine Inschrift im Treppenhaus bezeugt[8].

Dabei ließ Heineken das Dach abnehmen und ein drittes Vollgeschoss aufsetzen. Das neue Dach wurde wieder in gleicher Form als Mansardwalmdach errichtet. Die Fassade gestaltete er neu und ließ zusätzlich zum neuen Putz, eine polychrome Lisengliederung aufmalen. Zusammen mit der plastischen Dekoration aus Sockel-, Gurt- und Traufgesimsen, sowie einer Wappenkartusche über dem Haupteingang, bildeten diese Maßnahmen eine eher zurückhaltende Ansicht der Schlossfront[9].

Die innere Raumstruktur wurde bei den Umbauten nicht verändert. Es wurde lediglich eine neue, repräsentative Treppe seitlich des Vestibüls eingebaut und das nunmehr neu entstandene zweite Obergeschoss als Privatbereich eingerichtet. Es befanden sich dort die Schlaf-, Wohn- und Visitenzimmer für den Hausherrn und seine Gattin, sowie vier Gastzimmer und die Bibliothek[10]. Die Räume im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss wurden dem Zeitgeschmack entsprechend neu ausgestattet. Bis heute haben sich Reste dieser Dekoration in sechs Räumen erhalten.

Nach dem Tod von Carl Heinrich von Heineken 1791 verkaufte sein Sohn das Anwesen. Es wechselte wieder mehrmals den Besitzer und ging schließlich an Heinrich Hartmann Friedrich von Witzleben über[11]. Dieser ließ das Schloss von einem Berliner Architekturbüro grundlegend umbauen und umformen. An die beiden Seitenflügel wurden Neorenaissancetürme mit Zwiebelhaube angesetzt und der Ehrenhof mit einer überdachten, zweigeschossigen Halle geschlossen[1]. Die Fassade wurde vollständig mit Sandsteinplatten verblendet und ab 1887 ließ dann die Ehefrau des Besitzers, Marie von Witzleben, noch zusätzlich auf der östlichen Seite einen eigenständigen Bautrakt im Stil der Romanik errichten. Im Inneren hatte vor allem der Einbau der Halle enormen Einfluss auf die Räume, da teilweise Fenster und Türen vermauert wurden. So wurden zum Beispiel im ehemaligen Festsaal alle Fenster an den Längsseiten vermauert und damit war eine natürliche Belichtung nicht mehr möglich.

1914 übernahm die Landgesellschaft „Eigene Scholle“ Altdöbern und verkaufte es 1917 an den jüdischen Zigarettenfabrikanten Eugen Garbaty, der jedoch 1938 enteignet wurde[11]. Daraufhin gelangte das Gut in den Besitz der Familie Detmold-Lippe, die es bis 1945 behielt. Danach wurde das Schloss in ein Alten- und Pflegeheim umgewandelt und stand ab Mitte der siebziger Jahre leer[5]. Seit 1997 ist das Herrenhaus im Besitz der Brandenburgischen Schlösser GmbH, die es restauriert und saniert hat.

Die Malerei in Altdöbern

Geschichte, Beschreibung und Ikonographie

Nachdem Carl Heinrich von Heineken das Gut Altdöbern mit Hilfe des Grafen Brühl und seines Schwiegervaters, dem Hofküchenmeister Johann Jacob Nöller, kaufen konnte, begann er im Herbst 1749 mit dem Um- und Ausbau des Herrenhauses.

Den größten Wert legte er dabei auf eine neue, repräsentative Ausstattung. Als einer der engsten Vertrauten des Premierministers und Verantwortlichen für die sächsische Kunstpolitik zeigte er bei seinem Landsitz ein außerordentlich hohes Repräsentationsbedürfnis[12]. Er engagierte für die Ausstattung vor allem Dresdener Hofkünstler, die er bereits kannte und selbst protegiert hatte[13]. So lassen sich ähnliche Ausstattungen auch für andere Schlösser der Zeit nachweisen. Allerdings haben sich nur wenige erhalten und so lässt sich Altdöbern mit seiner Dekoration nur noch mit dem Jagdschloss Hubertusburg in Wermsdorf und den Brühl´schen Schlössern in Nischwitz und Martinskirchen vergleichen[5]. Entsprechend der Zeit waren vor allem die Hauptrepräsentationsräume im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss aufwendig gestaltet. Die privaten Bereiche waren eher schlicht und zurückhaltend eingerichtet. Bis heute haben sich in 6 Räumen Wand- und Deckenmalerei erhalten. In einer umfassenden Sanierung wurden diese Dekorationen wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt und haltbar gemacht.

Das Vestibül und seine Malerei

Das Vestibül

Hinter dem Eingang betrat der Besucher durch ein kleines Foyer das Vestibül. Es stammte noch vom Vorgängerbau und zeigt bis heute ein Kreuzgratgewölbe. Sowohl die Wände, wie auch die Decken sind bemalt.

Die Wandmalerei des Vestibüls

Die Wandmalerei

Die Wände gliedern sich in eine Sockelzone mit quadratisch aufgemalter Gliederung und einer oberen Wandzone. In diesem oberen Bereich sind Wandfelder eingelassen, die von Rocaillen und Blumenarrangements in monochromer Farbvariation gerahmt werden. Die Felder selbst zeigen Putten in Grisaillemalerei, welche mit Tätigkeiten des Landlebens, wie Holzlese, Schafhüten oder Angeln beschäftigt sind[14].

Die Deckenmalerei des Vestibüls

Die Deckenmalerei

Die Decke zeigt einmal in den Gewölbezwickeln Kartuschen mit ländlichen Geräten. Auf dem Gewölbe selbst sind im Bereich des Wandanschlusses in nordwestlich und südöstlicher Ausrichtung zwei weibliche, sitzende Figuren dargestellt. Die Figur im NW-Teil gießt Flüssigkeit aus einer Kaffeekanne in eine Tasse und ihr gegenüberliegend hält die Figur mit ihrem linken Arm einen tiefen Teller, auf dem eine Ente (oder ein kleiner Schwan?) sitzt. Auf den Gewölbedecken sind wieder Putten in dichten Wolkengebilden zu sehen. Sie halten Weinranken als Girlanden in den Händen oder verstecken sich halb hinter den Wolken. Im gesamten Vestibül sind vor allem die Farben Grau und Grün vorherrschend. Da das Vestibül ursprünglich einen Durchgang zum Ehrenhof und Garten bot, lässt sich hier die Verschränkung von Innen-und Außengestaltung beobachten. Der Raum sollte sicherlich den Eindruck eines Gartensalons assoziieren[14].

Der Tafelsaal und seine Malerei

Der Tafel-Saal

Gleich rechts vom Foyer lag der sogenannte Tafel-Saal[15]. Es handelt sich dabei um einen in grün gehaltenen Raum, welcher mit Boiserie und Wandbildern geschmückt ist.

Die Wände

Die Wandeinteilung über der Sockelzone zeigt abwechselnd Pilaster und Täfelungen aus drei verschieden großen, geschwungenen Feldern[16]. Auf dem mittleren, größten Feld waren Gemälde angebracht. Von den ursprünglich sieben Gemälden sind drei erhalten geblieben. Sie zeigen Szenen aus dem holländischen Bauernleben nach Motiven David Teniers[5]. Die drei Bilder zeigen einmal Bauern beim Kegeln, dann zu Dritt in einer Unterhaltung, auf Stöcke gestützt und auf dem letzten Bild mit Bierkrügen in der Hand, vermutlich vor einem Gasthaus, während ein weiterer Bauer gerade auf der rechten Seite neues Bier aus einem Fass zapft. Alle Darstellungen sind wie der Raum, ebenfalls in Grüntönen gehalten. Die Figuren stehen im Bildvordergrund, während um sie herum ein typisches Bauernhaus steht und sich dahinter die flache Landschaft erstreckt. Einzelne, hochgewachsene Bäume im Mittelgrund trennen die Szenerie in Vorder- und Hintergrund. Der Künstler dieser Leinwandbilder ist nicht bekannt[17]

Die Decke

Aufgrund dieser Darstellungen wurde der Raum auch als Holländischer Saal bezeichnet. An der Decke waren vereinzelt Stuckelemente angebracht, welche sich vornehmlich an den Mittelachsen und in den Ecken konzentrierten[16]. Eine Deckenmalerei existierte nicht.

Die Haupttreppe

Die Haupttreppe

Links vom Vestibül ließ Heineken 1750 ein neues, repräsentatives Treppenhaus einbauen. Es lief über drei Absätze um ein Auge herum und führte im Obergeschoss in die Audienzzimmer und den Festsaal.

Die Wandmalerei

Die Wände waren mit Architektur-Perspektivmalerei vom Maler Joseph Krinner verziert. Dieser Künstler stammte aus Bratislava und ist nur noch Altdöbern zweifelsfrei nachzuweisen, da er sein Arbeit signiert hat[18]. Die Malerei zeigte illusionistische Architektur mit Pilastergliederung und dazwischen Ausblicke in idealisierte Parklandschaften. Die Architektur war dabei durch verschiedenfarbige Marmor- Stein- und Putzarten so realistisch wie möglich angelegt. Die Decke war ebenfalls vollständig bemalt. Die Rahmung an den Seiten bildeten dabei Scheinbalustraden, muschelbekrönte Ecknischen und kleine Säulchen[13].

Die Deckenmalerei

Der Plafond wurde von Franz Karl Palko mit einer Allegorie der Nacht bemalt. Im Laufe der Jahre gab es einige Übermalungen, zum Teil so stark, dass bei einer Restaurierung Ende des 19. Jahrhunderts aus der weiblichen Figur ein Jüngling wurde. Die Restaurierung der letzten Jahre hat dies nun wieder rückgängig gemacht.

Die ursprüngliche Konzipierung lässt sich durch eine Federzeichnung des Künstlers nachweisen. Darauf ist eine auf einer Wolke und Mondsichel die sitzende Göttin der Nacht, Nox, mit einem schlafenden Kind im linken Arm, dargestellt. Mit dem rechten Arm hält sie ein Band ausgestreckt von sich, während hinter ihr noch ein weiteres Kind zum Vorschein kommt[19].

In einer Schrift von 1788 wird erklärt, dass zu einer Allegorie der Nacht jeweils zwei Kinder gehören, eines von schwarzer und eines von weißer Farbe. Der Maler hat in diesem Werk in den Haaren und dem Hautton darauf Bezug genommen. Diese Kinder symbolisieren den Schlaf und den Tod, da sie auch Kinder der Nacht genannt werden[20]. Dazu gehört auch der Putto, welcher von der gegenüberliegenden Seite mit einer Fackel zu ihr schwebt und der Abendstern dahinter.

Das Gemälde von Palko gehört zu den Frühwerken des Malers. Der in Preßburg und Wien ausgebildete Künstler wurde 1749 wahrscheinlich auf Vermittlung Heinekens von Brühl eingestellt und zwei Jahre später, 1752, zum Hofmaler ernannt[21]. Er malte in Dresden unter anderem die Nepomuk-Kapelle in der Hofkirche aus.[22]

Der Kleine Saal

Der Kleiner Saal

Vom Treppenhaus gelangte der Besucher geradeaus in den sogenannten Kleinen Saal. Er bildete den Vorraum zu den dahinterliegenden Paradezimmern und war rechteckig. An seiner Nordwand zeigten vier Fenster in den Hof und Garten.

Die Wandmalerei des Kleinen Saals

Der Raum war komplett mit Architekturmalerei ausgestattet. Diese bildete mit scheinbaren Steinnischen und aufgemalten Zierrahmen den Hintergrund für sechs al fresco auf Stein gemalte Gesellschaftsstücke. Je zwei Bilder an den drei Wänden. Neben der Eingangstür war ein philosophierender Kavalier auf einem Stuhl im Park zu sehen. Er hielt ein Buch in der Hand und neben sich einen kleinen Hund. Seine Darstellung ähnelte dem Hausbesitzer Heineken[23]. Auf der anderen Türseite war dazugehörend die Hausherrin dargestellt. Sie saß ebenfalls auf einem Stuhl und las ein Buch. Im Gegensatz zu ihrem Mann, befand sie sich jedoch in einem Raum und hatte neben sich ein kleines Kätzchen[10]. Entlang der Längswand waren zwischen den drei Türen, zwei Bilder aufgemalt. Auf dem linken Bild überreichte ein junger Kavalier einer Frau in Gegenwart ihrer Mutter einen Blumenstrauß und auf dem Bild daneben sah der Besucher eine junge Dame, die an ihrem Frisiertisch saß. Ihre Zofe kämmte ihr gerade das Haar, während sie einem Kavalier, der ihr gegenüber sitzt, aus einem Buch vorliest[10]. Dass dieser von dem Gehörten berührt ist, zeigt seine Geste, bei der er seine Hand auf sein Herz legt.

Gegenüber der Eingangstür waren noch einmal zwei Bilder zu sehen. Sie zeigten den Wettstreit zwischen künstlicher und natürlicher Musik[10]. Auf der Südwand war eine Dame in einem Zimmer am Klavier dargestellt. Ihr gegenüber sah man auf der Nordseite einen jungen Galan auf einem Stuhl unter einem Baum im Park sitzen. Er hörte dem Gesang eines Pirols zu, der auf einem Ast über seinem Kopf saß. Der Künstler dieser Malereien ist bisher unbekannt geblieben. Frau Riedel-Bröker verweist auf französische Stiche der siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts. Das hieße, dass diese Malereien auch erst sehr viel später als die Rahmungen entstanden denn die illusionistische Architekturmalerei wird wieder Joseph Krinner, und damit der Bauphase 1749- 1750, zugerschrieben[24].

Das Rosa Boiserie Zimmer

Das Rosa Boiserie Zimmer

Auf der Südseite des Hauses, zur Straße und dem Haupteingang gelegen, waren die drei Paradezimmer eingerichtet. Vom Kleinen Saal aus gelangte man in das erste Paradezimmer. Dieser Raum war mit Stuckdecke und vergoldeten Wandumrahumungen für Stoffbespannungen verziert. Es gab über den drei Türen Supraporten-Gemälde, die aber verschollen sind und zu denen weder fotografische, noch schriftliche Überlieferungen existieren[25]. In östlicher Richtung schloss sich das Rosa-Boiserie- oder Watteauzimmer an[26].

Der Raum liegt an der Süd-Ost-Ecke des Hauptbaus und wurde als Einziger von Heineken in seinen Künstlernachrichten selbst erwähnt.

Die Wände und die ehemals in sie eingelassene Malerei

Die Wände waren holzverkleidet und durch Pilaster in regelmäßigen Abständen vertikal unterteilt. Auf den Pilastern waren Rahmen aus vergoldeten Leisten mit geschwungenen Ornamenten oben und unten angebracht. Dazwischen standen auf kleinen verzierten Konsolen Figürchen und Gruppen aus Meißner Porzellan[10]. Zwischen den Pilastern hingen in zierlichen, wiederum vergoldeten, Rokokorahmen sechs großformatige Leinwandbilder. Sie waren ebenso wie die drei Supraporten in dem Raum vom Dresdner Hofmaler Christian Wilhelm Ernst Dietrich geschaffen worden[27]. An der Ostseite, am Ende der Enfilade und an der Nordseite, über dem Kamin, waren große, gerahmte Spiegel angebracht.

Die Bilder von Dietrich zeigten verschiedene Szenerien im Stil von Watteau. Die Gemälde mit der Darstellung einer Wahrsagerin und zwei Paaren als Schäfer sind fotografisch dokumentiert. Auf einem weiteren Foto lässt sich ein drittes Gemälde mit Damen im Park und stehender Knabenfigur nachweisen. Zusätzlich gibt es eine Fotografie auf der neben dem Kamin jeweils ein schmaleres Gemälde mit einer Dame und einem Herrn in tänzerischer Bewegung zu sehen sind[13]. Schmidt hat in seiner Beschreibung des Raumes 1930 von Schäfer und Liebesszenen gesprochen, bei denen: „[…] Gott Amor in allen möglichen Stellungen auftritt.“[10]. Anhand der heute noch vorhandenen Fotografien lässt sich diese Interpretation des Raumprogramms nicht mehr nachweisen. Jedoch ist das Sujet der Galanterie unverkennbar. Von den Supraporten sind noch zwei Radierungen erhalten geblieben, die von Carl Friedrich von Heineken, dem Sohn, angefertigt wurden. Sie zeigen ein musizierendes Schäferpaar und Putten beim Fischfang und der Vogeljagd[28]. Allerdings treten die Putten paarweise in Erscheinung und liegen zum Teil aneinander gekuschelt (beim Fischfang) oder Arm in Arm in Erscheinung. Ein weiterer Putto schießt gerade einen Pfeil ab, der in seiner Darstellung eher an Amors Liebespfeile erinnert. Daher wird hier nicht so sehr auf die Themen des Vestibüls rekuriert[29], sondern, wie schon in den großformatigen Bilder, die Liebe und das Zusammensein thematisiert.

Das sog. Kleine Vorhaus

Das Kleines Vorhaus

Vom Haupttreppenhaus aus gelangte man, in nördlicher Richtung, durch das Kleine Vorhaus in den Festsaal. Das Kleine Vorhaus war enstanden, um die dahinterliegende, ältere Treppe, welche nur noch von Bediensteten genutzt wurde, zu kaschieren und dem Besucher eine repräsenative Zugangsmöglichkeit zum Marmorsaal zu bieten.

Es war, wie das Haupttreppenhaus mit illusionistischer Architekturmalerei verziert, die den Eindruck von einem abgestuften Wandsystem vermitteln sollte.[30]

Der Hauptsaal

Der größte Raum im Haus war der Festsaal im östlichen Seitenflügel. Er war an den Wänden durch verschieden farbigen Stuckmarmor in Wandfeldern gestaltet und mit versilberten Stuckornamenten verziert. An der Decke war ein hellblauer Plafond gemalt, der durch eine seitliche Bemalung in Form von einem umlaufenden Spalier, den Himmel suggerieren sollte. Gegenüber dem Eingang, hing über dem Kamin ein großformatiges Porträt des Grafen Brühl, dem Vorgesetzten des Hausbesitzers.

Die Räume des zweiten Obergeschosses

Die Räume im zweiten Obergeschoss dienten der Familie als private Wohn-und Schlafbereiche, sowie Gästezimmer und Bibliothek[10].

In zwei dieser Räume gab es Leinwandtapeten mit Chinoiserien. Diese Darstellungen des Exotischen zeigten hier Szenen mit Chinesen auf rotem Grund und Affen auf blauem Grund. Beide Tapeten wurden wahrscheinlich in der Brühlschen Fabrik in Pförten hergestellt und die Vorlagen vom Maler Franz Palko gezeichnet[10]. Der spätere Besitzer Graf von Witzleben ließ diese Tapeten zerschneiden und als Schmuck für die neu geschaffenen Lichthalle im ehemaligen Ehrenhof verwenden.

Die kleine Treppe

  1. 1,0 1,1 Barth, Herrenhäuser, 2012.
  2. Bergau, Inventar, 1885.
  3. Zit. nach: Schmidt, Schloss Alt-Döbern, 1930, S. 60.
  4. 4,0 4,1 4,2 Schmidt, Schloss Alt-Döbern, 1930.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 Ebd.
  6. Czech, Burgen, 2007.
  7. Riedel-Bröcker,
  8. Inschrift im neugemalten Treppenhaus: Joseph Krinner pinxit 1750
  9. Zit. nach: Riedel-Bröcker, Altdöbern, 1998, S. 6.
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 10,4 10,5 10,6 10,7 Schmidt, Alt-Döbern, 1930.
  11. 11,0 11,1 Badstüber-Gröger, Altdöbern, 1995.
  12. Riedel-Bröcker, Altdöbern, 1998.
  13. 13,0 13,1 13,2 Liebsch, Innenausstattung, 2018.
  14. 14,0 14,1 Vgl. Riedel-Bröcker, Altdöbern, 1998.
  15. Bezeichnung nach Talon, der 1763 eine Durchsuchung von Schloss Altdöbern auf königlichen Befehl vornahm.
  16. 16,0 16,1 Zit. nach Liebsch, Innenausstattung, 2018, S. 292.
  17. Liebsch schließt hier wegen der „handwerklichen“ Ausführung die Maler Torelli, Dietrich oder Palko aus und vermutet eine Auftragsvergabe nach Stichvorlagen aus der eigenen Sammlung. (vgl. S. 293.)
  18. „Joseph Krinner pinxit.1750“ findet sich oberhalb einer gemalten Scheintür.
  19. Zit. nach Liebsch
  20. Moritz, Allegorien, 1788.
  21. Riedel-Bröcker,Altdöbern, 1998.
  22. Andere Werke schuf er, laut Liebsch, später vor allem in Böhmen bzw. Prag.
  23. Schmidt, Riedel-Bröker, Liebsch
  24. Riedel-Bröker, Alt-Döbern, 1998.
  25. Auch Schmidt erwähnt in seiner Beschreibung allein „drei Übertürstücke“. Zit.: Schmidt, Alt-Döbern, 1930, S. 86.
  26. In der Literatur gibt es unterschiedliche Angaben. Schmidt bezeichnet das zweite Paradezimmer als Rosa-Boiserie-Zimmer, aber Riedel-Bröker konnte nachweisen, dass bereits im Inventar von Talon 1763 der südöstliche Eckraum diesen Namen trug. Die Bezeichnung Watteauzimmer stammt wohl eher aus späterer Zeit.
  27. Heineken schreibt in seinen Nachrichten: „Man findet auch ein ganzes Zimmer von sechs Feldern und drey Thürstücken, zu Altdöbern, einem Landguthe in der Niederlausitz, welches er aus Freundschaft in seiner besten Zeit gemalt hat“ Zit. nach Heineken, 1786, S. 14.
  28. SKD – KK, Inv.-Nr. A 1984-730; SKD – KK, Inv.-Nr. A 148954
  29. Liebsch vertritt hier diesen Zusammenhang.
  30. Riedel-Bröker, Altdöbern, 1998.